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06.08.2020

Serato DJ Pro Performance optimieren, Fehlerquellen kennen und Softwareabstürze vermeiden

Crashkurs Serato DJ Pro #9

Ein Crashkurs gegen den DJ Performance Crash: Obwohl Serato DJ Pro zu den stabilsten DJ-Programmen zählt, birgt die Software ein paar kleine Tücken, auf die man beim Auflegen vorbereitet sein sollte, möchte man die Performance optimieren, Fehlerquellen kennen und Softwareabstürze vermeiden. Wie man sich beim Auflegen mit Serato in dieser Hinsicht vorbereiten kann, das verrät euch eine weitere Ausgabe unserer Serato DJ Pro Crashkurs-Serie.

„Wo gehobelt wird, da fallen Späne“ – davon kann mancher DJ ein Lied singen, vor allem, wenn während des Auflegens die DJ-Software plötzlich aussteigt. Die einhergehende Stille erwischt einen kalt, man spürt förmlich den Spott des Publikums, die Schamesröte fast schon im Gesicht. Solch eine Schmach stellt selbst Drop-outs oder misslungene Blends in den Schatten, aber auch diese Lappalien verunsichern DJs und können in Summe deinem polierten Image einen Kratzer verpassen. Deswegen beherzige folgende Tipps, damit du bei deinem Serato-Gig mit einer souveränen Performance glänzt:

Corrupt files

Diese mit einem Blitz als beschädigt gekennzeichneten Daten können Totalausfälle der DJ-Software verursachen. Aber auch beim Abspielen machen sie sich durch hörbare Sprünge, winzige Pausen und kryptische Störgeräusche auf sich aufmerksam. Von daher solltet ihr sie sicherheitshalber aus eurer Library entfernen, sofern diese Tracks tatsächlich fehlerhaft sind. Die Ursache kann unterschiedlicher Natur sein:

Durch generell zusammenhängende beschädigte Frames, durch Dekodieren enthaltende ungültige Daten in Frames, die stummgeschaltet, damit hörbar sind und zu einem Audio-Fehler führen  

  • durch eine MP3-Bearbeitung mittels externer Software
  • wenn im MP3-File die Synchronisation zwischen Frame-Index und den Frames fehlt,
  • da Serato DJ auf eine alte Übersicht über eine MP3-Datei zugreifen möchte, die in einem Programm eines Drittanbieters bearbeitet wurde
  • eine Datei ist vollständig ungültig aufgrund fehlerhafter Sektoren der Festplatte, Beschädigung des Dateisystems, falsche Dateitypen, falsche Dateierweiterungen und kann dadurch nicht abgespielt werden
  • bei ungültigen und beschädigten Dateien, womit die Wiedergabe beeinträchtigt oder gar nicht möglich ist
  • wenn eine MP3-Datei Frames mit mehreren MPEG-Ebenen enthält, was Serato DJ Pro nicht unterstützt und daher einige Frames möglicherweise stummschaltet
  • bei Dateien von mindestens 2 GB Größe, die Serato DJ Pro generell nicht unterstützt
  • wenn eine WAV-Datei keine erkennbaren WAV-Daten enthält, nicht im PCM-Format ist, die Audio-Datei oberhalb von 48 kHz abgetastet wurde, Abhilfe schafft ein erneutes Abspeichern dieser Datei mit maximal 48 kHz

Installiert nie das aktuellste Betriebssystem kurz nach dessen Veröffentlichung:

„Never change a running system!”, das gilt auch bei Serato DJ Pro. So sehr auch das neue Betriebssystem mit hilfreichen Features lockt, bleibt bei eurem aktuellen, sofern es problemlos mit Serato DJ Pro interagiert. Serato warnt an und für sich vor jedem Betriebssystem-Upgrade. Aber einige DJs ignorieren es und wundern sich, warum Serato DJ Pro nicht funktioniert. Der Ärger ist vorprogrammiert, denn es hilft nur ein Downgrade und Aufspielen eines alten Backups, das allerdings unbedingt mit dem alten Betriebssystem kompatibel sein muss.

Passt Serato DJ Pro eurer Rechnerleistung an:

Obwohl Serato DJ Pro nicht als besonders leistungshungrig gilt, beachtet die zu erfüllenden Mindestanforderungen:

 

Prozessor

i3: 1,07 GHz
i5: 1,07 GHz
i7: 1,07 GHz
i9: 1,07 GHz

Arbeitsspeicher

4 GB

 

Mein fast zehn Jahre altes Mac Book Pro 17“ läuft trotz fast komplett ausgereizter Latenz, Bildwiederholungsfrequenz und dem ressourcenfordernden Pitch ’n Time problemlos, optisch flüssig und in der Regel ohne Drop-outs 

Vor allem diese hörbaren kurzen Aussetzer oder Störgeräusche, wenn der Datentransfer zwischen Soft- und Hardware nicht hinterherkommt und sich somit staut, dass die rot leuchtende Drop-out-LED der Software bestätigt, nerven.

In diesem Fall erhöht im Serato DJ Pro-Setup unbedingt die USB-Buffer, der Daten für einen flüssigeren Transport zwischenspeichert. Verringert eventuell die Bilderwiederholungsrate.

Aber auch außerhalb der Software könnt ihr die Performance beschleunigen:

  • Leert den Cache vom Datenmüll
  • Schließt alle im Hintergrund laufenden, aber nicht zwingend benötigten Programme
  • Deaktiviert Bluetooth und WLAN, sofern ihr nicht per Stream auf TIDAL beziehungsweise Soundcloud zugreift oder die App Serato Remote auf einen Smart Phone oder Tablet als Controller benutzt

Ich persönlich lege seit 15 Jahren mit Serato auf, zunächst mit Scratch Live, später Serato DJ Pro. In dieser Zeit stürzte die Software nur unglaubliche fünf Mal ab, wobei ein Abend mich berechtigterweise gleich mit drei Crashs aufgrund einer eingesetzten Beta-Version bestrafte.

Kurzum, eine Ausfallquote, die wirklich Vertrauen schenkt.

 

 

Weitere versteckte Fehlerquellen

Auch wenn euer Serato DJ Pro nun perfekt performen sollte, gibt es ein paar kleine Fettnäpfchen, in die man gern tappst:

Plötzlich gelöschte Crates

Legt ihr neue Crates an, in denen aber noch keine Track abgespeichert sind, löscht Serato DJ Pro diese leeren Crates mit dem Schließen der Software. Ein erneutes Anlegen der Crates ist erforderlich.

Nicht gefundene Tracks

Verschiebt ihr auf eurer Festplatte und damit außerhalb der Software einen Track, ändert ihr automatisch den für den Serato DJ Pro notwendigen Pfad zum Auffinden des Tracks. Beim erneuten Laden des Tracks wird dieser bräunlich mit Fragezeichen als nicht auffindbar markiert. Sollte euch dies während des Gigs passieren, sucht den Track erneut auf eurer Festplatte und ladet ihn wie gewohnt per Drag & Drop in die Library.

Mit der Funktion „Relocate Lost Files“ verschwundene Daten aufzusuchen, dauert zu lange und schluckt zu viel Rechnerleistung, sodass vor allem bei alten Rechnermodellen und sehr großen Librarys etliche Minuten verstreichen können. Bei mir fror auch schon die Benutzeroberfläche gefühlt ewig ein, obwohl der ständig drehende Farbkreis einen momentan ausgeführten Prozesses bestätigte. Von Panik getrieben, entschloss ich mich zum abrupten Schließen der Software und Neustart des kompletten Systems.

Nutzt „Relocate Lost Files“ daher lieber zu Hause, wo ihr euch und euren Rechner nicht unter zeitlichen Druck setzt. Beim erneuten Verschieben von Tracks erledigt dies über den Files-Reiter, der dabei auch die Verknüpfung übernimmt. Bräunliche Datenleichen, deren Files gänzlich verlorengegangen sind, könnt ihr ganz einfach über den herkömmlichen Short-Cut eliminieren. Hingegen Einträge zu vermissten iTunes-Dateien müssen über iTunes gelöscht werden.

Den Prepare-Ordner nur direkt vor dem Gig benutzen

Wer akribisch zu Hause eine Playlist vorbereitet, sollte dafür ein separates Crate benutzen. Die Tracks in den Prepare-Ordner abgelegt und Serato DJ Pro geschlossen, ist beim erneuten Start der Software der Ordner leer und die Vorbereitung futsch.

Falsch berechnete BPM

Setzt Serato DJ Pro die Beatgrids nicht korrekt, was am häufigsten bei sogenannten Shuffle-Beats auftritt, berechnet Serato DJ Pro aufgrund falsch interpretierter Transienten eine fehlerhafte BPM-Zahl. Damit fliegen euch nicht nur die per Sync gematchten Tracks im Mix durch holpernde Beats um die Ohren, sondern auch Beat-Loops laufen unrund und Beat Jumps erfolgen nicht zählzeitgenau.

Bei einem sogenannten Double-Time-Tempo, wie Drum’n’Bass, das Serato DJ Pro oft mit einem Tempo von 87 BPM Beat angibt, entsprechen Loops und Jumps auch der doppelten Länge, beispielsweise 16 Beats entsprechen dann 32 Beats. Beachtet dies auch für Half-Time-Tempo.

Echo Out verstummt das Signal nicht immer

Benutzt ihr den Echo-Out-Effekt, stellt unbedingt dessen Intensität über die 50 Prozent-Marke ein, ansonsten blendet der Effekt nicht das Signal aus. Vergesst auch anschließend nicht, den Echo-Out wieder zu deaktivieren, um über dieses Deck den nächsten Track abzuspielen. Ansonsten bleibt der offene Kanal stumm.

Flips bleiben in Loops hängen

Ein Bug, der leider bis heute noch nicht behoben wurde: Springt ein Flip vom Ende an den Anfang eines Tracks und ist dazwischen ein Loop, trifft der Flip nicht den geplanten Anfang, sondern hüpft in den aktiven Loop. Deswegen schaltet sämtliche Loops stets beim Flip aus.

Das automatische Umschalten vom absoluten/relativen zum internen DVS-Modus birgt etliche Gefahren.

NoiseMap-Vinyls besitzen eine begrenzte Spieldauer von 10 und 15 Minuten. Läuft die Nadel in die Auslaufspur, sofern man den Tonabnehmer nicht rechtzeitig wieder an den Anfang der Rille setzte, schaltet Serato DJ Pro zwar autonom auf den internen Playmodus um, sodass die Musik unabhängig der Vinylposition weiterspielt, allerdings mitunter mit einer leicht abweichenden Tempo-Differenz aufgrund der Gleichlaufschwankung des Plattenspielers. Sofern nicht Anti-Drift im Setup aktiviert ist, pendelt das Tempo stets circa +/- 0,1 Prozent, sodass eine Toleranzspanne von 0,3 Prozent entsteht. Bei einem Tempo von 100 BPM schwankt das Tempo zwischen 100,1 BPM und 99,9 BPM.

Mischt man diesen Track mit einem zweiten gleichen Tempos per Turntable, gleicht sich diese Differenz etwas aus. Fährt allerdings eines der beiden Decks plötzlich in den internen Modus, übernimmt Serato DJ Pro das zuletzt im Vinyl-Modus interpretierte Tempo, das auch dem Minimum oder Maximum der Toleranz entsprechen kann. In diesem Fall entsteht eine deutlichere Tempodifferenz zwischen beiden Decks, was zur hörbaren Phasenungenauigkeit führt und eine schnelle Korrektur durch Pitchbending erfordert.

Timecode-Vinyls verschmutzen besonders stark in der Nähe des Labels, kurz vor der Auslaufspur. Es liegt wohl am Backcueing, bei dem mit dem Finger das Vinyl zurückgedreht wird. Der Schmutz sorgt zur Verunreinigung des abgetasteten Timecodes und damit Fehlinterpretationen des Signals. Ich habe in den vielen Jahren schon etlichen Spuk erlebt:

Nachdem die Software in der Auslaufrille auf intern schaltete, stürzte das Tempo auf nur 1 BPM ab, der absolute Supergau, nicht nur während einer Blende. Auch ein potenziell aktiver Sync wird plötzlich außer Kraft gesetzt, das Tempo und mitunter auch die Tonart ändern sich. Mein Tipp: Haltet eure Platten sauber und lasst es nicht darauf ankommen, die Timecode-Vinyls bis zur Auslaufrille spielen zu lassen 

Solltet ihr ähnliche oder auch ganz andere Erfahrungen beim Auflegen mit Serato DJ Pro gesammelt haben, so lasst es uns sehr gern per Kommentar wissen.

Veröffentlicht am 06.08.2020

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