Test
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16.10.2009

Spieglein, Spieglein, an der Wand
So unterschiedlich, wie die Ansprüche der DJs an Qualität und Funktionsvielfalt des eigenen Equipments sind, gestaltet sich auch das Preisgefüge. American-Audio und Numark bieten bereits MP3-fähige Einsteigergeräte unter 200 Euro an, die mit Scratching, Loops oder Effekten aufwarten. Pioneer hingegen kratzt mit dem momentanen Multiformat-Spitzenmodell CDJ-2000 und einer UVP von 1899 Euro an der 2000-Euro-Schallmauer (Stand: 22.09.2009). Im stark frequentierten preislichen Mittelfeld von rund 400 bis 800 Euro ist fast jeder namenhafte Hersteller mit zumindest einem Modell vertreten. Qualität und Ausstattung unterscheiden sich jedoch teilweise. So bringt Pioneers CDJ-200 (475 Euro) MP3-Fähigkeit, CDJ-400 (699 Euro) dazu MIDI mit, Denons DN-S1200 (448 Euro) besitzt einen USB-Port, S3700 (895 Euro) kommt mit Plattenteller und MIDI. American Audios CDI-500 ist mit Effekten, MP3- & MIDI-Unterstützung ausgestattet (389 Euro). Vestax CDX-05 kann unter anderem Hotcues und Effekte aufweisen (399 Euro). Stantons Spitzenmodell unter den Single-CD-Playern C.324 platziert sich mit 389 Euro preislich im unteren Mittelfeld und ist aufgrund der zahlreichen Performance-Plus Charakteristika sicherlich nicht nur für Einsteiger und Ersttäter, sondern vielleicht auch als Ersatz oder Ergänzung des bestehenden Sets ein verlockendes Angebot.

DJ, Decks und Debbie
Ein Blick in den Karton brachte neben dem Hauptakteur des Tages jeweils ein Quickstart- und User-Manual sowie Strom-, Audio- und Relay-Kabel auf den Tisch. C.324 passt, bei einer Größe von 318 (B) x92(H) x358(T) mm und einem Gewicht von 4,4 kg ideal neben meinen DJM-600 Clubmixer, denn er hat fast identische Maße. Er hat die Architektur der Vorgänger C.314 und C.304, lediglich die Funktion vereinzelter Bedienelemente unterscheidet sich nach Modellart geringfügig. Er besitzt nun ein Slot-In CD-Laufwerk und kommt im neuen grau-schwarzen Stanton Design. Gestaltung ist immer auch Geschmackssache, mir persönlich gefällt die neue Optik sehr gut, denn sie wirkt edler und eleganter. Erstes Befingern des Stanton-Boliden vermittelte den Eindruck einer stabilen Kunststoffkonstruktion mit grundsoliden, sauber verarbeiteten haptischen Elementen, bei identischen, CD-typischen „triff mich, wo du willst“ Gummi-Buttons. Die prinzipielle Bedienung des Gerätes erschließt sich sofort, das großzügige Layout animiert zusätzlich, direkt mal eine Scheibe einzulegen. Unterstützt werden Audio- und MP3-CDs mit Files mit Bitraten bis zu 320 kbit/s. Das ist zwar ein bißchen wenig, aber C.324 ist laut Herstellerangaben kein „Multiformatmessias“, sondern lediglich ein CD-Player mit MP3-Funktion. Als Abspielmodi stehen Single, Continue und Repeat zur Verfügung, doch bevor überhaupt etwas geht, muss die Maschine verkabelt werden. Die üblichen Verdächtigen, ein analoges Cinch-Päärchen und ein digitaler Ausgang versteckten sich wie immer an der Rückseite und lieferten keine Gegenwehr. Ebenfalls vorhanden ist eine Faderstart-Buchse ausgeführt als 3,5 mm Miniklinke. Auch wenn diese Schnittstelle nach wie vor das Standardformat für Faderstart darstellt, könnten sich die Hersteller mal auf ein professionelleres Format einigen. Ein kontaktsicheres und langlebigeres Format ist zum Beispiel die 6,3 mm-Klinke. Gerade wenn das Gerät zusätzlich im mobilen Einsatz bestehen muss, ist eine beständige und sichere Steckverbindung wegen des häufigen Verkabelns sinnvoll. Wird das Equipment einmalig Zuhause aufgebaut, kommt dieser Umstand nicht so stark zum Tragen. Falls der Szenario-DJ zwei identische C324 Geräte besitzt, denen eine gewisse Langeweile ins Display geschrieben steht, während er mit seiner Freundin Debbie das gemeinschaftliche Abendessen genießt, braucht er sich keine Sorgen zu machen. Einfach die Faderstart-Buchsen der Player miteinander verbinden, und schon können diese abwechselnd miteinander spielen und das Mahl in trauter Zweisamkeit bedenkenlos ausgedehnt werden. Debbie glücklich, Decks glücklich, DJ glücklich.

In Sachen Leuchtkraft und Darstellung
Stanton verbaut ein blau beleuchtetes Display mit Dot-Matrix und einem Durchmesser von ungefähr 7,5 cm. Es ist zwar ziemlich hell, doch es lässt sich nicht regulieren, was sich je nach Aufstellungsort negativ auf die Darstellung auswirken kann. Über die Notwendigkeit der in der oberen Hälfte angezeigten Infos kann man sicherlich unterschiedlicher Meinung sein. Der Platz für Statusmeldungen ohnehin illuminierender Buttons (zum Beispiel Loop, Effekte, Reloop) und des Ring-Positionsmarkers, der die Laufrichtung anzeigt (falls der DJ was an den Ohren hat) hätte vielleicht etwas besser genutzt werden können. Mir persönlich würde hier eine mehrzeilige Anzeige der Ordnerinhalte besser gefallen, da ich das Display während des Testverfahrens ohnehin nur zur Track-Auswahl und manchmal zur Tempoermittlung genutzt habe. BPM, Zeitangaben, Ordner und Dateinamen werden in der unteren Hälfte abgelesen. Die Laufzeitanzeige lässt sich auf Knopfdruck zwischen Restlaufzeit, verstrichener Laufzeit und CD-Gesamtlaufzeit umschalten. Zusätzlich visualisieren Pfeil-Indikatoren den Fortschritt des Musikstückes.

Die Linksaußen steuern den Ablauf
PLAY- und CUE sitzen wie erwartet auf der prominenten Linksaußenposition, gemeinschaftlich mit EJECT, TRACK-SKIP, FAST-SEARCH, welches im Cue-Modus, genau wie das Jog-Wheel, Frameskipping ermöglicht. Dadurch kann der DJ einzelne Frames vorspulen, was eine exakte Platzierung von Markern oder Schleifenstartpunkten zulässt.

Die Rechtsaußen machen das Tempo 
Stanton verbaut einen sanft gleitenden, vierstufig skalierbaren (+/- 8, 16, 25, 100 Prozent) 100-Millimeter-Pitchfader mit einrastender Nullstellung, die zusätzlich von einer roten LED signalisiert wird. Die resultierende minimale Deadzone fällt meiner Meinung nach nicht weiter ins Gewicht. Aufgrund des langen Regelweges lassen sich Tempoänderungen sehr präzise vornehmen. Der Pitchfader liefert einen angenehmen, minimalen Widerstand, sodass es normalerweise nicht zu sprunghaften Tempoänderungen beim Andruck kommen sollte. Seine Auflösung ist sehr genau. Geschwindigkeitsanpassungen lassen sich mit ca 0,1 %, also zwischen 0,1 und 0,2 BPM bei 120 BPM vornehmen. Dies gelingt selbst noch bei 25 Prozent, bei 100 Prozent ist die geringste Regelstufe ein BPM.

Der große Zampano
Obwohl in Zeiten von portablen DJ-Controllern oft mit vergleichsweise kleinen Jogdials gearbeitet wird und die geschätzten Tellerchen in manchen Fabrikaten zugunsten von Triggerbuttons weichen mussten, ist dennoch für viele DJs das Turntable-Feeling einer der wichtigsten Kauf-Faktoren. Hier gilt es Mix- und Scratch-DJs gleichermaßen zufriedenzustellen und so wartet Stantons Wheel mit drei unterschiedlichen Betriebsmodi auf. STANDARD ermöglicht kurzzeitiges „Nudgen“ (Bremsen oder Beschleunigen) des laufenden Musikstückes. In den Modus VINYL versetzt, scratcht der DJ, indem er die Hand oben auf den Teller legt und diesen dann vor oder zurückbewegt. Greift er jedoch an den Außenring und bewegt das Rad in oder gegen die Laufrichtung, kann er den Track zusätzlich nudgen. Beatjuggler  wird vielleicht TOUCH-REWIND erfreuen, ermöglicht es doch ebenfalls scratchen, kehrt aber bei Berührung des Tellers direkt zum letzten aktiven Cuepunkt zurück. Das Wheel besitzt eine leicht aufgeraute Oberfläche und ist von einem gummierten, geriffelten Außenring umgeben. Es hat einen Gesamtdurchmesser von 21 und eine berührungsempfindliche Oberfläche von fast 17 Zentimetern. Abgesehen vom eingangs erwähnten Turntable-Klassiker, können einige Modelle der Mitbewerber, zum Beispiel Vestax PDX-2300,  Schallplatten auch rückwärts abspielen. REVERSE ermöglicht dies am C.324. Zum Vergleich hören wir uns zusätzlich Pioneers CDJ-400 an.

Vestaxs Turntable PDX-2300 braucht erwartungsgemäß beim REVERSE etwas länger als die beiden CD-Player, um wieder auf volle Touren zu kommen.

 

Stantons Single Player Flagschiff hat eine gut ausgestattete Kreativabteilung an Bord, die ich im Verlauf des Praxisteils genauer unter die Lupe nehmen werde.

Pro & Contra

  • Großes präzises Jogwheel
  • Präziser 100 mm Pitchslider
  • Vier Pads für Hotcues & Samples
  • Durchdachtes Layout
  • Einfache Bedienung
  • Gute Tonhöhenkorrektur
  • Ansprechendes Design
  • Robuste Konstruktion
  • Umfangreiche Effektabteilung
  • Programmierbarer Sequencer
  • Sleep-Timer-Funktion
  • Lukrativer Preis

  • Wankelmütige Auto-BPM-Erkennung mit
  • Auswirkung auf das Timing bei Auto-Loops und Auto-Effekten
  • Display ohne Kontrastregelung
  • Keine Ordnernamen, keine ID3-Tags
  • Zum Teil etwas lasche Effekte
  • Faderstart über 3,5 mm Klinke
  • Antishockbuffer nur 10 Sek.

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