Test
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11.12.2015

Soulsby Atmegatron Test

8-Bit Synthesizer auf Arduino-Basis

Das Synth gewordene Arduino Board

Der Soulsby Atmegatron ist ein 8-Bit Wavetable Synthesizer auf Arduino-Basis mit Chiptune-Charme. Da das Ganze fast komplett auf Open-Source-Software beruht, kann man theoretisch seine eigene Software entwickeln und aufspielen. Erfinder Paul Soulsby hat schon vorgearbeitet und bis jetzt schon fünf neue Synthesizer für den Atmegatron vorgelegt, darunter eine Drum Machine und einen zweistimmigen Synth. 8-Bit Trash Core bleibt es bei allen diesen Varianten und der Soulsby Atmegatron verspricht ein besonderes, ungewöhnliches Klangerlebnis.

Das Arduino-Projekt ist eine aus Software und Hardware bestehende Entwicklungsplattform für Mikroprozessor-basierte Systeme. Sowohl die Software als auch die Hardware (die sogenannten Arduino Boards) sind quelloffen (open source), wodurch sich einem mit den nötigen Programmierkenntnissen und etwas Erfindergeist weitreichende Möglichkeiten eröffnen. Mit dem Atmegatron hat Paul Soulsby nun einen auf Arduino basierenden Hardware Synthesizer entwickelt. Eine tolle Sache für Nerds, keine Frage – aber kann man damit auch als Musiker etwas anfangen? Wir haben uns den Soulsby Atmegatron einmal angesehen.

Details

Gehäuse und Anschlüsse

Der Soulsby Atmegatron ist eine kleine Kiste, noch nicht einmal eine Handspanne breit und halb so hoch. In seiner durchaus eleganten und sehr soliden beigen Metallbox mit ziemlich massiven hölzernen Seitenteilen, schwarzen Drehreglern und zwei auffälligen, illuminierten Speed-Dials sticht das Gerät fraglos aus der Masse an Desktop Synthesizern hervor. Rückseitig gibt es einen Stromanschluss für das externe Netzteil. Daneben finden wir den Eingang für ein TTL-232R Kabel für das Überspielen von Software und eigener Wellenformen. Die Audioabteilung ist vertreten mit einem 6,3 mm Monoausgang und einem 3,5 mm Stereo-Kopfhörerausgang, der natürlich auch nur ein Monosignal ausgibt, dafür aber auf beide Ohren. Neben den Buchsen für MIDI In und Out findet man einen kleinen Schalter, der von MIDI auf TTL-Eingang umschaltet und umgekehrt. Sehr lobenswert ist das kleine Lämpchen, das den Empfang von MIDI-Daten anzeigt. Es wird heute leider allzu oft weggelassen, hilft aber sehr bei der Suche nach MIDI-Fehlerquellen.

Bedienelemente

Auf der Oberfläche finden wir dann alle eigentlichen Bedienelemente: zwei analoge Regler für Volume und eine Bass-Boost-Schaltung sowie sechs schwarze Drehregler. Sie sind teils doppelt belegt, weshalb es da noch einen Taster gibt, der zwischen den beiden Belegungen hin und her wechselt. Das alles ist sehr schön rot und grün markiert, für Farbenblinde ist das allerdings leider nichts. Regeln kann man über zwei der sechs Drehregler Filter Cutoff und Resonanz, die also im Direktzugriff verfügbar sind. Je einen Regler teilen müssen sich dagegen die Auswirkung der Hüllkurven auf Tonhöhe und Filter, die Auswirkung des LFOs auf Tonhöhe und Filter, die Auswirkung des LFOs auf Lautstärke und Pulsbreitenmodulation sowie die beiden Effekte Distortion und Phasing, wobei letzterer auch vom LFO gesteuert wird.

Prominent in zwei großen Kreisen angeordnet sind schließlich die beiden von roten LED-Kränzen umgebenen, illuminierten Endlosregler, die quasi als Doppelhelix alles weitere steuern. An Farben gibt es hier selbstverständlich auch rot und grün, wobei der linke Regler, der Function Dial, auch wieder doppelt besetzt ist und dementsprechend die Farbe wechselt – habe ich schon rot und grün erwähnt? Genau. Funktionieren tut das aber alles ganz logisch: Links wird der Parameter ausgewählt und rechts dann der gewünschte Wert eingestellt. Um die Regler herum sind Piktogramme, Notenwerte oder andere kleine Zeichnungen angeordnet, um einen ersten Überblick zu verschaffen und die Funktionen zu visualisieren – und das klappt auch ganz gut. So richtig glücklich war ich mit allen diesen Plastikknöpfen aber nicht: Die schwarzen Regler haben zwar aber einen angenehmen Widerstand, stehen aber nach dem Umschalten fast zwangsläufig an der falschen Stelle und werden dann nicht eingefangen, sondern springen beim Bewegen hart auf den neuen Wert. Das hätte man gerade bei einem Software Synth – und das ist der Atmegatron unter der Haube – anders lösen können. Bei den Speed-Dials hatte ich hingegen schlicht Sorge, dass sie eventuell nicht so lange halten, da gibt es doch relativ Spiel an allen Seiten. 

Schade ist außerdem, dass das Bedienfeld des Synthesizers nicht ein bisschen angeschrägt ist, weil so die doch recht hohen Knöpfe manchmal die Sicht auf die LEDs versperren. Daher ist es gut, dass man das Gerät auch über externe MIDI-Controller steuern kann, mit denen man sich dann nach Belieben auch den direkten Zugriff auf weitere Parameter verschaffen kann. Ein MIDI-Keyboard und/oder einen externen Sequencer benötigt man ohnehin, denn der Atmegatron spielt zwar auf Knopfdruck auf den zweiten Drehregler einen Ton ab und kann dann auch in der Tonhöhe geregelt werden, aber mehr kommt da nicht, denn der Arpeggiator springt erst ab mindestens zwei Tönen an. Der Synthesizer möchte also ganz klar über Keyboard oder Sequencer gespielt werden. Einen Bug muss man an dieser Stelle noch erwähnen: Wenn man den Atmegatron über den Drehregler spielt und die höchste bzw. tiefste Tonhöhe erreicht hat, bleibt man auf diesem Ton hängen. Alles andere funktioniert dann zwar noch, aber wenn man wieder auf einen anderen Ton will, hilft nur Ein- und Ausschalten.

Lieferumfang

Neben dem Atmegatron und dem Netzteil liegt in der Verpackung eine in rot und grün gehaltene Anleitung in DIN-A4-Größe, was man auch nicht mehr oft sieht. Diese Anleitung gibt es nur in Englisch, aber dafür bietet sie viele schöne Illustrationen. Auch sehr schön ist der Quick Reference Guide, der die Piktogramme um den Function Dial noch einmal in Klarschrift zeigt. Schließlich gibt es auch ein kleines Addendum zur Anleitung, in dem ein paar Fehler und inzwischen erfolgte Erweiterungen ausgewiesen werden. Softwareseitig gibt es einen Editor, dessen neue Version allerdings nur auf Windows Rechnern läuft. Über die Software kommt man direkt an alle Parameter, vor allem kann man aber auch eigene Schwingungsformen mit der Maus zeichnen und in den Atmegatron hochladen. 

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • offene Plattform
  • fairer Preis
  • außergewöhnlich
  • für Performer, Programmer und Hacker

  • Regler sitzen ein bisschen locker
  • architekturbedingt etwas begrenzte Möglichkeiten, wenn man nicht selber programmiert

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