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30.12.2018

Songwriting mit der Gitarre

7 einfache Tipps für deine Songs

Songs auf der Gitarre schreiben lernen

Hits mit der Gitarre schreiben! Dass die Gitarre sich als ein durch und durch geeignetes Instrument für das Songwriting bewährt hat, beweisen viele Hits der letzten Jahrzehnte, die von Gitarristen und Singer-Songwritern geschrieben wurden. Sobald die ersten Akkorde sauber klingen, ist man theoretisch schon in der Lage, einfache Songs zu schreiben.

So weit die Theorie. In der Praxis tauchen dennoch meist einige Hürden auf, die im schlechtesten Fall die Kreativität ausbremsen können. Hier hilft es, sich einige Punkte immer wieder ins Gedächtnis zu rufen bzw. in den Workflow beim Schreiben einzubinden. Mit diesen 7 Tipps soll euch das Songwriting auf der Gitarre erleichtert werden.

Quick Facts zum Songwriting mit der Gitarre

Warum eignet sich die Gitarre gut zum Schreiben von Songs?
Schon mit ein paar Griffen kann man einfache Lieder schreiben. Außerdem lässt sich die Gitarre überall hin mitnehmen, sodass man für das Songwriting nicht an einen festen Ort gebunden ist und bei einer kreativen Eingebung direkt loslegen kann.

Welche Griffe muss man beherrschen, um eigene Songs zu schreiben?
Das kommt auf die Musikrichtung an. Einfache Punkrock-Songs brauchen nur ein paar Powerchords, und auch mit den ersten Leersaiten-Akkorden ist man schon gut aufgestellt.

Was kommt zuerst? Melodie, Text oder Akkorde?
Da gibt es keine feste Regel. Es kommt ganz auf den Song bzw. die Quelle an, die den Anstoß zum Schreiben gibt. Das kann eine schöne Melodie sein, ein Text, der inspiriert, oder auch eine Akkordfolge, die euch gut gefällt.

1) Einfach loslegen

Wie heißt es so schön: "Probieren geht über Studieren" oder "Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen." Klar, solche Phrasen klingen vielleicht erst einmal etwas abgedroschen, sind aber auch in diesem Fall absolut zutreffend.

Songs zu schreiben lernt man nur, indem man viele Songs schreibt. Selbst wenn man sich also mit den verschiedensten Ratgebern und Lehrwerken zum Thema Songwriting beschäftigt hat, wird man nicht gleich einen guten Song schreiben. Bekannte und renommierte Songwriter der Pop- und Rockgeschichte haben auch nicht sofort Hits wie am Fließband geschrieben, sondern kontinuierlich und ausdauernd darauf hingearbeitet.

Um gleich noch ein Klischee zu bemühen: Auch "der Mut zum Scheitern" ist eine absolute Grundvoraussetzung. Man sollte sich also nicht so leicht unterkriegen lassen und sich ruhig trauen, eine stagnierende Idee einfach beiseite zu legen, vielleicht auch ganz zu löschen, um die kreative Energie lieber anderen Dingen zu widmen.

In diesem Artikel soll es hauptsächlich um die Gitarre im Songwriting-Prozess gehen. Dennoch sollte auf keinen Fall unerwähnt bleiben, dass eine Message beim Schreiben der Lyrics bzw. ein Grund, warum man schreiben will, vorhanden sein sollte, um einen eingängigen Song, der die Leute abholt und berührt, aufs Papier zu bringen.

Hier findet ihr einige Workshops zum Thema Texte schreiben:

2) Nachahmen und inspirieren lassen

Bevor man anfängt, eigene Songs zu schreiben, wird man in den meisten Fällen schon einige Lieder auf der Gitarre gelernt haben. Im Idealfall sind es Titel, die man persönlich mag. Es spricht überhaupt nichts dagegen, Songstrukturen und Harmoniefolgen zunächst stur zu kopieren, um zu lernen, was einen guten Song ausmacht. Wenn euch also eine Akkordfolge aus einem Song gut gefällt, fangt an, damit rumzuspielen. Dabei kann die Akkordfolge beispielsweise variiert oder ergänzt und auch völlig "blind" auf dem Griffbrett hin- und hergeschoben werden. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt.

Übrigens basieren viele großartige Songs auf denselben Harmoniefolgen. Ein Umstand, der meiner Meinung nach im aktuellen Mainstream etwas überreizt wird, was unter anderem dazu beiträgt, dass die aktuellen Hits oft sehr gleich klingen.

3) Viele Wege führen nach Rom

Es gibt keine Regel, die besagt, ob erst der Text, die Melodie oder die Akkordfolge stehen muss. Meine Erfahrung beim Schreiben mit der Gitarre hat gezeigt, dass oft eine coole Akkordfolge, beispielsweise kombiniert mit einem inspirierenden Picking oder einem eingängigen Anschlagrhythmus die Kreativität beflügeln kann. Wichtig ist hier ein Motiv, das sich wie ein roter Faden durch den Song spannt.

Im Rock bzw. Hard- und Heavy-Sektor ist dabei das sogenannte Riffing oft ein guter Ausgangspunkt, um eine Basis für einen eingängigen Rocksong zu schaffen. Manchmal kann es also einfach reichen, mit ein paar zuvor überlegten Riffs in den Probenraum zu kommen und auf diesen dann gemeinsam mit den anderen Bandkollegen zu jammen.

Sowieso muss der Songwriting-Prozess nicht auf eine Person begrenzt sein. Der Ansatz, eigene Ideen anderen vorzuspielen und sie dann gemeinsam weiter auszuarbeiten kann einen Song oft deutlich nach vorne bringen. Und auch ohne Text kann eine Melodie entstehen. Fantasiesprache ist ein Mittel, auf das viele Sänger beim Schreiben zurückgreifen.

4) Musiktheorie hilft

Zweifelsohne gibt und gab es einige Musiker, die großartige Songs geschrieben haben, ohne auf ihrem Instrument besonders virtuos zu sein oder eine tiefere Kenntnis musiktheoretischer Zusammenhänge zu haben. Zunächst also auf die Intuition bzw. das eigene Bauchgefühl zu hören und sich beim Schreiben davon leiten zu lassen, ist absolut empfehlenswert für einen natürlich wirkenden Song.

Dennoch ist ein tieferes Wissen um das Wesen von Harmoniefolgen beispielsweise absolut nützlich, um musikalische Klischees zu entschlüsseln. Auch um aus der Stagnation beim Ausarbeiten einer Idee herauszufinden, kann ein Griff in die musiktheoretische Trickkiste wahre Wunder bewirken. Wenn man zudem beispielsweise einen Auftragssong schreibt, der in die Musikrichtung "XY" führen soll, ist das Wissen um typische Harmoniefolgen und deren Aufbau in jeder Stilistik quasi das A und O. Absolut hilfreich ist außerdem das Studium von Songformen, Songstrukturen und Stilistiken. Darunter zählt z.B. auch die Auseinandersetzung mit der Frage, was einen guten Refrain ausmacht.

Ausgiebige Möglichkeiten euch in Sachen Harmonielehre fortzubilden findet ihr hier:

Wie man mit den gleichen vier Akkorden ganz unterschiedliche Stile bedienen kann, verrät euch diese Workshop-Reihe:

5) Üben hilft auch

Für die Entwicklung des Schreibens mithilfe der Gitarre ist natürlich auch das allgemeine Vorankommen auf dem Instrument sehr hilfreich. Übt also fleißig Akkorde, Skalen und was es sonst noch alles gibt. Neue Griffbilder bzw. toll klingende Akkord-Voicings beispielsweise können einen ebenso inspirierenden Einfluss auf euren nächsten Song haben.

Wie ihr Fehler beim Üben vermeidet, verrät euch dieser Ratgeber:

6) Alternative Stimmungen als Türöffner zu neuen Ideen

Jeder Gitarrist, der schon etwas länger spielt, kennt das Problem: Oft ist man in seinen eigenen Gewohnheiten gefangen. Das können typische Licks sein, die einfach abgespult werden, aber auch Akkordfolgen, die sich im Kreis drehen. Bringt man die Gitarre in eine alternative Stimmung, kann sich dies quasi wie ein Reset auswirken, da man zunächst wieder "blind" auf dem Griffbrett ist und einzig seinen Ohren trauen muss. Probiert das unbedingt mal aus. Es lohnt sich!

Einen Ratgeber zu unterschiedlichen Tunings findet ihr hier:

7) Ideen festhalten

Beim Ausarbeiten einer Akkordfolge, eines Songteils oder einer Melodie steht man nicht selten vor "musikalischen Kreuzungen", an denen man sich fragt, wohin man abbiegen soll. Falls einen hier das Bauchgefühl im Stich lässt, ist es immer hilfreich, verschiedene Versionen des Parts aufzunehmen. Dafür muss man übrigens nicht ins Studio gehen. Es reicht, völlig rudimentär die Aufnahmefunktion des Smartphones zu nutzen, um dann später zu entscheiden, wohin die Reise gehen soll. Diese Möglichkeit beugt übrigens auch dem Vergessen der eigenen Ideen vor. Persönlich war ich oft schon sehr froh, am Vortag schnell noch ein kleines Memo gemacht zu haben, wenn mir am nächsten Morgen das Gitarrenriff nicht mehr einfallen wollte.

Veröffentlicht am 30.12.2018

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