Workshop_Folge
Workshop
3
10.06.2013

Wobble Bass

In der ersten Folge habe ich gezeigt, wie man Hüllkurven benutzt, um die Lautstärke und den Filter-Cutoff im Zeitverlauf zu verändern. So kann man zum Beispiel langsam anschwellende Klänge, perkussive Sounds oder schmatzende Filterbewegungen programmieren. Doch was ist, wenn man zum Beispiel ein Vibrato erzeugen möchte, also eine wiederkehrende, „schwingende“ Modulation der Tonhöhe? Das geht mit einer Hüllkurve nicht. Deshalb bieten fast alle Synthesizer eine weitere Möglichkeit, Klangparameter zu modulieren: den Low Frequency Oscillator, kurz LFO. Dahinter verbirgt sich ein vergleichsweise langsam schwingender Oszillator, der nicht direkt zur Produktion von hörbaren Schwingungen eingesetzt wird, sondern zur Steuerung verschiedener Parameter des Synths, z.B. Tonhöhe (Pitch), Lautstärke (Amp/VCA) oder Filter-Cutoff. Damit lassen sich zyklische Modulationen erzeugen. Beim Tyrell stehen zwei unabhängige LFOs zur Verfügung, die sehr flexibel zur Beeinflussung vieler Parameter des Synths eingesetzt werden können. Sie bieten die Schwingungsformen Sinus, Dreieck, Sägezahn (aufsteigend und abfallend), Rechteck sowie zwei verschiedene zufällige Verläufe (fließend und gerastert). Ausgewählt werden die Schwingungsformen in den kleinen Listen neben den Bezeichnungen „LFO1“ und „LFO2“.

Um die grundsätzliche Funktionsweise eines LFOs kennen zu lernen, werden wir als erstes einen Wobble-Bass programmieren. Dafür muss der Filter-Cutoff von einem LFO moduliert werden. Die Intensität der Modulation soll beim Spielen mit dem Modulationsrad beeinflusst werden können. Hier hört ihr schon mal den fertigen Sound:

Zunächst einmal müssen wir uns aber um den Grundsound kümmern. Ausgangspunkt ist wieder das Startpreset „bonedo_01_Start“. Stellt für beide Oszillatoren jeweils eine Sägezahnschwingung ein (SHAPE 1 auf 3.00, SHAPE 2 ganz nach links, obwohl hier fälschlicherweise ein Dreieck aufgedruckt ist). Im Mixer dreht ihr OSC 1 und OSC 2 jeweils auf 0.00 auf und SUB auf etwa -40.00. Das Ergebnis sollte so klingen:

Um den Sound fetter zu machen, verstimmen wir den Oszillator Nr. 2 leicht gegenüber dem ersten. Der Regler FINE wandert auf etwa 5.00. Das klingt so:

Auch der Chorus wird eingesetzt, um den Klang breiter und dramatischer zu machen. Diesmal darf es ruhig der TYPE „Dramatic“ sein. RATE steht auf ca. 30.00, DEPTH auf 20.00 und WET auf 50.00.

Eine komplizierte Amp-Hüllkurve brauchen wir für diesen Sound nicht. Um unerwünschte Knackser zu vermeiden, ist es ratsam, die RELEASE-Zeit der ENV1 leicht aufzudrehen (10.00). Ansonsten bleibt hier alles so, wie es ist.

Der Filter-Cutoff soll ja von einem LFO beeinflusst werden. Deshalb wird der Slider CUT auf einen mittleren Wert herunter geregelt (90.00). So ist nachher „Luft“ nach oben und unten für die Modulation. Die Filterresonanz RES wandert auf ca. 20.00, was dem Klang etwas Biss gibt.

Nun kommt der LFO zu seinem ersten Einsatz. Wählt in der Filtersektion bei SOURCE 1 den LFO1 aus der Liste aus und dreht den Regler MOD 1 auf. Jetzt wirkt sich die Schwingung des LFO1 (voreingestellt ist eine Dreieckschwingung) auf die Filterfrequenz aus und zwar so stark, wie es gerade bei MOD 1 eingestellt ist. Das sollte sich ungefähr so anhören (nicht wundern, falls die Modulation bei euch schneller oder langsamer ist – darum kümmern wir uns gleich).

Bei den meisten Synthesizern wird die Frequenz der LFOs (also die Geschwindigkeit der Modulation) als „Rate“ bezeichnet. Oft gibt es dafür einen simplen Regler. Einen RATE-Regler hat der Tyrell zwar auch, aber hier ist es etwas komplexer (und dadurch sehr vielseitig!). Die nächsten Absätze sind ein kleiner Exkurs über die Besonderheiten der Tyrell-LFOs. Benutzer anderer Synthesizer sollten sich davon nicht verwirren lassen und sich einfach merken, dass RATE bei den meisten Instrumenten für die Frequenz oder Geschwindigkeit eines LFOs steht.

Beim Tyrell wird die LFO-Frequenz durch eine Kombination von RATE-Regler und einem Sync-Referenzwert bestimmt. Man wählt zunächst den gewünschten Bezugspunkt aus der SYNC-Liste aus, wobei man die Wahl zwischen absoluten Zeiten wie 1s oder 10s und verschiedenen Notenwerten hat. Wenn ein Notenwert ausgewählt ist, läuft der LFO synchron zum Songtempo. Mit dem Regler RATE kann man dann einen Faktor einstellen, aus dem sich – ausgehend vom Sync-Wert – die endgültige Frequenz ergibt. RATE ist beim Tyrell also kein absoluter Wert, sondern bezieht sich immer auf den Grundwert SYNC. 

Das erscheint vielleicht erst mal ziemlich kompliziert, ist es aber eigentlich gar nicht. Ein Beispiel anhand unseres Basssounds: So klingt es, wenn SYNC auf 1s steht und RATE auf 0.00. Der LFO schwingt nun genau einmal pro Sekunde.

Erhöht man nun RATE auf 1.00, wird die Frequenz verdoppelt und der LFO schwingt 2x pro Sekunde:

Wenn RATE weiter auf 2.00 erhöht wird, verdoppelt sich die Frequenz noch einmal auf 4 Schwingungen pro Sekunde und so weiter:

Wenn SYNC auf 10s eingestellt ist, führen die gleichen RATE-Werte (0.00, 1.00 und 2.00) zu folgenden Ergebnissen (eine Schwingung alle 10 Sekunden, eine Schwingung alle 5 Sekunden und eine Schwingung alle 2,5 Sekunden):

Das funktioniert auch in der anderen Richtung (mit negativen RATE-Werten wird die Frequenz um einen bestimmten Faktor verringert) und natürlich sind auch Zwischenwerte möglich. Bei Notenwerten geht es genauso: Ist bei SYNC zum Beispiel 1/4 eingestellt, erhält man mit RATE=0 eine Schwingung pro Viertelnote, abhängig vom Tempo, das im Host-Sequencer eingestellt ist. Mit jeder Erhöhung des RATE-Wertes um 1 verdoppelt sich die LFO-Frequenz auf Achtelnoten, Sechzehntelnoten und so weiter. Auch dazwischen ist alles möglich, also auch sehr krumme LFO-Tempi, die wegen des SYNC-Bezugspunktes trotzdem abhängig vom Songtempo sind.

Weiter geht's mit dem Basssound. Für unseren Wobble-Bass stellen wir bei LFO1 SYNC auf 1s und RATE auf etwa 2.00. Der Regler MOD 1 in der Filtersektion steht auf 40.00. Jetzt solltet ihr die gleiche Modulationsgeschwindigkeit und -intensität erhalten wie im nächsten Klangbeispiel. In der Praxis würde man für einen solchen Sound wahrscheinlich bei SYNC einen Notenwert auswählen, um eine temposynchrone Modulation zu erzeugen. Für diesen Workshop bleiben wir bei Sekunden, denn dann spielt es keine Rolle, auf welches Tempo eure Software gerade eingestellt ist.

Das klingt doch schon ganz gut. In der Praxis möchte man oft mit einem Controller wie dem Modulationsrad steuern können, wie stark die Modulation eingreift. Mit dem Regler MOD 1 lässt sie sich aber nur dauerhaft hinzufügen. Was tun?!

Willkommen in der Matrix

Hier kommt die Modulationsmatrix des Tyrell ins Spiel. Sie erlaubt es zunächst einmal, diverse Parameter durch verschiedenste Quellen zu beeinflussen. Die gleiche Modulation wie gerade eben können wir auch per Modulationsmatrix umsetzen. Regelt den Knopf MOD 1 in der Filtersektion auf 0 zurück, was die Modulation erst mal wieder abschaltet. Dann wählt ihr in der Matrix-Sektion bei MATRIX 1 TARGET das Modulationsziel aus, also den Cutoff: Tyrell -> Cutoff. Die beiden Regler links daneben, die leider nicht beschriftet sind, bestimmen jetzt, wie stark der Cutoff von welchen Quellen beeinflusst wird. Aus der Liste unter dem linken Regler selektiert ihr den LFO1 (Maustaste über dem Regler gedrückt halten oder CTRL-Klick). Das ist die Modulationsquelle. Wenn ihr nun den Drehregler darüber wiederum auf 40.00 aufdreht, solltet ihr exakt das gleiche Ergebnis erhalten wie vorhin bei der Modulation über den Regler MOD 1. 

Und jetzt der Vorteil der Matrix: Der zweite Drehregler rechts daneben ermöglicht es, eine zweite Bedingung für die Modulation zu definieren. Hier kann man zum Beispiel festlegen, dass der Filter-LFO nur aktiv werden soll, wenn das Modulationsrad oder ein anderer MIDI-Controller aufgedreht wird. Aus der Liste unter dem Knopf wählt ihr ModWhl aus (Modulationsrad, Auswahl wieder per CTRL-Klick) und dreht den Regler ganz auf 100.00. Jetzt lässt sich die Modulation per Modulationsrad regeln und erreicht ihren am linken Regler eingestellten Maximalwert von 40.00 dann, wenn das Modulationsrad ganz aufgedreht ist. 

Restart

Der RESTART-Parameter des LFOs bestimmt, ob der LFO beim Drücken einer Taste neu gestartet wird, also seine Schwingung von vorn beginnt oder nicht. Dafür stehen beim Tyrell vier verschiedene Einstellungen zur Auswahl: Sync, Gate, Single und Random. Bei anderen Synthesizern heißt dieser Parameter vielleicht anders, zum Beispiel „Retrigger“ oder „Key Sync“.

Die Bezeichnung Sync ist beim Tyrell etwas kurios: In dieser Stellung läuft der LFO im Einklang mit der Sync-Referenz (Zeit oder Notenwert) unbeeindruckt weiter. Wenn man eine Taste drückt, wird er nicht neu gestartet. Daher kann es beim Spielen recht unterschiedliche Ergebnisse geben: Vielleicht befindet sich der LFO beim Tastendruck gerade im Maximum seiner Schwingung, im Minimum oder irgendwo dazwischen. Hört im nächsten Beispiel auf die Notenanfänge:

In der Stellung Gate beginnt der LFO seine Schwingung bei jedem Tastenanschlag von vorn. Der LFO springt also auch dann an den Anfang seiner Schwingung zurück, wenn man eine Taste gedrückt hält und dann eine weitere spielt.

Stellt man den LFO auf Single, so beginnt die Schwingung synchron zum ersten Tastendruck und läuft dann solange gleichmäßig weiter, wie man insgesamt Tasten gedrückt hält. Spielt man eine weitere Taste, während man die erste hält, bleibt der LFO davon also unbeeindruckt. Das ist die Einstellung, die für unsere Zwecke diesmal die Passende ist.

Mit dem Regler PHASE kann übrigens eingestellt werden, an welchem Punkt seiner Schwingung der LFO beginnt. Hier kann man wählen, ob die LFO-Schwingung im Maximum beginnt oder, wie voreingestellt, im Minimum.  

Nun sind wir fast fertig. Ein Basssound wie dieser kann noch etwas GLIDE vertragen: Dreht den GLIDE-Regler in der OSC MOD-Sektion auf etwa 30.00. Nun brauchen die Oszillatoren einen kleinen Moment, um von einer Note zur nächsten zu „rutschen“. Und so klingt der fertige Sound, dem man durch Drehen am Modulationsrad die Modulation hinzufügen kann:

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