Test
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28.07.2020

Praxis

Nach Einstellen der Auflagekraft auf 2,2 g und Justierung des Antiskatings kann es losgehen. Der Player ist  nach ein paar Handgriffen wie beworben spielbereit. Der Tonarm sollte parallel zur aufgelegten Platte verlaufen, was er aber nicht wirklich tut. Ich habe ein kleines Arsenal an Auflagen hier und stocke den Platter mit einer 2,0 mm hohen Acrylauflage und einer 2,5 mm starken fuselfreien Slipmat zusätzlich zur mitgelieferten Gummimatte auf und dann passt es. Für die Abnutzung von Nadel und Vinyl ist das die schonendere Variante. Je nach Abtaster kann eine zu hohe Tonarmbasis auch in einem erhöhten Klirrgrad resultieren, muss es aber nicht unbedingt. Früher habe ich derartige Probleme gleich negativ bewertet, mittlerweile bin ich aber zu einem anderen Standpunkt gelangt. Da die Tonarmbasis nicht höhenverstellbar ist, ist es praxisgerecht, hier über ein wenig Spielraum zu verfügen für den Fall, dass man einen anderen Tonabnehmer als den mitgelieferten installieren möchte. Viele Unterbausysteme sind nämlich höher als das von Audio-Technica.

Bedienung

Auto-Start und Auto-Stopp funktionieren einwandfrei. Bei aktiviertem Auto-Start beginnt der Motor mit seiner Arbeit, sobald ich den Tonarm in Richtung Vinyl bringe. Die Endabschaltung greift nach etwa 20 Sekunden Laufen in der Endrille, allerdings ohne automatischen Up-Lift, sprich die Nadel bleibt auf der Platte liegen. Ich nehme mal an, dass Auto-Up-Lift das Budget deutlich erhöht hätte, sonst wäre das gewiss implementiert. Die Abschaltautomatik lässt sich ja auch problemlos rückseitig deaktivieren, doch wofür eigentlich? Das wissen nur „echte“ High-End-Freaks.

Der Lift hinterlässt bei mir gemischte Gefühle. Die Nadel senkt sich bedächtig ab, egal wie schnell ich den Hebel umlege, sprich der Absenkvorgang wird gedämpft, was zu begrüßen ist! Beim Up-Lift schnellt der Tonarm nach oben und verspringt seitlich, so dass er nicht mehr auf der Position sitzt, auf der er eben noch gespielt hat, was zum Auffinden von bestimmten Stellen hinderlich ist. Der Lift muss also ohne Up-Dämpfung auskommen. Ansonsten fällt die Tonarmführung und Tonarmarretierung mit Plastik Look & Feel auf, was im Prinzip zu verkraften ist, wäre da nicht der Aspekt der Nachhaltigkeit. Kunststoffe werden mit der Zeit spröde und brechen gerne mal nach einer Dekade oder auch schon mal eher, was ich aber natürlich nicht sicher prognostizieren kann und auch nicht möchte. Ich würde mir jedenfalls an dieser Stelle andere Werkstoffe wünschen.

Die Füße sind wirklich gute Dämpfer und in Kombination mit der MDF-Zarge lässt sich der TD 402 DD auch bei kritischem Vinyl-Material so gar nicht aus der Ruhe bringen, woran der gerade Carbon-Tonarm gewiss auch erheblichen Anteil hat. Die transparente Acrylhaube ist 3 mm stark und neigt dennoch zum Durchschwingen, weswegen ich anraten würde, sie vor jedem Abspielvorgang ganz abzunehmen.

Beim alltäglichen Umgang stört mich am meisten, dass der TD 402 DD über keine Anzeige für On oder Standby verfügt. Im Alltag an den rückseitig versenkten Netzschalter heranzukommen, bedarf etwas Feingefühl, verbunden mit Routine. Des Weiteren stört es mich nicht besonders (vermutlich weil ich so gar kein Fan von 7“ Singles bin), dass es kein Fach für den mitgelieferten 45er-Puck gibt. Hierauf machte mich ein Freund aufmerksam und er hat Recht.

Sound

Hinsichtlich des Klangs gibt sich der Thorens Brettspieler keine Blöße. Laufgeräusche sind keine zu vernehmen, was mich auch wirklich überrascht hätte. Dynamische Musik klingt spritzig und kraftvoll. Der aktualisierte Tonabnehmer von Audio-Technica klingt erheblich transparenter als sein Vorgänger, vor allem beim Mittelhochton gibt’s eine weitaus bessere zeitliche Auflösung des Geschehens, wovon gut aufgenommene und abgemischte Stimmen und Gitarren am meisten profitieren.

Bei folgenden Hörbeispielen habe ich meinen DJ-Plattenspieler Pioneer PLX-1000, der mit einem DJ200i von Joseph Grado ausstaffiert ist, als Referenz herangezogen. Jenes System der berühmten High-End-Schmiede aus Brooklyn ist weniger ein DJ-System als ein total ausgewogener Abtaster, der nie nervt, toll auflöst und in der räumlichen Abbildung seine großen Stärken in die Waagschale wirft. Vor allem seine Bass-Wiedergabe ist phänomenal. Im folgenden Audiopart werden alle Signale durch einen Röhrenvorverstärker geführt, einen TPR-2 von Dynavox, der sehr lebendig aufspielt und spritzig klingt.

Im direkten Vergleich der beiden Setups fällt auf, dass die Aufnahmen des Thorens mit dem AT VM95E vordergründiger und heller klingen als die des Pioneer/Grado-Duos, was daran liegt, dass die Nadel des Grados bald 2 Jahre alt ist und das AT VM95E ganz frisch. Die Transienten-Wiedergabe des Grado ist auch längst nicht mehr so akkurat wie einst und gewiss nicht so schnell wie die des Audio-Technica. Im Vergleich klingt das AT noch bedeutend härter, was aber wohl spätestens nach 30 bis 50 Betriebsstunden der Vergangenheit angehören sollte, wenn die Nadel eingelaufen ist.

Für die Bewertung des Klangs des integrierten Phono-Preamps habe ich zwei Referenzen für einen Direktvergleich angefügt. Natürlich ist der Dynavox TPR-2 wieder im Boot, aber auch einen Vorverstärker des DJ-Mixers FF-4000 von Formula Sound habe ich aufgezeichnet und mitgeliefert. Heraus kommt dabei für mich, dass Thorens definitiv Phono Preamps bauen kann, denn jene Aufnahme klingt für mich wahrlich ausgewogen und warm und insgesamt am homogensten von den drei Audio-Files. Wer es noch besser haben möchte, muss die 300 Euro Grenze kräftig überschreiten. Auch harmoniert der Tonabnehmer besonders gut mit dem integrierten Vorverstärker, der zudem auch einen ordentlichen Pegel abliefert. 

Außer Konkurrenz ist natürlich der folgende Vergleich von Start- und Stopp-Verhalten der beiden Laufwerke. Natürlich ist der Pioneer bei beiden Vorgängen viel schneller als der Thorens. Darum ging es mir auch nicht. So bekommt man aber einen Eindruck davon, wie schnell der TD 402 DD tatsächlich in Fahrt kommt und ob er bei einem Stopp noch ewig lange nachläuft oder eben relativ zügig zum Stehen kommt. Letzteres ist der Fall.

Pro & Contra

  • Plug & Play Ensemble
  • stringentes audiophiles Konzept
  • zeitloses Design
  • hocheffektive Fuß-Dämpfung
  • warm klingender Vorverstärker
  • guter Carbon-Tonarm
  • Dual-MM-Tonabnehmer mit Upgrade-Option
  • Endabschaltung abschaltbar
  • gute Pegelverhältnisse
  • sehr guter Klang
  • gutes Preis-Leistungs-Verhältnis

  • Lift ohne Up-Dämpfung
  • rückseitig versenkter Netzschalter
  • keine Anzeige für On oder Standby
  • Tonarmführung u. Tonarmarretierung mit Plastik Look & Feel
  • kein Fach für den 45er-Puck

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