Gitarre Workshop_Folge
Workshop
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28.11.2017

Mit Effektpedalen zum Sound der Stars - Jimi Hendrix

Guitar FX Sound Workshop

Nahezu jeder Top-Gitarrist hat ihn und auch für Hobbyisten gibt es kaum etwas Erstrebenswerteres als den ureigenen Signature-Tone mit hundertprozentigem Wiedererkennungswert. Grundsätzlich lassen sich zwei Komponenten festnageln, die für einen personalisierten Sound verantwortlich zeichnen: den Faktor Mensch, frei nach dem Motto „ Der Ton kommt aus den Fingern“ und das verwendete Equipment. In unserer neuen Sound-Alike Serie wird Effekt-Spezialist und bonedo-Stammautor Thomas Dill den ganz Großen des Business nachspüren und versuchen ihre Signature-Sounds mit Hilfe von Standard-Bodentretern und Amps so exakt wie möglich nachzustellen. Und auch den Faktor Mensch hat er dabei selbstverständlich immer im Auge. Den Einstieg macht Thomas heute mit einem der soundprägendsten Rock-Gitarristen aller Zeiten: Jimi Hendrix.

KURZBIOGRAFIE

Bevor wir uns um Jimis Sounds kümmern, wollen wir zunächst einmal einen Blick auf sein Leben und Wirken werfen. Die folgende Kurz-Bio liefert alles Wissenwerte:

Die Person

James Marshall Hendrix wurde am 27. November 1942 in Seattle geboren. Nachdem er eine Ukulele und eine gebrauchte Akustik-Gitarre heruntergespielt hatte, bekam er mit 15 Jahren seine erste E-Gitarre, eine Supro Ozark 1560S. Inspiriert vom Rock´n´Roll der 50er begann der junge Jimi seine musikalische Reise, die ihn dann Anfang der 60er als Sideman mit einigen bekannten Größen auf die Bühne brachte. Er begleitete unter anderem Ike and Tina Turner, The Supremes, The Isley Brothers und auch einen seiner damaligen Heroes, Little Richard. Allerdings konnte er in diesen Bands seine Kreativität nicht ausleben und gründete 1965 seine  eigene Band Jimmy James and the Blue Flames. Bei einem Gig im New Yorker Cafe Wah war der Animals Bassist Chas Chandler anwesend und bot ihm einen Management-Vertrag an.

Hendrix ging nach London, formierte seine neue Band „The Jimi Hendrix Experience“ mit Noel Redding am Bass und Mitch Mitchell an den Drums und nahm sein erstes Album „Are You Experienced“ auf. Hendrix schlug ein wie eine Bombe, vor allem wegen seines sehr extrovertierten Gitarrespiels. Er bearbeitete die Saiten mit den Zähnen, der Zunge und manchmal wurde das Instrument auch angezündet. Das hatte die Welt bis dato nicht gesehen. Nach zwei weiteren Alben (Axis: Bold As Love, Electric Ladyland) und unzähligen Auftritten in der ganzen Welt löste sich die Experience auf. Hendrix spielte mit neuen Musikern in wechselnder Besetzung weiter, größtes Highlight war der Auftritt am Woodstock Festival 1969, wo er die amerikanische Nationalhymne auf seine besondere Art und Weise interpretierte. Anfang 1970 wurde die „New Jimi Hendrix Experience“ mit Bassist Billy Cox und dem alten Experience-Drummer Mitch Mitchell formiert um das neue Album aufzunehmen. Die Platte mit dem Arbeitstitel „First Rays Of The Rising Sun“ konnte  zu Lebzeiten nicht mehr veröffentlicht werden, denn Hendrix war durch den Drogenkonsum und extremen Lebenswandel reichlich angeschlagen und litt immer mehr an Schlafstörungen und Depressionen. Nach einer nächtlichen Session in einem Londoner Club fand man ihn am Morgen des 18. September 1970 tot in seinem Londoner Hotelzimmer, gestorben an einer Barbituratvergiftung nach dem Genuss von Rotwein und Schlaftabletten.

Die Aufnahmen

Zu Lebzeiten veröffentlichte Aufnahmen:

Posthum veröffentlichte Aufnahmen (Auswahl):

Nach seinem Tod (1970) wurden Hendrix´ letzte Aufnahmen aus dem Electric Ladyland Studio von Tontechniker Eddie Kramer fertiggestellt und veröffentlicht.

  • 1971 The Cry of Love
  • 1971 Rainbow Bridge - Original Motion Picture Soundtrack
  • 1972 War Heroes
  • 1997 First Ray Of The New Rising Sun

DVD´s

  • 2002 Blue Wild Angel - Jimi Hendrix At The Isle Of Wight (von 1970)
  • 2005  Jimi Hendrix - Live At Woodstock - Deluxe Edition (von 1969)
  • 2007 Jimi Hendrix - Live At Monterey - The Definitive Edition (von 1967)

Verstärker

In Sachen Verstärkern setzte Jimi in den prägendsten Jahren seiner Karriere in erster Linie auf 100-Watt-Marshall-1959 Super Lead Amps. Der Kontakt zu Jim Marshall kam 1966 über den Jimi Hendrix Experience Drummer Mitch Mitchell zustande, der als Teenager Schlagzeugunterricht bei Jim Marshall nahm und später von Zeit zu Zeit in dessen Musikgeschäft jobbte.

 

 

Doch von Anfang an: nach Jimi Hendrix Ankunft in England im Jahr 1966, stellte er in London ein Trio zusammen. Auch Mitch nahm an der Audition teil – und bekam den Job. Bass spielte Noel Redding. Jimi kannte Marshall-Amps bereits, hatte sie allerdings bis dato nur von anderen Gitarristen gespielt gehört. Während einer Session mit Cream nutzte er die Chance und testete eines von Eric Claptons Super 100 Stacks an.

Jimi verliebte sich aus dem Stand in den Sound des Stacks und da er wusste, dass Mitch Jim Marshall kannte,sprach er ihn an: „Mitch, ich muss unbedingt einen dieser Amp haben. Sie klingen einfach phantastisch. Kannst du für mich ein Treffen mit Jim Marshall organisieren?!“

Gesagt, getan: das Treffen fand an einem Samstag im Herbst 1966  in Jim Marshalls Laden statt. Nach einem intensiven Gespräch verließ Mr. Hendrix das Geschäft als stolzer Besitzer von drei Marshall Stacks, mit denen er fortan seinen unvergleichbaren Bühnensound kreierte. In den frühen Jahren seiner Karriere sowie im Studio setzte Hendrix aber auch häufiger Fender Amps ein. So war beispielsweise bei seinen Tour-Jobs als Sideman der Twin Reverb der Verstärker seiner Wahl - nicht zuletzt, weil der Amp zur Standardausrüstung der Clubs und Tourbands gehörte. Gerüchten zufolge hat er seine ersten Aufnahmen zu „Are You Experienced“ mit einem, von Manager Chas Chandler geliehenen 30 Watt Burns Verstärker gemacht und auch später im Studio kam wieder öfter der Twin Reverb zum Einsatz. Sein Live Sound ist aber zu 99% Strat und Marshall.

Effekte

Hendrix war ständig auf der Suche nach neuen Klängen und abgefahrenen Sounds. Im Studio verbrachte er viel Zeit damit mit Effekten und der Mehrspurtechnik zu experimentieren. Dabei hatte er mit dem Techniker Roger Mayer einen smarten Lieferanten für Effektgeräte an seiner Seite. Man denke nur an das Octavia-Pedal, einen Fuzz-Verzerrer mit  oktaviertem Zusatzton. Mayer modifizierte aber auch Hendrix Pedale nach dessen Vorstellungen. Das Effektsortiment auf der Bühne bestand aus einem Vox Wah Wah, einem Unicord Univibe, einem Dallas Arbiter Fuzz Face und dem eben schon erwähnten Octavia. Mit diesen überschaubaren Zutaten gelang es Hendrix ein Maximum an Sound aus seinem Equipment heraus zu holen.

Jetzt bist du bestens informiert. Zeit, praktisch zu werden.

Sound nachbauen

Eine Sache sollte unbedingt bedacht werden: die aufgeführten Gerätschaften, egal ob es sich um das Original Equipment oder ähnlich klingende Amps und Effekte handelt, sind lediglich das Werkzeug zum Erzeugen der Sounds und der Musik. Der eigentliche Ton kommt letztendlich vom Gitarristen selber - aus seinen Fingern und der Fähigkeit Töne zu erzeugen und den Klang zu formen. Daher macht das Equipment lediglich 50% des Sounds aus.

Hier sind meine Vorschläge wie man den Basis-Sound von Jimi Hendrix mit gängigen Effektgeräten nachempfinden kann.

Gitarre
Am besten ist selbstverständlich eine Stratocaster, auf jeden Fall aber eine Gitarre mit Single Coil Pickups.

Wah Wah
Vox oder Dunlop Cry Baby sind Standard. Von Dunlop gibt es auch ein Replikat des Original Hendrix Wah (JH1). Auch empfehlenswert ist ein Boss PW-20, das hat nämlich neben dem Wah Effekt gleich noch eine Uni Vibe Simulation an Board.

Overdrive 
Hiermit wird der leicht angezerrte Sound des Marshall Amps simuliert. Hierfür sind alle gängigen Overdrive Pedale brauchbar (z.B. Ibanez Tube Screamer, Boss OD-3, Digitech Bad Monkey)

Fuzz
Von Dunlop gibt es das Dallas Arbiter Fuzz Face oder sogar die Nachbildung des Original Hendrix Fuzz Face. Weiterhin sind das Boss FZ-3 (mit integriertem Octavia Sound) empfehlenswert.

Uni Vibe
Wie oben bereits erwähnt gibt es das Uni Vibe in simulierter Form im Boss PW-20. Da ist natürlich auch gleich das Pedal dabei, denn Hendrix hat die Effekt-Geschwindigkeit (Speed) seines Unicord Univibe auch mit dem Pedal kontrolliert. Ansonsten hat Dunlop den Effekt im Programm.

Amp
Für den Original Hendrix Sound wäre ein Marshall Pflicht... Den ein wenig angezerrt eingestellt, das war´s. Für den Fall, dass du kein Full Stack zur Hand hast, wähle den clean Kanal deines Amps, nimm die unten in der Tabelle beschriebenen Einstellungen der Klangregelung und erzeuge den leicht angezerrten Sound mit dem Overdrive.

Song-Sounds

Purple Haze (Intro)
Im Intro kommt das Fuzz Face zum Einsatz. Das Ergebnis ist ein warmer, leicht kratziger Fuzz-Ton. Angeblich soll Hendrix den Songauf der Telecaster von Noel Redding  eingespielt haben. Live hat er aber immer die Strat benutzt.

Purple Haze (Solo)
Das Solo wurde mit Roger Mayers Octavia gespielt. Singender Ton mit einem leicht krächzenden bzw. heiseren Charakter...

The Wind Cries Mary (Intro-Verse)
Bei dieser Nummer ist sich die Sound-Welt nicht einig, welches Equipment Hendrix tatsächlich benutzt hat. Die einen sagen eine Strat direkt mit Marshall Super Lead 100, die anderen sind der Meinung, dass da noch ein Uni Vibe mit im Spiel war und zwar mit ganz langsam eingestellter Geschwindigkeit. Ich habe mich für die zweite Variante entschieden.

The Wind Cries Mary (Solo)
Für das Solo wird einfach per Overdrive noch etwas mehr Gain hinzugefügt. Das war´s.

Hey Joe (Intro)
Auch dieser Song wurde angeblich mit einer Telecaster eingespielt... Ich habe als Vorbild für mein Sound-Beispiel eine Variante ausgesucht, die Hendrix oft Live gemacht hat: den Amp schon etwas verzerrt eingestellt, so dass es für das Solo reicht. Diese Funktion übernimmt hier der Overdrive. Um den Clean Sound für Intro und Verse zu erzeugen, wird der Volume Regler an der Strat auf „7“ zurückgedreht. Im Solo dann einfach auf 10 und Gas geben.

Voodoo Chile (Slight Return)
Der klassische Wah Wah Sound in Verbindung mit einem Lick, dass diesen Effekt bekannt gemacht hat. Angeblich wurde bei der Aufnahme ein Fender Brownface Bassman Amp benutzt, der sehr weit aufgedreht war damit es ordentlich zerrte. Der verzerrte Amp wird hier durch den Overdrive ersetzt, du musst nur noch das Wah Pedal einschalten und es kann los gehen.

TIPP: Um dir die Sache so komfortabel wie eben möglich zu machen, haben wir alle in diesem Feature besprochenen Setup-Bilder in einem PDF archiviert, das du dir hier downloaden kannst:

Veröffentlicht am 28.11.2017

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