Gitarre Hersteller_Solar_Guitars
Test
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14.09.2018

Solar Guitars A1.6ETC Test

E-Gitarre

Stimmungsmacher

Die Solar Guitars A1.6ETC stammt aus der Produktion des schwedischen Metal-Gitarristen Ola Englund, der sich als Bandmitglied von Feared, The Haunted, Six Feet Under und diversen weiteren Formationen sowie durch seinen YouTube-Kanal einen Namen gemacht hat. Im November 2017 gründete er mit Solar Guitars seine eigene Gitarren-Linie, die ihren Sitz im spanischen Girona hat.

Die Instrumente der jungen Manufaktur erfreuen sich großer Beliebtheit, was nicht zuletzt an der Preisgestaltung liegt, denn die Gitarren reißen selbst in der Top-Ausführung kein allzu großes Loch in die Geldbörse. Ola nutzte seinen Bekanntheitsgrad dazu, das Feedback seiner Community in die Entwicklung einfließen zu lassen. Heute schaue ich mir die Solar A 1.6 etwa genauer an und ich bin schon sehr gespannt, wie sich die Gitarre im Test schlagen wird.

Details

Optik/Verarbeitung:

Solar Guitars bietet insgesamt vier verschiedene Korpus-Designs an, die sich an populären Gitarrenformen der Rock- und Metal-Geschichte orientieren. Unter dem Namen Type E beispielsweise ist ein Instrument im Explorer-Design zu haben, Type V lehnt sich stark an die Formgebung einer klassischen Flying V an. Unser heutiges Testinstrument hört auf den Namen Type A, bei dem wir es mit einem modernen Ableger des klassischen Strat-Designs zu tun haben, also ein Body mit zwei Cutaways.

Geliefert wird das Instrument in einem Karton, was ich etwas schade finde, denn eine Gitarre, die für nur wenig unter 1000 Euro über die Ladentheke geht, sollte wenigstens in einem Gigbag stecken.

Korpus:

Der Korpus besteht aus Erle und ist wie der Rest der Gitarre deckend in "Carbon Black Matte" lackiert. Diese Arbeit wurde tadellos ausgeführt und bietet keinerlei Anlass zur Kritik. Auf der Oberseite des Korpus wurde für einen erhöhten Spielkomfort die Armauflage ausgefräst, beide Cutaways besitzen ebenfalls Fräsungen, die das Bespielen in den hohen Lagen vereinfachen sollen.

Zwei direkt in den Korpus geschraubte Duncan Solar Humbucker nehmen die Schwingungen der Saiten auf und werden über einen Fünfwegschalter angewählt. Ein Volume-und ein Tone-Regler dürfen natürlich auch nicht fehlen. Diese besitzen griffige, schwarze Knöpfe, die ein gefühlvolles Justieren ermöglichen. Die Positionierung der beiden Potis und des Schalters empfinde ich als optimal, denn so wird ein versehentliches Verstellen erschwert, trotzdem lassen sie sich sehr gut erreichen.

Bei unserem Testmodell wurde eine Evertune F-Type Bridge verbaut, bei der es sich für meinen Geschmack um ein technisches Wunderwerk handelt. Wird diese Brücke einmal mit dem beigefügten Schlüssel und mithilfe der ausführlichen Bedienungsanleitung optimal auf eine Stimmung eingestellt, bleiben die Saiten immer in Stimmung. Das gilt auch bei einem neuen Satz Saiten, der identisch mit dem zuvor aufgezogenen ist. Das Ganze funktioniert rein mechanisch ohne Batterie oder sonstiger Stromzufuhr.

Möglich wird dies durch ein wahrlich durchdachtes Konzept, bei dem jeder Sattel einzeln durch eine Spiralfeder und, wie Evertune es beschreibt, im "Sweet Spot"- auch Zone 2 genannt, gehalten wird. Drückt man beispielsweise die Saite fest aufs Griffbrett, wird der so entstehende, höhere Ton korrigiert. Aber auch ein festeres Anschlagen der Saiten, was normalerweise für Verstimmungen sorgt, wird tonal kompensiert. Der Nachteil liegt natürlich auf der Hand: Bendings und Fingervibratos sind so nicht möglich. Wird die Saite jedoch so weit hoch gestimmt, dass der Sattel den Sweet Spot verlässt, sind Bendigs etc. möglich. In diesem Fall verhält sich der Sattel wie bei einer herkömmlichen Gitarre. Will man das Beste aus beiden Welten, ist aber auch dies möglich! Hierfür muss die Saite soweit hochgestimmt werden, sodass der Mechanismus weiterhin die Saiten stabil in Stimmung hält und etwaige Veränderung in der Saitenspannung kompensiert, jedoch nah genug am Ende von Zone 2 - zum Übergang zur Zone 3 positioniert, so dass Bending und Vibrato die Saiten über den Bendstop hinaus befördern, wo die Saiten sich wie bei einem regulären Fixed Bridge System verhalten. Positiv ist auch, dass für sämtliche Einstellung nur ein einziger Schlüssel benötigt wird.

Die Klinkenbuchse befindet sich in der unteren Zarge und auch der hintere Gurtpin befindet sich dort, wo man ihn erwartet. Ganz im Gegensatz zum vorderen Gurthalter, der auf der Rückseite des oberen Horns zu finden ist. Die Platzierung verwundert nicht, denn die Cutaways fallen ausgesprochen spitz aus und bieten kaum Halt für eine Schraube.

Die Rückseite der 3574 Gramm wiegenden Gitarre ist ebenfalls deckend lackiert und mit einer Fräsung versehen, die im Gitarristenjargon gemeinhin als Rippenspoiler tituliert wird. Zwei weitere für die Elektronik und die Everlast-Brücke sind mit Kunststoffdeckeln verschlossen, wobei lediglich der des Elektronikfachs versenkt wurde. Auffälligstes Merkmal der Rückseite ist aber sicherlich der Übergang vom Korpus zum eingeleimten Hals, der im Set-Thru-Neck-Verfahren verbaut wurde. Somit ragt er ein ganzes Stück in den Korpus hinein. Der Hals-Korpus-Übergang wurde stark konturiert, was für eine komfortable Bespielbarkeit in den hohen Lagen des Griffbretts sorgt.

Der Hals mit einem modernen C-Shape besteht aus Ahorn und einem Ebenholzgriffbrett, und auch hier ist die Rückseite deckend lackiert und sorgt für ein stimmiges Erscheinungsbild. Die 24 Super Jumbo Frets wurden tadellos eingearbeitet, an den Kanten verrundet und auf Hochglanz poliert. Als einzige Griffbrettmarkierung findet sich das Solar-Firmenlogo im 12. Bund, das sich jeweils über zwei weitere Bünde nach oben und unten windet. Die eigentlichen Orientierungshilfen finden sich in Form von "Glow in the Dark"-Punkten in der Halskante. Auf der Reise in Richtung Mechaniken überqueren die Saiten einen 43 mm breiten Sattel aus Graphit, der sie spielfrei über den mit einem Kunststoffdeckel verschlossenen Zugang des Halsspannstabes führt. Die Kopfplatte ist spiegelverkehrt angebracht, somit ragen die sechs geschlossenen Gotoh-Mechaniken in schwarzer Farbgebung nach unten. Mit einer Mensur von 25,5", also 648 mm, besitzt die Gitarre exakt Fender-Maße und sollte damit den meisten Gitarristen ein vertrautes Spielgefühl vermitteln.

Gefertigt wird unsere Probandin in Indonesien, und zwar sauber und ohne offensichtliche Makel.

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Audiobeispiele

Video

Pro & Contra

  • tadellose Verarbeitung
  • sehr gute Bespielbarkeit
  • variable Rock- und Metal-Sounds
  • Evertune Bridge

  • keins
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