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Test
3
27.07.2020

Sequential Pro 3 Test

Paraphoner Hybridsynthesizer

Der beste Monosynth der Welt?

Mit dem Pro 3 hat Sequential nach den vielen polyphonen Synthesizern der letzten Jahre mal wieder einen Monosynth herausgebracht. Wobei das nicht ganz stimmt, denn die drei Oszillatoren des Pro 3 lassen sich paraphon spielen. Überhaupt trägt der Synthesizer in Sachen Ausstattung ziemlich dick auf. Ist der Sequential Pro 3 vielleicht sogar der vielseitigste Monosynth, den man derzeit kaufen kann? Im Test haben wir es herausgefunden.

Zwei analoge VCOs, ein digitaler Wavetable-Oszillator, drei Filter, vier Hüllkurven, drei LFOs und dazu eine Effektsektion und ein sehr umfangreicher Sequenzer – beim Pro 3 hat Altmeister Dave Smith nichts ausgelassen. Mit seinem Grundkonzept steht der Pro 3 in der Tradition des Pro 2, macht aber einiges anders als der Vorgänger. Die Motivation war laut Handbuch keine geringere, als den weltbesten Monosynth zu bauen. Ob das gelungen ist, wie der Pro 3 klingt und wie die Bedienung dieser vielen Zutaten in der Praxis aussieht, soll dieser Test klären.

Details

Äußeres

Der Sequential Pro 3 ist in zwei Versionen erhältlich: Eine Standardversion mit schwarzem Gehäuse und die Special Edition (SE), die über ein Holzgehäuse mit klappbarem Bedienfeld im Minimoog-Stil verfügt. Technisch sind die beiden Versionen identisch. Zum Test stand uns die Standardausführung zur Verfügung.

Schon beim Auspacken wird deutlich, dass der Pro 3 klotzt und nicht kleckert. Der Synthesizer wirkt für ein Instrument mit drei Oktaven relativ schwer und solide gebaut. Die SE-Version bringt sogar noch satte fünf Kilogramm mehr auf die Waage. Alle Bedienelemente fühlen sich nach meinem Empfinden gut an. Die Potis haben einen recht festen Drehwiderstand und die Taster einen gut spürbaren Druckpunkt. Die 6,3-mm-Klinkenbuchsen sind fest mit dem Gehäuse verschraubt. Wie alle Instrumente von Sequential hat der Pro 3 ein internes Netzteil mit universellem Kaltgeräteanschluss.

Struktur und Bedienfeld

Die Eckdaten der Klangerzeugung hatte ich ja eben schon kurz angerissen. Der Pro 3 verfügt über drei Oszillatoren, die im linken Bereich des Bedienfelds zu finden sind. Die Oszillatoren 1 und 2 sind analoge VCOs. Ihre Schwingungsform lässt sich stufenlos von Dreieck über Sägezahn bis Rechteck variieren, was auch moduliert werden kann. Zudem steht für beide VCOs Hard Sync zur Verfügung.

Oszillator 3 ist ein DSP-basierter digitaler Oszillator, der neben den Schwingungsformen Sinus, Sägezahn, Super Saw und Puls auch Wavetables bietet. 32 Wavetables zu je 16 Waves sind integriert und lassen sich mit dem Regler Shape Mod durchfahren, was selbstverständlich auch von einer beliebigen Modulationsquelle moduliert werden kann. 

Update (29.07.2020): Sequential hat einen Wavetable-Generator als Web-Anwendung veröffentlicht, mit dem das Erstellen eigener Wavetables möglich ist. Bis zu 16 Single-Cycle-Waves lassen sich hochladen, zu einem Wavetable konvertieren und per SysEx in einen der 32 Slots für User-Wavetables des Pro 3 laden. Den Wavetable-Generator findet ihr hier.

Im rechts neben der Oszillatorsektion untergebrachten Mixer treffen die drei Oszillatoren aufeinander. Hier stehen zusätzlich ein Rauschgenerator sowie ein Regler für den externen Audioeingang zur Verfügung.

Die Filtersektion des Pro 3 bietet drei Klassiker der Synthesizergeschichte zur Auswahl. Alle drei Filter sind analog. Filter 1 ist ein Tiefpass auf Operationsverstärker-Basis mit 24 dB/Okt. Flankensteilheit, das aus dem Prophet-6 übernommen wurde. Filter 2 ist ein 4-Pol-Ladder-Filter im Moog-Stil. Filter 3 ist ein State-Variable-Filter mit 12 dB/Okt. Flankensteilheit wie das Oberheim-Filter im Sequential OB-6 und der Oberheim SEM-Familie. Als solches lässt es sich von Tiefpass über Bandsperre (Notch) bis Hochpass variieren und bietet über einen Taster auch eine Bandpass-Option.

Rechts neben dem Filter folgen die Hüllkurven, derer der Pro 3 gleich vier im Gepäck hat. Zwei der ADSR-Hüllkurven sind für Amp und Filter vorgesehen und bieten die Option der Velocity-Steuerung. Hinzu kommen zwei weitere Envelopes für beliebige Modulationsaufgaben. Sie teilen sich einen Satz Bedienelemente, was aber nicht schlimm ist: Praktischerweise sind die Drehregler dieser beiden Hüllkurven als Endlos-Encoder ausgeführt, wodurch beim Umschalten keine Wertesprünge auftreten. Alle vier Envelopes bieten zusätzlich einen Delay-Parameter zur Einsatzverzögerung, der aber nur über das Display zugänglich ist.

Springen wir nun nach links, wo die drei LFOs des Pro 3 untergebracht sind. Sie bieten jeweils fünf Schwingungsformen (Dreieck, Sägezahn steigend und fallend, Rechteck, Sample&Hold) und lassen sich über den Taster Destination schnell verschiedenen Zielen zuweisen. Direkt auf dem Bedienfeld lassen sich Frequency und Amount einstellen; im Menü findet man weitere Parameter wie Sync, Slew, Phase und Reset.

Der linke, obere Bereich des Bedienfelds wird von der Effektsektion eingenommen, die so ähnlich schon aus dem Prophet-6, OB-6 und Prophet Rev2 bekannt ist. Es gibt zwei digitale Effektblöcke, die jeweils einen der Effekte Stereo Delay, BBD Delay, Chorus, Flanger, Phaser, Hochpassfilter, Ringmodulator, Rotary Speaker oder Super Plate Reverb (nur FX2) erzeugen können. Pro Effekt lassen sich drei Parameter regeln und auch modulieren; das ist einer mehr als bei den gerade genannten Geschwistern. Zusätzlich steht unter dem Regler für die Gesamtlautstärke ein analoger Distortion-Effekt zur Verfügung; auch das ist schon aus anderen Synthesizern von Sequential der letzten Jahre bekannt.

Ein weiterer, sehr interessanter Effekt ist ganz rechts zu finden: Tuned Feedback. Der stimmbare Feedback-Weg ist zu einer Spezialität von Dave Smith geworden und sorgte schon im Evolver, Pro 2, Prophet-12 und nicht zuletzt im Eurorack-Modul DSM03 für interessante Sounds. Unter anderem lässt es sich als Klangquelle für die Karplus-Strong-Synthese verwenden. Dazu später mehr!

Dass ein so komplexer Synthesizer nicht für jedes Detail ein Bedienelement haben kann, liegt auf der Hand. Deshalb verfügt der Pro 3 über ein sehr gut lesbares, grafikfähiges OLED-Display, das von je vier Encodern und Soft-Buttons flankiert ist. Hierüber lässt sich alles einstellen, was nicht direkt über das Bedienfeld erreichbar ist. Zwei weitere Encoder (Bank und Program) dienen zur Auswahl von Patches. Auch die Taster zum Speichern und Vergleichen von Programmen, für globale Einstellungen, für die Play List (eine Art Setlist-Modus) und den paraphonen Modus sind hier untergebracht.

Der Bereich rechts oben gehört dem Sequenzer. Wie schon der Vorgänger verfügt der Pro 3 über einen überaus umfangreich ausgestatteten Step-Sequenzer mit 16 Spuren, der neben der internen Klangerzeugung auch externes Equipment über MIDI und/oder CV/Gate ansteuern kann. Der Sequenzer kann Reglerbewegungen aufzeichnen und beliebige Parameter sequenzieren. Pro Patch lassen sich vier Sequenzen zu je 16 Steps speichern, die jederzeit über eigene Taster wechselbar sind und sich bei Bedarf auch zu einer längeren Sequenz verketten lassen. Funktionen wie Ratcheting (mehrere Trigger auf einem Step) und Slew (sanfte Übergänge zwischen CV-Werten) sorgen für noch mehr Flexibilität. Ich glaube nicht, dass mir bei einem Hardware-Synthesizer schon einmal ein ähnlich umfangreicher Step-Sequenzer begegnet ist. Im Praxisteil werden wir uns die Möglichkeiten näher ansehen.

Tastatur

Wie viele andere „große“ monophone Tastatursynthesizer der heutigen Zeit – ich denke da an den Vorgänger Pro 2 und an Konkurrenten wie den Moog Sub 37 / Subsequent 37, Korg ARP Odyssey FS und Behringer Odyssey – verfügt der Pro 3 über 37 normal große Tasten. Ich finde diesen Tastaturumfang für einen monophonen Synthesizer eigentlich ideal. Er reicht für alles aus, was man normalerweise mit einer Hand spielt, hält das Instrument aber zugleich recht kompakt. Auch beim Pro 3 empfinde ich ihn als angemessen, wobei die paraphone Auslegung durchaus auch Situationen denkbar erscheinen lässt, in denen man sich vielleicht eine Oktave mehr wünschen würde – flächige Sounds mit einem tiefen Basston zum Beispiel. Aber in der Praxis werden die drei Oktaven wohl in den allermeisten Fällen ausreichen.

Die Tastatur von Fatar ist anschlagdynamisch und verfügt über Channel Aftertouch. Sie spielt sich für mein Empfinden hervorragend, wirkt knackig abgestimmt und präzise. Die Klaviatur meines Sub 37 macht im direkten Vergleich einen viel klapperigeren Eindruck. Zur Feinabstimmung stehen vier Velocity-Kurven und acht Aftertouch-Kurven zur Auswahl.

Links neben der Tastatur sind die üblichen Räder für Pitch-Bend und Modulation platziert, die sich ebenfalls hochwertig anfühlen und präzise kontrollieren lassen. Als weitere Spielhilfe findet man hier einen Touch-Strip bzw. Ribbon-Controller, der über eine LED-Kette Auskunft über den eingestellten Wert gibt. Mit dem Latch-Taster kann man den Wert „festhalten“ und hat die linke Hand dann für andere Aufgaben frei. Außerdem sind in diesem Bereich die Oktavtaster zur schnellen Transposition untergebracht.

Anschlüsse

Auch an der Rückseite wurde nichts ausgelassen; die Bestückung mit Anschlüssen ist üppig. Neben einem Stereo-Audioausgang (L/R) verfügt der Synthesizer über einen Mono-Eingang, wodurch sich die Filter und Effekte auch für externe Signale nutzen lassen. An der Vorderseite gibt es zusätzlich einen Kopfhörerausgang.

Über insgesamt neun CV/Gate-Buchsen lässt sich der Pro 3 in ein Modularsystem integrieren, was vor allem wegen der Möglichkeiten seines Sequenzers interessant ist (dazu später mehr). Neben einem Gate-Ausgang stehen vier CV-Ausgänge und vier CV-Eingänge zur Verfügung. Damit lässt sich schon eine ganze Menge steuern.

Weiter geht’s mit zwei Pedalanschlüssen für einen Fußtaster und ein Expression-Pedal. Danach folgt die MIDI-Abteilung, wo man vom MIDI-Erfinder Dave Smith natürlich eine solide Ausstattung erwarten darf. Neben dem üblichen Trio In/Out/Thru (ja, auch Thru gibt es hier noch!) verfügt der Pro 3 über einen weiteren MIDI-Ausgang, der ebenfalls vor allem in Verbindung mit dem Sequenzer Sinn ergibt. Danach folgen eine USB-MIDI-Buchse sowie der Kaltgeräteanschluss für das interne Netzteil und der Power-Schalter.

Video

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Sehr umfassende Ausstattung
  • Sehr vielseitiger, charakterstarker Sound
  • Kombination aus analogen VCOs und Wavetables
  • Gute Tastatur
  • CV/Gate-Anschlüsse
  • Hervorragender Sequenzer mit vielen Möglichkeiten
  • Gute Effektsektion
  • Sehr umfangreiche MIDI-Implementation
  • Intuitive Bedienung trotz hoher Komplexität

  • Kein Contra

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