Test
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07.05.2019

Insgesamt klingt das WA-84 warm und dick

Um die klanglichen Eigenschaften der Warm Audio WA-84 beurteilen zu können, habe ich sie jeweils mit dem einzelnen KM 84 in Monosetups sowie mit den beiden KM 184 in Stereo verglichen. Alle Mikros kamen an der akustischen Gitarre, als Overheads sowie als Hi-Hat- und Ride-Mikros zum Einsatz. Nach dem Abhören der Soundfiles ist klar: Das WA-84 klingt wirklich, wie der Firmenname vermuten lässt, nämlich sehr warm und rund, mit ordentlich Gewicht in den unteren Mitten. Gleichzeitig ist es erstaunlich, wie unterschiedlich alle drei Mikrofone klingen, eine Zahl in der Produktbezeichnung scheint also nicht automatisch für akustische Gemeinsamkeiten zu sorgen. Hören wir uns zunächst mal die Resultate an der Akustischen an. 

Milde Höhen und großer Korpus an der Akustischen

Zunächst lade ich meinen Kollegen Michael Krummheuer ein, damit er mir mit seiner Baton-Rouge-Dreadnought das nötige „Futter“ für den Vergleich der Mikrofone an der Akustischen liefert. Zunächst baue ich nacheinander ein XY-Stereosetup mit den beiden WA-84 sowie den modernen KM 184 auf. Die erste Disziplin ist das Strumming und schon im Kopfhörer wird klar, was die beiden Mikros unterscheidet. Die WA-84 wirken deutlich dicker in den Mitten, gleichzeitig erscheinen die Plektrumanschläge verrundet und unaggressiv. Wesentlich drahtiger, aber auch etwas plastischer präsentieren sich die KM 184. Noch anschaulicher wird der klangliche Unterschied beim Picking. Während die WA-84 untenrum förmlich „schieben“, bleiben die Neumänner luftig und fokussieren die hohen Klanganteile viel stärker. Gleichzeitig sind sie schneller und exakter in der Transientenverarbeitung, was vermutlich auf den fehlenden Transformator zurückzuführen ist. Wir sind uns einig, dass hier klar die musikalische Vision diktiert, welches Mikrofon passender ist. Das WA klingt durch das Gewicht im Mittenbereich „kompletter“, das KM dürfte sich im Kontext besser durchsetzen. 

Weil das KM 84 eben nur einmal zur Verfügung stand, könnt ihr im nächsten Durchlauf einen Monovergleich aller drei Mikros hören. Sie waren dabei im Abstand von etwa 40 Zentimetern auf den zwölften Bund ausgerichtet. Die Ergebnisse zwischen WA-84 und KM 184 bestätigen sich natürlich, umso spannender ist aber der dritte im Bunde. Warum das 84er so beliebt ist, wird bei den ersten Tönen deutlich. Es verbindet die Solidität in den Mitten mit einer Präzision und Räumlichkeit in den Höhen, die wirklich großartig klingen. Im Vergleich wirkt das WA-84 etwas plump, das KM 184 etwas zu drahtig und weniger greifbar in den Mitten. Trotzdem gibt es für jede Charakteristik einen Einsatzbereich und gerade das, was Warm Audio bei ihrem WA-84 „beefy“ nennen, gibt es eben bei den meisten anderen Kleinmembranern in dieser Form nicht. 

Overheads: Toms profitieren vom bassbetonten Sound des WA-84

Dass der Bass- und Mittenbereich der WA-84 gut im Overhead-Einsatz funktioniert, war nach den Erfahrungen an der Akustischen abzusehen und so kommt es dann auch. Das verwendete Kit besteht aus einem alten Yamaha Recording aus den 70ern mit dünnen Kesseln in 22x14, 12x8 und 16x16 sowie einer Tempest-Bellbronze-Snaredrum. Bei den Becken habe ich eine alte Zildjian-K-Hat in 14 Zoll gewählt, das Crash ist ebenfalls ein 18er-K und das Ride ein Paiste Traditional in Mediumstärke. Für eine bessere Vergleichbarkeit aller drei Mikros kommt wieder eine Monoanordnung zum Einsatz, das Mikro hängt jeweils einen Meter über der Snare und zeigt etwa auf mein Knie. Das WA-84 macht einen sehr guten Job, indem es den Fokus eher auf die Trommeln richtet und ihnen dadurch einen sehr ausgewogenen Ton bescheren. Besonders Drummer und Tonleute, die auch gerne mal die Tommikros weglassen, werden hier sehr gute Ergebnisse erzielen, wenn die Stimm- und Spielbalance passen. 

Wie erwartet, fokussiert das KM 184 mehr auf die Becken und die Details im oberen Register, es schimmert dadurch etwas mehr und wirkt auch hier wieder etwas präziser. Das KM 84 gewinnt jedoch auch hier, neben der wirklich hervorragend ausgewogenen Darstellung der Becken fällt mir auch der plastische und direkte Tomsound auf. In den letzten beiden Soundfiles könnt ihr euch noch einmal das WA-84- und das KM 184-Stereoset im Vergleich anhören. Mir gefällt der sanftere Hi-Hat- und Beckensound der WA-84 hier etwas besser als die präsenteren KM 184. Das ist jedoch ganz zweifellos eine Geschmackssache und keine Wertung. Insgesamt gilt: Tolle Overhead-Aufnahmen dürften mit allen drei Mikrofontypen gelingen.

Ausgewogen an Hi-Hat und Ride

Ein bevorzugtes Einsatzgebiet von Kleinmembranstäbchen sind natürlich Becken und Hi-Hats. Besonders die KM 84 gelten hier als wahre Wunderwerkzeuge, die zwar alle Details einfangen, aber eben nicht aggressiv und harsch klingen. Ein Thema sind natürlich auch immer die seitlichen Einsprechungen anderer Instrumente, und auch hier gelten die Neumänner als vorbildlich, weil sie jenseits der Einsprechachse nur wenig färben. Im Einsatz an der Hi-Hat zeigt sich, dass auch das WA-84 in der Lage ist, einen ausgewogenen und unaggressiven Sound zu übertragen. Auch die Übersprechungen ähneln jenen des KM 84, insgesamt ist dieses aber eine Spur differenzierter. Im ganzen Kit werden die Unterschiede natürlich deutlich schwerer heraushörbar. Beim Ride zeigen sich dieselben Charakteristika, hier gefällt mir das KM 84 jedoch auch im Kit besser, alles wirkt etwas straffer. Aber trotzdem muss man dem WA-84 auch in diesen Einsatzbereichen Respekt zollen, die Teile klingen wirklich gut.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • ausgewogener, „großer“ Klang
  • sehr angenehme Höhenübertragung
  • gute Verarbeitung und Komponenten
  • komplette Ausstattung
  • günstiger Preis

  • keins

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