Gitarre Hersteller_TREX
Test
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21.02.2016

Praxis

Wie bei allen Bandechogeräten besteht auch hier ein Teil der Konstruktion aus mechanischen Bauteilen, die sich naturgemäß auch akustisch bemerkbar machen. Zu einem leisen Motorgeräusch gesellt sich das leichte Rauschen der Kassette, was jedoch nur in einer Studiosituation hörbar ist. Im Proberaum oder auf der Bühne spielt das keine Rolle, außerdem gehört es zum Charakter dieser Geräte und ist Teil des Systems. Der Sound des Pedals ist warm und fett, aber auch rau und unberechenbar. Der Klang der Echos ändert sich je nach Tonkopf und Bandgeschwindigkeit, denn je langsamer der Motor das Band dreht, umso dumpfer und kaputter klingen die Wiederholungen. Auch der Choruseffekt klingt je nach Bandgeschwindigkeit anders. Je schneller das Band läuft, umso stärker kommt das leichte Eiern des Effektes zum Vorschein. Die ohnehin schon wahrnehmbaren Gleichlaufschwankungen bekommen somit einen deutlichen Schub. Der Hersteller empfiehlt übrigens, diesen Effekt nicht als Ersatz für einen eigenständigen Chorus zu sehen, sondern mit ihm dem Signal etwas Farbe zu geben.

Am besten hört man die Qualität und die Lebendigkeit der Delays mit einer cleanen Gitarre und ein paar schönen Akkorden. Die Einstellung des Pedals ist hier wie folgt: Heads grün, Chorus aus, Delay Level 15 Uhr, Feedback 12 Uhr, Saturate 12 Uhr, Delay Time 12 Uhr.

Im nächsten Soundbeispiel folgt eine ähnliche Akkordfolge. Allerdings habe ich hier das Originalsignal mit dem Kill Dry gekappt. So kann man gut hören, wie das Band und die Tonköpfe den Sound bearbeiten. Die Einstellungen am Pedal sind mit denen des ersten Soundbeispiels identisch. Übrigens lässt sich das Pedal so auch sehr gut zum künstlichen "altern" von zu "sauberen" Signalen im Studio zweckentfremden.

Wenn es um kurze Delays oder Slapback-Echos geht, trennt sich bei Delaypedalen sehr schnell die Spreu vom Weizen. Die meisten Digitaldelays bzw. Computerplugins klingen hier eher nach Waschküche und weniger nach Scotty Moore oder Chat Atkins. Das ist hier definitiv nicht der Fall. Dank minimaler Gleichlaufschwankungen und der geschmackvollen Interaktion zwischen der Anschlagsstärke und der Bandsättigung ist der Sound unglaublich lebendig. Im folgenden Beispiel habe ich den Orange-Modus aktiviert und den Motor auf höchste Geschwindigkeit gestellt. Für ein Slapback Delay ist es mit 125 Millisekunden zwar fast schon zu lang, aber der Sound hat mich an den legendären Les Paul erinnert, der den Tape Delay Effekt in den 50er Jahren bei seinen legendären Multitrackaufnahmen massiv einsetzte. Wer ihn nicht kennt, sollte nach "How High The Moon" von 1951 googeln.

Beim Choruseffekt in Delaygeräten denke ich immer sofort an den Deluxe Memory Man von Electro Harmonix. Auch hier gibt es die Möglichkeit, die Echowiederholungen "eiern" zu lassen. Da alles in diesem Pedal miteinander interagiert, verändert sich auch die Tiefe der Modulation je nach dem Grad der Bandsättigung und der Bandgeschwindigkeit. Delaysounds im Stil vom U2 "The Joshua Tree"-Album von 1987 lassen sich deshalb hier besonders gut imitieren. Die Chorusintensität steht auf 12 Uhr und erzeugt so nur ein leichtes und unaufdringliches "Eiern" im Hintergrund.

Es lassen sich hier aber auch fette psychedelische Hippie-Soundwände erzeugen, indem man die Chorusintensität auf Maximum dreht und eine kürzere Delaytime einstellt. Gleichzeitig habe ich im folgenden Soundbeispiel Saturate weiter aufgedreht, damit das Echo mehr Verzerrung aufweist als das Originalsignal. Das Ergebnis ist ein sehr dichter, fetter Klangteppich. Am Anfang hört ihr zuerst das Riff ohne Effekt und dann mit aktiviertem Pedal.

Hier noch ein weiteres Beispiel mit aktiviertem Chorus, aber dieses Mal mit der längsten möglichen Delay-Time. Die Echos wirken nicht wie exakte Kopien des Originals, sondern so, als würden sie von einem weit entfernten Bergmassiv zurückgeworfen.

Schaltet man ein Delay vor eine Zerrstufe, wird auch das Echo verzerrt, was oft sehr harsch und verwaschen klingt. Der Replicator von T-Rex macht sich hier erstaunlich gut. Ganz nebenbei kann man das Teil übrigens auch zum Boosten der Eingangsstufe benutzen. Das Rauschen hält sich dabei absolut in Grenzen, allerdings muss man den Effektanteil wegen der Kompression, die bei der Verzerrung entsteht, sehr weit zurückdrehen. So steht der Delay Level Regler hier gerade einmal auf 8 Uhr.

Jetzt habe ich ähnliche Licks mit dem Pedal im Einschleifweg des Amps eingespielt. Beim Einschleifen sollte man tunlichst darauf achten, den Kill Dry Schalter zu aktivieren, weil sonst ungewollte und störende Kammfiltereffekte auftreten können, bei denen bestimmte Signalanteile ausgelöscht bzw. ungewollt verstärkt werden. Im Einschleifweg klingt das Delay weniger wild als vor dem Amp, weil die Echos nicht mehr verzerrt werden. Der eigentliche Delaysound ordnet sich hier dem Originalsignal für meinen Geschmack besser unter, aber die andere Variante hat auch ihren Reiz und klingt wilder und schmutziger. Die Bandkompression tut ihr übriges, damit die Delays nicht zu sehr in den Vordergrund treten. Je nach Sättigung hat man hier fast schon einen leichten Ducking-Delay-Effekt.

Aber wie genau klingt die Bandsättigung und wie verändert sie den Klang der Echos? Dazu habe ich euch vier Soundbeispiele mit verschiedenen Sättigungsgraden aufgenommen. Zuerst hört ihr den Saturate-Regler auf 10 Uhr, dann auf 12 Uhr, 14 Uhr und zum Schluss in der 16-UhrPosition. Man merkt, dass die Echos immer dichter werden, je weiter ich den Saturate-Regler aufdrehe. Gleichzeitig erhält der Ton immer mehr harmonische Verzerrungen, die ihn angenehm bereichern.

Zum Schluss noch etwas zum Thema: "Zweckentfremden von Effektgeräten für Sounddesigner und Klangforscher". Im Studio kann man mit dem Replicator cleane Spuren in Zeitraffer altern lassen. Dazu muss man den Feedbackregler komplett zurücknehmen und das Originalsignal mittels Kill Dry Taster eliminieren. Alleine mit der Bandgeschwindigkeit und der Saturation lässt sich nun der Sound nach Herzenslust verbiegen und anrauen. Mein letztes Audiobeispiel besteht aus sechs Teilen und ist dieses Mal etwas länger geraten. Hier habe ich immer wieder eine ähnliche Akkordfolge gespielt. Zuerst hört ihr die Chords ohne Pedal. Danach habe ich das Pedal eingeschaltet und die Delaytime auf Minimum gestellt. Es folgt 9 Uhr, 12 Uhr, 15 Uhr, dann Maximum. Da kein Originalsignal anliegt, hört man hier nur das Signal, das vom Band kommt. Je länger die Echozeit, oder besser gesagt, je langsamer sich der Motor dreht, um so stumpfer klingt es.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Verarbeitung
  • Sound
  • Boostmöglichkeit
  • einzigartiges Konzept
  • handgefertigt in Dänemark

  • keins

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