Test
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10.05.2019

Praxis

Der the t.mix DM 20 R ist ein tiefenentspannter Rackmixer. Nach Betätigung des Netzschalters vergehen 25 Sekunden, bis der Kandidat sich der Audioverarbeitung annimmt. Diese vollzieht der DM 20 R in einem ordentlichen Arbeitstempo. Ein Signal vom analogen Eingang benötigt nur 2.31 Millisekunden, um wieder an einem analogen Ausgang des Mixers anzuliegen. Ein ordentlicher Wert. Weitere 20 Sekunden vergehen, bis die Oberfläche des Touchscreens geladen und somit vollständig bedienbar wird.

Währenddessen tritt auch der Gehäuselüfter seinen Dienst an. Der generierte Geräuschpegel ist noch vertretbar, als problematisch im Dauerbetrieb könnte sich allerdings dessen Positionierung an der Gehäuseseite erweisen. Wird der DM 20 R in ein 19-Zoll-Rack eingebaut, bleibt nur circa ein Zentimeter Platz zwischen Lüfterauslass und Rack.

Zurück zur Vorderseite. Die erste Ansicht zeigt die Kanäle 1-8. Um dort Eingriffe vornehmem zu können, tippt man auf einen der Kanäle, und kann die einzelnen Funktionen durch weiteres Tippen auf den Touchscreen aufrufen. Kanal-EQ, Kompressor und Gate, Preamp-Gain, Highpass-Filter, Kanal-Delay (bis 200ms), Panorama und Volume lassen sich am Touchscreen anwählen und mit dem großen Encoder einstellen. Diese Art der Bedienung kennen Yamaha-User als Touch & Turn und sie steht auch dem DM 20 R gut zu Gesicht.

Interessant ist auch die Effektsektion. Ich notiere acht Module (2 x Modulation, 2 x Delay, 2 x Reverb, und zwei 31-Band-GEQs). Die GEQs können entweder via Touchscreen oder mit Hilfe der Encoder eingestellt werden. Alle FX-Einheiten lassen sich als herkömmliche Send-Effekte mit den Bussen kombinieren oder frei in jeden Kanal, Bus oder der Summe als Insert-Effekt verwenden. Die Effektqualität ist durchaus in Ordnung und stellt eine vernünftige Grundversorgung sicher. 

In der iPad-App lassen sich die entsprechenden Funktionen noch etwas schneller anwählen und bedienen. Die Optik der App ist weitestgehend identisch mit der Hardware, was die Navigation vereinfacht. Auch in der App werden die Eingänge und Busse in achter Blöcken dargestellt. Wie bei der Hardware bleibt der Summen-Fader stets ganz rechts im direkten Zugriff. Das Editieren der wichtigsten Funktionen (EQ, Volume und Panorama) gelingt mit Hilfe der App schnell und präzise.

Leider ist die App nicht ganz frei von Bugs. Besonders ärgerlich ist die Tatsache, dass sowohl bei den Gates als auch bei den Kompressoren die Gain-Reduction-Anzeige nicht funktioniert. Das macht deren Bedienung via App so gut wie unmöglich. Ganz unmöglich ist es, den Tap-Tempo-Button der App seiner originären Verwendungen zuzuführen. Sprich: Der der Button funktioniert nicht. Da bleibt nur, das Tap-Tempo auf dem Touchscreen des DM 20 R zu tappen.

Der nächste Versuchspunkt betrifft das Verhalten bei einem plötzlichen Stromausfall. Das Gute: Der Mixer kommt nach Wiederherstellung der Stromversorgung mit den letzten Einstellungen zurück. Weniger gut: Die WiFi-Einstellungen werden komplett zurückgesetzt. Das bedeutet, man muss bei jedem Neustart die WiFi-Verbindung erneut einstellen und aktivieren. Selbst wenn man bei der ersten Einrichtung den „Save“-Taster der WiFi-Einstellungen gedrückt hat, hilft das im Ernstfall nicht weiter. Selbst ein erneutes Laden der Mixszene bringt die vorgenommenen WiFi-Einstellungen nicht zurück. Ärgerlich, besonders deshalb, weil der DM 20 R auf der anderen Seite über einiges an Mix-Potenzial verfügt und Funktionen auffährt, die in der dieser Preisklasse nicht selbstverständlich sind. Dazu zähle ich die SPDIF- und AES/EBU-Digitalschnittstellen, mit denen der Mixer punkten weiß.

 

 

Spaß macht die analoge Bedienung des DM 20 R. Die neun Encoder auf der rechten Seite erlauben das direkte Einstellen der Pegelverhältnisse. Dabei fällt die Orientierung leicht. Das Touchscreen des DM 20 R zeigt die Ein- und Ausgänge und Sends in achter Gruppen an. Wählen wir die Ansicht der Kanäle 1-8, dienen die Encoder als Volume für jene Kanäle. Encoder Nummer Neun regelt ausschließlich den Summenmix, der somit immer im direktem Zugriff ist. Jeder Encoder wird von einer Solo- und Mute-Taste begleitet, was den Workflow deutlich beschleunigt. Alternativ kann ich diese Funktionen auch über den Touchscreen steuern, allerdings muss ich dafür den entsprechenden Kanal oder Bus zuvor selektieren, was etwas länger dauert.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Mixer trotz einiger Firmware-Schwächen sich vergleichsweise einfach und schnell bedienen lässt, wenn man das Bedienkonzept einmal verinnerlicht hat. Als Mixzentrale in einem Tonstudio würde ich den Kandidaten nicht bevorzugt verwenden, nicht zuletzt wegen der der fehlenden Multitrack-Möglichkeiten. Ansonsten lässt sich der DM 20 R überall dann einsetzten, wenn es gilt, die maximalen 20 Eingänge zu einem Mix zusammenzufügen. In-Ear-Mixer, im Proberaum, in einer Festinstallation oder bei kleinen Gigs – der the t.mix DM 20 R bietet eine gute Kombination aus Preis, Ausstattung und Klangqualität.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • robuste Verarbeitung
  • einfache Bedienung am Gerät
  • speicherbare Mikrofonvorverstärker
  • integriertes Netzteil
  • AES/EBU-Ausgang
  • SPDIF In & Out
  • Delay (bis 200ms) in jedem Ausgang
  • Copy & Paste via Hardware-Taster
  • Mediaplayer
  • WiFi-Stick im Lieferumfang

  • keine Netzwerkbuchse für LAN-Betrieb
  • Parameterabgleich der Tablet-Steuerung mit mehreren Einheiten (siehe Text)
  • Meteranzeigen in der Dynamiksektion und Tap Tempo der App funktionieren nicht

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