Test
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12.10.2020

Swissonic Stage Switch POE Test

19" Gigabit Netzwerkswitch mit POE

Tour-tauglicher Switch fürs FOH-Rack

Ob es einem gefällt oder nicht, aber der moderne Tontechniker ist heutzutage auch stets ein Netzwerk-Admin, mal mehr, mal ein bisschen weniger. Viele Audio-Übertragungsstandards wie DANTE, AVB oder Waves SoundGrid setzten auf den bekannten Ethernet-Standard auf und nutzten dessen Infrastruktur. Daher war es nur eine Frage der Zeit, bis jemand einen Netzwerk-Switch für die Pro-Audiowelt anbietet. Neben einigen sündhaft teuren Lösungen bietet sich ein brandneuer Switch der Thomann-Hausmarke Swissonic an. Der Swissonic Stage Switch POE ist ein 19“-Switch, ausgestattet mit 16 Ports und einer professionellen PowerCon-Netzversorgung. Was der Anwender für den attraktiven Preis knapp unter der Schallmauer von 300,– Euro für eine Gegenleistung erhält, haben wir in der Praxis getestet.

Details

Der Switch erreichte mich gut geschützt und sicher verpackt im Doppelkarton. Anbei der übliche Lieferumfang: Gerät, Bedienungsanleitung und Netzkabel. Letzteres fällt allerdings eher unüblich aus, da nicht ein herkömmliches Kaltgerätekabel zum Einsatz kommt, sondern ein PowerCon-Derivat. Das unterstützt die professionellen Ambitionen des Kandidaten.

Switche in der Audiowelt sind in der Regel systemrelevant, weshalb die PowerCon-Verkabelung in meinen Augen die richtige Wahl ist. Andocken kann das Kabel auf der Rückseite. Dort findet sich sogar eine Power-Out-Buchse wieder, was eine saubere und sichere Verkabelung im Rack ermöglicht.

Stichwort Rack: Switche gibt es wie Sand am Meer, aber nur wenige mit einem professionellem 19“-Gehäuse wie beim Swissonic Stage Switch POE. Wo wir gerade auf der Rückseite verweilen, neben dem Netzanschluss finden sich hier acht Ethernet-Ports mit klassischer RJ45-Buchse wieder. Diese Buchsen bieten zudem PoE (siehe nächster Abschnitt) mit bis zu 15 Watt pro Port.

Schauen wir uns die Vorderseite an. Hier befinden sich gleich acht weitere Ethernet Ports, diesmal mit professionellen EtherCon Armaturen. Demnach bieten sich die rückseitigen Ports für die Festverkabelung von weiteren Rack-Gerätschaften an, während die Ports auf der Vorderseite vorzugsweise mit den missionskritischen Gerätschaften wie mobile Mischpulte, Stageboxen oder W-LAN-Router Kontakt aufnehmen.

Links neben den EtherCon-Ports befinden sich ein gut geschützter Netzschalter und eine LED-Armada, die für jeden der insgesamt 16 Ports anzeigt, ob eine Datenübertragung in einer Geschwindigkeit von bis zu 1000 Mbps stattfindet. Acht zusätzliche LEDs zeigen an, bei welchen der rückseitigen Ports PoE an PDs geliefert wird. „PoE & PDs“ – du verstehst nur Bahnhof? Dann wird es Zeit, das IT-Kauderwelsch zu erklären.

Kurzer Trip in die IT-Abteilung

In der Artikelbeschreibung finden sich Begriffe wie „PoE, Flow Control“ oder „unmanaged“ wieder. Klingt nach veritablen Band-Namen, sind aber Produkteigenschaften direkt aus der IT-Hölle, die ich kurz erklären möchte. Denn wie einst Michael Schumacher sagte: „Man muss kein Automechaniker sein, um einen Rennwagen fahren zu können“, könnte man das auch auf den Switch ummünzen.

Fakt ist: In der Regel sollte es reichen, die unterschiedlichen Gerätschaften via CAT5e-Kabel anzudocken und den Switch einfach seinen Job machen zu lassen. Dennoch möchte ich an dieser Stelle kurz erklären, was es mit den oben genannten Begriffen auf sich hat. Denn eines ist klar: Die Netzwerktechnik in der Pro-Audiowelt ist gekommen, um zu bleiben. Daher kann ein Mindestmaß an IT-Vokabeln nicht schaden.

Flow Control

Die Flow Control ist eine Flussteuerung, die eine Stabilisierung von Ethernet-Verbindungen ermöglicht. Im Grunde ist die Flow Control eine Geschwindigkeitsbegrenzung. Falls ein Netzwerk-Device Daten schneller sendet, als sie der Netzwerk-Receiver verarbeiten kann, dann wird der Datenfluss via Flow Control verlangsamt, bis Sender und Empfänger gleichermaßen klarkommen und somit „im Flow“ sind.

Die Flow Control hilft also bei asynchronen Übertragungsgeschwindigkeiten, indem sie die Datenrate reguliert, sodass die Datenübertragung verlustfrei erfolgt. Das kann soweit gehen, dass die Flow Control bei Datenstau die Datenrate reduziert oder gar zeitweise auszusetzt, damit der Empfänger genügend Zeit gewinnt, alle Daten zu empfangen. Eine Überlast tritt auf, wenn die Zahl der Datenpakte die Aufnahmekapazität des empfangenden Endgeräts überschreitet. Die Flow Control übernimmt an gleich mehreren Stellen im System die Steuerung. Beispielsweise zwischen Anwendungsprozessen, Ports, Endgeräten, Netzknoten und Subnetzten.

PoE

Die ganze IT-Branche ist gespickt mit Akronymen (Abkürzungen). PoE ist da keine Ausnahme und ist die verkürzte Form für „Power over Ethernet“. Das bedeutet, dass über ein Ethernet-Kabel neben der Datenübermittelung auch eine Stromversorgung für PDs bereitgestellt wird.

Das nächste Akronym. Ein PD (Powered Device) ist ein Endgerät, dass zur Spannungsversorgung auf die Spannung aus dem Netzwerkkabel zurückgreift. Es gibt gleich eine Reihe an PDs wie Access Points, IP-Kameras oder elektrische Türschlösser, die via PoE betrieben werden. Dabei ist die Stromversorgung von PDs in der Regel Plug & Play. Einfach das PD mit einem Netzwerkkabel an den PoE Switch anschließen, fertig! Der Switch erkennt, ob die angeschlossenen Gerätschaften PoE-kompatibel sind und aktiviert die Stromversorgung über das Netzwerkkabel automatisch.

managed vs. unmanaged

Switche unterscheidet man in managed oder unmanaged. Von meiner Seite aus gibt es eine klare Empfehlung. Wer nicht wirklich sattelfest in Netzwerk-Administration ist, der sollte sich einen unmanaged Switch zulegen. Hier trifft der Leitsatz „weniger ist mehr“ durchaus zu. Dabei sind managed Switches mit wesentlich mehr Features versehen. Der Nachteil: Man muss diese auch entsprechend konfigurieren können.

Ein managed Switch erlaubt eine größere Kontrolle des Netzwerks und über alle Pakete, die sich darin befinden. Bei einem managed Switch könnt ihr jeden Port einzeln konfigurieren. Auch das Netzwerk lässt sich auf unterschiedliche Weise konfigurieren. Man hat Kontrolle, wie sich die Daten im Netzwerk bewegen und wer darauf Zugriff hat. Managed Switches bieten zudem oft die SNMP Funktion (Simple Network Management Protocol), mit der man den Status der Verbindungen überwachen kann. Zusätzlich erhält man Auskunft zu Traffic-Durchsatz, Netzwerk-Fehlern und Port-Status.

Fast alle managed Switches lassen sich fernsteuern, indem sie dem Anwender eine Remote-Konsole zur Verfügung stellen. Entweder über eine Kommandozeile oder ein Web-Interface. Administratoren können dadurch Änderungen vornehmen und müssen sich nicht am selben physischen Standort befinden. Aber nur wer diese Switche sicher programmieren kann, wird von den Vorteilen profitieren.

Für kleine Netzwerke und weniger IT-affine Anwender ist ein unmanaged Switch oftmals die bessere Wahl. Letztere funktionieren in der Regel mittels Plug & Play und erlauben die Kommunikation diverser Ethernet-Geräte ohne großen Aufwand.

Pro & Contra

  • robustes Gehäuse
  • 16 x Ports, davon acht mit EtherCon-Armaturen
  • PowerCon-In- & Out-Netzanschluss
  • PowerCon-Kabel im Lieferumfang
  • gute Verarbeitung
  • Ports auf der Vorder- und Rückseite
  • Power over Ethernet (PoE)
  • alle Netzwerkbuchsen geerdet

  • sparsame technische Dokumentation
  • kein Hinweis, welche Audio-Netzwerke (DANTE, SoundGrid, AVB usw.) unterstützt werden

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