Workshop_Folge Workshop_Thema Gitarre
Workshop
1
16.11.2019

So füllst du Akkordübergänge auf der Gitarre auf

Tipps und Tricks für interessante Akkordfolgen

Wie man langweilige Akkordfolgen aufpeppt

Uns Gitarristen begegnen häufig Akkordfolgen, die man schon des Öfteren gehört und gespielt hat und man stellt sich zu Recht die Frage, was man anstellen kann, um die ausgetretenen Pfade zu verlassen und das Ganze wieder interessant und spannend zu gestalten.
Hört man sich Profis an, fallen einem oft Verzierungen und Wendungen zwischen den Akkorden auf, die selbst bis zum Abwinken wiederholte Progressionen immer noch frisch und lebendig klingen lassen.
Aber all das ist weder Hexenwerk noch Raketenwissenschaft, denn es gibt ein paar ganz handfeste Regeln, Tipps und Tricks, die man sich zunutze machen kann, um interessante Akkordübergänge zu generieren. Hier sind einige davon!

Quickfacts:

Übergänge zwischen Harmonien kann man durch schlüssige Basslines auffüllen, die entweder chromatisch oder schrittweise zum Zielakkord führen.

Harmonisch interessanter wird das Ganze, wenn man die Basslinie mit kompletten Akkorden harmonisiert und eine Dominantisierung vornimmt, d.h., vor Zielakkorde die jeweilige Dominante setzt.

Länger stehende Harmonien können entweder mit Akkordpendeln über einem Basston aufgefüllt werden oder aber mit Verzierungen, wie z.B. Quart- oder Sekundvorhalten.

1. Basslines

Bassdurchgänge sind eine tolle und sehr einfache Möglichkeit, Akkordwechsel plausibel vorzubereiten. Von der Denkweise her betrachtet man den Ziel- und den Startakkord und versucht eine Verbindung zwischen beiden herzustellen. Dabei kann man sich überlegen, wie viele Bassnoten man spielen will, bzw. wie viel Zeit man zur Verfügung hat. Das kann ein einzelner Basston sein, wie hier fallend von C nach Am (funktioniert auch umgekehrt):

Oder aber drei, wie hier steigend von G nach D über b und c:

Auch Einkreisungen funktionieren toll. Ich starte hier auf G und kreise über die Töne b und d den Grundton des C-Dur ein:

Die Töne, die ihr für die Bassline verwendet, entstammen der Tonleiter des Songs, d.h., steht der Song in G-Dur, stehen g, a, h, c, d, e und f# bereit.
Wollt ihr das Ganze etwas würzen, dürfen es auch gerne mal chromatische Annäherungen sein.

2. Harmonisierte Basslines

Für die nächste Rubrik empfehle ich euch, nochmal in unseren Akkordworkshop reinzuspitzen, denn hierfür benötigt ihr Dreiklänge in Umkehrungen und mit anderen Basstönen. Im Prinzip ähnelt diese Herangehensweise der im Punkt 1 beschriebenen, doch diesmal begnügen wir uns nicht mit nur einer Bassnote, sondern bilden gleich einen ganzen Akkord darüber.
Dieser Akkord muss zwei Kategorien erfüllen: Zum einen sollte er die Bassnote beinhalten und zweitens muss er schön zum Zielakkord führen, was bedeuten kann, dass er entweder seine Dominante ist oder sich dem Ziel schrittweise nähert, sprich, einen Ganz- oder Halbton darüber oder darunter ist.

Betrachten wir z.B. die Wendung Am nach C.
Welcher Ton passt dazwischen? Das wäre das b. Was ist die Dominante von C? G-Dur. Was für ein Zufall dass b auch noch im G-Dur Akkord vorkommt und einfach in den Bass gelegt werden kann! So erhalten wir Am - G/B - C:

Oder wie wäre es umgekehrt? Hier hätte ich zwei Möglichkeiten. Zum einen könnte ich die Progression einfach rückwärts spielen, denn G leitet natürlich auch zum Am. Zum einen, weil Am und C verwandt sind, zum anderen, weil sie schrittweise voneinander entfernt sind. Allerdings könnte ich mir auch hier die Dominante zu Am denken, was E-Dur (7) wäre, das ebenfalls das b als Quinte besitzt. Dann enthalte ich C - E7/B - Am:

Im Folgebeispiel möchte ich von G nach C kommen. Eine schlüssige Bassline wäre G - A - B - C.

Der erste und letzte Akkord ist logischerweise gesetzt. Das B lässt sich hervorragend mit einem G/B harmonisieren und zwar aus zwei Gründen: Erstens ist die Grundharmonie sowieso G und zweitens ist G gleichzeitig die Dominante zu C. Auch für das A habe ich zwei Möglichkeiten. Ich könnte einen Am als Durchgangsakkord benutzen, oder ich denke mir: Wenn der G/B im Anschluss kommt, kann ich auch die Dominante des G davorsetzen, also ein D(7)/A.
Und so kann meine Akkordfolge folgendermaßen aussehen:

a) G - Am - G/B - C

oder:

b) G - D7/A - G/B - C(add9)

Ein besonderes Beispiel findet man im Jazz und Blues, wo man den Wechsel von Tonika zur Subdominante auch mit verminderten Akkorden auffüllen kann, sodass folgende Progression entsteht, die schon fast ein Bluesklischee geworden ist:

A7 - B07 - C07 - A7/C# - D7

3. Akkordpendel

Diese Rubrik und auch die folgende hat weniger mit dem direkten Akkordübergang von A nach B zu tun, sondern hier geht es vielmehr darum, wie man eine länger stehende Harmonie auffüllen kann.
Ein sehr probates Mittel sind Akkordpendel, das heißt, man lässt zwei Akkorde über den Basston der Harmonie abwechseln. Sehr häufig sind das ein Dur- und ein Molldreiklang im Ganztonabstand. Als einfache Formel kann man sich einprägen:

Für Mollakkorde gilt: Im - bVII Dur (z.B. Em: Em und D Dur als Pendel)

Sehr Gospel- und Soul-artig klingt das in Dur, und für Durakkorde gilt:

I Dur - II Moll (z.B. E: E Dur und F#m als Pendel)

4. Akkordverzierungen

Das Kapitel Akkordverzierungen war bereits Bestandteil eines Artikels, dennoch möchte ich es der Vollständigkeit halber hier zumindest erwähnen.
Verzierungen können durch Line-Klischees innerhalb der Akkorde stattfinden, oder aber durch Umspielung bestimmter Akkordtöne, wie zB. in Form von sus2 oder sus4 Typen.
Einen kompletten Workshop zu diesem Thema findet ihr hier.

Verwandte Artikel

Tipps und Tricks zur Umsetzung von Barré-Akkorden

Gitarrengriffe und Akkorde lernen und spielen können

Veröffentlicht am 16.11.2019

Verwandte Artikel

User Kommentare

Zum Seitenanfang
ZUR STANDARD WEB-ANSICHT X