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25.05.2020

Social Distance Raving und Partys – der Open-Air Neustart in Corona-Zeiten?

Erste öffentliche Partys in Deutschland zeigen mögliche Wege für Social Distance Raves in Zeiten von Corona

Social Distance Partys vom Autokino-Rave bis zum Open-Air Club mit Tanzen im Kreidekreis – kann das funktionieren? Noch vor wenigen Wochen sagte ich in einem Interview, dass “Raven mit Abstand” nicht machbar sei. Dazu stehe ich grundsätzlich immer noch. Aber das hält findige Partymacher nicht davon ab, es trotzdem innerhalb der strengen Regularien zu probieren. In der letzten Woche fanden bereits mehrere Open Airs “mit Abstand” statt. Bei einem war ich dabei.

Zu Himmelfahrt war ich für das Claypit Festival in Hainichen bei Chemnitz gebucht. In der riesigen ehemaligen Tonabbaugrube sollten wie bereits im vergangenen Jahr keine Motocross-Bikes durchs Gelände fegen, sondern fette Beats den Boden zum Beben bringen. Diverse Chemnitzer Crews wie Beatconnect/Ampathy, Rough Grooves, Basstroopers und Dudes On Decks standen für alle möglichen Facetten elektronischer Tanzmusik von Techno bis Drum’n’Bass ein.

Ich ging selbstredend davon aus, dass die diesjährige Party wegen Corona gecancelt wäre, aber die Veranstalter Ronny Flöter und Danny Stessun hatten einen verwegenen Plan: nach intensiven Verhandlungen mit den örtlichen Behörden wurde dem Claypit-Festival genehmigt, die Veranstaltung mit allen notwendigen Auflagen als “Autokino” durchzuführen. Autokinos dürfen in Deutschland bis zu drei Stunden geöffnet sein und so lud das Claypit zu drei “Car Rave Shows” mit jeweils drei DJs ein, die von 10 Uhr morgens bis 10 Uhr abends jeweils für eine Stunde auflegten.

Autokino Rave in Chemnitz

Die Autos parkten auf mit Sperrband markierten Plätzen, den sogenannten “Rave-Boxen”. Innerhalb der Boxen durften sich jeweils vier Auto-Insassen frei bewegen. Am Eingang mussten sich die Gäste die Hände desinfizieren. Getränke und Snacks wurden vom Personal mit Mundschutz und Einweghandschuhen gebracht. Die Toilettenwagen durfte mit den üblichen Vorkehrungen genutzt werden und wurden regelmäßig desinfiziert.

Vor dem weitläufigen Rave-Parkplatz stand statt einer Leinwand eine große Bühne. Ich war von 20:00 bis 21:00 Uhr dran und spielte ein kompromissloses Techno-Set, das dank der fetten Anlage von “LTB - Licht, Ton, Bühne” auch ordentlich Druck entfaltete.

Die Veranstaltung war leider nicht ausverkauft, zu kurzfristig war die Genehmigung erteilt worden. Aber ich gehe davon aus, dass in den folgenden Jahren die doppelte und dreifache Anzahl an Ravern behaupten wird, bei dieser historischen Veranstaltung dabei gewesen zu sein.

Sound übers Autoradio in Sundern

Aber nicht nur in Sachsen wird “gecarraved”: in Sundern im Sauerland fand bereits am 16. Mai eine Auto-Disko statt. Wie der WDR berichtet, feierten die Insassen in über 100 Autos drei Stunden lang zu vier DJ-Sets. Die Musik wurde über eine UKW-Frequenz auf die Radios übertragen. Zum Applaus wurde ein Hupkonzert angestimmt. “Car Horn” in echt: “Rewind, Selekta!”

Tanzen im Kreidekreis in Münster

In Münster (Westfalen) legte Running Back-Chef Gerd Janson zu Himmelfahrt zusammen mit den DJs Steve Stix, Kai Lorenzen und Thorsten Karger im Outdoor-Club Coconut Beach auf.

100 Gäste hatten Zutritt für jeweils 70 Euro Eintritt. Trotz des hohen Ticketpreises war die Veranstaltung innerhalb von 15 Minuten nach dem Verkaufsstart am 16. Mai ausverkauft. Alle Teilnehmer mussten Masken tragen. Alle, die keine Gesichtsbedeckung hatten, konnten eine am Eingang kaufen. Wie Resident Advisor berichtet, tanzten die Besucher mit einen vorgegebenen Mindestabstand jeweils in einem Kreidekreis.

Video:

Und wie feiern wir in Zukunft?

Die Corona-Maßnahmen werden unsere Clubszene wahrscheinlich noch eine ganze Weile lang einschränken. Bei aller notwendigen Vorsicht ist es trotzdem bemerkenswert, wie kreativ manche DJs und Clubs bereits mit der Situation umgehen.

Mir hat die Idee eines Autokino Open-Airs gut gefallen. Unwillkürlich musste ich an die berühmt-berüchtigten “Parkplatzraver” denken, die in den 90er Jahren vor dem Berliner E-Werk oder der Hanomag-Halle in Hannover lautstark Party machten. Gerade in ländlichen Gebieten könnte das auch im Corona-Sommer 2020 eine echte Alternative sein, bis wir endlich wieder “richtig” feiern können.

Wart ihr auch schon auf einer Social Distancing Party? Wie lief die ab, wie hat es euch gefallen und könnt ihr euch das auch für die nähere Zukunft als Alternative vorstellen? Diskutiert mit uns in den Kommentaren!

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