Hersteller_TC_Electronic Gitarre
Test
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03.12.2014

Praxis und Sound

Wer das "normale" Flashback Delay kennt, kann sich ausmalen, welche ungeahnten Möglichkeiten das Flashback Triple Delay bietet. Das große Pedal hat die dreifache Power des Vorgängers, wodurch sich neben einer Vielzahl an authentischen Multihead-Delay-Imitationen auch gelungene Kombinationen von Delay, Chorus, Flanger und Vibrato einstellen lassen. Da ich aus einer traditionellen Gitarristenfamlilie stamme, bin ich mit Bandechos aufgewachsen. Deshalb hat mich zuerst einmal interessiert, ob man mit dem Flashback Triple Delay auch komplexe Delaypattern realisieren kann, die man von Multihead-Echogeräten her kennt. Die gute Nachricht ist, das es grundsätzlich geht, es aber mit viel Arbeit verbunden ist. Ich habe mir ein Video von Hank Marvin (Shadows) angeschaut, in dem er die beiden Multihead-Delaysounds für "Apache" und "Wonderful Land" erklärt. In den Sechzigern hat er diese Sounds mit dem Meazzi 600 Bandecho realisiert, das mit mehreren Tonköpfen ausgestattet war. Ich habe versucht, beide Sounds mit dem Triple Flashback Delay nachzubilden. Für beide Sounds benötigt man alle drei Effekteinheiten des Gerätes. Bei Apache habe ich folgende Einstellung genommen:

Delay 1: Analog Delay, Delaytime 70 ms, Feedback 0%

Delay 2: Tape Delay, Delaytime 110 ms, Feedback 0%

Delay 3: Tape Delay, Delaytime 300 ms, Feedback 25%.

Bei Wonderful Land braucht man ebenfalls drei Delayeinheiten. Auch hier muss man darauf achten, dass der Echoeffekt nicht zu viele Obertöne erhält, sonst befindet man sich schnell in einem Bienenschwarm aus Gitarrennoten. Für diejenigen, die den Sound im Flashback Triple Delay nachbauen möchten, hier eine Kurzanleitung:

Delay 1: Analog Delay, Delaytime 55 ms, Feedback 0%, Saturation 8

Delay 2: BucketBrigade, Delaytime 110 ms, Feedback 0%, Saturation 11, Mod On, Mode: Vibrato, Modulationsgeschwindigkeit 950 Hz, Depth 5%.

Delay 3 : Tape Delay, Delaytime 235 ms, Feedback 23 %, Saturation 6, Modulation On, Mode: Vibrato, Modulationsgeschwindigkeit 1,9 HZ, Depth 11%

Kommen wir zu moderneren und einfacher gestrickten Delaysounds. Neben der Nachbildung klassischer Bandechos ist das Gerät in der Lage, so gut wie alle Epochen der Delaygeräte-Evolution nachzubilden. Im nächsten Beispiel hört man ein Pingpong-Delay ohne Modulation der Echowiederholung, in der zweiten Hälfte mit. Einen ähnlichen Effekt kennen Besitzer des alten Memory Man Deluxe von Electro Harmonix. Der Sound erinnert an alte King Krimson- und Police-Aufnahmen aus der Mitte der Siebziger Jahre.

Gibt man dem Echoeffekt mehr Höhen, kommt man sehr schnell in die Klangästhetik der 80er Jahre, in denen man vom Tape- und Analogdelay-Sound nichts mehr hören wollte. Dieses Mal habe ich den Delayklang in den ersten Effektslot gespeichert und den TriChorus in den zweiten, wodurch sowohl das Direktsignal als auch der Echoeffekt komplett durch den Chorus geleitet werden. Solche Sounds kennt man auch von David Gilmour und Andy Summers.

Das Gerät erzeugt bei Bedarf sehr warme und tiefe Choruseffekte, die man so von einem digitalen Gerät nicht erwarten würde. Der Sound hat mit der Kälte der Echoschleudern aus den Anfängen der digitalen Revolution nichts zu tun. Schon der TriChorus-Effekt in der Werkseinstellung könnte für Chorusfetischisten eine Offenbarung sein.

Schaltet man den Chorus vor das Delay, erhält man einen klassischen Mischsound mit viel Tiefe und Raum. Der Classic Chorus ist nicht ganz so tief wie der TriChorus und kommt einem eher unaufdringlichen CE1-Ideal schon wesentlich näher, wenn man die Tiefe der Chorusmodulation nicht zu weit aufdreht. In nächsten Soundbeispiel habe ich zwei Effekteinheiten benutzt, im ersten Slot arbeitet der Chorus und im zweiten die Nachahmung eines TC 2290 Delays.

Soll das Delay nur in den Spielpausen zu hören sein, wählt man das Preset Dynamic Delay an. Die "Dynamic Delay"-Funktion wurde erstmals im TC 2290 Studio Delay realisiert. Dabei wird der Ausgangspegel des Delay-Effektsignals durch die Dynamik des Eingangssignals geregelt. So wird das Delay während des Spielens unterdrückt und blitzt nur in den Spielpausen auf, sodass die Wiederholungen, statt den gefürchteten "Soundmatsch" zu erzeugen, das Spiel des Musikers perfekt ergänzen.

Und natürlich ist das Flashback Triple Delay für diejenigen unter uns eine wahre Fundgrube, die auf wirklich verrücktes Zeug stehen. Neben einer Vielzahl wirklich gut gelungener Imitationen unterschiedlicher Delay- und Modulationsarten lassen sich durch die Kombinationen der drei Effekteinheiten unglaubliche Sounds abfeuern.

In meinem letzten Soundbeispiel habe ich wieder alle drei Effekteinheiten zu einem außergewöhnlichen Sound kombiniert. Im ersten Effekt kommt ein Reverse Delay mit 100% Effektanteil zum Einsatz, im zweiten ein Ping Pong Delayeffekt mit abgeschwächtem Obertonanteil, und damit das Ganze noch spaciger klingt, habe ich den dritten Effektblock mit einem leicht überdrehten Chorus gefüttert.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Sound
  • intuitive Bedienung
  • Kombinationssounds
  • gute Multihead-Bandecho-Simulationen möglich

  • großes Gehäuse
  • keine Effektkombinationen abspeicherbar

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