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Test
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03.04.2014

SPL Crimson Test

Audio Interface mit Monitor Controller

Alles drin, oder was?

Trotz der digitalen Revolution kommt man in der Musikproduktion an ein paar „analogen“ Gepflogenheiten einfach nicht vorbei: Ein großer Hauptlautstärkeregler ist dabei sicherlich nur der kleinste gemeinsame Nenner, ein bisschen Metering hier, Artist-Monitoring da, ja und ein Lautsprecherumschalter wäre sicherlich auch noch ganz hilfreich. Im Allgemeinen findet man so etwas unter dem Siegel Monitorcontroller verpackt. Aber ein Audiointerface für die eigentliche Aufnahme braucht man natürlich auch noch und am besten gleich noch jemanden, der auch weiß, wie man das alles verkabelt!

Sicherlich, Bemühungen, alles in ein Gerät zu integrieren, sind nicht neu - für SPL sind sie es allerdings schon, zumal der deutsche Hersteller im Bereich der Audiointerfaces, Wandler und Co. - von seinem jüngst erschienenen MADIson Debüt einmal abgesehen - bisher eher nicht so aktiv gewesen ist.

Details

Der SPL Crimson ist ein USB2 24Bit/192kHz Audiointerface im Desktop-Format, was mit reichlich analogen Bedienelementen ausgestattet ist, sodass man es auch als Monitorcontroller bezeichnen könnte. Es bietet sechs Kanäle rein und sechs Kanäle raus, wovon jeweils vier analog sind und die anderen beiden auf den S/PDIF entfallen. Weiterhin stehen zwei Mikrofon-Vorverstärker mit bis zu 60 dB Gain, Phantomspeisung und 80 Hz Low-Cut zur Verfügung.

Das 60x330x207 mm (HxBxT) große Stahlblech-Gehäuse ist pragmatisch robust verbaut, solide gefertigt und wiegt in etwa 2,7 kg. Die meisten Bedienelemente befinden sich auf der Oberseite, welche zum Nutzer hin leicht geneigt ist. Die Anschlüsse befinden sich überwiegend auf der Rückseite, nur die beiden Instrumenten-Eingänge sowie die beiden Stereo-Kopfhörerausgänge befinden sich an der schmalen Stirnseite. Am prominentesten ist aber sicherlich das große und rechts positionierte „Drehrad“. Dieses mit VOLUME beschriftete Potentiometer regelt die Hauptausgangslautstärke - und damit auch eventuell angeschlossene Monitorboxen.

Darüber findet sich ein MONITOR Mixregler, welcher die (Aufnahme-)Eingänge mit dem DAW-Rückspielweg mischt, um so einen latenzfreien Monitormix - unabhängig von der Software - zur Verfügung zu stellen. Die beiden V-förmig angeordneten Potis wiederum regeln die individuelle Lautstärke der beiden vorderen Kopfhörerausgänge. Die beiden Kopfhörerwege können sowohl dasselbe Signal teilen (Main Mix), als auch individuelle Quellen abhören. Phones 2 ist somit für den Musiker gedacht, der also einen anderen Submix abhören kann.

In der Mitte des Crimson befindet sich der Schalt- und Visualisierungsbereich. Auf einzelne Tasten und deren Auswirkung auf das Signalrouting werde ich aber im Praxisteil gesondert eingehen. Die Schalter leuchten auf alle Fälle schon mal schön „rosa-rot“ (hintergrundbeleuchtet), wenn sie gedrückt sind.

Im oberen Bereich finden sich außerdem für jeden der vier Eingänge (Mic 1, Mic 2, DI1 und DI3 ) drei LEDs für eine entsprechende Pegelkontrolle ein, wobei anzumerken ist, dass die Eingänge auch auf Line-In umschaltbar sind. Die drei LEDs für jeden Input sind dabei wie folgt definiert: Die unterste, grüne LED zeigt grundsätzliche Signalaktivität, die mittlere orange LED wiederum eine -6 dB Überschreitung. Die obere LED hingegen visualisiert Clippings und leuchtet dann für eine Sekunde rot. Direkt daneben finden sich auch noch drei Status-LEDs, wobei diese Strom (PWR) sowie USB- (Host) und MIDI-Aktivitäten quittieren.

Links befinden sich die Gain-Regler für die Eingänge, wobei die oberen beiden Regler für die Mikrofon-Vorverstärker gedacht sind, deren XLR-Anschlüsse sich auf der Rückseite des Gerätes befinden. Die anderen beiden, unteren Regler sind für die hochohmigen (1,1MOhm) Instrumenten-Eingänge an der Stirnseite gedacht. Diese werden als „Jack“ bezeichnet und sind entsprechend für große Klinke gerüstet, sprich für DI-Signale von Bass oder Gitarre bestens gerüstet. Da man bis zu vier analoge Einzelsignale gleichzeitig aufnehmen kann, sollte die kleine Wohnzimmer-Band durchaus in folgender Besetzung auftreten können: Bass (D.I. ), E-Git (D.I.), Acoustic-Git (Mic) und Gesang (Mic).

Alleinunterhalter müssen aber auch nicht traurig sein, anstelle der Mic- und Instrumenten-Ins lässt sich jeweils auch ein Stereo-Klinkenpärchen nutzen, wodurch zwei Stereo-Line-Quellen an die Rückseite angeschlossen werden können. Besonders clever ist dabei die Abschaltung der nicht benutzten Eingänge: So wird beispielsweise der Front-In bevorzugt behandelt. Konkret: unter Umständen hat man an Line 3/4 einen Synth angeschlossen, sobald man aber etwas in den Front-In einsteckt, wird dieser aktiv und der rückseitige Line-In entsprechend deaktiviert („Override“). Bei Line-In 1/2 und den Mic-Preamps verhält es sich hingegen genau umgedreht und Line-1/2 „overridet“ dann die beiden Mic-Channels. Alles klar?

Betrachten wir noch einmal explizit die Rückseite und zählen die Anschlüsse: Rechts sind die beiden XLR-Anschlüsse der Mic-Preamps beheimatet sowie - direkt daneben - die beiden symmetrischen Stereo-Line-In Anschlüsse auf Klinke (TRS). Es folgen weitere Eingänge, welche allerdings eher als Alternativ-Quellen als für Aufnahmezwecke gedacht sind. Diese drei Anschlüsse können somit leider nicht für Aufnahmezwecke in die DAW geführt werden. Natürlich sind sie aber bestens geeignet, um iPhone oder TV-Set anzuschließen, was auch ihre Anschlussterminierung unterstreicht. So finden sich ein 3,5mm Klinke-Anschluss, ein RCA-Anschluss („Cinch“) und ein weiterer, symmetrischer 6,35mm Klinken-Anschluss ein. Letzter dient auch für den optionalen Anschluss eines Talkback-Mics auf Line-Level-Niveau.

Ausgangsseitig geht es links weiter: Der XLR-Anschluss in der Mitte ist somit für die Hauptlautsprecher gedacht, direkt daneben befindet sich ein zweiter Ausgang für Speaker, diesmal allerdings als große, symmetrische Klinke (TRS). Dieser verfügt sogar über einen TRIM, welcher mittels kleiner Schrauben für L und R individuell einstellbar ist. Damit kann man einen Lautstärkeabgleich vornehmen, sollte man zwei Paar Lautsprecher anschließen wollen.

Im Anschluss findet sich auch noch ein MIDI-Duo, der koaxiale S/PDIF-I/O  sowie der Netzteil- und der USB2-Anschluss. Das Netzteil liegt dem Lieferumfang bei, das USB-Kabel ist sonderbarerweise optional.  Auf in die Praxis!

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Zwei kräftige Mic-Preamps
  • Sehr guter Wandlerklang
  • Einfache Bedienbarkeit
  • Gute Verarbeitung
  • Viele Anschlüsse

  • kein Insert
  • kein Aux

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