Software
Test
10
02.12.2019

Praxis

Spectral Comparison im Channel-EQ (nur Pro)

Ein großes neues Feature von Cubase 10.5 in der Pro-Version ist Spectral Comparison im Channel-EQ. Zusätzlich zur Spektralkurve des betreffenden Kanals lässt sich im Analyzer nun eine zweite aus einem anderen Kanal anzeigen, was hilfreich sein kann, um konkurrierende Frequenzbereiche zu identifizieren. Als Quelle können alle Kanäle eines Projekts ausgewählt werden – also auch Gruppen, Effektkanäle und sogar Eingangskanäle. Eine sehr feine Sache ist zudem, dass man mit einem einfachen Mausklick zu den EQ-Einstellungen des Quellkanals wechseln kann. Und auch das Solo-Schalten beider Kanäle ist ganz komfortabel aus den Kanaleinstellungen heraus möglich. Da haben die Leute von Steinberg wirklich mitgedacht!

Eine klassische Anwendung für Spectral Comparison ist das Mixing von Bass und Bassdrum. Auch wenn gute Monitore in einem guten Raum nach wie vor unerlässlich sind, kann das Feature eine enorme Hilfestellung beim Aufräumen im Keller der Frequenzbereiche darstellen.

Ein neues Plugin: MultiTap Delay (Pro, Artist)

Mit dem MultiTap Delay verpasst Steinberg der Pro- und Artistversion von Cubase ein extrem vielseitiges Delay mit bis zu acht Taps, die sich wiederum mit bis zu sechs grundlegend parametrisierten Tap-Effekten belegen lassen. Und natürlich sind auch die Pegel- und Panoramaeinstellungen pro Tap regelbar. Das Plugin lässt sich dank vielfältiger Presets ganz unkompliziert zum Mixing verwenden, ist dank seiner großen Parametervielfalt aber auch für das Sounddesign bis hin zum Generieren surrealer Klanglandschaften interessant.

 

Ein tolles Feature des MultiTap Delays ist der Ducker, der das Wet-Signal in Abhängigkeit vom Pegel des trockenen Signals absenkt und damit beispielsweise für definierte Vocals sorgt, die nicht in einer langen Delay-Fahne ertrinken – und dies ganz ohne zusätzliche Sidechain-Verbindungen oder komplexes Routing. Warum können das eigentlich nicht schon längst alle anderen Delays?

An dieser Stelle weiter in die Tiefe zu gehen, würde eindeutig den Rahmen dieses Artikels sprengen. Es sei nur gesagt: Steinberg liefert mit dem MultiTap Delay ein außergewöhnliches Plugin, das für die meisten Anwender von Cubase interessant sein dürfte, sich fraglos mit oft teurer Drittanbietersoftware messen kann und damit den Update-Preis auf Cubase Pro/Artist 10.5 durchaus alleine rechtfertigen kann.

Granular-Synthese mit Padshop 2 (Pro, Artist)

Steinbergs virtueller Granular-Synthesizer Padshop wurde für Cubase 10.5 überarbeitet und auf Version 2 geupdatet. Das Plugin beinhaltet nun nicht nur alle Features des früheren Padshop Pro (inklusive Sample-Import und kompletter Effektsektion), der für Cubase-Anwender bisher nur als kostenpflichtiges Upgrade erhältlich war, sondern fügt alledem eine ganze Reihe weiterer neuer Features hinzu – allem voran den neuen Spektraloszillator, der mit hochwertigen Algorithmen zum Time-Stretching und Pitch-Shifting arbeitet. Im Paket sind über 100 neue Presets enthalten.

 

 

Weitere Neuerungen von Padshop 2 sind ein interner Arpeggiator, eine dritte Hüllkurve, zwei zusätzliche polyphone LFOs und eine erweiterte Filtersektion. Allgemein können Modulationen nun ganz unkompliziert über Drag-and-drop eingerichtet werden. Wer öfter mit Padshop 2 arbeitet, der wird die erweiterten Features von Version 2 sicherlich zu schätzen wissen.

Mehr Farbe im Mischer (Pro, Artist, Elements)

Die Anwender aller Ausbaustufen von Cubase dürfen sich ab Version 10.5 über eine durchaus nützliche Neuerung in der MixConsole freuen: Die Spurfarbe ist nun nicht mehr nur auf einen kleinen Balken im unteren Bereich des Mischers beschränkt, sondern lässt sich durch eine schnelle Anpassung in den Programmeinstellungen über die kompletten Kanalzüge legen. Selbst wenn erfahrene Anwender ganz sicher auch mit der bisherigen Darstellung gut zurechtkommen, kann das eindeutigere Color-Coding für einen noch intuitiveren Arbeitsfluss sorgen – und für Einsteiger in den Bereich der Musikproduktion, die regelmäßig die Orientierung im Mischer verlieren, wird es deutlich übersichtlicher.

Video-Export direkt aus Cubase (Pro, Artist, Elements)

Dass Cubase Videos importieren kann, ist nichts Neues, und gerade bei der Produktion von Filmmusik ist das natürlich extrem hilfreich. Der Wunsch danach, dass auch der Export von Videos möglich sein soll, wurde vor allem laut, nachdem mit Cubase 9 eine neue Video-Engine eingeführt wurde, die eine frühere Funktion zum Ersetzen der Tonspur eines Videos verdrängte – und dieser Wunsch nach einer entsprechenden Rendering-Funktion wurde nun erhört.

 

 

Das Exportieren eines Videos mit eingebetteter Tonspur (und auf Wunsch mit Timecode) ist nun problemlos über einen entsprechenden Dialog möglich – und sogar einfache Schnitte lassen sich umsetzen. Für Filmkomponisten, die schnelle Layouts erzeugen wollen, ist das durchaus sinnvoll und auch manche YouTuber werden sich freuen, nun nicht mehr zwangsweise den Umweg über einen Video-Editor gehen zu müssen.

Rückwirkende MIDI-Aufnahme (Pro, Artist, Elements)

Die Rückwirkende MIDI-Aufnahme ist bereits seit längerem ein Feature von Cubase, das mit dem Schritt auf Version 10.5 überarbeitet und deutlich in den Vordergrund gerückt wurde. Auch wenn die Aufnahme nicht aktiviert wurde, schneidet Cubase beim Spiel auf einem Masterkeyboard oder sonstigen Controller alle eingehenden MIDI-Daten mit und legt sie in einem kleinen Zwischenspeicher ab. Die zugehörigen Bedienelemente sitzen nun im Inspector und erlauben es, nicht aufgenommenes Material auf Knopfdruck aus dem Hut zu ziehen.

Im Vergleich zu den vorigen Versionen erhält nun jede MIDI- und Instrumentenspur einen eigenen Zwischenspeicher, der befüllt wird, sobald eine Spur ausgewählt wurde – und selbst wenn die Wiedergabe nicht läuft, wird im Hintergrund mitgeschnitten. Das Erstellen von Cycle-Aufnahmen, die automatisch in mehreren Takes organisiert werden, ist ebenfalls möglich. Ein nützliches Feature, das zwar kein Leben, dafür aber immerhin Ideen retten kann.

Fette Workflow-Boosts vor allem für Cubase Pro

In Hinblick auf weitere Workflow-Beschleuniger gibt es vor allem für die Pro-Version von Cubase 10.5 von zwei kleinen, aber hochgradig effektiven Verbesserungen zu berichten. Der Track-Import wurde erweitert und schließt nun auch Gruppen, Effektkanäle, VCAs und Ordnerspuren ein. Dies ermöglicht es nun, ganze Kanalstrukturen aus anderen Projekten zu übernehmen. Somit ist beispielsweise das Übertragen eines ganzen Drum-Templates inklusive Reverb-Sends, Kanälen zur Parallelkompression und der Summe problemlos möglich.

 

Eine Loudness-Normalisierung gab es bisher nur in WaveLab, während man sich in Cubase mit der einfachen Peak-Normalisierung zufriedengeben musste. Mit Cubase Pro 10.5 hält nun aber auch die Normalisierung nach Lautheit Einzug in die DAW-Umgebung. Dies kann beispielsweise nützlich sein, um unterschiedliche Mixes zu vergleichen, Referenz-Tracks auf den Mixing-Pegel zu bringen oder auch die Spuren eines unbalancierten Mixes auf einen passenden Grundpegel zu setzen und sich somit einen guten Startpunkt zu schaffen.

Sowohl für Cubase Pro als auch für Cubase Artist gilt, dass die Tools zur Objektauswahl und zur Bereichsauswahl nun zu einem kombinierten Auswahlwerkzeug verknüpft werden können. Wird dieses Feature aktiviert, dann werden in der oberen Spurhälfte Bereiche und in der unteren Spurhälfte Objekte ausgewählt. Ein Umschalten zwischen den beiden Tools wird damit überflüssig. Der heilige Gral unter den Workflow-Boosts ist das für meine persönliche Arbeitsweise zwar nicht, wer aber bisher oft zwischen den beiden Werkzeugen umschalten musste, wird sich vermutlich freuen.

Weiterhin erhalten Anwender von Cubase Elements mit dem Update auf Version 10.5 das Stereo-Delay, den De-Esser und das Hall-Plugin Roomworks. In allen Versionen wurde ein Safe-Start ohne Drittanbieter-Plugins eingebunden. Probleme mit der Performance von Cubase Pro 10.5, von denen in einschlägigen Foren berichtet wurde, kann ich nicht bestätigen.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Video-Export

  • Spectral Comparison im Channel-EQ

  • neue Plugins: MultiTap Delay und Padshop 2

  • rückwirkende MIDI-Aufnahme pro Kanal

  • Viele weitere effektive Workflow-Verbesserungen

  • kein Contra

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