Test
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01.07.2020

Sonosax SX-M2D2 Test

Mobiles USB-Interface mit Preamps

Schweizer Understatement

Der Sonosax SX-M2D2 ist ein kleines USB-Interface, das auf der International Broadcasting Convention 2019 vorgestellt wurde. Das liefert schon einen entscheidenden Hinweis: Der SX-M2D2 ist in erster Linie für Rundfunk- und Filmton gedacht. Wir schauen uns an, ob das kleine Interface auch für Musiker und Musik-Tontechniker interessant ist.

Details

Sonosax

Sonosax ist lange schon eine etablierte Firma in Broadcast-Kreisen. Die Schweizer stellen seit Ende der 70er Jahre High-End Audio-Equipment her. Manchem könnten die Sonosax-Mixer SX-b und SX-a aus den 1980er Jahren noch ein Begriff sein. Portable Mixer wie der Sonosax SX-S wurden als Standardgeräte in der Filmindustrie genutzt. Die Wertschätzung gipfelte in einem technischen Oscar für Jacques Sax, den Gründer von Sonosax für die Entwicklung des SX-S.

Äußerlichkeiten

Im Kern ist der Sonosax SX-M2D2 ein USB-Audiointerface, kann aber auch als standalone Stereo-Preamp und 6-Kanal-Mixer benutzt werden. Das schwarze Aluminium-Gehäuse ist aus einem Stück gefräst und macht einen hochwertigen Eindruck. Hat man den M2D2 in der Hand, drängt sich unweigerlich der abgedroschene Vergleich zu einer Zigarettenschachtel auf. Obwohl das bei dem M2D2 sogar fast hinhaut, möchte ich korrekter vergleichen: Der M2D2 ist etwa so groß wie eine externe 2,5” Festplatte. Mit etwa 13 cm x 7cm x 2,8cm passt das Gerät wirklich bequem mit in einen Gitarrenkoffer, eine Laptoptasche, eine Kopfhörertasche oder in die Hosentasche. Überall, wo man sonst bisher kein High-End Interface mitnehmen konnte, kann das SX-M2D2 verwendet werden. Die kompakte Größe erkauft sich Sonosax mit dem Verzicht auf gewöhnliche Full-Size-Anschlüsse.

Anschlüsse

Auf der Rückseite finden sich also nicht die erwarteten XLR-Anschlüsse, denn zum einen hat das Anschlussfeld eine Höhe von gerade mal 28 mm und die meisten XLR-Buchsen sind etwa 30 mm hoch. Zum anderen hat Sonosax auf der Rückseite ganze neun Anschlüsse auf engstem Raum untergebracht. Damit das alles geht, laufen alle Audio-Verbindungen über Mini-XLR Stecker. Diese sind im Filmton oder an Funksendern bei Liveanwendungen verbreitet, aber im Tonstudio eher seltener gesehen. Die fünf Mini-XLR Buchsen sind zunächst zuständig für die beiden Mikrofon-Eingänge, die jeweils eine eigene Buchse haben. De beiden Line-Outs teilen sich eine Buchse und die letzten beiden Buchsen sind AES Ein- und Ausgänge. Sie unterstützen sowohl AES3- als auch AES41-Signale, also digitale Mikrofonsignale. Dann gibt es noch eine 3,5 mm Stereo-Klinkenbuchse für den Kopfhörerausgang und den etwas exotisch anmutenden Hirose 4-Pol Rundstecker. Über diesen kann der Sonosax SX-M2D2 zum Beispiel von einem Sonosax SX-R4+ Mobilrecorder mit Strom versorgt werden. Ein anderer Möglichkeit, den M2D2 mit Strom zu betanken, ist es, eine der beiden USB-C-Buchsen zu verwenden. Es gibt einen USB-Anschluss für die Datenverbindung und einen für die Stromversorgung. Das hat den Vorteil, dass Android- oder iOS-Geräte gar nicht in die Verlegenheit kommen, Strom über einen Adapter bereitstellen zu müssen und der M2D2 ohne Installation irgendwelcher Treiber oder Kabelkonstrukte funktioniert.

Innere Werte: Strom

Ein Nachteil ist aber, dass man zum Beispiel am Computer zwei USB-Kabel braucht, um eine Datenverbindung herzustellen und den Sonosax SX-M2D2 gleichzeitig zu laden. Eine weitere Möglichkeit zur Stromversorgung ist nämlich der eingebaute Akku. Sonosax hat sich erfreulicherweise nicht dazu hinreißen lassen, ein proprietäres Akkusystem für den M2D2 zu entwickeln und selbst teure “Profi-Akkus” zu verkaufen. Stattdessen hat man sich entschlossen, auf gewöhnliche 18650-Zellen zurückzugreifen. Diese liegen preislich bei etwa 5 Euro und sind in diversen Shops erhältlich. Außerdem gibt es für die 18650-Akkumulatoren erschwingliche Ladegeräte von der Stange, sodass man im Mobilbetrieb immer volle Akkus bereithalten kann.

Bedienung

Die Vorderseite des Sonosax SX-M2D2 ist mit zwei Reglern und einem Display minimalistisch gehalten. Das schwarz-weiße OLED-Display hat eine Auflösung von 128x64 Pixel. Beide Encoder besitzen zugleich eine Push-Funktion. Im Hauptfenster kontrollieren die Regler jeweils die Verstärkung der beiden Mikrofon-Preamps. Drückt man den linken Regler, öffnet sich das Menü, von dem aus kann man sich durch die Einstellungen klicken kann. In der Standardeinstellung öffnet oder bestätigt man mit dem Drücken des linken Reglers und wählt durch drehen andere Menüpunkte aus, während der rechte Regler ausgewählte Werte manipuliert. Durch das Drücken des rechten Reglers springt man eine Ebene zurück. Hält man den linken Regler gedrückt, kommt man sofort zurück in das Hauptfenster. Hier werden übrigens zwei überraschend fein auflösende Level-Meter für die Preamps angezeigt.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • sehr gut klingende Preamps
  • große Gain-Reserven
  • saubere Wandler
  • toller Kopfhörerverstärker
  • Akkubetrieb möglich
  • kompaktes Gehäuse
  • wertige Verarbeitung
  • kompatibel zu Android und iOS

  • keins

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