Hersteller_Steinberg Software DAW
Test
10
16.12.2016

Praxis

Alles andere als ein Tiefschlag: Die Lower Zone 

Der Trend zu großen Bildschirmen und 4K-Auflösungen breitet sich aus und löst dabei allmählich die bisher gängigen Setups aus zwei oder mehreren Monitoren ab, von denen einer oft für das Projektfenster und einer für den Mixer reserviert wurde. Steinberg reagiert darauf mit der neuen Lower Zone des Projektfensters, in der unter anderem das Mischpult seinen offiziellen eigenen Bereich bekommt. Klar, das ging bisher auch mit einer entsprechenden Anordnung der einzelnen Fenster, ist jetzt aber weit komfortabler gelöst, und zudem werden nun standardmäßig auch alle Editoren (z.B. Key- oder Sample-Editor) und auch die Chord Pads in diesem nach oben frei skalierbaren Bereich angezeigt. Die nicht nur von Steinberg eingeschlagene Richtung ist klar: Weg mit den vielen Fenstern!

Für eine Verwendung auf Laptops ist die Lower Zone meiner Ansicht nach nicht immer die erste Wahl, da hier meist ohnehin schon Platzmangel herrscht. Aber Selbstverständlich kann der neue Bereich genauso wie alle anderen Nebenbereiche ausgeblendet werden. Weitere Infos zu den Neuerungen im Projektfenster gibt es in einem kurzen Video:

Von vielen heiß ersehnt: Eine Sampler-Funktion

Einer der großen allgemeinen Kritikpunkte an Cubase war seit Jahren, dass selbst in der größten Ausbaustufe kein Sampler enthalten ist, mit dem man eigene Audio-Schnipsel auf einer Klaviatur verteilen kann, um sie wiederum über Midi anzusteuern. Dies hat sich nun geändert, und Steinberg hat hier einen durchaus etwas ungewöhnlichen Weg beschritten. Die meisten Anwender hätten wohl ein neues Plug-In zum Organisieren und Abspielen von Samples erwartet. Cubase 9 setzt diese Funktionalität dagegen über einen neuen Spur-Typ um: Die Sampler-Spur.

Genauso wie die Lower Zone ist das gesamte Feature in allen Versionen bis hinunter zu Elements verfügbar. Allzu tiefe Funktionen darf man hier jedoch nicht erwarten. Die Sampler-Spur arbeitet pro Instanz ausschließlich mit einem einzelnen Sample, und komplexere Funktionen wie das Verwenden von Multisamples oder Velocity Layern bleibt Spezialisten wie Steinberg HALion 5 oder Native Instruments Kontakt 5 vorbehalten.

Ein neuer EQ mit Linear-Phase- und M/S-Bearbeitung

Was in Cubase bisher eindeutig gefehlt hat, war ein „normaler“ Equalizer, der es erlaubt, Frequenzbearbeitungen ohne die damit gewöhnlicherweise einhergehenden Phasenverschiebungen und Artefakte umzusetzen. Zwar handelt es sich beim seit Cubase 7 in der großen Version enthaltenen Voxengo CurveEQ um einen Linear Phase EQ, wegen seines Paradiesvogel-Konzepts lässt er sich für alltägliche Anwendungen aber nur schwer nutzen.

Das in Cubase Pro 9 neu enthaltene Plug-In namens Frequency ist dagegen etwas konventioneller veranlagt und bietet neben seinem Standard-Modus auch die besagte Linear-Phase-Funktion – und sogar Mid/Side-Bearbeitungen sind möglich! Damit wird sich der mit üppigen acht Bändern ausgestattete Frequenzmanipulator nicht nur auf Einzelspuren, sondern auch auf Gruppenkanälen und dem Mixbus sehr wohl fühlen. Über die Auto-Listen-Funktion, mit der sich ausgewählte Frequenzbänder in Solo abhören lassen, werden sich vermutlich ebenfalls viele Nutzer freuen. Ein tolles Plug-In!

Eine Undo-Funktion für den Mixer!

Kaum zu glauben, aber sie ist wirklich da! Es gibt wohl nur wenige andere Feature-Requests an Steinberg, die in den letzten Jahren mit einer vergleichbaren Dringlichkeit ausgesprochen wurden wie eine Undo-Funktion für den Mixer!

Besonders hervorzuheben ist, dass diese History getrennt von der allgemeinen History des Projektfensters angelegt wird und parallel läuft! Die Funktion bleibt bleibt den Anwendern von Cubase Artist und Cubase Pro vorbehalten.

Man kennt es: Ein Mix ist auf dem Weg und beginnt langsam richtig gut zu klingen, man wird euphorisch, dreht die Abhöre noch etwas lauter und bemerkt dabei nicht, dass man nach mehreren Stunden Arbeit eigentlich längst nichts mehr hört – und zerstört in wenigen Momenten die so mühevoll erstellte Balance. Mit der neuen Undo-History, die auf der linken Seite der MixConsole untergebracht ist, kann man nun zu jedem beliebigen Punkt einer Mischung zurück springen und neu ansetzen. Komplette Mixer-Snapshots, anhand derer sich verschiedene Mixes direkt gegenüberstellen ließen, gibt es zwar noch nicht, das Feature ist aber trotzdem wirklich toll und wird dafür sorgen, dass viele ärgerliche Momente nicht mehr aufkommen.

Weitere neue Features

Mit den ganz großen Neuerungen war es das jetzt auch schon. Natürlich hat Cubase in Version 9 aber noch einige weitere neue oder überarbeitete Features an Bord. So wurden der Maximizer und das Autopan Plug-In unter der Haube verbessert, und nebenbei hat Steinberg einigen weiteren Effekten aus dem Dynamics-Bereich eine neue Benutzeroberfläche verpasst. Der virtuell-analoge Synthesizer Retrologue 2 kann nun mit einem Sidechain-Signal beschickt werden und eröffnet damit neue Möglichkeiten für kreatives Sound-Design, und im Prinzip ist dies dank der neuen Audio-Ins auch mit anderen VST-Instrumenten möglich, so lange diese auf dem VST3-Standard basieren.

Ebenfalls interessant: Statt früher nur einer einzelnen Marker-Spur pro Projekt lassen sich jetzt bist zu zehn solcher Spuren erzeugen, um das Material auf Einzelspuren oder Gruppen separat zu benennen. Vor allem der Punkt, dass Marker nun stellvertretend für die Locatoren verwendet werden können, um gleichzeitig mehrere Bereiche eines Projekts zu exportieren, kann sich in entsprechenden Projekten als extrem zeitsparend erweisen. Für Cubase 9.5 wünsche ich mir zusätzlich den gleichzeitigen Export von WAV- und Mp3-Files! Um die Details zu all diesen Punkten geht es im letzten Video:

Zu guter Letzt legt Steinberg mit den Production Groove Essentials etwa 400 Drumloops und Presets für den Groove Agent SE4 mit ins Paket. Für schelle Layouts sind die Sounds durchaus zu gebrauchen, für meine Ohren wirkt der Klang aber ein wenig nach der Begleitautomatik eines Keyboards aus der unteren Mittelklasse. Aber gut – die Stock-Samples einer DAW müssen nicht zum Hochkarätigsten gehören, das der Markt zu bieten hat.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Undo-History für den Mixer
  • Sampler-Spur bietet grundlegende Sampling-Funktionen
  • Neuer und flexibler EQ
  • Erweiterte Möglichkeiten zum Fenster-Layout
  • Gleichzeitiger Mixdown mehrerer Bereiche eines Projekts über Marker
  • Plug&Play für USB-Geräte unter Windows

  • kein Contra

Verwandte Artikel

User Kommentare

Zum Seitenanfang
ZUR STANDARD WEB-ANSICHT X