Test
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25.03.2020

Tascam MZ-123BT Test

Kompaktes Einbaumischpult

Drei Mix-Zones auf einer HE

Seit fast fünf Dekaden gehören Produkte des Herstellers Tascam in die engere Auswahl vieler Tonschaffender. Die klangqualitativ hochwertigen Maschinen der amerikanischen Company faszinieren schon seit 1971 Musiker, Tonmeister und Broadcaster gleichermaßen. Zum Firmenstart als Vertriebsunternehmen der TEAC gegründet, widmete man sich dort bald aber der anspruchsvollen Entwicklung von langlebigen Aufnahme- und Wiedergabegeräten in Form von Hi-Fi Kassetten-Decks bis hin zu den heiß begehrten Mehrspurbandmaschinen sowie der Fertigung budgetorientierter Mehrkanalkonsolen und kam so zu weltweiter Anerkennung und lang anhaltender Strahlkraft.

Ein Jahr vor dem 50-jährigen Firmenjubiläum präsentiert Tascam Europe einmal mehr ein flexibles und platzsparendes 19-Zoll-Tool, den MZ-123BT, der sich die Mischung von drei Line-Signalen und zwei Mikrofonen auf drei Summenbussen zur Lebensaufgabe gemacht hat. Tascams Tüftler bringen die eben genannte Technik platzsparend auf einer Höheneinheit unter und haben mit dem Rackmixer die Gastronomie, die Hotelbranche sowie den Einzelhandel mit (für mein Dafürhalten) erfolgsversprechenden Aussichten im Visier.

Zwar erblickt man weniger Glanz in dem Gebotenen, vor allem, wenn man es mal mit dem Charme einer alten Dame, sprich einer Mehrspurbandmaschine der 70er-Jahre vergleicht, dafür erahnt man das nie aufhörende Bemühen, die ständig wachsenden Kundenanforderungen bei der Produktentwicklung stets mit einem Augenzwinkern zu berücksichtigen. Geschehen so auch in diesem Fall. Darf ich vorstellen?  Hier kommt MZ-123BT, 19-Zoll-Rackmixer und Multifunktionsgerät in Personalunion. Geliefert, um getestet zu werden…

Details

Tascams MZ-123BT kommt in einer recycelten Kartonage, ohne Glanz und Glamour, ohne Blister und Hochglanzdruck. So ist mir das recht. Nachdem ich „Sesam“ ohne Hysterie oder Blutvergießen geöffnet habe, treten die Ingredienzien in Form des 1-HE-Metallchassis, zwei Kaltgerätekabeln (eins für Europa, eins für Nordamerika), der Funkantenne, eines Schraubensatzes für den Rack-Einbau, eines Tütchens mit Euroblock-Steckern und Mini-Kabelbindern sowie einer ausgedruckten Bedienungsanleitung zu Tage. Direkt auffällig sind das sehr stabil wirkende Vollmetallchassis, das ganz ohne scharfe Kanten auskommt, sowie die extrem hohe Dichte an Bedienelementen auf Vorder- und Rückseite – viel mehr ging wohl nicht!

Das Frontpanel

... ist optisch wie auch funktional, wenn auch nicht auf den ersten Blick erkennbar, in fünf Sektionen aufgeteilt. Von links nach rechts: Mikrofone, Line-Ins, Ausgänge, Bluetooth und Kopfhörer.

Zur Linken beginnt der Mikrofonsektor den Reigen, links außen hat die Kombibuchse für Mikro 1 Platz gefunden. Mikrofon 2 kann nur über die Rückseite Aufnahme finden und ist auf den ersten Blick auch hinsichtlich der Ausstattung ein bisschen sparsamer bestückt worden, doch richten wir unseren Blick weiter auf Mikro 1, welches zusätzlich auch über das Backpanel per Euroblock aufgenommen werden kann.

Ob vorn oder hinten, entscheidet ein hier ansässiger dreistufiger Schiebeschalter, der beim frontseitigen Anschluss noch zwischen Mikrofonen mit hohem und niedrigem Ausgangspegel unterscheidet. Der Unterschied beträgt 24 dB Dämpfung, man kann jene Stufe also wie ein gewöhnliches Dämpfungspad verwenden. Darüber hinaus kann die Phantomspeisung hier (de)aktiviert werden. Es finden sich zwei Drehpotis, eines für die Regelung der Vorverstärkung und eines für die gewünschte Lautstärke auf den Mixbussen. Unterstützt wird man bei der Justierung des Preamps durch eine Signalanzeige und eine Peak-LED. Mikrofon 2 kann nur rückseitig ins Spiel gebracht werden, frontseitig finden wir die beiden LEDs sowie den Pegelsteller für die Ausgänge.

Die drei Stereo-Line-Kanäle verfügen alle über jeweils einen Drehregler für die Ausgänge sowie die beiden visuellen Hilfssheriffs für die Pegelkontrolle. Line 1 und 2 werden auf dem Backpanel angestöpselt,

Line 3 erweist sich mit einem zweistufigen Schalter und einer 3,5-mm-Stereoklinkenbuchse als Sonderling. Auch weil er auf dem Backpanel keine Funktionen auslagert. Der eben genannte Switch entscheidet über die Auswahl zwischen Miniklinkeneingang oder Bluetooth-Empfänger.

Allen fünf Eingangskanälen ist gemein, dass sie alle dedizierte Routing-Buttons für die drei Ausgänge zur Verfügung stellen, die bei Aktivität den Dienst rot quittieren. (Ja rot, nicht grün!). Mehrfachselektionen sind natürlich möglich, vielleicht sogar erwünscht.

Auf dem rechten letzten Drittel finden wir die übrigen drei Sektionen vor. Farblich abgesetzt und wegen des Goldtons besonders auffällig erscheinen die drei Ausgangssektionen, die exakt gleich ausgestattet sind. Dem Controller für den Ausgangspegel sind wie auch allen Eingangssektionen je eine Signalpräsenz- und Peak-LED anheimgestellt. Alle drei Outputs können via Button-Push über den Kopfhörerausgang abgehört werden.

Die Funkeinheit hat zwischen den Ausgängen und der Headphone-Abteilung Platz genommen und dient der Aufnahme der Antenne und beherbergt den Taster für die Pairing-Funktion. Ähnlich rudimentär schließt die Kopfhörer-Ecke das Panel zur Rechten mit einer 6,35-mm-Buchse und dem Controller für die Abhörlautstärke ab.

Vorne „Hui“ und hinten aber auch…

Auf dem Backpanel nimmt der MZ-123BT bei der Funktionsdichte noch einmal Fahrt auf und wenn man eben hätte noch zu der Ansicht gelangen können, dass das Frontpanel in dieser Disziplin nur sehr schwer zu toppen ist, wird man nach der 180-Grad-Drehung des Metallboliden schnell eines Besseren belehrt.  

Logischerweise liegen die meisten der eben genannten Baugruppen nun in umgekehrter Reihenfolge vor. Demnach finden wir die Euroblock-Anschlüsse und die erweiterten Funktionen der Mikrofone nun auf der rechten Seite. Zu den Features zählen separate 48-V-Switches und Gain-Potis für die Preamps sowie zwei simple Dreiband-EQs ohne Parametrik. Rechts außen hat man ein Mäuseklavier mit sechs DIP-Switches untergebracht, welches für beide Mics je ein Gain-Pad von 24 dB, einen Trittschallfilter und die (De-)Aktivierung der Talkover-Funktion offeriert. Letztere wird über zwei Dreh-Controller hinsichtlich des Thresholds und der Regelzeit dem Programm angepasst.

Schweift der Blick weiter nach links, rücken Line 1 und 2 in den Fokus. Tascam stattet diese beiden Sektionen mit je einem Cinchbuchsen-Paar und einem Regler für die Eingangsverstärkung aus.

Etwas weiter gen Westen folgt dann die Ausgangssektion für die drei Mixbusse in Form von symmetrischen Euroblocks, pro Output 2 Stecker, einer für das linke und einer für das rechte Ausgangssignal. Drei Switches ermöglichen individuelle Monobildungen der Ausgangspaare, was bei einer Festinstallation einen Eurostecker pro Monosumme obsolet macht. Dedizierte unsymmetrische Ausgänge sucht man vergebens, wären aber auch unnötig, da der Euroblock ja auch ausgangsseitig nur unsymmetrisch verdrahtet werden könnte.

Die Kaltgerätebuchse und der benachbarte Netzschalter schließen das Backpanel zur Linken ab. Mit dem internen Schaltnetzteil kommt man in Nordamerika und in Europa auf seine Kosten, beide Netzfrequenzen werden unterstützt.

Pro & Contra

  • sehr gute Verarbeitung
  • großer Funktionsumfang
  • gütige Vorverstärker
  • übersteuerungsfeste Summenbusse
  • gutes Konzept

  • kein Gain-Regler für Line 3 (Aux)
  • kein aussagekräftiges Pegel-Meter

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