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Test
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17.01.2020

Traveler Guitar Camper CS-10 Test

Akustische Reisegitarre

Reise-Western

Die Traveler Guitar Camper CS-10 ist eine von vielen Gründen, der teuren, eingespielten Edelgitarre die Strapazen einer Urlaubsreise zu ersparen. Schon seit 1992 produziert Traveler Guitar mit Sitz in Redlands in Kalifornien originelle Reisegitarren, die sich klein machen können und trotzdem mit einem guten Sound aufhorchen lassen. Im Portfolio befinden sich mit Ultra Light, Pro, Escape und Traveler Acoustic diverse Serien mit unterschiedlich ausstaffierten kleinformatigen Reisegitarren, die zum Teil auch mit attraktiven Preisen aufwarten.
Die Camper CS-10 ist das erste Modell der brandneuen Camper-Serie, eine akustische Short-Scale-Reisegitarre mit Stahlsaiten und ganz aus Holz gebaut, die damit auch alle Vor- und Nachteile einer echten Voll-Westerngitarre mitbringt. Trotz ihres plakativen Namens wurde die kleine Westerngitarre natürlich nicht nur für den Camper entwickelt. Uns hat interessiert, was man von einer vollakustischen Gitarre dieser Größe an Klang erwarten darf und ob das neue Modell wirklich so gut ist wie der Ruf, den ihre Markenkollegen etabliert haben.

Details

Die kleine Camper CS-10 wurde mit viel Liebe zum Detail konstruiert und daher verbieten sich Vergleiche mit Kinder- oder Spielzeuginstrumenten. Mit der Stahlsaitenbespannung gehört die kleine Gitarre grundsätzlich nicht in Kinderhände.
Der Resonanzkörper mit rundgeschwungenem Cutaway hat sichtlich die Form einer Grand Concert, allerdings wurden die Proportionen um ca. 25 % verkleinert. Offiziell firmiert die Form aber unter der Bezeichnung "Camper Traveller".
Jedenfalls kann unsere Reisebegleitung mit ihrer Gesamtlänge von 851 mm punkten, wenn es richtig eng wird. Für den vergleichsweise grundsoliden Sound der CS-10 macht sich die massive, seidenmatt-helle Decke aus Engelmannfichte stark, die besonders im oberen Mittenbereich Druck macht, aber unter Umständen auch den Preis nach oben treiben kann. Damit spielt die CS-10 - rein materiell betrachtet - schon mal in der Oberliga der Reisegitarren, die in der Regel viel bescheidener auftreten.

Etwas weniger Einfluss als die Decke nehmen Boden und Zarge aus afrikanischem Okoume auf den Ton, das mit attraktiv gemasertem Leopardenholz (engl. Lacewood) verblendet wurde. Die Furniere hinterlassen einen optisch hervorragenden Eindruck. Der auffällig stark gewölbte Boden besteht ebenfalls aus zwei gleich großen Hälften. Afrikanisches Okoume ist mir bislang noch nicht untergekommen, soll aber mit Eigenschaften punkten, die an Mahagoni erinnern. Ein Blick in den Innenraum verrät, dass es zumindest auch genauso rötlich-braun schimmert. Während der gesamte Korpus perfekt seidenmatt-klar erstrahlt, werden die Stoßkanten rundherum mit schwarzem ABS geschützt. Unsere Reisebegleitung benötigt jedenfalls keine preistreibenden Intarsien. Lediglich eine schlichte Schalllochverzierung aus Holz umgibt das kleine Schallloch. Die Stahlsaiten werden von schwarzen Pins mit hellem Punkt arretiert und dann über eine längenkompensierte Stegeinlage aus Phenolharz geführt, die wackelfrei in der Fräsung des Saitenhalters aus ebenfalls mattglänzendem Blackwood liegt. Die B-Saite wurde mit einer Nase befeilt, um die Intonation zu optimieren.

Interieur

Ein leichter Halsblock bietet der Decke, dem Halsfuß und den beiden Zargen den nötigen Zusammenhalt. Die Decke wurde, wie bei einer Stahlsaitengitarre üblich, mit zwei Streben unterbaut, die sich am Schallloch kreuzen (X-Bracing). Zusätzlich stärken zwei flache Leisten den fragilen Bereich um das Schallloch. Die Reifchen, die den Boden- und Deckenrand säumen, wurden sauber und gleichmäßig rundum am Rand eingesetzt, Leimreste sind nirgends zu entdecken. Boden- und Bodenmittelstreifen hat man der CS-10 nicht geschenkt, was mit dazu beiträgt, dass unsere Kandidatin lediglich 1280 Gramm in die Waagschale legt, also ungefähr 800 Gramm weniger als eine ausgewachsene Akustikgitarre.
Der Hersteller hat jedenfalls keine Bedenken, sie mit einem kräftigen Satz D'Addario EJ-26 Stahlsaiten zu bespannen. Die Zugkraft insbesondere der Phosphorbronze-Saiten in den Stärken 011 - 015 - w022 - w032 - w042 - w052 sollte nicht unterschätzt werden, denn die CS-10 wird in Standard-Tuning gestimmt. Jedenfalls trägt die kurze Mensur von 56,3 cm in hohem Maße zur Entlastung bei.

Hals, Griffbrett, Kopfplatte

Kopfplatte, Halsfuß und Halsstück wurden aus verwindungssteifem rotbraunem Natoholz gefertigt. Das Holz aus Fernost punktet mit ähnlichen klanglichen Eigenschaften wie Mahagoni, kann aber preisgünstiger eingekauft werden. Hals und Halsfuß wurden stabil mit dem Halsblock im Innenraum verleimt. Mit dem eingelegten Einstellstab wird die Halskrümmung im unteren Drittel justiert. Die Stellschraube dafür befindet sich im Schallloch unter dem Griffbrett. Der Schlüssel ist im Lieferumfang enthalten.
Das Griffbrett aus Blackwood ist stabil mit dem Hals verleimt und erreicht am 20. Bund das Schallloch, der Hals-Korpus-Übergang befindet sich wie bei einer Stahlsaitengitarre üblich am 14. Bund. Die Bundkronen wurden jedenfalls sauber abgerichtet. Das erste Bundstäbchen am Sattel tritt allerdings spürbar an der Seite aus und müsste nochmal nachgearbeitet werden.
Pearloid-Dots auf dem Griffbrett und an der Griffbrettkante weisen dem Spieler beim Lagenwechsel den Weg. Im 12. Bund findet man eine Einlage mit dem Firmenlogo. Auf dem nur leicht gewölbten Griffbrett mit dem Radius von 30,5 cm käme man auch ohne Orientierungshilfe im Binding bestens zurecht, wenn man sich an die neuen Größenverhältnisse gewöhnt hat. Hals und Griffbrett haben jedenfalls nicht per se an der allgemeinen Verzwergung des Korpus teilgenommen. Die Sattelbreite entspricht nämlich mit 4,3 cm der Norm für Westerngitarren und auch der Hals gleicht mit einem Umfang von 11,3 cm am Sattel dem einer normal dimensionierten Westerngitarre. Damit kommen Hals und Griffbrett auch ein Stück der ausgewachsenen Hand entgegen. Allerdings vermindern sich mit der kurzen Mensur auch die Bundbreiten auf ganzer Länge.

Kopfplatte

Die geschlossene Kopfplatte aus Nato ist stabil mit dem Halsstück verleimt und mit einem hauchdünnen schwarzen Furnier verblendet, das dem Griffbrettholz gleicht. Sechs verchromte, gekapselte Mechaniken mit griffigen schwarzen Kunststoffwirbeln arbeiten tadellos - 14 Umdrehungen des Stimmflügels werden benötigt, damit sich die Winkelachse einmal um sich selbst dreht. An der Oberseite der geschlossenen Kopfplatte prangt das Traveler Guitar Logo.

Video

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • leicht, kompakt und mobil
  • durchsetzungsfähiger Klang im Mittenbereich
  • solide Verarbeitung

  • nicht oktavrein
  • schwacher Bassbereich

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