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Test
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09.01.2020

Soma Laboratory Lyra-8 Black Beast Test

Achtstimmiger „Organismic Synthesizer“

Anders als Andere

Mit dem Lyra-8 bringt die polnische Synthesizer-Manufaktur Soma Laboratory von „Vlad Kreimer“ einen achtstimmigen Analogsynthesizer auf den Markt, der in jeder Hinsicht ungewöhnlich ist. Beginnend bei den Tastkontakten, die als kapazitive Metall-Sensoren ausgelegt sind, über eine Klangarchitektur, die ausgesprochen wenig mit klassischen subtraktiven Konzepten zu tun hat, und eher den Tongeneratoren alter elektrischer Orgeln nachempfunden ist, bis hin zu einer internen Verschaltungsmatrix, die es zum Ziel hat, möglichst viele Nicht-Linearitäten zu produzieren.

Details

Konzept

Schon in der Konzeption ging Entwickler Vlad Kreimer hier einen sehr ungewöhnlichen Weg: Inspiriert von der Effektivität von Insekten-Gehirnen, die darauf beruht, dass sie nicht lineare, chaotische Verknüpfungen erzeugen können, wollte er diese Qualitäten auch der Lyra mit auf den Weg geben: Alles soll instabil und vage sein und sich gegenseitig beeinflussen, weshalb eine ganze Reihe von Parametern auch mit Feedback-Schleifen arbeiten. Überhaupt ist der gesamte Signalfluss in der Art einer organischen Verästelung gedacht, denn zwei Stimmen laufen zusammen in eine Gruppe, diese dann wieder in einen Vierer-Strang, der am Ende in einem Stamm zusammengeführt wird. Nicht zuletzt geht es ihm um die direkte Spielbarkeit: Denn seiner Überzeugung nach, beruht die hohe Akzeptanz mechanischer Instrumente (er vergleicht im Einleitungstext eine Violine, die man ein Leben lang spielt mit Synthesizern, die man viel häufiger wechselt) darauf, dass sie einen unmittelbaren haptischen Zugriff auf die Klangformung liefern. Er nennt hier das Theremin als Maßstab für wirklich spielbare Instrumente. Kein schlechter Standpunkt – schauen wir uns den Lyra-8 also einmal genauer an.  

 

Architektur

Auf die harten Fakten herunter gebrochen, ist der Lyra ein achtstimmiger Analogsynthesizer wobei jede der acht Voices einzeln gestimmt werden kann. Jeweils zwei Stimmen (1/2, 3/4, 5/6, 7/8) werden in einer Zweiergruppe zusammengefasst. Pro Gruppe kann über einen Switch eine langsame oder schnelle VCA-Hüllkurve geschaltet werden, ferner die Modulationsintensität abgestimmt (Mod), und die generierte Wellenform zwischen Dreieck/Rechteck und FM-Modulation (zwischen den Gruppen) interpoliert werden (Sharp). Darüber hinaus kann mit einem dreistufigen Kippschalter pro Gruppe die FM-Modulationsquelle gewählt werden: Aus, der nebenan liegende Stimmenblock, oder LFO CV/Total FB. Die beiden benachbarten Gruppen bilden dann zwei Vierergruppen (1234/5678) auf die sich jeweils ein Pitch-Poti anwenden lässt, das alle Stimmen der Subgruppe zusammen im relativen Abstand zueinander verschiebt. Über dem Pitch sitzt dann ein Hold-Poti, das – abhängig von der gewählten Envelope (Fast/Slow) die Stimmen einer Vierergruppe ein- und ausblendet (Slow zuerst, dann Fast), oder statisch hält. Zudem bewirkt ein Aufdrehen des „Hold“-Potis, dass sich die – im Slow-Modus ohnehin bereits episch lange Release-Zeit von rund 30 Sekunden – noch einmal verlängert. 

 

 

Im Zentrum des Lyra Synthesizers befinden sich drei Kippschalter: „Total FB“ sorgt dafür, dass das Ausgangssignal selber zur Quelle für den Modulationsweg wird (Feedback), „34 > 56 / 78 > 12“ regelt die Struktur der FM-Modulation und „Vibrato“ aktiviert – naheliegender Weise – das Vibrato global für alle Stimmen. In der oberen linken Ecke sitzt ein LFO mit zwei Frequenzen, die wahlweise addiert oder subtrahiert werden können. Der Schalter „Link“ bewirkt zusätzlich eine FM-Modulation von Frequenz A auf B. An zentraler Stelle befindet sich ein Duales Delay mit zwei separaten Ketten und Cross-Feedback, die auch von einer Kontrollspannung, den LFO, oder sich selbst moduliert werden können. Der LFO selbst kann wahlweise mit Dreiecks- oder Rechteck-Spannung agieren. In der oberen rechten Ecke lebt dann die Ausgangssektion mit einer regelbaren Verzerrerschaltung (Drive/Mix) und der Gesamtlautstärke.

 

Erster Eindruck

Hat man den 2,5 kg schweren Boliden, der wahlweise in schwarz (Black Beast) oder weiß (White Angel) erhältlich ist, aus der Verpackung gewuchtet, erwartet einen eine ziemlich attraktive Optik: Die hübsch gestalten Poti-Köpfe - insbesondere die mit einer Metall-Skala umringten Tune-Regler – versprühen ein bisschen den Charme historischer  russischer Weltraumtechnik. Alle Potis lassen sich ordentlich und ohne großen Widerstand bewegen, richtig „edel“ sind sie allerdings nicht, da beim Drehen – insbesondere der Tune-Potis – eine leichte Unwucht sichtbar wird.

 

 

Anschlüsse

Die Rückseite offenbart einen ziemlich umfassenden Konnektivitäts-Reigen: Links startet die Klinken-Buchsenreihe mit einem CV-Eingang für die Tonhöhen-Modulation der Stimmen, die auf LFO CV geschaltet sind. Der Eingang daneben empfängt Kontrollspannungen zur Modulation der Delay-Zeit. Es folgen ein Input zum Fernsteuern der Hold-Funktion und ein externer Audio-Eingang, der sowohl die Delay- wie auch die Distortion-Stufe durchläuft. Den Abschluss nach rechts bilden ein Line- und ein Miniklinken-Kopfhörer-Ausgang.

Video

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Innovatives Konzept
  • Attraktives Design
  • Taktiler Zugriff auf alle Parameter
  • Viele externe Modulationspunkte

  • Klangliches Spektrum relativ überschaubar
  • Delay mit deutlicher Rauschfahne
  • Leichte Crossmodulation / Übersprechen in den oberen Lagen

Gehört zu dieser Serie

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