Gitarre Hersteller_TREX
Test
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09.02.2018

Praxis

Obwohl der Delay-Effekt mechanisch erzeugt wird, ist die Bedienung genauso einfach und intuitiv wie bei einem ganz normalen Echopedal. Im Gegensatz zu alten Bandechogeräten aus den Sechzigern und Siebzigern gibt es beim Replicator keine Anpassungsprobleme. Das Pedal kann also nicht nur problemlos vor dem Amp und in dessen Einschleifweg verwendet werden, sondern auch im Tonstudio, wo es sich ohne Aufwand einbinden lässt. Einzig ein leichtes Bandrauschen muss hier in Kauf genommen werden, aber so ist es nun einmal, wenn ein Tonband an einem Tonkopf vorbeigezogen wird. Ein anderer Vorteil des Replica Junior ist die für ein Bandecho sensationelle Betriebssicherheit. Damit es im Laufe der Zeit nicht zu größeren Ausfällen kommt, hat man im Vergleich zu klassischen Bandechos die Verschleißteile auf ein Minimum reduziert. Komplizierte Andruckrollensysteme sucht man hier vergebens, weil man diese in rudimentärer Form kurzerhand in die Kassetten verlegt hat. Geht eine solche kaputt, schraubt man eine neue auf das Pedal - fertig. Die Kunststoffwellen der Kassetten bescheren den Pedal im Gegensatz zu klassischen Bandechos übrigens sehr starke Gleichlaufschwankungen, die ziemlich rau und im weitesten Sinne "schmutzig" klingen. Dadurch hat das Replica zwar seinen ganz eigenen Charme, aber mit dem vergleichsweise cleanen Sound von Echolette und Co nicht mehr viel zu tun.

Aber kommen wir zu meinem ersten Audiobeispiel, bei dem ich euch die kürzeste Echo-Zeit vorstellen möchte. Wie bereits erwähnt, kann man mit dem Replicator Junior leider keine Slapback-Echos mehr erzeugen, weil die kürzeste Echozeit bei 350 Millisekunden liegt. Eigentlich schade, aber wer nicht auf Rockabilly oder Sounds im Stil von Mr. Les Paul steht, wird hier auch nichts vermissen.

Für längere Delayzeiten wird mit dem Time-Regler die Motorgeschwindigkeit verlangsamt, was gleichzeitig auch den Frequenzgang der Echowiederholungen verschlechtert. Der dumpfere und leicht kaputte Sound entsteht dadurch, dass dem Audiosignal wegen des langsameren Bandtransports weniger Platz auf dem Band zur Verfügung steht. Neben dem dumpferen Frequenzgang verändert sich gleichzeitig auch die Geschwindigkeit und Struktur der Gleichlaufschwankungen. Das Endergebnis klingt umso kaputter, je langsamer das Band transportiert wird. Im folgenden Beispiel hört ihr die mittlere Geschwindigkeit, bei der sich alle Regler in der 12-Uhr-Position befinden.

Hier noch einmal die langsamste Einstellung mit einer Delayzeit von knapp 1,35 Sekunden. Wie man deutlich hören kann, sind die Ecos noch dumpfer als in den vorherigen Soundbeispielen. Ich kann mich ehrlich gesagt nicht daran erinnern, jemals eine so lange Verzögerungszeit in der Praxis eingesetzt zu haben, aber wo sie schon mal möglich ist, möchte ich sie euch auch nicht vorenthalten.

An der Rückseite befindet sich ein Poti für die Bandsättigung. Wenn man es komplett zurückdreht, ist kein Echosignal mehr zu hören. Bei höheren Einstellungen wird der Sound allmählich immer dichter und komprimierter, bis schließlich eine deutliche Anzerrung zu hören ist. Ein ähnlicher Effekt entsteht auch dann, wenn man mithilfe der kleinen Rändelschraube die Tonköpfe vom Band entfernt. Während der Abstand zwischen Tonkopf und Tonband immer größer wird, werden die Echowiederholungen immer dumpfer und leiser, bis sie schließlich nicht mehr zu hören sind. Im umgekehrten Fall wird der Sound der Echos bis zu einem gewissen Grad allmählich immer dominanter. Wenn die Tonköpfe dann zu stark gegen das Band drücken, funktioniert der Bandtransport wegen des hohen Gegendrucks irgendwann nicht mehr richtig. Hier ist also Fingerspitzengefühl angesagt. Um euch die klanglichen Unterschiede der Tonkopf-Position einmal zu demonstrieren, habe ich im Laufe des Audiobeispiels die kleine Rändelschraube allmählich so weit gelockert, bis der Druck der Tonköpfe den Bandtransport schließlich stoppt. Mit zunehmendem Druck auf das Band erhöht sich auch das Bandrauschen, was aber in der Natur der Sache liegt.

Obwohl ich beim Einspielen der Audiobeispiele manchmal die Befürchtung hatte, dass die Wiederholungen zu stark eiern, gefiel mir genau diese Eigenschaft später beim Abhören besonders gut. Die Echos klingen gerade deshalb so interessant, weil sie sich dank unzähliger und nicht vorhersehbarer Ungenauigkeiten vom Originalsignal stark unterscheiden. Nur hat dieser recht schmutzige Sound nicht viele Gemeinsamkeiten mit den klassischen Bandechogeräten aus der Hochzeit der 60er und 70er Jahre. Damals waren Gleichlaufschwankungen absolut verpönt und die Andruckrollen wurden schon beim kleinsten Anzeichen einer Ungenauigkeit ausgetauscht.

Hier noch ein solistisches Soundbeispiel mit dem High-Gain-Kanal und einer Endlos-Feedbackschleife, die an alte Science-Fiction-Filme erinnert. Die Tiefe und die unglaubliche Wärme der Echos kommen dem Originalsignal auch bei schnell gespielten Passagen nicht in die Quere. Der Grund sind neben dem weichen Frequenzgang auch die Bandsättigung, die einen Teil der harten Attacks gekonnt aus dem Weg komprimieren.

Video

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • analoger Sound
  • tadellose Verarbeitung
  • einzigartiges Konzept

  • keine Slapback-Delays möglich

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