Test
3
09.01.2020

Praxis

Verwendung

Will man die Lyra ansatzweise wie einen klassischen Synthesizer, ja überhaupt wie ein tonales Instrument spielen, gilt es zunächst, die acht Stimmen in einen harmonischen, wahlweise auch dissonanten, Kontext zu bringen. Dazu muss man sie stimmen: Entweder per Ohr, oder mit einem externen Tuner. Gerade das freie Stimmen, rein nach Gehör, sorgt aber immer wieder für interessante Intervallschichtungen. Die Skalierung der Potis ist dabei gut gewählt, so dass es mit feinfühligem Schrauben eigentlich immer gelingt, die gewünschte Tonhöhe anzufahren. Hilfreich ist dabei die Hold-Funktion, die sämtliche Stimmen einer Vierergruppe bedient. Apropos Bedienen: Das Spielen auf den Sensoren erfordert ein kleine, aber doch vorhandene Lernkurve. Kontakt ist immer gegeben, wenn ein Teil des Körpers (beispielsweise ein Finger der linken Hand) Berührung mit einem (beliebigen) Pin der unteren Reihe hat. Wenn man dann mit der gleichen oder anderen Hand einen oder mehrere Schaltflächen der oberen Reihe betastet, erklingt die entsprechende Stimme. Bei kurzem Antippen erklingen Noten leiser und kürzer, weil dann nicht die komplette Hüllkurve durchlaufen wird. Durch den Trick eine Münze zwischen die Kontakte zu legen, lassen sich gezielt einzelne Note ins Endlos-Legato bringen.

Dreht man alle Regler (Pitch und Tune) in Zwölf-Uhr-Stellung, entsteht eine grundsätzliche Ordnung von tiefen Frequenzen links, höheren rechts. Die Anleitung empfiehlt diese aufsteigende Orientierung auch, da die linken Stimmen schaltungstechnisch für tiefe Frequenzen optimiert sind, die rechten für hohe. Dreht man sehr schnell am Pitch-Regler, geht kurzzeitig die Lautstärke um einige Dezibel runter – besonders, wenn man den Pitch nach unten verschiebt. Schon hierbei entstehen quasi automatisch interessante Drone-Episoden, die ein bisschen B-Movie-mäßig vor sich hin eiern. Der Effekt verstärkt sich, wenn man das globale Vibrato hinzugibt.

Nimmt man die Parameter Sharp und Modulation hinzu und stellt diese pro Gruppe unterschiedlich ein, zeigt sich, dass die Lyra zu durchaus komplexen Klangepisoden fähig ist, wo man beispielsweise im Bassbereich eine Ostinato-Note hält, in der Mittenlage eine LFO-modulierte Note und nach oben hin Legato-Akzente spielt. Gerade in Verbindung mit der FM-Modulation kann die Lyra schnell auch mal ins Garstige Kippen und möchte entsprechend feinfühlig bedient werden. Das integrierte Delay ist ganz klar ein Charakter-Effekt und weniger High-End, denn es fügt dem Signal eine gehörige Rauschfahne und auch eine leicht granulare „Bröselig“ kein hinzu, die eine deutlich Patinierung der Klänge zur Folge hat. Bei extremen Feedback-Einstellungen neigt es auch schon mal zum digitalen Overload und wirkt dann kaputt und krank – auch hier gilt entsprechend feinfühliges Regeln. 

Soma Lyra-8 Black Beast Sound Demo (no talking)

Klang

Ohne jegliche Modulationen und tonal sauber eingestellt kann die Lyra durchaus – im weitesten Sinne - melodisch klingen. Freunde des sauberen Klangs könnten sich daran stören, dass in den oberen Tonhöhen ein seltsames metallisches „Mitschwingen“ zu hören ist, das ein wenig an Ringmodulation erinnert. Tatsächlich ändert sich auch die Frequenz, wenn man an der danebenliegenden Tonhöhe einer Gruppe dreht. Aber natürlich ist das auch Teil des Konzeptes.

Ebenfalls ein integraler Bestandteil ist das Delay mit seinen zwei Echo-Strängen und der Möglichkeit zur internen und externen Modulation, das zu einem nicht unerheblichen Teil den Charakter des Lyra prägt.

Unendlich sind die Klangmöglichkeiten allerdings nicht. Es gibt einige Settings, die am ehesten den Bereichen Experiemental, Drone, Ambient und Noize zuzuordnen sind, die es zu entdecken gilt. Hat man diese erforscht, wünscht man sich an manchen Stellen dann doch ein kleines Filter oder zumindest eine Lautstärkeregelung für die Einzelstimmen.

Video

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Innovatives Konzept
  • Attraktives Design
  • Taktiler Zugriff auf alle Parameter
  • Viele externe Modulationspunkte

  • Klangliches Spektrum relativ überschaubar
  • Delay mit deutlicher Rauschfahne
  • Leichte Crossmodulation / Übersprechen in den oberen Lagen

Gehört zu dieser Serie

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