Test
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06.08.2019

Tascam 202MKVII Test

19-Zoll Doppel-Kassettendeck mit AD-Wandler

Dürfen´s auch zwei sein? – Ja, wenn Sie mich sooo fragen ...

Tascam Europe stellt mit dem 202MKVII die siebte Generation seines Doppel-Kassettendecks vor. Das 19-Zoll-Rack-fähige Gerät wendet sich u. a. an Betreiber von Karaoke-Bars, Fitness-Studios sowie Schulen und andere Behörden, auch zur Archivierung von Tonmaterial und ist das derzeit einzige, sagen wir „professionelle“ Tapedeck auf dem Markt (Sommer 2019). Das schlägt sich durchaus auch im Preis nieder. Schließlich muss der „Retro“-zugewandte Compactcassetten-User immerhin knappe 500 Euronen berappen, um Version 7 des Tascam-Klassikers sein Eigen nennen zu dürfen.

Zwar ermöglicht die Globalisierung den unkomplizierten Erwerb von Bauteilen und eine kostengünstige Fertigung in Fernost sowie einen effektiven Vertrieb von Endgeräten, doch resultieren die genannten Vorteile meist dennoch erst bei hohen Stückzahlen in für den Verbraucher wirklich günstigen Endpreisen. Und von einer hohen Stückzahl kann man bei einer Serienfertigung von hochwertigen Tapedecks heutzutage wohl nur träumen.

Dennoch schafft es Tascam, das vorliegende Doppel-Tapedeck für weniger als 500 Euro an den Mann zu bringen. Ich persönlich finde das durchaus beeindruckend und nicht zu teuer für das dem Papier nach Gebotene, wenn es denn gut klingt und sich als nachhaltig erweist.

Schauen wir deshalb mal, ob unser 202MKVII das implizierte Markenversprechen seines Erzeugers in der Realität auch halten kann. Schließlich ist Tascam Europe dem weltumspannenden TEAC-Konzern zugehörig und insbesondere letztgenannte Marke hat sich in den Siebzigerjahren mit Tonbandmaschinen einen weltweit großen Namen gemacht. Zu Recht.

Details

Mein erster Eindruck

Nun, manch einer würde bei diesem Verkaufspreis eine „Never-Ending-List“ bei der Aufzählung des Lieferumfangs erwarten. Ich aber nicht und Tascam erspart mir die mühsame Befreiung mitgelieferter gegossener Plastikkabel von Plastikmüll. Danke dafür. Einzig dem Lieferumfang zugehörig zeigen sich selbstredend der 5,5 Kilogramm schwere Vollmetallbolide, eine zweisprachige Bedienungsanleitung (DE/IT), eine Infrarot-Fernbedienung sowie zwei dort hineingehörende Mignon-Batterien (Typ AA). Das war´s.

Das Teil macht einen sehr guten ersten Eindruck auf mich. Hochwertige Fertigung, Vollmetallgehäuse mit Rackohren, Logik-Laufwerk, Drucktasten und ein kleines Mäuseklavier auf der rechten Seite. Die Stromversorgung geschieht über ein fest montiertes Stromkabel. Die vier Drehregler (Tape 1 Pitch sowie Rec, Mic und Headphone Level) rotieren fest und ohne Spiel auf ihrer Achse. Alle Buttons definieren einen eindeutigen Druckpunkt, mechanische Schalter wie Mr. Powerbutton und die beiden Auswürfe fühlen sich ebenfalls gut an. Klack, klack und die beiden Laden sind offen und lassen einen ersten flüchtigen Blick in das Cassetten-Zimmer zu. In beiden „Zimmern“ ist und bleibt es dunkel. Wer wissen will, wie weit der Bandstand ist, muss eine externe Funzel zur Hand nehmen. Mmpff ...

In jedem Deck befinden sich zwei Bandköpfe: ein kleiner Löschkopf sowie ein großer Kopf, der sich für Wiedergabe und Aufzeichnung zuständig zeigt. Also keine echte Kontrolle über die aktuelle Aufzeichnung, da ein dritter Kopf für die Hinterbandkontrolle fehlt; man hört während der Aufnahme immer nur das EE-Signal. Das ist schade, hat es aber wohl bei diesem Produkt nie gegeben. Des Weiteren wird schnell klar, dass es sich bei dem vorliegenden Bandtransportsystem um eine einfache Tonwelle samt Gummiandruckrolle handelt, sprich kein Dual Capstan, was in den frühen Neunzigern bei Geräten oberhalb 700 D-Mark noch Standard war.

Der „böse“ Rotstift

Im Vergleich zum Vorgänger 202MKVI ist dem aktuellen Testprobanden die Autoreverse-Funktion abhandengekommen, was ich im Prinzip sehr begrüße. Sowohl mit Bandführung wie auch dem Antriebssystem bei Autoreverse Tapedecks hat es früher über die Zeit häufig massive Probleme gegeben. Nachhaltig und gut boten das nur sehr wenige Hersteller (hochpreisig) an, z. B. die japanische Edelmarke Nakamichi. Ebenso dem Rotstift zum Opfer gefallen: Dubs erstellen im Highspeed-Modus – ich werde es nicht vermissen. Klanglich war das doch auch häufig schlechter als ein Echtzeit-Dub. Diese können aber nach wie vor mit Hilfe der „One Touch“-Funktion unkompliziert angeworfen werden. Deejays, die ihr gerade erstelltes Mix-Tape vervielfältigen wollen, werden sich über dieses Feature freuen.

Wer Dolby-Symbole oder ein dbx-Emblem auf der Gerätefront sucht, wird hier nicht fündig werden. Dolby vergibt an Hersteller auch keine Dolby-B/C-Lizenzen mehr, was wirklich schade ist. Das Kleinvieh angesichts der Stückzahlen scheint ihnen nicht mehr so wichtig zu sein. Ebenso nicht „on Board“: ein MPX-Filter für Radioaufnahmen sowie eine Headroom-Erweiterung (HX). Einzig eine Rauschunterdrückung für die Wiedergabe ist zugegen, die bei bereits bestehenden Aufnahmen mit Dolby B verwendet werden kann. Ein Kompander für die Aufzeichnung ist nicht vorhanden.

Bandsorten werden automatisch erkannt, was generell in Ordnung ist. Unterstützt werden bei der Wiedergabe Normal-Cassetten (Type I), Chrome (Type II) sowie Metal (Type IV); bei der Aufnahme kommen nur Normal- und Chrome-Cassetten zum Zuge. Manuelles Einmessen (Level/Bias) von Cassetten scheint ebenfalls außer Mode gekommen zu sein. Jedenfalls gibt es wie beim Vorgänger auch schon beim aktuellen Gerät keine Möglichkeit, manuell einzugreifen.

USB & Co. KG

Für die Reise ins digitale Zeitalter gab der Hersteller dem 202 eine rückseitige USB-Schnittstelle in Form einer Buchse Typ B mit. Der Standard des USB ist 2.0. – reicht (!). Der vorgelagerte AD-Converter unterstützt rechnerseitig Sampleraten von 8 | 11,025 | 16 | 22,05 | 32 | 44,1 & 48 Kilohertz sowie Wortbreiten von 8 und 16 Bit. Unterstützt werden PC-seitig folgende Betriebssysteme: Windows 10, Win 8.1 sowie Win 7. Bei Apple-Rechnern heißt es idealerweise: macOS Mojave, macOS High Sierra (10.13) oder macOS Sierra‎ (10.12). Doch soviel dazu: Mein Test unter Yosemite 10.10.5 lief ebenfalls reibungsfrei! 

Die wichtigsten TechSpecs

Die Umspulzeit bei C-60-Kassetten liegt laut Hersteller ungefähr bei 120 Sekunden, was ich bestätigen kann. Es war mit gut 110 Sekunden gar etwas weniger. Den Bandantrieb besorgt ein separater Gleichstrom-Servomotor, wobei das gesamte Antriebssystem Gleichlaufschwankungen (Flutter) von maximal 0,25 Prozent unterliegen soll. Den Übertragungsbereich des 202 gibt Tascam bei Aufnahmen auf Chrome-Cassetten mit 30 Hz bis 15 kHz bei einer maximalen Abweichung von ±4 dB an, bei Normal-Bändern sollen es immerhin noch 30 Hz bis 13 kHz bei ±4 dB sein. Der gesamte Fremdspannungsabstand soll laut Tascam A-bewertet bei 59 dB liegen, was im Vergleich zum Vorgängermodell eine Verbesserung von 1 dB bedeuten würde. Die Ausgangsleistung des integrierten Kopfhörerverstärkers beziffert der Hersteller mit 15 mW an 32 Ω.

Pro & Contra

  • sehr gute Verarbeitung
  • großer Funktionsumfang
  • gut klingende CC-Aufnahmen (insbesondere bei Chrom Type II-CC)
  • praktikables USB-2.0-Audiointerface
  • transparenter AD-Converter

  • kein Dual Capstan
  • kein EE-Button
  • kein Standby-Button

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