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Workshop
7
13.08.2014

Die besten Bass Riffs in Noten und Tabs - Weather Report / Jaco Pastorius: "Birdland"

Legendäre Bass-Riffs zum Nachspielen

Die berühmtesten Bass Riffs in Noten und Tabs

Er starb 1987 viel zu früh mit gerade einmal 36 Jahren, aber in der kurzen Zeit, die ihm verblieben war, gelang es dem Bassisten Jaco Pastorius, die Rolle des E-Bass im Jazz, ja im Prinzip der ganzen Popmusik, komplett über den Haufen zu werfen und radikal neu zu erfinden. Wie aus dem Nichts erschien er plötzlich 1976 zuerst als Sideman (neben Alphonso Johnson) auf dem Album "Black Market" der Jazz- und Fusion Band "Weather Report" um Keyboard-Mastermind Joe Zawinul.

Doch schon mit dem darauffolgenden Album "Heavy Weather" sollte Jaco Bassgeschichte schreiben. Noch nie zuvor hatte man einen Bass so gehört, gespielt mit schier unfassbarer Virtuosität und ungebremster Kreativität. Jaco Pastorius ist berühmt für seine einzigartige Performance auf seinem bundlosen 62'er Fender Jazzbass, bei dem er seinerzeit selber die Bünde entfernt hatte. Seine Spielweise, Phrasierung und sein Ton orientieren sich stark an Bläserlinien. Er studierte eingehend Saxophonisten wie z.B. Charlie Parker, aber auch Soulmusik wie die von James Brown, und er war ein großer Bewunderer von Frank Sinatra und verglich dessen Baritonstimmlage gerne mit der tonalen Farbe seines Basses. Tatsächlich konnte Jaco seinem Fretlessbass wahrhaft singende Melodien entlocken, speziell seine Aufnahmen mit der Sängerin Joni Mitchell zeugen von dieser Qualität.

"Birdland", eine Hommage an einen legendären Jazzclub in New York, ist der erfolgreichste Song von Weather Report. Er erreichte Anfang der 80er Jahre enorme Popularität durch eine Coverversion von Manhattan Transfer, die mit einem Grammy ausgezeichnet wurde. Später wurde Birdland von keinem geringeren als Quincy Jones für sein Platinalbum "Back on the Block" reaktiviert. Über die Aufnahme von Jacos Bass auf Birdland wurde viel diskutiert. Spielte er auf dem Fretless oder mit dem Bundbass? Hört man sich die Originalversion genau an, so scheint es ziemlich sicher, dass er wohl beides gespielt hat. Vorrangig Bundbass, jedoch einige Overdubs auch auf dem Fretless. Dazu kommt ein Keyboardbass, gespielt von Joe Zawinul, der speziell das Intro des Songs prägt:

Das Riff

Hier das Keyboardbass Intro:

Danach steigt Jaco mit einer Melodie auf seinem Bundbass ein, für die er eine besondere Spieltechnik verwendet. Dabei erzeugt er mit der Anschlaghand künstliche Flageoletts (auch "artificial" oder "false harmonics" genannt). Er legt er den Daumen der Anschlaghand leicht auf die Stelle, an der sich die Strecke zwischen gegriffenem Ton (im Bereich 12. bis 14. Bund) und Brücke halbiert - beim Jazzbass ist das ungefähr die Stelle, an der sich der Halstonabnehmer befindet. Jetzt zupft er die Saite mit dem Zeigefinger oder Mittelfinger der Anschlaghand, während der Daumen immer noch an der besagten Stelle liegt. Hat man die richtige Stelle getroffen, klingt der am Hals gegriffene Ton eine Oktave höher. Das macht man jetzt analog mit jedem Ton, der gespielt wird. Dabei muss die Anschlaghand immer im Abstand zu den gegriffenen Tönen mitwandern, um stets den richtigen Flageolettpunkt zu treffen.

Geht man mit dem Daumen der Anschlaghand noch einmal eine halbe Strecke von der eben gespielten Position weiter Richtung Brücke, also auf ein Viertel der Strecke, bekommt man ein künstliches Flageolet, das zwei Oktaven höher ist als der gespielte Ton.

Und genau das macht Jaco während der Intromelodie: In erste Hälfte spielt er künstliche Flageoletts eine Oktave höher, in der zweiten springt er in die Flageoletts mit zwei Oktaven über dem gespielten Ton. Dabei muss man die Saite relativ hart anschlagen, denn die Töne sind nicht einfach herauszukitzeln. Jaco verwendet hier ausschließlich den Stegtonabnehmer seines Jazzbasses, der die Obertöne stärker zur Geltung bringt. Beachtet auch, dass viele Melodietöne gezogen werden (Bendings), die Töne A und Bb wechseln nur durch das Auf- und Abziehen der G-Saite auf dem 14. Bund.

Hier die Noten als PDF:

Und das passende Sound-File:

Als nächstes hört ihr die Melodie gemeinsam mit dem Synthie-Bass, wobei ihr beachten müsst, dass der mit dem Einsteigen der Melodie die "Eins" immer vorzieht:

Sound: Synthie-Bass

Auch das Keyboard Intro lässt sich wunderbar mit einem Bass realisieren, indem man ein Bass-Synthiepedal verwendet. Ich habe in meinem Archiv ein Korg G5 entdeckt, das sich hervorragend für diesen Zweck eignet. Allerdings wird man auch mit anderen Synthiepedalen oder Filtern ähnliche Effekte generieren können, wichtig ist nur, dass es in der Lage ist, eine schnell ansprechende Sägezahnwellenform zu erzeugen. Hier die Settings des Korg G5:

Das ist der trockene Synthbass-Sound:

Als nächstes habe ich den Sound mittels Kompressor etwas angedickt...

...und mit einem Hall (Plate) ausgestattet:

Sound: Melodie Bass (False Harmonics)

Den Bass mit den künstlichen Flageoletts habe ich auf einem Jazzbass gespielt, unter Verwendung des hinten liegenden Stegtonabnehmers (Bridge Pickup). Die passive Tonblende war voll aufgedreht.

Die unschönen Nebentöne werden durch unbeabsichtigt mitklingende tiefe Saiten verursacht. Dieses Problem lässt sich mittels eines Lowcut im EQ gut wegretuschieren. Zusätzlich habe ich ein paar Frequenzen gepusht, die dabei helfen, die Obertöne noch klarer herauszustellen. Ihr seht, dass speziell die Frequenz um 500 Hz um einiges angehoben ist (Punkt 2), Frequenzen unterhalb 250 Hz stark abgesenkt und unterhalb von 60 Hz komplett abgeschnitten sind (Punkt 1):

Ein Kompressor sorgt für etwas mehr dynamische Dichte, aber nicht zu viel:

Jaco spielte immer einen Transistorverstärker der Marke Acoustic (360), der ihm ebenfalls half, seinen Ton live umzusetzen. Eine Transistoramp-Simulation addiert hier noch ein wenig Biss zum Sound:

Die Flageolett-Melodie liegt in einem kleinen Hallbett, was ihr zusätzlich einen singenden Charakter verleiht:

Viel Spaß bei Eurem Ausflug in die Gefilde der künstlichen Obertöne ...

Veröffentlicht am 13.08.2014

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