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Test
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29.07.2019

sonible smart:comp Test

Intelligentes Kompressor-Plugin

Der erste Kompressor, der mitdenkt

Schlaue Plugins braucht das Land – der smart:comp von sonible ist genau so eins. Der österreichische Hersteller hat sich bereits mit dem smart:eq 2 und dem smart:eq live einen Namen gemacht, die automatische Frequenzgangkorrekturen vornehmen und das Leben eines Engineers somit deutlich einfacher machen. 

Warum das Ganze nicht also auch mal mit einem Kompressor probieren? Gesagt, getan.

Details

Schlaues Ding, du

Der Sonible smart:comp ist ein neuartiges Kompressor-Plugin, das das klassische zeitbasierte Komprimieren mit „spektraler“ Kompression kombiniert und zusätzlich alle Einstellungen auch noch mit einer Automatik KI-mäßig selber auswählen kann. Das überrascht insofern nicht, da Sonible bereits dank „schlauer“ EQs von sich reden lassen hat.

Erst kürzlich habe ich den smart:eq 2 und auch den smart:eq live getestet. Das Plugin smart:comp ist für die Formate AU, AAX und VST/VST3 sowie für Windows und OSX erhältlich.

Tolle GUI, zusätzliche Parameter

Fangen wir ganz von vorne an: Der smart:comp ist zunächst ein ganz normaler Kompressor mit klarer Strukturierung und den Parametern THRESHOLD, RATIO (1:1 bis 10:1), ATTACK (0 bis 200 ms) und RELEASE (0 bis 1500 ms). Hinzu kommt die Möglichkeit, je eine HOLD-Zeit für Attack (0 bis 60 ms) und Release (0 bis 100 ms) zu definieren und sogar die Form (SHAPE) des Übergangs festzulegen. Das Ganze wird visuell außerdem auf eine sehr schöne Weise dargestellt und ist graphisch bedienbar. 

Daneben gibt es eine Focus Detection, die genau genommen ein Bandpass-Sidechainfilter ist und ebenfalls mühelos bedient sowie solo abgehört werden kann. Das GUI glänzt generell durch eine wirklich hervorragende und optisch ansprechende Strukturierung. Sonbile war in Sachen User Interface schon immer gut, hat sich hiermit aber sogar noch gesteigert.

Spectral Compression, was soll das sein?

Zusätzlich kann man „spectral“ komprimieren, was nichts anderes als eine Multi-band-Compression mit sehr vielen Bändern ist. Um genau zu sein, sind es ganze 2.000 an der Zahl – und da man die nicht alle einzeln einstellen will, gibt es auch keine weiteren Parameter als ein übergreifendes 0-bis-150-%-SENSITIVITY. Zuvor muss man allerdings die KI aktiviert haben, denn ohne Analyse macht der Spectral Compressor nichts. Aktiviert man außerdem Sidechain-Ducking fällt die spektrale Kompression weg.

In der Kombination erzielt man mit beiden Kompressionen sehr gute Ergebnisse. Besonders interessant ist aber auch die KI hinter dem Learning-Prozess, den man mit dem Aufnahmetaster startet. Innerhalb von rund acht Sekunden analysiert der smart:comp das Signal und nimmt die wichtigsten Einstellungen an dem „traditionellen“ Kompressor vor, sprich Threshold, Ratio, Attack und Release und formt Spectral. Hold und Shape  bleiben davon jedoch unbeeinflusst. Und die Ergebnisse? Die sind tatsächlich immer top, aber hört und seht doch bitte selbst!

Klang

Der smart:comp verdichtet und macht lauter, drückt dem Signal dabei aber keinen Stempel auf. Das muss er aber auch gar nicht. Ich persönlich finde sowieso, dass man Farbe und Charakter kaum mit einem Software-Kompressor realisieren kann. Unkompliziert geht das eigentlich auch nur mit Hardware oder vielleicht noch ausgefuchsteren Saturaration-/Exciter-Tools wie denen von iZotope Ozone, Softube Harmonics und Co. Insofern finde ich den grundsätzlich technisch nüchternen Ansatz hier mehr als gut: Erst mal alles auf Linie bringen und dann kann man immer noch „rumschmutzen“, sozusagen. Es ist dennoch mehr als erstaunlich, wie der smart:comp immer wieder den richtigen Ton findet und genauso komprimiert, wie ich es mir wünschen würde. 

Extras

Bei einer so guten Automatik braucht man Redo/Undo, A/B-Speicher, Copy und Presets auch eigentlich gar nicht mehr: Automatik an – und gut. Trotzdem runden Funktionen wie BYPASS, RESET, Dry/WET, I/O-Regelung, AUTO I/O und die Meters (inklusive GR-Meter rechts sowie Settings-Page links) das Ganze gehörig ab. Ein vernünftiges Handbuch gibt es zwar auch, die GUI erklärt sich aber eigentlich von selbst und wenn man mal nicht weiter weiß, helfen die Tooltipp weiter, die auftauchen, sobald man die Maus über eine Funktion bewegt. Ebenfalls hilfreich: die Tour am Anfang. Didaktisch alles richtig gemacht, Sonible!

Wichtig bleibt da nur noch zu erwähnen, dass die Automatik mehrere Voreinstellungen für das zu erwartende Signal mit sich bringt. Analysiert wird das Signal dabei übrigens nicht anders bzw. neu, die Ergebnisse werden lediglich anders interpretiert. Soll heißen: Habt ihr bereits einmal analysiert, könnt ihr direkt unterschiedliche Voreinstellungen ausprobieren und müsst nicht wieder neu analysieren lassen – coolio!

Fazit

Der Sonible smart:comp macht sehr vieles richtig: Er klingt modern, kombiniert unterschiedliche Verdichtungsansätze unkompliziert miteinander und vereint das alles in einer schönen und übersichtlichen GUI. Außerdem spart er Zeit, und das nicht nur bei Anfängern, die sich gerade am Beginn ihrer Kompressorkarriere gerne mal verdaddeln oder gar daran verzweifeln. Auch Profis können von ihm profitieren. Eine Makrofunktion, um in allen geladenen Instanzen gleichzeitig die Automatik zu aktivieren, wäre für die Zukunft allerdings noch wünschenswert. Und natürlich stellt sich die Frage nach der konsequenten Verschmelzung von smart:eq und smart:comp. Ich hätte da auch schon einen Namen: smart:channel – Bitteschön, gern geschehen! Ach, und noch was: Der Preis von den aktuellen 129,- Euro ist mehr als fair, vor allem, wenn man bedenkt, was manch andere Hersteller für die hundertste Kopie fotorealistischer Hardware verlangt.

  • Pro
  • klassischer Kompressor mit Spectral Compression
  • zusätzliche Hold- und Shape-Parameter für Attak und Release
  • cleverer Automatikmodus
  • Preis-/Leistungsverhältnis
  • Contra
  • kein Contra
  • Features
  • Kompressor-Plugin (Download)
  • K.I.-basierter spektrodynamischer Kompressor mit erweiterter Zeitbereichskompression und spektraler Kompression
  • automatische Analyse des eingehenden Audiomaterials und automatische Einstellungen für Threshold, Ratio, Attack und Release
  • vordefinierte Profile für inhaltsabhängige Signalverarbeitung
  • dynamisches Ducking verhindert Probleme zwischen Input- und Sidechainsignal
  • Smart Auto Gain
  • unterstützte Formate: VST2 / VST3 / AU / AAXnative
  • Systemvoraussetzungen: ab Win7, ab Mac OSX 10.7, Intel Core i5, 4 GB RAM, Internetverbindung
  • Preis
  • 129,- EUR ( Straßenpreis am 23. Juli 2019)
Veröffentlicht am 29.07.2019

Video

Pro & Contra

  • klassischer Kompressor mit Spectral Compression
  • zusätzliche Hold- und Shape-Parameter für Attak und Release
  • cleverer Automatikmodus
  • Preis-/Leistungsverhältnis

  • kein Contra

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