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19.05.2020

Sind Bandproben erlaubt?

Das Herunterfahren der sozialen Kontakte und ständige zuhause sitzen ist fürs Gemüt durchaus anstrengend. Die Lockerungen lassen uns aufhorchen. Und natürlich fragen sich alle Musikerinnen und Musiker nun: „Darf ich endlich wieder mit meiner Band proben?“ Wir klären euch über die aktuellen Regelungen auf.

Weil die unterschiedlichen Bundesländer unterschiedliche Regelungen haben, hängt die Antwort auf die Frage zuallererst davon ab, wo ihr wohnt und aus wem eure Band besteht. Hier ein kleiner Überblick:

Disclaimer: Der Artikel wurde am 19. Mai veröffentlicht. Seither können sich Änderungen ergeben haben. Prüfe am besten vor deiner Bandprobe die Fakten noch einmal auf der Homepage deines Bundeslandes. Hier stehen die jeweiligen Gesetzestexte für alle bereit. 

Baden-Württemberg: Seit dem 11. Mai gibt es eine leichte Lockerung der Kontaktbeschränkung. Im privaten Raum dürfen sich zwei Haushalte sowie die erweiterte Familie treffen. Dabei gibt es keine Beschränkung der Personenzahl. Seid ihr als Band also nicht miteinander verwandt und/oder wohnt in nicht mehr als zwei Haushalten, dann sieht es mit einer gemeinsamen Probe also leider schlecht aus.

Bayern: Gemäß der vierten Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung dürfen auch in Bayern im privaten Raum die Familie sowie ein weiterer Haushalt zusammenkommen. Als Familienangehörige gelten hierbei „Ehegatten, Lebenspartner, Partner einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft, Verwandte in gerade Linie, Geschwister“. Dies schließt also sogenannte „Seitenverwandte“ wie Onkel, Tanten, Cousins und Cousinen aus. Sofern deine Band also aus Eltern, Großeltern, Kindern oder Enkeln sowie zusätzlich Angehörigen eines anderen Haushalts besteht, dürft ihr euch wieder zum Proben treffen.

Berlin: Ähnlich regelt Berlin die Zusammenkunft im Privaten. Treffen dürfen sich hier die Angehörigen des eigenen Haushalts inklusive deren Ehe- oder Lebenspartnerinnen und -partner. Zusätzlich dürfen Angehörige eines weiteren Haushalts zu dem Treffen stoßen, müssen dabei aber einen Mindestabstand von 1,5 Metern halten.

Brandenburg: Die Eindämmungsverordnung vom 8. Mai erlaubt auch den Bewohnerinnen und Bewohnern Brandenburgs die Zusammenkunft im privaten Raum mit Personen des eigenen sowie eines weiteren Haushalts. Darüber hinaus ist – unter Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln - auch der Instrumentalunterricht an Musikschulen oder durch selbständige Pädagogen und Pädagoginnen mit bis zu fünf Schülerinnen und Schülern erlaubt. Nicht erlaubt ist die Erteilung von Gesangsunterricht. Abgesehen von Bands, die in nicht mehr als zwei Haushalten verteilt wohnen oder miteinander verwandt sind, dürfen folglich in Brandenburg auch Musikschulensembles mit bis zu fünf Schülerinnen und Schülern wieder gemeinsam üben.

Bremen: Auch in Bremen gelten gemäß der Dritten Coronaverordnung vom 12. Mai ähnlich Regelungen wie in den meisten anderen Bundesländern. Treffen dürfen sich hier die Angehörigen zweier Haushalte sowie Familienmitglieder, einschließlich (Ehe-)Partnerinnen und Partner sowie deren Kinder.

Hamburg: Das neueste Update der Hamburgischen Eindämmungsverordnung vom 12. Mai erlaubt die Zusammenkunft von bis zu zehn Personen. Diese dürfen allerdings nicht in mehr als zwei unterschiedlichen Haushalten wohnen. Für Personen aus unterschiedlichen Haushalten gilt dabei das Abstandsgebot von 1,5 Metern.

Hessen: Das Bundesland Hessen wartet neben der letzten Änderung der Corona-Verordnung mit einem Empfehlungsschreiben für Bühnen und Studios auf, in dem auch explizit auf Musikprobenräume Bezug genommen wird. Allgemein gilt: Der Aufenthalt im öffentlichen Raum ist nur alleine, gemeinsam mit einer weiteren Person oder mit den Angehörigen des eigenen und eines weiteren Hausstandes gestattet. Bei Begegnungen mit anderen Personen ist ein Mindestabstand von 1,5 Metern einzuhalten. Es besteht die Möglichkeit, Kulturveranstaltungen unter strengen Hygienebedingungen anzubieten. Die Verordnung für Musikprobenräume lauten wie folgt: Mindestens zwei, besser noch drei Meter Entfernung sollte zwischen den Musikerinnen und Musikern gewährleistet sein, denn gerade bei Blasinstrumenten erfolgt eine große Luftverwirbelung rund um das Instrument. Ergänzend können Trennwände oder Schutzscheiben installiert werden. Wenn möglich, sollte außerdem eine Schutzmaske getragen werden. Nach Beendigung der Probe soll sowohl der Fußboden als auch alle anderen berührten Flächen und Objekte gründlich gereinigt werden.

Nicht nur das Proben fehlt sämtlichen Musikschaffenden. Die bayerische Folkrock-Band Django3000 hat den Versuch gestartet, unter Einhaltung von Hygieneregeln ein erstes Konzert zu geben.

Mecklenburg-Vorpommern: Mecklenburg-Vorpommern hat einen 5-Stufen-Plan bezüglich der Lockerungen der Schutzmaßnahmen erstellt. Die Phase 2 wird bis zum 24.5. anhalten. Voraussichtlich bis zum 5. Juni wird jedoch die momentane Kontaktbeschränkung gelten, die eine Zusammenkunft zu zweit, mit weiteren Personen aus dem eigenen Haushalt und mit weiteren Personen aus dem Haushalt der zweiten Person ermöglicht.

Niedersachsen: Seit dem 11. Mai darf man sich in Niedersachsen zu Hause, im Restaurant oder draußen, beispielsweise beim Spazierengehen, mit Personen aus einem weiteren Hausstand treffen, selbst wenn dies 10 oder mehr Personen sind.

Nordrhein-Westfahlen: Auch in Nordrhein-Westfalen gibt es keine festgesetzte Personenanzahl, die bei einem Treffen nicht überschritten werden darf, solange die Personen in nicht mehr als zwei unterschiedlichen Haushalten wohnen oder Verwandte in gerader Linie, Geschwister, Ehegatten, Lebenspartnerinnen oder Lebenspartner sind. Für Musikproben gelten die Hygieneregeln, außerdem muss ein Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen den anwesenden Personen eingehalten werden. Bei sogenannten ‚atmungsaktiven‘ Proben, also beispielsweise dem Einsatz von Gesang oder Blasinstrumenten, muss eine Raumgröße von mindestens zehn Quadratmetern pro Person vorgesehen werden.

Rheinland-Pfalz: Auch Rheinland-Pfalz führt seit dem 13. Mai die Zwei-Haushalts-Regel für seine Bürger. Dabei gibt es ebenfalls keine Beschränkung der Personenanzahl.

Saarland: Ausgehend von einer Bezugsperson ist im Saarland die Zusammenkunft von Verwandten in gerader Linie, Lebenspartnerinnen, -partnern und Geschwistern sowie deren jeweiligen Haushaltsangehörigen und darüber hinaus den Angehörigen eines weiteren Haushalts erlaubt. In Musikschulen und -vereinen sind sowohl Instrumental- als auch Gesangsunterricht erlaubt, solange einschließlich der Lehrperson nicht mehr als drei Leute anwesend sind.  Ab dem 18. Mai ist außerdem, unter Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen, der Betrieb von Vereinsräumen zum Zweck kultureller Arbeit erlaubt.

Sachsen: Auch in Sachsen darf sich mit dem eigenen und einem weiteren Hausstand getroffen werden. Das Verbot des Treffens in Gruppen wird vom Bundesland noch einmal hervorgehoben – mit der offensichtlichen Begründung „damit Sie und andere gesund bleiben.“ Bezüglich des Themas Laienmusik verweist das Land wie Hessen auf die Hygienehinweise der Unfallversicherung für den Probenbetrieb Bühne und Studios (siehe weiter unten).

Sachsen-Anhalt: In Sachsen-Anhalt ist das Zusammentreffen von bis zu fünf Leuten – unabhängig von der Anzahl der Haushalte – möglich. Die besten Voraussetzungen für Bands bundesweit! Auch Instrumentalunterricht ist wieder in Gruppen bis zu fünf Personen erlaubt – ausgeschlossen davon ist jedoch der Unterricht von Blasinstrumenten sowie von Gesang.

Schleswig-Holstein: Die neueste Ersatzverkündung Schleswig-Holsteins ist seit Montag, 18. Mai in Kraft und erlaubt die Zusammenkunft zu privaten Zwecken mit den Angehörigen eines weiteren Haushalts sowie Verwandten in gerader Linie und ferner Lebenspartner und -partnerinnen. Es wird ausdrücklich dazu aufgerufen, den Kontakt zu Personen anderer Haushalte nach Möglichkeit auf ein Minimum zu beschränken.

Thüringen: Auch die Thüringer Verordnung vom 12. Mai erlaubt den Thüringern und Thüringerinnen den Kontakt mit Zugehörigen des eigenen sowie eines weiteren Haushalts.  

Unterm Strich: In den meisten Bundesländern ist die Zusammenkunft mit Familienmitgliedern und den Angehörigen eines weiteren Haushalts erlaubt. Besteht eure Band also aus Leuten mehrerer Haushalte, ist hier erstmal Pause angesagt. Statt gar nicht gemeinsam zu proben, lohnt es sich aber immerhin, Alternativen wie JamKazam auszuprobieren. Solche kostenlosen Online-Anwendungen ermöglichen das Zusammenspiel über Entfernungen hinweg. 

Sachsen-Anhalt entpuppt sich als das Bundesland mit den bandfreundlichsten Restriktionen. Seid ihr nicht mehr als fünf Leute in eurer Band, so könnt ihr immerhin wieder mit dem Gedanken spielen, zusammen zu musizieren.

Dabei gibt es jedoch weitere Überlegungen anzustellen: An welchem Ort probt ihr und welche Regelungen sind möglicherweise dabei zu beachten? Außerdem wird von mehreren Ländern auf das erhöhte Risiko der Infektion bei Gesang und Blasinstrumenten Aufmerksam gemacht. Selbst wenn dazu also keine speziellen Verbote gelten, sollten doch die Risiken in Betracht gezogen werden.  

Proben im Proberaum

Wer Zugang zu einem Proberaum hat, sollte sich, falls vorhanden, natürlich erst einmal mit der Vermieterin/dem Vermieter und anderen den Raum nutzenden Bands in Verbindung setzen. Vor allem, wenn der Raum von mehreren Bands genutzt wird, ist die Erstellung eines Hygienekonzepts ratsam. Als Leitfaden hierfür können beispielsweise die Hygienehinweise der Unfallversicherung für den Probebetrieb Bühne und Studios gelten.

Hier wird unter anderem vorgeschlagen, mindestens stündlich eine effektive Querlüftung durchzuführen. Für Musikinstrumente mit Kondensatbildung sollten geeignete Maßnahmen zur Beseitigung und Desinfektion vorhanden sein. Nach der Probe gilt es außerdem, den Fußboden des Proberaums sowie alle mit den Händen berührten Teile zu reinigen.

Zuhause proben

Wer nicht die Möglichkeit hat, im Proberaum zu proben, kann – unter Vorbehalt – zuhause musizieren. Da lohnt sich zuallererst ein Blick in Mietvertrag und Hausordnung. Grundsätzlich gilt: das Musizieren zuhause ist unter Einhaltung einiger Regeln gestattet. Lautstärke, Zeitraum und Zeitpunkt sind dabei entscheidend. Das Spielen in Zimmerlautstärke außerhalb von Ruhezeiten sollte keine Probleme bereiten. Wer mit elektronischen Instrumenten probt, hat außerdem die Möglichkeit, die Lautstärke herunterzuschrauben. Bei lauten Instrumenten wie akustischen Schlagzeugen oder Trompeten sieht die Situation natürlich etwas kritischer aus. Einem Beschluss des Landgerichts Freiburg zufolge ist Schlagzeug spielen zwar je eine Stunde vormittags und nachmittags erlaubt, ein kleines vorsorgliches Nachbarschaftsgespräch könnte aber dazu beitragen, den Haussegen gerade zu halten. 

Viele Bandmitglieder werden die augenblicklichen Regelungen nicht zufrieden stellen und der Frust über ausbleibende Bandproben ist natürlich allzu verständlich. Dennoch: das Gebot der Stunde ist, gesund zu bleiben und Rücksicht auf andere zu nehmen.

 

 

Wie man mit seiner Musik auf keinen Fall die Nachbarn stört, zeigt Bene Schuba in Zusammenarbeit mit der Virtuellen Bühne Kassel mit dem Projekt Don't Disturb the Neighbours

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Veröffentlicht am 19.05.2020

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