Software
Test
10
18.12.2020

 

 

ujam Symphonic Elements STRIIIINGS Test

Performance-Instrument-Plugin

Produktionsfertige Streicherphrasen (und mehr) aus der Box!

Warum STRIIIINGS mit vier „i“ geschrieben wird? Wahrscheinlich, damit man es so schön archaisch aussprechen kann, wie es im Walkthrough-Video des deutschen Plugin-Herstellers ujam getan wird. Obwohl ujam ein noch relativ junger Name ist, kann man bei weitem nicht mehr von einem Newcomer sprechen, da hinter dem Unternehmen mitunter langjährig etablierte und umtriebige Köpfe wie etwa Peter Gorges stecken. Letzterer hatte bereits bei vielen legendären Plugins und auch Herstellern seine Finger mit im Spiel.

Die Effekt-Plugins Finisher Neo und Finisher Micro (Freeware) hatten wir bereits im Test und sind gespannt, ob sich das virtuelle Streichinstrument STRIIIINGS nun gleichermaßen bewährt. Da die Filmmusik-Ikone und ujam-Mitbegründer Hans Zimmer bei der Produktion des Sample Contents offenbar beteiligt war, ist die Erwartungshaltung dementsprechend hoch – was hat aber unser Kurztest ergeben?

Details & Praxis

GUI und Konzept

STRIIIINGS unterscheidet ich von herkömmlichen Streicher-Libraries durch seine Fokussetzung: Hier wird Wert auf das Abspielen/Triggern verschiedener Phrasen und Sequenzen eines Streichorchesters gelegt und das GUI bietet einen simplen wie genialen Zugang. What you see is what you get – die absolut intuitive Bedienung beschränkt sich auf ein einziges Fenster, das einen übersichtlichen und direkten Zugriff auf die sinnvoll gewählten Parameter erlaubt – ohne Schnickschnack. Der Patch Browser bietet allein schon 200 Presets in 20 Stilkategorien, die gemäß der im GUI ablesbaren Notenzuweisungen gespielt werden können.

Jedes Patch nutzt einen von 60 Styles, der jeweils sechs Phrasen und vier sogenannte Additions, also zusätzliche Sequenzen in meist höheren Lagen, enthält. Welche Phrase zu hören ist, wird durch die weißen Tasten der C1-Oktave gesteuert und zwar nach einem vollkommen logischen System: Je höher die Taste, umso mehr „Action“, was sowohl mehr Bewegung als auch eine gesteigerte Verwendung der höheren Lagen (meist Violinen) bedeutet. Für das Spielen der Akkorde sind die beiden Oktaven oberhalb von C3 zuständig, während die Basstöne in der darunter liegenden Oktave gespielt werden. Wichtig: Die Basstöne sind unabhängig von der Akkorderkennung spielbar, wodurch interessante und durchaus gängige Harmonien realisierbar sind!

Sound

Der Klang von STRIIIINGS lässt sich ohne Zweifel als produktionsfertig bezeichnen. Obwohl der gesamte Sample Content „nur“ auf Streichinstrumenten basiert, ist das klangliche und stilistische Repertoire von traditionell über progressiv bis hin zu verstörend sehr vielfältig, woran die integrierten und teilweise extremen Effekte einen hohen Anteil haben. Hören wir doch einfach mal rein. In allen Audiobeispielen ist jeweils nur eine STRIIIINGS-Instanz unter Verwendung der integrierten Effekte zu hören.

Einsatzmöglichkeiten und sonstige Eigenschaften

Obwohl der Name Hans Zimmer, der häufig in Verbindung mit STRIIIINGS genannt wird, nahelegt, dass es sich um ein spezielles Scoring-Tool handelt, sind die Einsatzszenarien vielfältig. Auf der Herstellerseite befinden sich einige Videos, die den überzeugenden Einsatz von STRIIIINGS im Pop-Kontext zeigen.  

Während des Tests offenbarte das Plugin mit Ausnahme einiger Grafikhänger, die ich bei einer Version 1.0.0 nicht zwingend als Contra werten möchte, eigentlich nur positive Eigenschaften, wie beispielsweise das ausgesprochen tighte Timing, das auch bei dynamischen Tempoverläufen stabil blieb. Auch wenn herstellerseitig (Manual) im Einzelfall ein Delay-Offset der Instrumentenspur empfohlen wird, spielen die Phrasen meistens ohne Nachbearbeitung gut zum Klick. Getestet wurde übrigens auf einem iMac Pro 3 GHz (macOS 10.15.7) mit Apple Logic Pro X 10.6.

Die entscheidende Eigenschaft ist allerdings, mit wie wenigen Handgriffen man zu inspirierenden und quasi produktionsfertig klingenden Ergebnissen gelangt! Als jemand, der den Großteil seiner Brötchen mit Kompositionen, Arrangements und Musikproduktionen verdient, weiß ich zu gut, wie schnell die Magie einer musikalischen Idee verfliegen kann, wenn man zu lange am Sound herumtüfteln muss! Je schneller man zu gut klingenden Ergebnissen und musikalischen Lösungen gelangt, umso weniger Gefahr besteht, den Blick für das große Ganze zu verlieren. Aus den genannten Gründen bin ich als Tester von STRIIIINGS tatsächlich uneingeschränkt begeistert!

Fazit

Ujam STRIIIINGS hat definitiv das Zeug, zu einem Standard-Plugin für Scoring, Game-Musik und auch für Musikschaffende aus dem weiten Feld der Popmusik zu werden. Die musikalischen Einsatzmöglichkeiten sind facettenreich, der Sound ist quasi produktionsfertig und die Bedienung ist intuitiv und kinderleicht. Was will man mehr? 

  • Pro
  • produktionsfertige Ergebnisse im Handumdrehen (klanglich wie musikalisch)
  • hohe stilistische Vielfalt
  • intuitive Bedienung
  • keine hohe CPU-Belastung
  • Contra
  • kein Contra
  • Features
  • virtuelles Performance-Instrument
  • 4,78 GB Installationsgröße
  • 30 Tage Trial
  • 60 Styles inkl. 6 Phrases und 4 Additions
  • Speed (x 0,5, x 2)
  • Swingfaktor
  • 200 Presets
  • 30 Charakter FX
  • 29 Motion FX
  • 25 Finisher FX
  • Sample Content im Studio von Hans Zimmer aufgenommen
  • kompatibel zum Chord Track von Presonus Studio One
  • Skalierbares GUI
  • VST2, AU 2, AAX native
  • Systemvoraussetzungen (Mindestanforderungen)
  • Windows 7 / Mac OSX 10.11
  • min. 4 GB RAM,
  • Preis:
  • 119,- EUR Intro Offer (Straßenpreis am 17. Dezember 2020)
  • 169,- EUR per Download regulär (UVP)
  • zur Produktseite von Thomann
Veröffentlicht am 18.12.2020

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • produktionsfertige Ergebnisse im Handumdrehen (klanglich wie musikalisch)
  • hohe stilistische Vielfalt
  • intuitive Bedienung
  • keine hohe CPU-Belastung

  • kein Contra

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