Test
2
14.12.2017

Praxis

Bedienung

Am Sennheiser Handmic Digital selbst befindet sich kein einziges Bedienelement. Nur eine rote LED gibt Auskunft darüber, ob das Mikrofon angeschlossen und aktiviert ist. Alle Einstellungen werden vom angeschlossenen Host aus vorgenommen. Für iPhone und iPad gibt es dafür von Apogee die kostenlose App Maestro, während Mac und Windows-PC dies mit Bordmitteln über die Einstellungen für die Audio-Eingänge in den Systemeinstellungen erledigen.

Die Apogee-Maestro-App kann nicht nur das Sennheiser Handmic Digital sondern auch eine Reihe von Apogee-Interfaces steuern und erkennt selbständig, welches Gerät gerade angeschlossen ist. Es werden automatisch die passenden Bedienelemente angezeigt. Für das Handmic Digital sind dies der große Gain-Regler mit einer numerischen Anzeige der eingestellten Eingangsverstärkung und je einem Plus- und Minus-Button zur schrittweisen Änderung dieser. Daneben befindet sich eine relativ große, dreifarbige (grün, gelb, rot) Aussteuerungsanzeige sowie darunter der Knopf, mit dem das Input-Monitoring ein- oder ausgeschaltet wird. Oben im Display ist noch der Processing-Button platziert, hinter dem sich der Rumble Reducer, der Hiss Reducer sowie der Overload Eliminator befinden.

Apps

Das Sennheiser Handmic Digital kann grundsätzlich mit allen Apps und Programmen, die Audio von externen Mikrofonen aufnehmen können, genutzt werden. Die Kontrolle der Eingangsverstärkung ist allerdings nur mit Apps möglich, welche Core Audio Input Control unterstützen. Dies funktioniert zum Beispiel mit Apple GarageBand unter iOS und MacOS. Bei Apps, die dies nicht unterstützen, kann die Eingangsverstärkung über die Maestro-App von Apogee für iOS bzw. für MacOS und Windows über die Systemsteuerung geschehen. Rumble Reducer, Hiss Reducer sowie Overload Eliminator sind allerdings nur über die Maestro-App zugängig.

Für die Tests habe ich mir den ebenfalls kostenlosen Apogee MetaRecorder für iOS heruntergeladen. Die App organisiert alle Aufnahmen in Scenes und Takes, ist also klar auf Film- und Videoton ausgerichtet, ist aber auch für viele andere Aufnahmen sehr praktisch. Die Eingangsverstärkung des Sennheiser Handmic Digital kann auch aus dieser App direkt kontrolliert werden und Marker, die schon während der Aufnahme gesetzt werden können, werden mit den Scenes und Takes exportiert und stehen zum Beispiel in WaveLab sofort zur Verfügung.

Latenz

Latenzen spielen bei der Aufnahme von Videoton keine vorrangige Rolle, solange man das getrennt aufgenommene Audio- und Videomaterial später synchron anlegen kann. Beim Overdubbing, zum Beispiel im Musikbereich, liegt es in der Natur der Sache, dass es auf das Timing ankommt. Sennheiser gibt für das Handmic Digital eine Latenz von <0,5 ms an, abhängig von der verwendeten App. Bei meinen Tests habe ich höhere Werte festgestellt, was aber tatsächlich an den verwendeten Apps liegen mag. Beim iPhone SE mit der App MetaRecorder von Apogee benötigte das Testsignal vom Mikrofon bis zum Kopfhörerausgang 56 ms. Am iPad Air sogar 59 ms. Wesentlich schneller, nämlich in 5 ms, gelangte das Testsignal beim iMac zum Ausgang.

Klang

Das Sennheiser Handmic Digital klingt, im Vergleich zu anderen dynamischen Mikrofonen, erstaunlich detailreich, klar und rauscharm. Die Auflösung des Bereichs der oberen Mitten bis in die hohen Frequenzen ist für ein dynamisches Mikrofon überdurchschnittlich. Insgesamt empfinde ich den Klang als sehr ausgewogen und angenehm. Kein Frequenzbereich wird übermäßig betont oder vernachlässigt, wobei das Sennheiser nicht über den gesamten Frequenzverlauf neutral bleibt. Besonders Stimmen erhalten einen sehr präsenten, angenehmen Klang mit hoher Sprachverständlichkeit durch eine dezente Anhebung der oberen Mitten.

Richtwirkung

Die Richtwirkung des Handmic Digital ist gut und für die meisten Einsätze ausreichend. Sprecher und Personen in Interviewsituationen müssen deshalb aber nicht wie angenagelt stillstehen oder sitzen, die Nierencharakteristik lässt genügend Bewegungsspielraum. Der für gerichtete Mikrofone typische Nahbesprechungseffekt ist beim Handmic Digital eher schwach ausgeprägt.

Eigenrauschen

Das Eigenrauschen wird von Sennheiser mit -96 dBFS(A) bei 0 dB Verstärkung bzw. -74 dBFS(A) bei 35 dB Verstärkung, also Vollaussteuerung, angegeben. Diese Werte stellen sich bei meinem Test sogar leicht besser dar, wobei mein Test eher praxisorientiert als wissenschaftlich ist. Insgesamt ist das Eigenrauschen des Sennheiser Handmic Digital zu vernachlässigen.

Handlinggeräusche

Griff- und Handlinggeräusche werden beim Sennheiser Handmic Digital ausreichend gedämpft. Im Hörbeispiel habe ich das Mikrofon bewusst sehr stark bewegt und angepackt. So würde das in Praxis wahrscheinlich niemand während einer Aufnahme machen.

Filter

Rumble Reducer, Hiss Reducer und Overload Eliminator können nur über die Maestro-App ein- und ausgeschaltet werden. Es gibt keine Möglichkeit der Anpassung an die jeweiligen Bedingungen. Beim Rumble Reducer handelt es sich um ein 160Hz-Highpass-Filter zweiter Ordnung, also mit einer Flankensteilheit von 12 dB/Okt. Für meinen Geschmack setzt der Rumble Reducer allerdings zu hoch ein. Er nimmt mir zu viele tiefe Anteile meiner Sprechstimme weg. So ist der Rumble Reducer nur als Notlösung unter wirklich schlechten Bedingungen einsetzbar. Besser wäre es, die Grenzfrequenz des Filters über die App einstellen zu können. Vielleicht 75 Hz und 150 Hz, wie beim Røde VideoMic Pro+? Alternativ gingen natürlich auch 80 Hz und 160 Hz.

Der Hiss Reducer ist ein 8kHz-Lowpass-Filter ebenfalls zweiter Ordnung. Ähnlich wie der Rumble Reducer setzt für meinen Geschmack der Hiss Reducer zu hoch ein. Nur nimmt der Hiss Reducer nicht zu viel, sondern zu wenig weg. Ich höre, zumindest bei Sprachaufnahmen, keinen großen Unterschied zwischen aktiviertem und deaktiviertem Hiss Reducer. Auch hier wäre ein regelbares Filter wünschenswert.

Ich gehe davon aus, dass die Filter Software-seitig implementiert sind und es somit ein Leichtes ist, die Einstellmöglichkeiten in einem Update zu ändern.

Overload Eliminator

Gegen ungewollte Übersteuerungen kann in der Maestro-App der Overload Eliminator aktiviert werden, welcher die Dynamik dezent begrenzt und noch genügend Restdynamik übrig lässt.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • ausgewogener, angenehmer Klang
  • überdurchschnittliche Auflösung der oberen Mitten
  • gute Sprachverständlichkeit
  • niedriges Eigenrauschen
  • hochwertige Verarbeitung
  • clevere Lösung zur Sicherung der Steckverbindung
  • notwendiges und praktisches Zubehör wird mitgeliefert

  • Grenzfrequenzen der Filter nicht anpassbar

Verwandte Artikel

User Kommentare

Zum Seitenanfang
ZUR STANDARD WEB-ANSICHT X