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Test
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15.02.2021

Toontrack Electronic Edge EZX Test

Elektronische Drumsounds für EZDrummer 2

Über 350 Sounds von Richard Veenstra!

Noch eine 808? Einfach die Linndrum-Welle reiten? Nicht mit uns, dachte sich EZ-Drummer-2-Hersteller Toontrack bei der Konzipierung von „Eletronic Edge EDX“. Man beauftrage Sounddesign-Guru Richard Veenstra damit, ein Samplepacket für EZ Drummer 2 zu produzieren, das weg von den Rockdrums aber auch von den Klischeesounds von Techno und Hip-Hop geht.  

Bei den Produkten von Drumspezialist Toontrack sind die Zielgruppen für EZ Drummer 2 und Superior Drummer 3 verschiedene. Nutzer von EZ Drummer 2 bekommen beim Songwriting schnelle, hervorragend klingende rhythmische Unterstützung, ohne groß ins Detail zu gehen. Wer es liebt, jeden Drumsound einzeln bis in die letzte Frequenz zu bearbeiten, die Velocity jeder MIDI-Note einzeln einzustellen, der ist beim großen Bruder Superior Drummer besser aufgehoben. Wer weniger frickelt, braucht also eine viel größere Palette an fertigen Sounds. 

Und so ist die Vielfalt der mittlerweile 47 Erweiterungen bei EZ Drummer 2 um einiges größer. Mit der Dream Pop Library, „Electronic EDX“ und der auf Popmusik fokussierten Erweiterung „Number 1 Hits“ hat Toontrack zum Beispiel drei Erweiterungen mit elektronischen Drumsounds im Programm. „Electronic Edge“ schlägt in eine ähnliche Kerbe und mischt elektronische Drumsounds mit Samples aus Foleyaufnahmen.

Details & Praxis

Livin‘ on the Edge – EDX-Library mit ungewöhnlichen Sounds

„Electronic Edge EDX“ ist eine Erweiterung für EZ Drummer 2, kann aber auch im großen Superior Drummer 3 geladen werden. Die Library besteht aus 30 Drumkits mit über 370 Sounds, darunter 57 Kicks, 49 Snares, unzählige Hihats, Riser und Foley-Sounds, die Veenstra draußen mit dem Field Recorder aufgenommen und anschließend bearbeitet hat. Eine Seltenheit in der Welt der Toontrack-Erweiterungen: In jedem der Kits gibt es ein melodisches Instrument, gesampelt auf eine Oktave. Diese Sounds hat Sounddesigner Veenstra zusammen mit Gitarrist Frank Merfort und Harfenist Remy van Kesteren produziert. 

„Electronic Edge EDX“ bringt eine düstere und äußerst facettenreiche Palette an Sounds mit. Da scheppert es metallisch in den Snares, es klackt, raschelt und knistert in den Percussion Sounds, dunkle Klangwolken ziehen mit den „Atmosphere“-Sounds auf. Egal ob Hyperpop, Elektro, Indiepop oder Neo Soul, soll es elektronisch aber individuell klingen, wird man in der Library garantiert fündig. 

Installation und Oberfläche

Die Installation läuft über den Downloadmanager von Toontrack, den Product Manager. Hat man einen Account bei Toontrack, taucht die Erweiterung gleich nach dem Kauf im Programm auf und kann dort direkt geladen, installiert und autorisiert werden. Die gut 1,3 Gigabyte große Installation wird automatisch in den Ordner mit den restlichen Drums von EZ Drummer 2 installiert. 

Optisch wird man von mehreren E-Drumpads begrüßt, die stark an Drumpads von Clavia oder Roland erinnern. Eingetaucht in neonpinke und neonbaue Leuchtstoffröhren, blickt man auf drei große Sampling-Pads mit je sechs großen Pads, von denen je fünf Sounds derselben Kategorie triggern (dazu gleich mehr). Dazu gibt es drei kleine Sampling-Pads oben in der Mitte mit Soundeffekten. Dass es bei allen drei großen Sampling-Pads Kick-, Snare- und Hihat-Pads gibt, hat System. 

Handling und Workflow 

Die Snare und Kick des linken Sampling-Pads liegen auf C1 und D1, in der Mitte liegt die Kick auf B0, die dazugehörige Snare auf E1, bei der dritten Drummachine ist die Kick auf A#0 und die Snare auf A0. Was im ersten Moment etwas verwirrend wirken mag, ergibt gleich mehrfach Sinn für den Workflow. 

Oftmals schichtet man gerade bei Kick und Snare mehrere Samples übereinander. Dadurch, dass sie so nah beieinander liegen, sind die entsprechenden MIDI-Noten in der Pianorolle schneller gesetzt. Spielt man das Kit live und möchte mehrere Samples gleichzeitig auf dem MIDI-Keyboard spielen, ist auch hier die Nähe der MIDI-Noten sehr nützlich. 

Individuelle Kits und Rhythmen

Will man einen Sound eines Drumkits mit einem anderen aus der EZ Drummer Welt tauschen, braucht es wie gewohnt in EZ Drummer nicht mehr, als das gewünschte Pad in der „Drums“-Ansicht anzuwählen und ein Sample aus den anderen Kits zu wählen. Auch kann hier die Tonhöhe des Samples verändert werden.

Im Browser für die MIDI-Clips gibt es zu jedem der 30 Kits vier Clips. Zwei „Basic“ und zwei „Melody“, in jeweils unterschiedlichen Tempi. EZ Drummer passt sich natürlich dem DAW-Tempo an, wenn man es als Plugin lädt, man kann aber auf Wunsch den Clip auch im Originaltempo hören. 

Die Effekte – Edge, Dirt, Filter, Pitch und Space 

Hat man ein Drumkit gefunden und dazu einen passenden MIDI-Clip ausgewählt (oder selbst einen programmiert), gibt es für individuellere Sounds fünf Multi-Effekte im Mixer mit insgesamt acht automatisierbaren Parametern. „Edge“ ist eine Mischung aus Verzerrer, Chorus und Tape Delay, voll aufgedreht erzeugen die vier Regler eine schön chaotische Dubversion des Originalrhythmus. „Dirt“ verzerrt noch einmal anders. Mit dem Filter lassen sich DJ-typische Filtersweeps automatisieren. „Space“ fährt einen zusätzlichen Hall dazu. Der „Pitch“-Regler ändert die Tonhöhe aller Sounds, jedoch voreingestellt bei jedem Sound mit unterschiedlich großer Bandbreite.

Möchte man sehen, welche der Sounds von einem der fünf Effekte verändert wird, drückt man einmal auf den jeweiligen Poti. Schon leuchten die betroffenen Spuren orange auf. Ändern lässt sich das leider nicht. Auch die Reihenfolge der Effekte ist fest einprogrammiert. Apropos ändern: Die interessanteste Wirkung entfalten die Effekte, wenn man sie automatisiert. 

Auch sonst ist die Einfachheit des EZ Drummers gerade bei elektronischen Drumsamples Fluch und Segen zugleich. Einerseits laden die tollen Drumsounds zum Spielen ein und die vorprogrammierten MIDI-Clips sorgen für Inspiration. Andererseits möchte man gerade bei diesen Samples, vor allem wenn man mehrere Sounds gleichzeitig abspielt, doch gerne ins Detail gehen, den Samplestartpunkt setzen, die Samplelänge bestimmen. Oder eben eigene Drumsamples zum Drumkit hinzufügen, was gerade bei elektronischen Drums sehr häufig vorkommt. Diese Kritikpunkte haben mit „Electronic Edge“ nichts zu tun, sondern mit dem Mutterschiff EZ Drummer 2. 

Fazit

Electronic Edge bringt genau die Vielfalt in die Welt der Drumsampler, die bisher meist nur in obskuren Samplepaketen oder Terabyte großen Spliceordnern zu finden war. Alle, die über den 808-Tellerrand hinausschauen wollen, die Inspiration für elektronische Musikproduktionen suchen, bekommen ein Instrument voller pumpender Kicks, peitschender Snares, Metallklicks, Kettenrasseln und wunderschöner Gitarren- und Harfensamples – außerdem bieten die Effekte zusätzlich sehr einfache Sounddesignmöglichkeiten. Etwas ins Detail gehen zu können, wäre gerade bei elektronischen Sounds dieser Art wünschenswert, widerspräche aber dem „EZ“ in EZ Drummer 2.

  • Pro
  • sehr organische und vielfältige Drumsounds
  • große Auswahl an sehr unterschiedlichen Kick- und Snaresounds
  • Melodie-Samples in jedem der 30 Kits
  • Multi-Effekte für schnelles Sounddesign
  • Contra
  • kaum Möglichkeiten, Samples anzupassen
  • Features
  • Erweiterung für EZ Drummer 2 und Superior Drummer 3
  • 30 Drumkits
  • über 370 Samples
  • Melodie-Samples in jedem Kit
  • vier Multi-Effekte
  • Systemvoraussetzungen
  • EZ Drummer 2.2.0
  • Superior Drummer 3.2.4
  • Hinweis des Herstellers: EZ Drummer 2.2.0 läuft nur als 64-Bit-Version auf Mac-Systemen.
  • Preis
  • Vollversion 69 EUR (Straßenpreis 15.02.21)
Veröffentlicht am 15.02.2021

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • sehr organische und vielfältige Drumsounds
  • große Auswahl an sehr unterschiedlichen Kick- und Snaresounds
  • Melodie-Samples in jedem der 30 Kits
  • Multi-Effekte für schnelles Sounddesign

  • kaum Möglichkeiten, die Samples anzupassen

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