Gitarre Hersteller_Schecter
Test
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17.06.2020

Schecter Nick Johnston Traditional HSS Test

E-Gitarre

Variabler Familienzuwachs

Die Schecter Nick Johnston Traditional HSS ist dem kanadischen Gitarristen Nick Johnston auf den Leib geschneidert, der vielen Gitarreninteressierten von seinem Youtube-Channel bekannt sein dürfte, zumal er inzwischen fünf Alben veröffentlicht und die Welt mehrfach für zahllose Clinics umrundet hat.
Schecter hatte dem Flitzefinger bereits ein Signature-Modell aus dem US Custom Shop gewidmet, das erwartungsgemäß nicht gerade als Schnäppchen zu haben ist. Mit unserem heutigen Testinstrument ändert sich das nun, denn die Gitarre stammt aus Indonesien und wird dementsprechend deutlich günstiger angeboten. Ich bin sehr gespannt, wie sich das günstigere Modell schlagen wird, denn die Custom-Shop-Ausgabe hinterließ im Test einen sehr guten Eindruck.

Details

Die Schecter Nick Johnston Traditional orientiert sich an einem der Klassiker schlechthin, der Fender Stratocaster, wie das auch bei der Custom-Shop-Signature der Fall ist. Deren Test kann man übrigens hier nachlesen.
Auffälligster Unterschied zum traditionellen Vorbild und zur Custom-Shop-Schwester ist neben dem Herkunftsort unserer Testkandidatin die Verwendung eines Humbuckers anstelle eines Singlecoils am Steg, ansonsten ergeben sich auf den ersten Blick keine großen Differenzen. Aber graben wir einmal tiefer.

Korpus:

Unsere Probandin wird in einem Karton geliefert, indem sich auch Werkzeuge zum Einstellen und ein Tremoloarm befinden. Der Double Cutaway-Body besteht aus Erle, wobei sich nicht herausfinden lässt, wieviele Teile dazu verwendet wurden, da die "Atomic Frost" Lackierung perfekt und deckend aufgetragen wurde.

Die Oberseite besitzt eine ergonomische Armausfräsung und ein dreilagiges Schlagbrett, das mit elf Schrauben befestigt ist und zwei Singlecoils in der Hals- und Mittelposition beherbergt. Diese stammen von Schecter und wurden den Wünschen Nick Johnstons angepasst. In der Stegposition kommt ein Schecter Diamond 78 Doppelspuler mit Chromkappe zum Einsatz, der mit der ebenfalls verchromten sonstigen Hardware wunderbar harmoniert. Die Tonabnehmer lassen sich mit einem Fünfwegschalter anwählen, daneben stehen je ein Volume- und ein Tone-Regler bereit, wobei letzterer als Push/Pull-Ausgabe den Doppelspuler splittet.

Die Saiten werden rückseitig durch das Schecter Diamond Vintage Tremolo geführt und treten vorne in der Tremoloeinheit aus. Bei den Drähten präferiert Johnston Ernie Ball Regular Slinkys in der Stärke .010-.046.
Der mitgelieferte Tremoloarm wird gesteckt und lässt sich mittels einer kleinen Madenschraube in seiner Gängigkeit einstellen. Die Saitenreiterchen können wie gewohnt individuell vertikal und horizontal eingestellt werden. Die Tremoloeinheit wird mit zwei Schrauben fixiert, arbeitet nach dem Messerkantenprinzip und lässt ein Hochziehen der Saiten um einen Halbton zu.

In Richtung Verstärker geht es über die in der unteren Zarge verbaute Klinkenbuchse, die beiden Gurtpins im oberen Horn und der unteren Zarge wurden zum Schutz des Lacks unterlegt, sehr gut!
Die Rückseite der Traditional HSS ist, wie bei einer Strat, ergonomisch ausgefräst und besitzt ein Tremolofach, das von einem schwarzen Plastikdeckel verschlossen wird. Die gesamte Elektrik befindet sich natürlich unter dem Schlagbrett.

Hals:

Auch hier gibt es keine großen Überraschungen, denn der Hals besteht wie üblich aus Ahorn, genauer gesagt aus geröstetem Ahorn, wie es zurzeit ausgesprochen gerne verbaut wird, und dementsprechend auf zahlreichen Instrumenten unterschiedlicher Hersteller zu finden ist. Der mit vier Schrauben spielfrei am Korpus fixierte Hals besitzt ein "Thin C"-Profil und ein Ebenholzgriffbrett, das mit einer 14" (355 mm) Wölbung versehen ist und 22 X Jumbo-Bünde beherbergt. Diese sind zwar tadellos eingesetzt, jedoch nicht perfekt abgerundet - schade eigentlich, denn ansonsten zeigt die Verarbeitung keinerlei Schwächen. Aber bei einem Instrumentenpreis um 1000 Euro sollte dies meiner Meinung nach kein Thema sein.

Zur Orientierung auf dem Griffbrett haben sich der Namensgeber und Schecter etwas besonderes einfallen lassen, denn hier kommen Kupferringe zum Einsatz, die der Gitarre einen eigenen Charakter (zumindest optisch) verleihen. Kleine Punkteinlagen in der Halskante dürfen dabei natürlich auch nicht fehlen.
Der Zugang zum Halsspannstab befindet sich nicht hinter dem schwarzen, 42 mm breiten Graph Tech Black Tusq-Sattel, sondern am Ende des Griffbretts ganz in der Nähe des Hals-Pickups. Der Zugang besteht, wie von Music Man-Gitarren bekannt, aus einem Ring, der sich leicht und ohne spezielles Werkzeug drehen lässt. Dazu reicht beispielsweise schon ein dünner Schraubenzieher oder der mitgelieferte Metallstab.
Die Saiten laufen schnurgerade zu den verchromten Schecter Locking-Mechaniken, wobei die B- und die hohe E-Saite von einem Saitenniederhalter auf das Niveau der entsprechenden Mechaniken gebracht werden, der Eintrittswinkel wird verringert und damit die Reibung gemindert. Die Kopfplatte ist parallel zum Hals versetzt und trägt auf der Rückseite neben der Seriennummer auch ein Branding und Nicks Unterschrift.

Die tadellos in Indonesien gefertigte Gitarre bringt exakt 3563 Gramm auf die Waage, besitzt eine klassische Fender-Mensur von 648 mm und bietet seitens der Verarbeitung bis auf die Bundstabkanten keinerlei Anlass zur Kritik.

Video

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • tadellose Verarbeitung
  • sehr gute Bespielbarkeit
  • flexible Pickups
  • variable Sounds
  • einfacher Zugang zum Halsspannstab

  • Bundkanten nicht perfekt abgerundet

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