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23.02.2021

Spinbacks und Brake-Effekte im DJ-Mix richtig einsetzen

Turntablism und Vinyl Spinning

Hat ein Track seine Aufgabe im Mix erfüllt, verstummt er gewöhnlich schlagartig mit seinem Cold-End oder man blendet beziehungsweise filtert ihn langsam aus. Für mehr Abwechslung sorgen die vom Plattenspieler bekannten Spinback- und Brake-Effekte, die auch von DJ-Software, DJ-Mixern und -Controllern mittlerweile recht authentisch simuliert werden. Von Hand und Hardware ausgeführt, geben sie euren Skills dennoch eine individuellere Note. Aber wie klingen sie auch wirklich gut und sind im Mix richtig platziert?

Überprüft eure Technik

Der erfolgreiche Spinback hängt vor allem von der Rutschfähigkeit der Slipmat und Vinylplatte ab. Die Antirutschmatte aus Filz sollte auf der Rückseite sehr glatt sein, wenn möglich mit einer Art Wachsschicht, damit sie sich dem entgegengesetzt drehenden Plattenteller widersetzt und er sie nicht bremst.

Eine dazwischen gelegte Plastikfolie verbessert den Drifteffekt noch ein wenig. Schließlich sollte sich die Slipmat unter der Platte weiterdrehen können. Aber auch die Haftung der Schallplatte an der Slipmat beeinflusst den Spinback maßgeblich. Insofern achtet auf eine sehr weiche und nicht kratzige Oberfläche ohne gummierten oder rauen Aufdruck, denn dadurch klebt oder schleift die Platte förmlich an der Slipmat, sodass das Vinyl beim Spinback ins Stocken kommt.

Auch wellige und konisch gewölbte Platten reagieren beim Spinback auf beiden Seiten unterschiedlich. Die eine Seite, die die Slipmat vor allem am Label touchiert, dreht sich ganz leicht, aber mit erhöhter Gefahr des Nadelspringens. Die andere Plattenseite berührt die Slipmat großflächiger und vorrangig am Rand. Für das schwungvolle Zurückschleudern muss ich mehr Kraft aufwenden und der Spinback stoppt auch deutlich schneller.

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Elektrostatische Kräfte, die vorrangig durch Herausziehen der Schallplatte aus dem Innencover entstehen, heben die antistatische Wirkung der Slipmat auf, womit sie die Performance nicht beeinträchtigen.

Ein zu kleines Loch der Schallplatte für die Spindel bremst den Spinback ebenfalls, mit einem zu großen Loch riskiert man Nadelspringen durch größeres Spiel im Dorn.  

Das Drehmoment des Plattentellers am Schallplattenspieler beziehungsweise Jogwheel des CDJs oder DJ-Controllers spricht auch ein Wörtchen mit. Ein zu stark eingestelltes Drehmoment, bei den meisten Schallplattenspielern mit sogenanntem High-Torque entspricht es 4,5 bis 5,0 kg/cm, leistet stärkeren Widerstand beim Zurückdrehen der Schallplatte, wodurch die Platte auch gebremst werden kann. Ist das Drehmoment weniger stark, wie bei riemengetriebenen Plattenspielern, bleibt der Plattenteller durch den erhöhten Druck der Hand fast stehen, sodass die Platte auch nicht über den Teller flutscht. Daher bevorzuge ich ein Drehmoment zwischen 1,5 und 2,5 kg/cm, womit ich persönlich die besten Spinbacks performe.

Bei DJ-Controllern mit motorisiertem (oder einstellbarem) Jogwheel, wie z. B. Denon DJ SC6000M Prime oder Native Instruments Kontrol S4 MK3, überprüft am besten, wie leicht es ist und wie viele Umdrehungen das Jogwheel beziehungsweise dessen virtuelle Sticker nach einem blitzschnellen Zurückziehen schaffen.    

Brake-Effekt

Der Brake-Effekt mittels Start/Stopp-Taste hängt ebenfalls vom Drehmoment ab. High-Torque-Laufwerke stoppen nicht nur schlagartig den Plattenteller, sondern mitunter federt er auch zurück. Bei einem schwächeren Drehmoment läuft der Plattenteller sanfter aus. Mit der einstellbaren Bremsenstärke kann der Plattenteller selbst bei hohem Drehmoment langsamer stoppen. Beachtet allerdings, dass ältere Modelle mit anpassbarem Brake auch gleichzeitig die Startzeit beeinflussen, sodass eine softere Bremse auch einen langsameren Anlauf des Plattentellers impliziert.

Ausführung

Beim Spinback setze ich meine Hand auf der Zwölf-Uhr-Position des Plattenlabels, um entweder nach einer sehr schwungvollen halben Drehung der Platte diese wieder loszulassen, damit das Vinyl etliche Male um den Dorn wirbelt oder meine Hand behält den Kontakt und damit die Kontrolle über die Platte bis zum Ende des Spinbacks. 

Ich persönlich bevorzuge letztere Variante, weil ich den Spinback individueller von der Geschwindigkeit und damit auch von dessen Tonhöhe gestalte. Je schneller die Platte driftet, desto hochfrequenter klingt es. Außerdem liegt die Länge des Spinbacks buchstäblich in meiner Hand, sodass ich ihn auch beliebig lange ausdehnen kann. Dagegen schafft der blitzschnelle Spinback je nach Schwung, Drehmoment und Rutschfähigkeit nur einen halben bis ganzen Takt.

Gleiches gilt auch für Spinbacks mit Jogwheels. Der Brake-Effekt ist recht einfach von der Umsetzung: je nach Drehmoment und eingestellter Stärke der Bremse auf den Beat die Stopp-Taste drücken.

Sounds

Mit Grooves, wie die im Intro oder Outro eines Tracks, klingen Spinbacks aufgrund ihrer tieferen Frequenzen besser als mit Vocal- und Leadsound-Parts. Vermeidet auch Spinbacks in dramaturgischen Höhepunkten eines Tracks, da durch das gesamte aufgefahrene Instrumentarium euer Spinback nicht nur den anderen Track übertönt, sondern auch das Mastersignal übersteuern kann.

Daher gilt: Vor dem Spinback stets den Low-EQ minimieren und eventuell die Lautstärke des Kanals leicht zurücknehmen. Probiert den Spinback zum Check der Lautstärke, Rutschfähigkeit und damit einhergehenden Länge unter Kopfhörer vorher aus.

Platzierung

Um mit beiden Effekten einen Track und damit die Blende zum Ende einer Phrase abzuschließen, setze ich sie im letzten Takt ein. Der Spinback beginnt auf die erste oder dritte Zählzeit des besagten Taktes. Drehe ich die Platte mit permanent aufliegender Hand zurück, kann ich den Spinback auch auf den ersten Beat einer neuen Phrase starten und ihn dabei langsam ausblenden. Je nach Auslaufzeit des Brakes stoppe ich den Track entweder auf den vierten Beat des achten Taktes einer Phrase oder eine halbe beziehungsweise auch ganze Zählzeit später.  

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Veröffentlicht am 23.02.2021

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