Test
4
05.02.2020

Praxis

Schon bei den ersten, noch zarten Spielversuchen entpuppt sich die erstaunliche Bassgewalt des oktaJons und bringt in meinem Proberaum alles zum Surren und Schnarren, was nicht niet- und nagelfest ist. Nachdem ich die meisten Störgeräusche im Raum zum Schweigen bringen konnte, kann ich genauer hinhören. Das oktaJon besitzt einen Grundton, der bei etwa 50 Hertz liegt und somit ganz schön tief in den Keller hinunter geht. Der Basston auf der schwarzen Vorderseite lässt sich als offen, voluminös, aber auch etwas schwammig beschreiben. Wer trockenere, fokussierte Basssounds bevorzugt oder sehr leise Bands begleitet, wird um eine zusätzliche Dämpfung im Inneren nicht herum kommen. Der Snare-Effekt hält sich bei den Basstönen brav im Hintergrund, sodass eine gute Trennung zum Snaresound gegeben ist. Dennoch reagieren die beiden Snareteppiche schon beim leichten Spiel mit den Fingern und sorgen so für einen guten Dynamikumfang von sehr leise bis sehr laut. Störende Schnarr- und Surrgeräusche können mit den beiden Schiebern an den Snaretraversen effektiv ausgeschaltet werden. An den oberen Ecken finden sich zudem sogenannte Clap Corners: Ein kleiner Spalt zwischen Tapa und Korpus sorgt dabei für einen zusätzlichen „Clap“-Sound, wenn beim Spielen Holz auf Holz trifft. 

Weitere Soundmöglichkeiten finden sich auf der naturfarbenen Rückseite. Sie bietet einen ebenso vollen Basston wie die Vorderseite, jedoch fast gänzlich ohne Snaresound. Statt des Snaresounds entfalten sich am Rand holzige, Conga-ähnliche Sounds, die sich für eine Vielzahl an Percussionrhythmen anbieten. Am oberen Rand gespielt, besitzt die Rückwand ein etwas höheres Timbre als auf drei und neun Uhr, wodurch sich interessante und abwechslungsreiche Grooves verwirklichen lassen.

Im Gegensatz zu anderen, rechteckig gebauten Basscajones sitzt es sich sehr bequem auf dem oktaJon, da sich die Oberschenkel an die im 45° Winkel abfallenden Seiten anschmiegen und die Knie nicht die Schlagfläche verdecken. Das Sitzpolster tut sein übriges dazu. Auch wenn es etwas härter als andere Modelle aus Moosgummi ist, lässt es sich gut auch länger darauf aushalten.

Die Mikrofonierung des Schalllochs ist etwas umständlich

Da sich das Schallloch in Bodennähe befindet, ist das Positionieren eines Bassdrum-Mikrofons nur leicht eingeschränkt möglich, da entweder der Stativarm ans Cajon stößt oder der Stecker den Boden berührt. Doch trotz der Einschränkungen finde ich eine passable Position für ein e602 im Resonanzloch, um – zusätzlich zum Kleinmembran-Mikrofon vor dem Cajon – die Bässe für die folgenden Audiobeispiele einzufangen.

Ein wichtiger Gedanke für den Entstehungsprozess des oktaJons bestand darin, eine leise Alternative zum Drumset zu schaffen, wobei ein Cajonpedal an der Rückwand agieren soll, während vorne die Hände freie Fahrt haben. Mangels eines Pedals mit einem ausreichend langen Bowdenzug kann ich leider nur die herkömmliche Variante testen, das Pedal also an der jeweils nach vorne gedrehten Spielfläche anbringen. Hierbei macht das oktaJon auf beiden Seiten eine sehr gute Figur im kleinen Cajon-Set mit Hi-Hat, Becken, Cajon Snare und Tom-Tom. Die Vorderseite klingt minimal trockener, und die Snares rascheln bei den Schlägen leicht mit. Auf der Rückseite wird der Ton holziger und etwas länger. Welchem der beiden Sounds ich den Vorzug geben würde, käme sicherlich auf die musikalische Situation an, wobei die Unterschiede im Gesamtklang des Setups nur noch minimal zu Tage treten.

Video

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • fulminanter Basssound
  • sensibler Snaresound
  • hochwertiges Instrument
  • vielseitig einsetzbar
  • komfortable Spielposition

  • Mikrofonierung am Schalloch kompliziert

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