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14.07.2015

Vintage Drum Machine: Yamaha RX21

Sample-basierter Drum Computer

Die Yamaha RX21 Drum Machine erschien im Jahr 1986 als Einstiegsmodell der RX-Serie. Mit den Sample-basierten Drum Computern rund um das Topmodell RX5 machte Yamaha damals der Roland TR-707-Familie Konkurrenz. Die neue Sampling-Technik war in aller Munde und versprach realistischere Sounds, als man sie von den analogen Drum Machines gewohnt war. Die RX21 ist im Funktionsumfang gegenüber der RX5 drastisch reduziert – ein echtes Einsteigermodell eben.

Ein paar Klänge hat sie jedoch von ihren großen Schwestern geerbt und heute ist sie zum Schnäppchenpreis zu haben. Wenn man so will, ist die RX21 Yamahas direkte Konkurrentin zur Roland TR-505, die ihrerseits eine stark abgespeckte Verwandte der TR-707 war. Im Vintage Drum Machine Special stellen wir die Yamaha RX21 vor. Hier findet ihr auch Yamaha RX21 Samples und Loops zum Download!

Details

Gehäuse und Anschlüsse

Die Yamaha RX21 steckt in einem flachen, schwarzen Pultgehäuse, dem man die Achtziger-Wurzeln schon von Weitem ansieht. Aus heutiger Sicht verstörend unsexy, aber damals war so etwas modern. Obschon sie direkte Konkurrenten waren, wirkt die Maschine solider gebaut als die Roland TR-505. Das Gehäuse ist teilweise aus Metall und die gummierten Taster machen zumindest oberflächlich einen haltbareren Eindruck als die klapperigen Knöpfe der TR-505.

Die Klinkenbuchsen des Stereoausgangs (L/MONO - R) und des Kopfhörerausgangs sind richtig mit dem Gehäuse verschraubt – wo (außer bei Nord und Kurzweil) gibt es das heute noch? Damals legte Yamaha offenbar auch bei Einsteigergeräten Wert auf eine solide Konstruktion. Rückseitig findet man außerdem einen Anschluss für ein Netzteil, einen speziellen, 8-poligen DIN-Anschluss für das Tape-Interface zum externen Sichern von Einstellungen sowie MIDI In und Out. Einzelausgänge gibt es leider nicht. Auch auf den bei vielen anderen Drum Machines verbauten Fußschalteranschluss für Start/Stop muss man hier verzichten – er ist aus heutiger Sicht aber wohl entbehrlich.

Bedienfeld

Auf der linken Seite der Bedienoberfläche befindet sich ein kleines, einzeiliges LC-Display, das leider längst nicht so komfortabel ist wie die Displays der TR-Serie. Es zeigt den Modus und das gewählte Pattern oder den Song an, außerdem geben ein kleiner, wandernder Balken und eine „Punktleiste“ Auskunft darüber, wo man sich bei der Programmierung im Pattern befindet und welche Steps gesetzt sind. Mit dem Komfort einer Gitterdarstellung kann das natürlich nicht mithalten.

Die Bedienung erfolgt ausschließlich über Taster (das gilt sogar für die Gesamtlautstärke). Rechts vom Display findet man je zwei Reihen mit kleinen und großen Knöpfen. Die kleinen, oberen Buttons rufen die verschiedenen Abspiel- und Programmiermodi auf, außerdem findet man hier Funktionen wie Clear, Repeat, Insert und Delete. Auch ein Ziffernblock hat hier Platz gefunden, über den man die Nummer des gewünschten Patterns direkt eintippen kann. Die roten Knöpfe „-1 / NO“ und „+1 / YES“ dienen zum Durchsteppen durch Patterns oder die Einzelschritte eines Patterns, zur Eingabe von Werten wie beispielsweise Lautstärken und zur Beantwortung von Nachfragen der Maschine (Löschen – ja oder nein?).  

Die größeren Buttons darunter umfassen neun schwarze Drumpads für die neun Sounds der RX21. Im Modus REAL TIME WRITE kann man Rhythmen über diese Pads „eintrommeln“. Ein grüner Knopf aktiviert den Akzent – hält man ihn gedrückt und spielt dann ein Drumpad, so, erklingt der Sound mit Akzent bzw. wird mit Akzent programmiert. Links gibt es einen Button für das Tempo (das dann mit den Plus-/Minus-Tastern eingegeben wird) und einen für LEVEL. Drückt man LEVEL einmal, so befindet man sich im Modus TOTAL LEVEL und kann die Gesamtlautstärke eintippen. Ein zweiter Druck ruft den Modus INSTRUMENT LEVEL auf, in dem man die Lautstärken der einzelnen Instrumente einstellen kann. Übrigens kann für jedes Instrument ein individuelles Akzent-Level vergeben werden – das konnten viele Konkurrenz-Maschinen damals nicht. Nun fehlen nur noch die beiden Buttons für START und STOP/CONTINUE ganz rechts.

Praxis

Sounds

Die Yamaha RX21 bietet neun gesampelte Drumsounds, die auf denen der „größeren“ RX-Maschinen basieren: Bassdrum, Snaredrum, drei Toms, Hi-Hat geschlossen und offen, Clap und (Crash-) Cymbal. Ein Ride-Becken fehlt leider genauso wie ein Rimshot bzw. Side-Stick-Sound. Die Sounds lassen sich nicht verändern und klingen leider ziemlich enttäuschend – auch für eine frühe Sample Drum Machine. Die Kickdrum ist wenig kraftvoll, die Snare recht pappig. Der müde Clap lässt die knackige Brillanz vermissen, die ein Clap eigentlich haben sollte, und über das fürchterliche Crashbecken möchte ich lieber keine Worte verlieren. Die knochentrockenen, kurzen Toms und die Hi-Hat gefallen mir noch am besten. Wirklich brauchbar erscheint mir aus heutiger Sicht aber keiner der Sounds der RX21, von einem gewissen Nostalgie-Faktor einmal abgesehen. Mit der RX5 und den anderen großen Geschwistern kann man da schon deutlich mehr anfangen. Hier hört ihr die Sounds der Yamaha RX21:

Patterns programmieren

Die RX21 bietet 100 Pattern-Speicherplätze, von denen die Plätze 56-99 mit nicht überschreibbaren Presets belegt sind. Die eigentlichen Preset-Rhythmen beginnen erst bei Speicherplatz 60 – die Plätze 56-59 enthalten leere Breaks mit verschiedenen Längen, die bei der Song-Programmierung nützlich sein können. Insgesamt verbleiben also 56 Plätze für selbst programmierte Patterns mit den Nummern 00 bis 55. Patterns lassen sich praktischerweise auf andere Speicherplätze kopieren, wodurch man auch die Preset-Rhythmen als Basis für Eigenkreationen nutzen kann.

Die Länge eines Patterns kann maximal einen 4/4-Takt betragen, längere Patterns sind nicht möglich. Allerdings kann man die Länge flexibler wählen als bei vielen anderen Maschinen aus jener Zeit: Von 1/16 bis 16/16 ist alles möglich, wodurch sich fast jede „krumme“ Taktart realisieren lässt. Als Quantisierungsraster stehen 1/12, 1/16, 1/24 und 1/32 zur Auswahl, sodass auch triolische Rhythmen machbar sind.

Zur Programmierung gibt es die beiden üblichen Modi REAL TIME WRITE und STEP WRITE. Im Echtzeitmodus werden Beats über die neun Drumpads eingespielt, das Löschen funktioniert mittels Gedrückthalten von CLEAR und dem jeweiligen Pad. Ein in der Lautstärke regelbares Metronom ist integriert. Im Modus STEP WRITE gibt man Instrumente einzeln per Step-Programmierung ein. Die Punkte-Darstellung im Display ist zwar rudimentär, aber dennoch hilfreich – sie zeigt jeweils die Spur des zuletzt gespielten Instruments an. Mit den Plus-/Minus-Tastern kann man sich durch das Pattern bewegen und Pausen eingeben. Zum Löschen eines Instruments auf einem bestimmten Step navigiert man mit den Tastern an die gewünschte Stelle und drückt CLEAR und das jeweilige Instrumenten-Pad.

Song-Modus

Die Yamaha RX21 kann vier Songs speichern. Insgesamt steht dafür eine Kapazität von 512 Takten zur Verfügung, die flexibel auf die vier Songs verteilt werden können. Die Programmierung ist recht einfach: Man wählt den gewünschten Song aus und drückt SONG WRITE. Dann gibt man das gewünschte Pattern für den ersten Takt ein, die Maschine springt zu Takt 2 und so weiter. Auch das Einfügen und Löschen von Takten ist möglich.

Mit der Repeat-Funktion können beliebige Abschnitte eines Songs bis zu 100 mal wiederholt werden. Jedes „Wiederholungszeichen“ belegt dabei einen Takt-Speicherplatz innerhalb des Songs. Da die Funktion innerhalb eines Songs beliebig häufig verwendet werden kann, kann man mit „Repeat“ aber auch Takte sparen: Statt achtmal das gleiche Pattern für die Strophe hintereinander zu programmieren, kann man es einmal einfügen und achtmal wiederholen. Dadurch werden am Ende nur drei statt acht Takte belegt – Wiederholungszeichen Anfang, Pattern, Wiederholungszeichen Ende.

MIDI-Funktionen

Über MIDI-Clock lässt sich die Yamaha RX21 zu anderen Geräten synchronisieren und kann auch als Master arbeiten. Auch die Sounds der RX21 können über MIDI extern getriggert werden, wobei die Maschine sogar Velocity erkennt. Der eingebaute Sequencer sendet aber keine MIDI-Daten. Per Sys-Ex-Dump lässt sich der Speicherinhalt extern sichern und wiederherstellen.

Fazit

Die Yamaha RX21 Drum Machine ist die kleinste und einfachste Vertreterin der Yamaha RX-Serie. Ihre neun gesampelten Sounds sind nicht veränderbar und klingen wenig druckvoll. Jenseits aller Nostalgie wirken sie aus heutiger Sicht nicht mehr wirklich brauchbar, es sei denn, man sucht nach genau diesem Sound. Kleine Pluspunkte sind die flexibel einstellbaren Pattern-Längen und -Auflösungen sowie die für jedes Instrument gesondert regelbare Akzent-Stärke. Aber das kann nicht darüber hinweg täuschen, dass die RX21 einen stark eingeschränkten Funktionsumfang und einen insgesamt recht pappigen Sound hat, sodass sie auch als günstiges Flohmarktgerät wenig attraktiv erscheint. Mit einer der „größeren“ RX Drum Machines ist man deutlich besser bedient.

Yamaha RX21 Samples zum Download

Hier könnt ihr euch Samples und Loops der Yamaha RX21 herunterladen. Unser RX21 Sample-Paket enthält die Einzelsounds als WAV-Files und alle 40 Preset-Patterns in den Formaten WAV, REX (RX2) und Apple Loops (CAF). Viel Spaß!

  • PRO
  • Accent Level pro Instrument einstellbar
  • flexible Pattern-Länge und Auflösung
  • Kopierfunktion für Patterns
  • Songmodus mit Wiederholungsfunktion
  • CONTRA
  • klanglich recht einseitig, Sounds nicht editierbar
  • keine Einzelausgänge
  • rudimentäres Display
  • kein Ride-Becken
  • FEATURES
  • Erscheinungsjahr: 1986
  • Klangerzeugung: Samples
  • 9 Sounds: Bassdrum, Snaredrum, 3x Tom, Hi-Hat closed und open, Crash Cymbal, Clap
  • programmierbarer Akzent, Stärke pro Instrument einzeln regelbar
  • 56 Speicherplätze für User-Patterns
  • 44 nicht überschreibbare Preset Patterns, darunter 4 leere Breaks
  • 4 Songs, 512 Takte insgesamt
  • Anschlüsse: Stereo Out (L/MONO – R), Kopfhörer, Tape In/Out (8-pol DIN), MIDI In/Out, Netzteil
Veröffentlicht am 14.07.2015

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Accent Level pro Instrument einstellbar
  • flexible Pattern-Länge und Auflösung
  • Kopierfunktion für Patterns
  • Songmodus mit Wiederholungsfunktion

  • klanglich einseitig, Sounds nicht editierbar
  • keine Einzelausgänge
  • rudimentäres Display
  • kein Ride-Becken

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