Test
8
03.06.2020

the t.amp E-1500 und E-1200 Test

Stereo-Endstufe

Analog lebt – auch in puncto Endstufen!

Es mag wunderlich klingen, aber es gibt tatsächlich noch Pro Audio Gerätschaften, die sich ohne App bedienen lassen. Das trifft oftmals auf treue Arbeitstiere wie Lautsprecher oder Endstufen zu. Die the t.amp E-1500 und E-1200 Endstufen machen da keine Ausnahme. Auch unserer Testkandidaten wollen nicht mit der neusten Technik und App-Gimmicks überzeugen. Vielmehr bieten sie einen realen, in Eisen gegossenen Gegenwert für potenzielle Anwender.

Die derzeit im Trend liegenden Class-D Endstufen haben konstruktionsbedingt nicht in allen Belangen Performance-Vorteile gegen über klassischen Endstufenkonzepten mit Ringkerntrafo, wie sie in den the t.amp E-1500 & E-1200 Endstufen verbaut sind. Die Bauart-bedingt schwergewichtigen Ringkern-Amps zählen wahrlich noch nicht zum alten Eisen und dieser Test zeigt, warum das so ist.

Details

Das doppelte Lottchen? Fakt ist, beide Endstufen sehen sich zum Verwechseln ähnlich. Im Grunde sind sie identisch, was ihr Design und die Features betrifft. Lediglich unter der Haube sind kleine Unterschiede zu vermerken. Die E-1500 stellt dem Anwender 2x 1.430 Watt an 4 Ohm zur Verfügung (2x 950 W an 8 Ohm, 1x 2860W an 8 Ohm gebrückt), während die E-1200 treu ihrer Bezeichnung nach mit 2x 1.200 Watt an 4 Ohm marginal weniger Output bereitstellt (2x 800 W an 8 Ohm, 1x 2400W an 8 Ohm gebrückt) . Die Endstufen entstammen dem Hause "einfach, aber ehrlich" und dementsprechend übersichtlich fällt der Lieferumfang aus.

Im Karton befinden sich neben der Endstufe lediglich ein Kaltgerätekabel und eine Gebrauchsanweisung. Völlig ok, denn die the t.amp E-Serie ist im Grunde selbsterklärend. Schauen wir uns das Gehäuse an. Sauber gefertigt aus Stahlblech und mit schwarzer Lackierung weiß das seriöse Design zu gefallen.

Durch ihr stattliches Gewicht (E-1500: 16 kg) sind die Verstärker nicht einfach zu handhaben. Das gilt vor allem, wenn man die Amps in ein Case verfrachten möchte. Ohne Griffe auf der Vorderseite ist der Rack-Einbau etwas mühsam, vor allem wenn man die Amps über bereits verbaute Geräte nicht einfach in das Rack schieben möchte, um Lackkratzer zu vermeiden. Zumindest befinden sich auf der Gehäuseunterseite robuste Gummifüße, die Schlimmeres verhindern. Sollte es eng zugehen im Amprack, lassen sich die Gummifüße auch abnehmen. 

Die Vorderseite beherbergt genau drei Bedienelemente. Neben einem großen Netzschalter sind auf der nach hinten versetzten Frontplatte noch zwei Gain-Potis für die beiden Endstufenkanäle angesiedelt. Neun LEDs erteilen Auskunft über die vorherrschenden Betriebszustände der Endstufe. Pro Kanal zeigt ein LED-Trio ein anliegendes Signal an, ein Clipping der Eingangsstufe und bei einem Defekt oder Überhitzung den ungeliebten Protect-Zustand. Ist der Verstärker „ready to roll“, visualisiert die Power-LED anliegende Netzspannung.

Neben dem gebräuchlichsten Betriebsmodus „stereo“ bieten die Kandidaten noch zwei weitere Betriebsmodi nebst Status-LED. Der Bridge-Modus schaltet beide Endstufenkanäle zu einem Kanal zusammen, der über die doppelte Leistung verfügt. Dabei ist zu beachten, dass das Gain-Poti von Kanal A die Eingangsverstärkung regelt, während das gebrückte Lautsprechersignal an den beiden roten Schraubklemmen auf der Rückseite anliegt.

Beim Parallelmodus hingegen wird das Eingangssignal von Kanal A an den Kanal B weitergereicht wird. Was im Grunde einem Dual-Mono-Betrieb entspricht. 

Noch mal kurz zurück zur Vorderseite. Zur Kühlung sind dort reichlich Lüftungsschlitze eingelassen. Damit der Amp im Dauerbetrieb nicht zu stark verstaubt, hat man hinter den Schlitzen einen Akustikschaum eingesetzt.   Um den Schaum zu reinigen oder zu wechseln, müssen die Endstufen beim Reinigen stets aus dem Rack geschraubt und geöffnet werden. Wer weiß, dass der Amp überwiegend in einer ungewöhnlich staubigen Umgebung zum Einsatz kommt, dem würde ich raten, den Filterschaum dauerhaft zu entfernen und die Endstufe dafür regelmäßig mit Druckluft durchzupusten. 

Backyard

Auch auf der Rückseite finden wir Lüftungsschlitze samt dahinter liegenden Kühlkörper wieder. Eingangsseitig warten die Verstärker mit zwei XLR-Buchsen auf, die von je einer XLR-Link-Out-Buchse begleitet werden. Klasse! Damit lassen sich die Eingangssignale an weitere Amps komfortabel durchschleifen.   Bei den Lautsprecheranschlüssen hat der Anwender die Wahl. Zum einen stehen zwei Speaker-Twist-Buchsen bereit; wer die Lautsprecherstrippen lieber direkt anklemmen möchte, der wählt alternativ die vorhandenen Schraubanschlüsse. Was den Netzanschluss betrifft, bieten die Verstärker nur das Notwendigste: Eine einsame Kaltgerätebuchse. Kein Sicherungshalter, kein Breaker. 

Letztes Ausstattungsdetail ist der versenkt angebrachte Dreifach-Schalter für die Anwahl der Betriebsmodi. Schön, dass man sowohl die Pin-Belegung der XLR-Armaturen als auch die Belegung der Speaker-Twist-Buchsen kurzerhand auf die Rückseite aufgedruckt hat. Wer hat schon im Zweifelsfall die Gebrauchsanweisung zur Hand? Ich jedenfalls nicht, als ich die Amps in einem Corona entleerten Rockclub ausprobiert habe.

Pro & Contra

  • satte Leistung
  • Preis-Leistungs-Verhältnis
  • moderne Optik
  • drei Betriebsmodi
  • Speaker-Twist und Schraubklemmenausgänge
  • geringe Einbautiefe

  • keine Griffe
  • Filter umständlich zu reinigen

Verwandte Artikel

User Kommentare

Zum Seitenanfang
ZUR STANDARD WEB-ANSICHT X