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Test
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01.06.2020

Softube Weiss Gambit Series Test

Channel Strip for Console 1

the cleanest i've been

Softube legt wieder ordentlich nach und erweitert den Console 1 Kosmos. Heute widmen wir uns der „Weiss Gambit“-Erweiterung, die das Beste des beiden Hardware-Boliden Weiss EQ-1 und DS-1 MK3 in die einzigartige Channelstrip-Software/Hardware-Controller-Kombination einbringen soll. 

Damit steht nun neben den beiden SSL-Kanalzügen, der warmen Neve (British Class A) und der zackigen API (American Class A) sowie der fetten Röhren-Emulation von Summit ein gänzlich cleaner Sound zur Verfügung. 

Daniel Weiss, der Mann hinter alledem, fing übrigens bereits 1979 an, sich mit digitalem Processing zu beschäftigen, zunächst für Studer und später dann mit seiner Gründung von „Weiss Enginerring Ltd“. Unter dieser Flagge brachte er auch die State-of-the-Art 19-Zoll-Prozessoren EQ1 und DS1-Mk3 heraus – allesamt im markanten Weiß gehalten, versteht sich.

Details

Allgemeines

Softubes „Weiss Gambit Series for Console 1“ ist ein Channelstrip-Plugin für die Nutzung mit den beiden Hardware-Controllern Console 1 und Console 1 Fader. Es bietet Low- und High-Cuts sowie einen 4-Band-EQ, die allesamt auf dem 7-Band-EQ Weiss EQ1 basieren. Die Shape-, Drive- und Compressor/Limit-Sektion wiederum haben den Weiss DS1-MK3 Compressor/Limiter/De-Esser als Grundlage.

Beide Originale, also der Weiss EQ1 und der Weiss DS1-MK3, sind DSP-Hardware für das Mastering im 19-Zoll-Gewand und noch immer zu haben – mit Preisen von 6.000 bzw. 9.000 Euro allerdings nicht mit jedermanns Portmonee verträglich.

Bei der Weiss Gambit Series for Console 1 handelt es sich hingegen „nur“ um eine Software-Erweiterung, mit der man ohne Console 1 Hardware per se nichts anfangen kann.  Alternativ kann man das Weiss Complete Collection Bundle von Softube erstehen, das auch als ganz normales und natives VST/AU Plugin einsetzbar ist.

Bei beiden Software-Titeln wurde der Code der Hardware jedenfalls eins zu eins umgesetzt und damit erstmals auf nativen Systemen nutzbar gemacht. Mit einem Straßenpreis von 159 Euro ist die Console 1 Version aber deutlich günstiger als das allumfassende und mit aktuell 800 Euro recht hochpreisige Weiss Complete Collection Bundle. Die Console 1 Version ist im Bundle übrigens auch enthalten, aber das nur am Rande.

WEISS Equalizer

Schauen wir uns zunächst den EQ an. In Console 1 gibt es vier Bänder sowie zwei zusätzliche Cut-Filter in der Eingangssektion. Die Grundlage, der EQ1, bietet 7 Bänder, und diese in drei verschiedenen Modellvarianten: Linear-Phase, Low-Latency und Dynamic. Die Console 1 Variante verwendet aktuell nur den Low Latency Mode.

Alle vier Bänder arbeiten – im Gegensatz zu allen anderen bisher erhältlichen Console 1 EQs, die sozusagen auf „Vintage“ Geräten basieren – über den vollen Frequenzbereich und bieten wie das Original einen Cut/Boost von -39 dB bis +18 dB. Die äußeren Bänder hingegen haben nur einen festen Q-Faktor und wählbares Cut-, Peak- und Shelving-Verhalten. Die beiden mittleren Bänder hingegen arbeiten exakt wie die EQ1-Peak-Bänder und bieten somit einen extremen Q-Bereich von Faktor 0,2 bis 650. Die zusätzlichen Cut-Filter der Eingangssektion arbeiten mit 12 dB Flanke im Bass und 6 dB in den Höhen.

WEISS Dynamics

Dynamics ist ein durchaus dehnbarer Begriff, bei der Beschreibung des DS1-Mk3 aber vollkommen zutreffend. Ein De-Esser ist beispielsweise auch ein Compressor, nur eben mit Bandpass im Sidechain. Der "echte" DS1-MK3 kann das besonders gut, aber auch Split-Band, Full-Band Compression/Limiting sowie M/S und L/R-Seperation sind drin – ein echtes Workhorse eben, insbesondere zur Fehlerbeseitigung und weniger für das brachiale Slammen.

Die Essenz hat Console 1 gut eingefangen, wenn auch nicht vollständig abgebildet. Beginnen wir zunächst bei der Shaper-Sektion: Traditionell findet sich hier bei Console 1 ein Gate/Expander oder Transient-Designer. In der Weiss-Variante gibt es zunächst ein knackiges Gate, was sogar in der Lage ist „below-threshold compression“ zu betreiben – oder anders gesagt: leises Lautermachen, ohne Lautes zu beeinflussen. Somit lassen sich beispielsweise Reverb-Tails lauter machen oder Snare-Teppiche nach oben holen.

Der eigentliche Compressor bietet eine Ration von 1:1 bis 1000:1 und auch eine extrem kurze Attack von 0,02 ms – und ist damit im Extremfall ein Limiter, wenn klanglich recht dezent verortet. „Richtig Limiten“ kann man noch in der Drive-Section der Console-1, die aus Ermangelung von Weiss-Verzerrungen kurzerhand umfunktioniert wurde. Drive erhöht nun den Gain in den Limiter und Charakter bietet die drei entsprechenden Modes: DS1, Enhanced Type 1 und Enhanced Typ2. 

Der Gain des eigentlichen Compressor wird übrigens mit dem Threshold kompensiert, sodass das Ergebnis im Prinzip immer gleich „laut“ bleibt. Der Limiter des Drive wiederum sollte mit dem globalen Level gegengeregelt werden.

Video

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • transparenter Sound
  • flexibler EQ für Console 1
  • Below-Treshold-Compression

  • fixer Q in den äußeren Bändern
  • etwas sperrige Preispolitik

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