Test
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12.07.2017

the t.bone free solo Twin HT 590 Test

Funkstreckensystem

Doppelte Funken, kleiner Preis

Man kann nicht gerade behaupten, dass die Auswahl unter Drahtlossystemen gering wäre. Vor allem unter 500 Euro ist das Angebot erstaunlich groß. Um hier ein neues Produkt zu etablieren, benötigt man die passenden Verkaufsargumente. Die Systeme namens the t.bone free solo Twin aus dem Hause Thomann scheinen zumindest der Papierform nach ein Volltreffer zu sein: 19-Zoll-Doppelempfänger, zwei Handsender oder Bodypacks oder eine Kombination, reichlich Zubehör – erstaunlich! Auch sind die Twins sowohl mit anmeldefreien Frequenzen oder als anmeldepflichtige Funkstrecke erhältlich. Wir haben für euch das the t.bone free solo Twin HT 590 Set genauer unter die Lupe genommen.

Details

Ich packe meinen Koffer

Das Testsystem wird in einem robusten Kunststoffkoffer geliefert, der auch locker einer Schlagbohrmaschine zur Ehre gereichen würde. Der Koffer fällt etwas größer aus, da er gleich zwei Kunststoffeinsätze beherbergt. Der erste dient dem Doppelempfänger (19 Zoll, 1 Höheneinheit) als Behausung. Unter dem Kunststoffeinsatz des Empfängers befinden sich die beiden Handsender und das umfangreiche Zubehör. Wir notieren zwei Klinkenkabel, zwei Antennen, ein externes 12-Volt-Netzteil, 19-Zoll-Winkel mit Öffnungen, um die Antennen auf die Vorderseite zu verlegen, und zwei gedruckte Bedienungsanleitungen in Deutsch und Englisch.

Was der Autor vermisst: Koaxial-Kabelverlängerungen, um die Antennen auf der Vorderseite mit den Antennenbuchsen auf der Rückseite zu verbinden. Richtig ärgerlich ist, dass für die Handsender keine passenden Mikrofonklemmen beiliegen. Hier muss der Anwender abermals die Brieftasche zücken.

Der Empfänger

Der Doppelempfänger ist ein solides Stück Hardware. Im Grunde wurden hier zwei Empfänger des Typs t.bone free Solo zu einem Doppelempfänger verheiratet. Somit erhält der Anwender zwei separate Empfangseinheiten, die sich Gehäuse, Netzteil und zwei Antennen teilen. Die beleuchteten und grafikfähigen Displays geben sich erfreulich auskunftskundig. Der Anwender erhält Angaben zu Frequenzgruppe, Kanal, Trägerfrequenz, Antennenaktivität (Diversity), Einstellung der Rauschsperre (Squelch) sowie RF- und AF-Pegel mit jeweils achtstelliger LED-Kette. Das ist in dieser Preisklasse nicht selbstverständlich.

Darüber hinaus zeigt das System die aktivierte Tastensperre gegen unerwünschte Bedienung und den Mute-Status an. Da das System mit einem Pilotton arbeitet, erkennt der Empfänger, ob der Sender ausgeschaltet wird. Dann werden die Audioausgänge des Empfängers stumm geschaltet, was im Display angezeigt wird. 

Das System erlaubt die manuelle Eingabe der bevorzugten Trägerfrequenz in 25-kHz-Schritten. Diese Einstellungen können am Handsender ebenfalls manuell abgeglichen werden. Komfortabler und sicherer ist es, den Empfänger per Auto-Funktion selbst nach störfreien Trägerfrequenzen suchen zu lassen. Um Hand- und Taschensender unkompliziert zu synchronisieren, besitzt das System einen Infrarotsensor, der mit Hilfe der ADL-Taste alle Einstellungen auf den Sender überträgt. Dafür müssen wir bei den Handsendern das Batteriefach freilegen und nach Aktivierung der ADL-Funktion das Infrarotauge des Sendes nahe an den IR-Datalink des Empfängers (oberhalb der ADL Taste) halten.

Einfach ausgestattet ist die Rückseite des Empfängers. Je Empfangseinheit notieren wir einen XLR- und Klinkenausgang, die beiden Antennenbuchsen teilen sich beide Empfänger. Die Netzversorgung stellt ein externes 12-Volt-Netzteil sicher. Leider gibt es hierfür weder einen verschraubbaren Stecker noch eine Zugentlastung. Mein Tipp zur Selbsthilfe: Einfach einen selbstklebenden Kabelbinder-Montagesockel auf der Rückseite anbringen und diesen als Zugentlastung verwenden. Wer den Empfänger ins 19-Zoll-Rack schraubt, kann natürlich auch dort das Netzteil verankern.

Damit der Empfänger im Rack sesshaft werden kann, liegen zwei schraubbare Rack-Winkel bei. Da die Antennen dann auf die Vorderseite wandern müssen, besitzen die Winkel passende Bohrungen. Antennenkabel samt Adapter wollen indes mit einem überschaubaren Investment von 29 Euro in die Artikelnummer 177448 hinzu gekauft werden.

Der Handsender

Der Handsender ist durch seinen durchgehenden Metallschaft ungewöhnlich massiv, das habe ich in dieser Preisklasse noch nicht gesehen. Der Einsprechkorb wirkt ebenfalls sehr robust. Er besitzt einen eckigen Gummiring, der den Handsender auf schrägen Oberflächen am Wegrollen hindert. Der Einsprechkorb lässt sich abschrauben und gibt den Blick auf eine elastisch gelagerte Mikrofonkapsel mit Nierencharakteristik frei. Wechselköpfe werden nicht unterstützt.

Wie der Empfänger besitzt auch der Handsender ein beleuchtetes Display nebst Power-Taste. Um Einstellungen am Handsender vorzunehmen, muss man den unteren Teil des Mikrofonschafts abdrehen. Das gewährt Zugang zum Batteriefach (zwei AA-Zellen), zur Infrarot-Schnittstelle sowie zu den beiden Tastern Select und Set für die Parametereingabe. Frequenz, Group und Channel lassen sich ebenso einstellen wie das Gain (-3, 0, +3, +6, +9 Dezibel). Sogar die Sendeleistung ist variabel (5, 10 oder 20 Milliwatt). Je geringer die Sendeleistung, desto kürzer die maximale Reichweite und desto länger die Batterielaufzeit. Im Proberaum sollte man ruhig mit 5 Milliwatt funken und für eine größere Show auf 20 Milliwatt wechseln.

Problematisch ist die Umsetzung der Mute-Funktion. Diese wird durch einen kurzen Druck auf die Power-Taste aktiviert. Das kann auch unbeabsichtigt geschehen, da die Taste nicht tief versenkt ist. Trägt man Ringe an den Fingern, ist ein versehentliches Betätigen noch wahrscheinlicher. Und leider blockiert die aktivierte Tastensperre alle Funktionen – mit Ausnahme des Power-Tasters. Dumm gelaufen.

Steht der Empfänger am FOH-Platz und der Sänger aktiviert die Mute-Funktion, wird dies im Display des Empfängers nicht angezeigt. Nur der Sänger kann das Malheur im Display des Handersender erkennen und mit einem kurzen Druck auf die Powertaste wieder beheben. Vor dem Konzert sollte man die Musiker also auf diese Funktion hinweisen oder die Power-Taste einfach abkleben. In der aktuellen Umsetzung ist die Mute-Funktion jedenfalls nicht praxisgerecht.

Im Frequenzdschungel

Gute Nachrichten gibt es bei der Frequenzvielfalt. Es sind für fast alle relevante Funkfrequenzen passende Systeme erhältlich. Neben den anmeldefreien Bereichen (1,8 GHz und 823 - 832 MHz) werden auch anmeldepflichtige Frequenzen bedient. Letztere bieten unter anderem den Vorteil, dass mehr Frequenzen zur Verfügung stehen und daher, etwa im Festivalbetrieb, weniger Stress mit anderen vor Ort befindlichen Systemen zu erwarten ist. Wer eine gesamte Band mit Handfunken und Instrumentensendern versehen will, kommt eigentlich nicht um ein System im professionellen Bereich herum. Unser Testsystem funkt mit 584 MHz – 608 MHz übrigens auch im anmeldungspflichtigen Bereich.

Wer mehr über Funkfrequenzen und die Digitale Dividende lesen möchte, wird bei diesem hilfreichen Artikel des Kollegen Frank Pieper fündig.

Pro & Contra

  • Preis-Leistungs-Verhältnis
  • Sets mit unterschiedlichen Frequenzen
  • Funktionsumfang
  • Metallgehäuse (Sender und Empfänger)
  • großzügiges Display (Sender und Empfänger)
  • gedrucktes, deutsches Manual
  • Tastensperre für Empfänger und Sender
  • automatische Frequenzsynchronisation und Frequenzsuche

  • externes Netzteil ohne Zugentlastung
  • Mute-Funktion am Handsender
  • keine Mikrofonklemmen im Lieferumfang

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