Hersteller_SPL
Test
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20.03.2011

Praxis

Der Transpressor ist ein freundlicher Zeitgenosse, was das Installieren angeht, denn Handbuch und Buchsenbeschriftung (immer auch horizontal gespiegelt, um sie auch über Kopf lesen zu können) sind absolut vorbildlich. Ich habe fürs Mountainbiken im Winter so richtig fette Fingerhandschuhe. Ganz toll, ich weiß, danke. Warum ich das erzähle? Nun, ich habe es geschafft, den Transpressor damit zu bedienen! Bei den eher selten benutzten Sidechain- und Filter-Switches wurde es dann doch etwas fummelig, zudem rastet der Filterswitch in der obersten Position nicht optimal ein, auch der “Auto”-Switch könnte das so deutlich machen wie seine Kollegen. Aber es ist ein gutes Zeichen, wenn man nicht eine Feinmotorik wie ein Bombenentschärfer aufweisen muss, um ein Audiogerät zu bedienen. Haptisch spielt der SPL also in einer ähnlichen Liga wie Universal-Audio und weitere Klassiker. Doch ihr wollt sicher etwas über den Sound erfahren, oder?

Viele Engineers sind den Umgang mit dem Transient Designer oder seinen Klonen gewohnt. Für alle anderen habe ich mit einem Saxophon-Signal gezeigt, welche Auswirkungen die beiden Regler haben. Wie auch beim originalen, zweikanaligen Gerät von SPL, arbeitet auch die Einheit im Transpressor hervorragend. Dass es bei absolut extremen Bearbeitungen vor allem von basshaltigem Material auch mal knacksen kann, liegt in der Natur der Sache.

Beispiel für die Funktionsweise des Transient Designers mit einem Altsax-Signal. Besonders auffällig ist das Erhöhen von Attack und Sustain.

Die klassische Anwendung für einen Transient Designer ist eher perkussives Material. Da die Transientenbearbeitung dieser Signale oftmals mit der üblichen Dynamik-Einengung durch Kompressoren kombiniert wird, erweist sich der SPL zunächst als sinnvoll geschnürtes Paket. Ich habe mich mit dem Bassdrum-Signal ein wenig ausgetobt. Wie üblich lässt sich mit Attack und Sustain das erreichen, was für den Mix an Korrekturen notwendig ist. Ein Signal “komplett auf links krempeln” kann man jedoch selbst damit nicht – Fehlplanungen oder Fehler im Recording kann man eben nur bedingt ausmerzen.

Für "BD Transient" wurde die Attack erst herunter, dann hoch gedreht, daraufhin das Gleiche mit dem Sustain. Die "Heavy Comp." der BD wurde ohne TD, mit recht niedrigem Threshold, einer Ratio von 3:1 und mittleren Zeiten erstellt. Das Bottom-Signal der Snare wurde in "SN Transient" auf die gleiche Weise wie "BD Transient bearbeitet", bei "SN TD/Comp." wurde die AT leicht erhöht, das ST stark heruntergenommen. Der Kompressor arbeitet mit Limiting-Werten. Erst wird der TD geschaltet, dann der Komp. dazu, dann "pre". Bei "OH Filter" wird erst der BP, dann der hohe, dann der tiefe LP zugeschaltet. Im letzten File wird das Dry-Signal hinzugemischt.

Die Kompressionseinheit arbeitet so, wie man es von ihr verlangt, es sind die üblichen Regelwege vorhanden, so beginnt beispielsweise die Zugriffszeit des Kompressors bei 0,1 ms und läuft bis 1 s. Wird die Release-Automation aktiviert, kann man sich auf eine wirklich ordentliche Funktionsweise derselben verlassen, die Filterbereiche erweisen sich als sinnvoll gewählt, besonders, wenn man bei der Mikrofonierung nicht die absolute Priorität auf Signaltrennung gelegt hat. Der VCA-Kompressor arbeitet vorzüglich und klar und tut das, was man ihm sagt. Es ist beispielsweise kein Problem, die Bassdrum etwas patschiger zu gestalten oder Pegelverhältnisse auf einem Overheadmikrofon zu verändern. Selbst heftiges Pumpen lässt sich erzeugen, wer mag, nutzt die mittlerweile in Produktionen unverzichtbare Parallel-Mix-Funktion. Die technischen Daten sind hervorragend, das kann man auch hören. So werden Sub und Air nicht verschmiert, das Signal ist auch nach der Bearbeitung erstaunlich transparent. Allerdings kann man es nicht erwarten, es hier mit einem “Charaktergerät” zu tun zu haben. Nein: “Deutsche Ingenieurskunst” zeichnet sich durch Zurückhaltung aus. Aus genau diesen Gründen würde ich den Transpressor mit beiden Einheiten in einer Produktion dann doch eher selten einsetzen: Es wäre schon Zufall, wenn ich fände, dass das Signal, welches Transientenbearbeitung benötig, auch zudem wirklich mit genau diesem Kompressor bearbeitet werden müsste. Vielleicht will ich hier lieber einen Röhren-Soundmaker vom Typ LA2A oder doch einen 1176? Oder doch besser nur einen ultraschnellen Limiter? Ein ähnliches Problem sehe ich auch bei der Benutzung des SPL 1080 mit Vocals. Hier lassen sich feine Nuancen bei den Konsonanten mit der “TD”-Einheit verändern, die verschiedenen Aufgaben der Pegelverdichtung lassen sich mit dem umfangreich ausgestatteten 1HE-Gerät ebenfalls bewerkstelligen. Kompressoren haben aber eben oft noch eine weitere Aufgabe, als nur ganz technisch Pegelverhältnisse zu verändern. Und zu den Klangveredlern zählt der Transpressor wirklich nicht. Richtig komfortabel wäre es gewesen, wenn SPL beiden Einheiten separate Verbindungen zur Außenwelt auf der Rückseite spendiert hätte! Ich vertraue lieber auf einen getrennten Transient Designer und die freie Auswahl an Kompressoren.

Vocals 1: leicht erhöhte Attack im TD, leicht verringertes Sustain, mittlerer Th, Ratio 3:1, recht kurzer Attack, Auto Release, Mix 1:1

Vocals 2: leicht verringerter Attack im TD, leicht erhöhtes Sustain, niedriger Th, 10:1, kurze Attack und Release, Mix 1:1

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • vereint als einziges erhältliches Gerät zwei praktische Dynamikfunktionen
  • nützliche Ausstattung (Parallel Mix, Routing etc.)

  • Kombination nicht immer sinnvoll

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