Hersteller_NativeInstruments
Test
5
03.06.2013

Praxis

Als Anhänger des heiteren Frequenzfrickelns und des Upfader-Mixings (der Crossfader wird nur bei höchst seltenen Scratch-Attacken eingesetzt und ansonsten vollständig ignoriert), irritiert es mich am Anfang natürlich, dass ich die Volume-Fader nur einzeln aufrufen kann. Zudem finde ich es für meinen Workflow etwas unpraktisch, dass ich nicht nur beim Einfaden der Tracks zwischen den Decks hin- und herschalten muss, sondern auch bei den EQs. Stelle ich mir jedoch vor, sämtliche EQs, Up- und Crossfader auf dem winzigen iPod Screen im Horizontalformat aussteuern zu müssen, bekommt die NI-Umsetzung schon mal einen anderen Anstrich. Dennoch, meins ist es nicht. Hier ist das iPad im Vorteil, da es beide EQ-Abteilungen auf mehr Raum einblenden kann. Insgesamt ist die Bedienung auf dem großen Bruder übersichtlicher ausgefallen. Also wie auch immer: Mit dem iPhone vor Publikum rocken, das kann ich mir auf diese Weise nicht wirklich nicht vorstellen. Mit ein paar Freunden in geselliger Runde ein wenig „rumzumixen“ schon eher: „Hey, fang mal das iPhone und leg n paar Tracks auf, ich muss mal für kleine ...“ – kein Problem bei Bluetooth-Ausgabe. Also doch nur ein nettes Gimmick zum Zeitvertreib? Was sollen wir mit Traktor DJ for iPhone anstellen? Es als Ersatz für ein Scratch- oder S4-System mit in den Club nehmen oder gar unser 4-Deck-Setup an einem Achtkanal-Mixer um zweimal zwei iPhone-Decks erweitern und mit acht Decks auflegen? Wohl kaum! Nichtsdestotrotz unterstützt das Programm seit Neuestem den externen Mixer-Modus. Was mir dabei ein wenig bitter aufstößt, folgt im nächsten Abschnitt.  

Interface-Unterstützung

... oder sagen wir besser: die (noch?) fehlende Unterstützung. Beim iPad kann der User zwar zu einem Audio6-Pack für 399,- Euro oder einem Audio8-Pack für 599,- Euro greifen (Audio2 funktioniert nicht), aber möchte man wirklich mindestens vierhundert Euro ausgeben müssen, um mit dem iPhone zu mixen? Vor allem, wenn man bedenkt, dass andere Hersteller ganze iOS-Steuerkonsolen mit Software zu diesem Preis anbieten. Und bleiben wir kurz beim Audio 6/10: So eine richtig portable Lösung ist das ja dann auch nicht. Aber die größte Frage ist wohl: Wie soll ich es verbinden, wenn doch das Camera-Connection-Kit gar nicht funktioniert? Direkt anstöpseln ist nicht. Auf einem externen Mischer arbeiten ist also ebenfalls Fehlanzeige. Dennoch wollte ich mir nicht nehmen lassen, das neue Feature anzutesten. Also kurz das iPad rausgeholt und einen Probelauf (allerdings mit einem ESI UDJ6) gefahren. Funzt gut und macht Laune.

Dürfen wir ergo in Kürze einen NI-Adapter erwarten, der auch das iPhone „ready2roc“ macht? Oder erweitert Native Instruments seine Produktpalette um ein neues noch „ultrakompakteres“ Audiointerface, das speziell auf die Zielgruppe der iOS-Jockeys zugeschnitten sein wird (was mir logischer erscheinen würde)? Da die App (siehe Screenshot vom 7.5.2013) bereits wenige Tage nach dem Erscheinen als meistgekaufte App der Sparte „DJ“ ganz oben im iTunes-Ranking steht, könnte NI hier, sollte der Verkaufspreis moderat sein, ein Erfolgsprodukt platzieren. Weitere interessante Features wären die Implementierung der Audiobus-Schnittstelle und drahtlose Synchronisierung mit anderen Geräten über Wist. Obwohl ein Verkaufspreis von 4,49 Euro selbst vor dem Hintergrund, dass die App ein Million-Dollar-Baby werden könnte, eher nach einer Goodwill-Aktion aussieht, gibt es natürlich auch Alternativen am Markt, zum Beispiel DJ-Player, Mixvibes Cross oder den „Mac-Klassiker“ Algoriddim djay.  

Synchronisation via Dropbox

Die Sync-Funktion über Dropbox ermöglicht den Austausch von Cue Points, Loop Points, Tempo- und Key-Infos über mehrere Geräte. Doch Vorsicht: Ich vermute einmal, dass einige von euch bereits eine gut sortierte Trecker-Library auf dem Rechner haben, die ihr, so ihr nicht gerade euer täglich Brot auf Firmenevents, Hochzeiten oder Motto-Partys verdient, sondern dem fröhlichen Beatmatching frönt, fertig gegridded und natürlich gelockt habt. Wenn die Dropbox nun in Traktor auf den beteiligte Geräten aktiviert wird, fragt sie vor der ersten Synchronisierung ab, ob die Daten auf dem lokalen Medium erhalten oder ersetzt werden sollen. Ein ungewollter Klick und die Library wird überschrieben. Dann könnt ihr diese nur über ein Backup wiederherstellen. Auch solltet ihr die gleiche iTunes-Library am Rechner und Mobile-Device verwenden, wobei automatische Downloads, iTunes-Match (sendet sonst „andere“ Low-Quality-Dateien) und die automatische iTunes Musikverwaltung sowie die Synchronisation nur für ausgewählte Listen zu deaktivieren sind, genau wie die 128 kBit-Konvertierung zum iPhone hin. Wer will schon so Musik hören?  

Auf dem MacBook wähle ich also zunächst einmal „Keep“, damit es mir nicht die komplette Library „zerschießt“ (BPM, Beatgrid etc.) und ich erst einmal die Titel auf dem iOS-Gerät abgleichen kann. Meine Track-Informationen und die Metadaten aus der Traktor Pros Track Collection bleiben erhalten und werden auf die Titel auf dem iPhone angewendet, auf dem ich entsprechend „Overwrite“ auswähle. Dadurch werden auch potenziell vorhandene Edits auf dem iOS-Device ersetzt. Sind nun alle Systeme auf dem gleichen Stand, lasse ich auch Editierungen vom iPad zum Rechner zu. Zum Beispiel setze ich neue Cuepoints. Mittels „Sync Now“ sendet das iPhone dann Daten an die Dropbox, die wiederum über „Active Click to Sync“ (Metadata Tab) in Traktor Pro übernommen werden. Schließe ich die App, wird alles automatisch zur Dropbox gepumpt. Leider ist dies aktuell mit Playlisten noch nicht möglich, egal ob sie auf dem iPhone angelegt wurden oder von Traktor Mac/PC stammen. Schade, denn das wäre für mich ein weiteres wichtiges Argument, zu dieser App zu greifen. Aber was nicht ist, kann sicherlich noch werden. Für Playlisten gilt vielmehr: Ihr müsst sie als M3U exportieren, dann in iTunes importieren und zu guter Letzt aufs iPhone schieben. Oder sie eben direkt auf dem Mobile Device erstellen.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Gelungenes Interface
  • Gute Effekte
  • Slicer
  • Großer Spaßfaktor
  • Notfallsystem
  • Harmonierende Titelempfehlungen

  • Interface-Support
  • Playlisten-Austausch
  • Filter und EQs beider Decks nicht simultan bedienbar
  • Keine Pitchfader/-bends für die Decks

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