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12.01.2018

Workshop Korg Pa4X-Serie OS 2.0 #4: Sequencer

Sequencer-Grundlagen und Midifile-Bearbeitung

Midifiles detailliert bearbeiten ohne Computer

Die Keyboards der Korg Pa4X-Serie (auch Pa1000, Pa700 und vorherige Pa-Modelle) verfügen über vier Modi, zwei zur live-Performance (STYLE PLAY und SONG PLAY) und zwei zur Programmierung (SEQUENCER und SOUND). Der heutige Workshop, in dem es um die Handhabung des Sequencers und die Bearbeitung von Midifiles geht, ist daher zum größten Teil auch auf ältere Pa-Modelle anwendbar!

Hinter der Taste „Sequencer“ im Modus-Auswahlbereich verbirgt sich eine riesige Funktionalität zur Bearbeitung und auch Erstellung von Midifiles. Ich selbst benötige daher nur in ganz seltenen Fällen die Unterstützung eines Computerprogramms bei der Midifile-Bearbeitung.

Ich möchte euch nun nachfolgend die verschiedenen Menüseiten und Funktionen des Sequencer-Modus erklären und dabei meine Tipps zur Midifile-Bearbeitung geben. Ein kleines Wörterbuch zur Übersetzung diverser Fachbegriffe findet ihr am Ende des Workshops.

Kompatibel kann dieser Workshop auch für die folgenden Korg Pa-Serien Keyboards verwendet werden:

Teilkompatibel ist dieser Workshop mit den folgenden Korg Pa-Serien Keyboards:

  • Pa2X
  • Pa800

Details

1) Hauptseite

Nach Druck auf SEQUENCER zeigt das Display eine erste Seite mit acht Midifile-Spuren. Die Taste „TRK SEL“ (Track Select) links unter dem Display wechselt die Ansicht zu den Spuren 9-16. Beachtet dabei auch die optische Anzeige der LEDs ganz links neben den Schiebereglern. So seht ihr immer, auf welcher Track-Seite ihr euch gerade befindet, auch wenn das Display einmal nicht die Tracks (Midifile-Spuren) anzeigt.

Mit Tippen auf NEWSONG oder Druck auf die SELECT-Taste im PLAYER 1 gelangt ihr zur HD, SD-Karte oder USB-Stick, woraus ihr nun ein Midifile aussuchen und mit der Displaytaste LOAD in den Sequenzer laden könnt.

Anmerkung: In dem „Song Selection“-Auswahlfenster hilft die Taste LOCATE dabei, das zuletzt angewählte File des SONG PLAY Modus zu finden

Nach dem Einladen des Files könnt ihr den Song mit der Starttaste des Player 1 starten. Die Tracks, die nun Daten enthalten (Noten oder Controllerdaten) blinken nach dem Start grün.

In diesem Display kannst du nun:

  • Sounds ändern/tauschen durch Tippen auf das entsprechende Symbol, danach aus dem Soundvorrat wählen (mit EXIT kommt man immer wieder zurück auf die erste Seite).
  • Spuren Stumm schalten durch Tipp auf den Lautstärkeschieber im Display.
  • Lautstärken ändern mit dem Schiebereglern oder im Display.

Praxis Tipps:

  • Alle Lautstärken gleichzeitig ändern: SHIFT halten & einen der Lautstärkeschieber bewegen.
  • Spuren SOLO hören: SHIFT halten & Spur oder Symbol antippen. Gleicher Vorgang, um SOLO wieder auszuschalten.

Alle diese Änderungen kann man bei laufendem Song vornehmen. Setzt man den Song zurück zum Anfang mit der I< -Taste, werden diese Änderungen bereits temporär gespeichert. Möchtest Du den Song ab einem bestimmten Takt starten, aktivierst Du die Option neben „Start from Measure“ und gibst eine Taktzahl ein. Die Reset-Taste I< springt dann immer zu diesem Takt. Passiert es jedoch, dass neue Lautstärken und/oder Soundwechselbefehle ignoriert werden und immer wieder der alte Zustand hergestellt wird, müssen diese Befehle von Hand gelöscht werden und somit sind wir im …

 

2) Event Editor

Der Druck auf die MENU-Taste zeigt euch eine Reihe von Bearbeitungsmenüs, die denen eines Computerprogramms sehr nahekommen. 

Hinter „Event Edit“ verbirgt sich die Ansicht aller Ereignisse (Events) einer einzelnen Spur. An einer Reihe sauber aufgelistet sieht man hier alle Daten einer Spur, Noten, diverse Controllerdaten, Programmwechsel-Befehle. Jetzt seid ihr wirklich an der Wurzel des Midifiles!

Tippt einmal auf „Filter“ und wählt nun alle Optionen an außer „Program Change“.

Nun wieder „Event Edit“ tippen. Solltet ihr nun hier einen Soundwechsel-Befehl finden (Prog), löscht ihr diesen mit „Delete“. Prüft nun, ob weitere „Prog“-Events im Song zu finden sind, indem ihr mit „Track“ die einzelnen Spuren aussucht.  

Hartnäckige Lautstärkebefehle löscht ihr wie folgt: sucht am Anfang der problematischen Spuren nach „Ctrl 7“ oder nutzt zur besseren Übersicht wieder die Filterfunktion und spart dabei „Control Change“ aus. Nach der Bearbeitung schaltet ihr alle Filteroptionen wieder aus. 

Wieder zurück auf der Event-Edit-Seite tippt ihr einmal auf einen Notenbefehl, dieser wird sofort mit Lautstärke und Tonhöhe wiedergegeben.

  • In der Spalte „Position“ könnt ihr einzelne Noten woanders platzieren
  • Value1 zeigt die Tonhöhe
  • Value2 die Anschlagsstärke (Velocity)
  • Length zeigt die Dauer/Länge einer Note

Alle diese Werte können bequem geändert werden. Event-Edit-Änderungen solltet ihr jedoch nur mit einiger Erfahrung in der Midifile-Programmierung tun.

  • Go/Catch leitet zu einem bestimmten Takt in der Spur, ein Herunterscrollen ist oft mühselig und ungenau
  • Insert fügt einen neuen Befehl ein (Note, Controller usw.), z.B. ein „vergessenes“ Crash-Becken auf einer „Eins“ kann so rasch nachträglich programmiert werden
  • Delete löscht ein beliebiges Event
  • Die Dreiecktaste rechts oben zeigt den Befehl „Solo Track“, um die gerade sichtbare Spur solo zu hören
  • Undo macht die letzte Änderung rückgängig

2.1) Event Edit - Master-Spur

Tippt einmal auf das Track-Fenster links unten und wählt die Master-Spur ganz am Ende Liste aus. Falls ihr das Tempo eines Songs ändern wollt, könnt ihr das hier tun. Auch können mehrere Tempobefehle eingefügt werden (z.B. am Ende eines Songs für ein Ritardando).

Auch könnt ihr hier mit „Insert“ einen Volume-Befehl eingeben, der sich auf den ganzen Song bezieht.

Anmerkung:  Im Hauptfenster aktiviert „Auto“ den Tempobefehl der Masterspur, „Manual“ setzt ihn außer Kraft und ihr könnt das Tempo manuell eingeben.

3) Mixer & Tuning

In diesem Menü geht es nun in eine detailreiche Bearbeitung, wie man sie von einem richtigen Mischpult her kennt. Hinter „Mixer & Tuning“ verbergen sich einige Untermenüs, die ihr über die Reiter am unteren Displayrand aufrufen könnt:

3.1) Volume & Pan

Hier werden wie am Mischpult Lautstärkeverhältnisse eingestellt (wie auch auf der Hauptseite). Ebenfalls kann für jede Spur das Stereopanorama eingestellt werden. Drums, Bass und Flächensounds (Pads) sollten in der Mitte positioniert sein, sehr ähnliche Begleitspuren (z.B. zwei Gitarren) sollte man im Stereobild deutlich trennen. Extreme Stereoeinstellungen mögen im Studio oder Wohnzimmer interessant sein, auf der Bühne kann eine extreme Einstellung jedoch dazu führen, dass die Zuhörer ein Instrument nicht wahrnehmen, wenn sie sich seitlich vor der Bühne aufhalten. Nutzt also Pan-Einstellungen immer dem Zweck entsprechend.

Die Option „Dry“ (trocken) schaltet das Originalsignal aus. Man hört dann nur noch das über „FX Send“ weiter geleitete Signal. Das kann z.B. bei Orgelsounds sinnvoll sein, bei denen man nur den Rotary-Effekt (Master FX, siehe Punkt 4) hören möchte und nicht mehr das Originalsignal. Zu den Effekten später mehr.

3.2) Insert FX

Neben den drei Master-Effekten (siehe Punkt 4) stehen noch vier weitere so genannte Insert-Effekte zu Verfügung. Diese werden direkt auf einer Spur eingeschleift und beeinflussen keine andere Spur. Somit können bis zu vier Spuren mit zusätzlichen Effekten belegt werden. Falls nötig, haben auf einer Spur auch zwei Effekte Platz (Insert FX1 und Insert FX2)! Mit ON-OFF aktiviert man einen Effekt, mit dem Tipp darunter gelangt man in die Effektauswahl.

143 verschiedene Effekte stehen für die weitere Klangformung zur Verfügung. Jeden Effekt im Detail zu beschreiben, würde diesen Workshop sprengen, daher gebe ich nur ein paar Anregungen:

  • Orgel mit zusätzlichen Leslie-Effekt (MOD: Rotary Speaker)
  • Gitarre mit Verstärkersimulation (AMP: GuitarAmp + Cabinet)
  • Bassgitarre mit Verstärkersimulation (AMP: BassTubeAmp+Cab.)
  • Bläser mit mehr Raumklang (REV: Reverb Room)
  • "Strahlen“ eines Sounds (FILT: P4EQ - Exciter)
  • Spezialeffekte: Talking Modulator, Grain Shifter, Scratch …

 

Eine Besonderheit gibt es für die DRUMS:

Wählt einmal die Drum-Spur an, drückt dann „DF“ über der ON-OFF Taste. Ihr seht nun alle Instrumente (Drum Family) und könnt hier einem einzelnen Instrument dieser Familie einen Effekt zuweisen. Ich habe beeindruckende Ergebnisse erzielt mit einem Kompressor (DYN: Stereo Compressor) auf der Snare oder Bassdrum, probiert hier auf jeden Fall einmal herum! Drückt erneut „DF“, um wieder ins ursprüngliche Menü zu gelangen.

3.3) FX Send

Die drei Master-Effekte des Sequencers (siehe Punkt 4) steuert ihr in diesem Display an. Meist sind bereits die Standard-Effekte Hall, Chorus und Delay den Master-Effekten zugeordnet, natürlich geht auch jeder andere Effekt. Mit den Drehreglern auf der FX-Send-Seite könnt ihr wie beim richtigen Mischpult jeder Spur einen bestimmten Anteil am Effekt zuordnen.

Praxis-Tipp.  Ein paar Mix-Ideen für Midifiles:

  • Bassklänge sollten, damit sie druckvoll und knackig klingen, keinen oder zumindest wenig Hallanteil oder Chorus erhalten. Ich setze eher einen Insert-Effekt ein (Verstärker-Simulation, s.o.)
  • Drums halte ich auch immer sparsam mit Halleffekten (sofern keine Ballade), viele Drumkits besitzen auch bereits einen Raumanteil (Ambient-Kits)
  • Den Blasinstrumenten und Perkussionsklängen gebe ich gern etwas Raumklang (Room-Hall), diese Sounds werden dadurch etwas plastischer
  • Perkussive Synth-Spuren gewinnen durch ein rhythmisches Delay (z.B. Stereo BPM Delay)
  • Streicher, Flächensounds und E-Pianos vertragen eine Prise Chorus

Auch in diesem Menü gibt es wieder die Drum-Family-Taste! Gebt hier bspw. nur den Congas etwas Raumhall oder probiert einmal ein Delay für die Snaredrum.

Anmerkung:  Wenn die drei Master- und die vier Insert-Effekte für das Midifile nicht genügen, habt ihr die Möglichkeit, alternativ für eine oder mehrere Spuren die zwei Effekte der Spielspuren (FX B) zu nutzen, siehe Punkt 4. Tippt hierzu auf das kleine „A“ und ändert es zu „B“)

3.4) EQ Gain

Der Klang-Feinschliff findet hier statt. Ihr müsst aber kein Tontechniker sein, um diesen Equalizer zu bedienen. Bässe - Mitten - Höhen, alles klar! Da sich oft Keyboardsounds im Midifile mit einigen Frequenzen überlagern, könnt ihr hier sinnvoll ausdünnen!

Praxis-Tipp

  • Um mehr „Luftigkeit“ und Transparenz in den Midifilesound zu bekommen, könnt ihr z.B. alle Spuren, die wenig oder keinen Bassanteil haben, mit dem Low-Gain-Regler bearbeiten. Einfach mutig herunter regeln. Auch wenn man vielleicht kaum etwas wahrnimmt, schafft die Summe der herunter geregelten Low-EQs mehr Raum für den Bass, den ihr hier nun mit dem Low-EQ etwas anschieben können! 
  • Etwas sägende Synth- oder Gitarrensounds mit dem Mitten-EQ entschärfen
  • Streicherklänge ebenfalls mit Rücknahme des Mitten-EQs weicher klingen lassen
  • Becken und HiHats in der Drumspur mit dem Hi-EQ brillanter machen
  • Klavierklänge ebenfalls mit Mid- und Hi-EQ zu mehr Durchsatz verhelfen

Denkt daran, dass ihr nicht konsequent alle Spuren mit dem EQ „anschieben“ könnt, ihr solltet im Gegenzug auch hier und da etwas zurücknehmen, um Raum für einen anderen Klang zu schaffen. Gelingt ein Mix partout nicht, wählt auf einer Spur einmal einen ähnlichen anderen Sound, denn auch die Klänge bringen ja ganz typische Frequenzen mit.

3.5) EQ Control

Habt ihr euch auf der EQ-Gain-Seite „vermixt“, könnt ihr hier alle Spuren gleichzeitig neutralisieren (Reset - All Tracks) oder auch nur eine Spur (Reset). Die Aktivierung der Option Bypass zeigt euch die Spur ohne EQ-Bearbeitung, also zum A-B-Vergleich. Input Trim ist nochmal eine Lautstärke-Einstellung, lasst diese wie voreingestellt bei 99.

3.6) Tuning

Sind Pitchbend-Befehle im Midifile programmiert, stellt ihr mit „Pitch Bend Sens“ - auch nachträglich - den Bereich an Halbtönen ein, in dem das Bending (also die Joystick-Bewegung) wirken soll. In der Regel sind sinnvolle zwei Halbtöne eingestellt.

Mit „Oct. Transpose“ könnt ihr Spuren, die zu hoch oder zu tief klingen, in der Oktavlage verändern.

„Detune“ verstimmt in kleinen Schritten die Spuren. Natürlich will niemand ein verstimmtes Instrument hören, aber versucht einmal, zwei sehr ähnliche Instrumente (z.B. zwei Gitarren oder Bläsersounds) ganz minimal (!) gegeneinander zu verstimmen. Diese werden anschließend im Mix besser voneinander unterschieden.

3.7) Sub Scale

Dieses Menü dient der Stimmung der Tasten untereinander. Gerade orientalische Musik kann so außerordentlich stilecht programmiert und wiedergegeben werden. Auf der dargestellten Tastatur stimmt oder verstimmt man einzelne Töne der Tonleiter und weist diese Stimmung/Verstimmung mit „Track Assign“ einer oder mehreren Spuren zu. 15 Presets für eigene Stimmungen findet man unter „Quarter Tone“.

4) Master Effects

Hier auf der Seite „FX A“ seht ihr drei Effekt-Slots, die ihr für das Midifile benutzen könnt. Stellt drei Effekte ein, die für das File sinnvoll sind und steuert diese Effekte über die FX Send-Regler an (siehe Punkt 3.3). Die zwei Master-Effekte „B“ sind eigentlich den Spielspuren vorbehalten, über „FX Send“ könnt ihr diese Effekte aber auch für euer Midifile nutzen (siehe Punkt 3.3).

5) Track Controls

5.1) Mode

Internal/External gibt an, wo eine Spur klingen soll. Dies ist wichtig bei Einsatz eines externen Soundmoduls o.ä.

  • Internal: die Spur wird nur im Keyboard wiedergegeben
  • External: die Spur geht nur am Midi-Ausgang raus, die Keyboardspur ist stumm (hier wird in der obersten Zeile sofort die Programmnummer angegeben)
  • Both: die Midispur klingt am Keyboard und am Midi-Ausgang

Unter Type entscheidet man, wie sich ein Klang verhalten soll bzw. ob es sich um eine Drum-Spur handelt (das ist wichtig, wenn man den Drum-Editor für diese Spur einsetzen möchte).

  • Drum: Drum-Spur, Drum-Edit möglich
  • Poly: „normale“ polyphone Spur
  • mono: monophone Spur, z.B. für Synth-Soloklänge
  • Mono R.: monophone Spur, Taste rechts hat Priorität
  • Mono L.: monophone Spur, Taste links hat Priorität

5.2) Drum Edit

Bei Drum-Spuren kann der vielseitige Drum-Editor eingesetzt werden. Dieses Werkzeug dient dem Feinschliff einer Schlagzeugspur. Die Veränderungen können bei laufendem Song vorgenommen werden. Mit RESET werden Veränderungen rückgängig gemacht:

  • Current Family: Das derzeit eingestellte Instrument
  • All Families: Das komplette Schlagzeugset

In diesem Editor (den es übrigens genauso auch im Style-Modus gibt), kann für jede Instrumentenfamile eine Vielzahl an Parametern verändert werden: die Lautstärke, die Hüllkurve (Attack & Decay), Filter (Cutoff & Resonance), Stimmung (Fine Tune & Coarse Tune), 3-Band Equalizer sowie der Raumklang (Ambience, nur bei „Amb“-Drumkits).

Praxis-Tipp

Bei Ambience-Drumkits bearbeite ich oft die Bassdrum und regle den Ambience-Anteil etwas herunter, um die Bassdrum mehr nach vorn zu bringen und knackiger zu machen. Mit dem Decay-Regler nehme ich ab und zu Einfluss auf elektronische Bassdrums, die entweder zu viel oder zu wenig „wummern“. Zu aufdringliche Tamburin-Programmierungen regle ich mit Volume in der siebten Drum-Kategorie herunter. Die Ambience-Toms klingen durch den Raumklang sehr realistisch, trotzdem nehme ich nach Geschmack oft etwas Ambience heraus.

5.3) Sound Edit

Auch alle anderen Spuren lassen sich mit einigen Parametern weiter formen. Es stehen auch hier Hüllkurven-Parameter zur Verfügung (Attack, Decay, Release), Filter (Cutoff & Resonance) sowie eine Vibrato-Funktion (LFO) und sogar eine Portamento-Funktion, die man mit der Optionstaste aktiviert und die Stärke mit dem Regler festlegt. Auch in diesem Menü kann man wieder sämtliche Klangformungen rückgängig machen (Reset Track & Reset All Tracks).

Praxis-Tipp

Mit dem Release-Parameter versehe ich oft Gitarren oder auch Bass-Spuren, die zu kurz programmiert wurden und/oder abgehackt klingen. Einige Electro-Bassklänge bearbeite mit mit der Filterfunktion, Solo-Synth-Linien erhalten einen kleinen Teil Portamento.

6) Song Edit

Bearbeitungsmöglichkeiten, wie man sie von einem Computerprogramm kennt, findet man in diesem Menü. Da der Funktionsumfang sehr groß ist, möchte ich mich mit zu vielen Details zurückhalten. Im Einzelnen seien aber die Untermenüs wie folgt erklärt:

6.1) Quantize

Eine der gängigsten Funktionen der Bearbeitung ist das Quantisieren, das „Geraderücken“ von Notenwerten auf ein vorgegebenes Raster. zunächst ermittelt man den kürzesten Notenwert in dem entsprechenden Track, z.B. Sechzehntel, danach wird die Quantisierung auf diesen Wert eingestellt (Resolution). Die Buchstaben b bis f hinter dem Notenwert bedeuten eine Swing-Quantisierung in unterschiedlicher Stärke! Probiert ruhig alles aus, denn mit Undo (unter der Dreiecktaste) könnt ihr den letzten Befehl immer rückgängig machen.

Mit „Start Tick & End Tick“ bestimmt man den Bereich, der quantisiert werden soll, mit „Bottom & Top Note“ kann man auch nur bestimmte Druminstrumente (z.B. HiHat) oder einzelne Töne quantisieren!

6.2) Transpose

Eine wichtige Funktion! Hier transponiert ihr einzelne Spuren oder auch - was wohl öfter der Fall ist - einen ganzen Song. Wählt dazu unter Track: „All“ und aktiviert „Include Chords“, falls das Midifile Akkordinformationen enthält.

Mit Value bestimmt ihr die Anzahl der Halbtöne, um die das File rauf oder runter transponiert werden soll. Auch könnt ihr hier wieder einen Bereich oder nur ganz bestimmte Töne transponieren.

Praxis-Tipp 1

Beim Heruntertransponieren gerät der Bass oft unter E1 und klingt zu tief. Hebe mit „Bottom Note: C-1 und Top Note: D#1“ und dem Value „+12“ alle Töne unter E1 wieder in die richtige Oktave!

Praxis-Tipp 2

Jedes Drumkit bringt i.d.R. vier Bassdrums mit, C2, B1, G0 und E0. Ist bspw. eine B1-Bassdrum programmiert und die C1 gefällt besser, transponiere mit „Bottom Note: B1 und Top Note: B1“ und dem Value „+1“ alle B1-Noten zu C1!

Praxis-Tipp 3

Ein Song in C-Dur klingt im letzten Refrain ab Takt 100 zwei Halbtöne höher in D-Dur, Dein Gesang will nun aber nicht mehr passen. Transponiere mit „Track: All - Include Chords - Value -2 - Start Tick: 100.01.000 - End Tick: (bis zum Ende drehen) - Bottom Note: C-1 - Top Note: G9“ den Song ab Takt 100 um zwei Halbtöne nach unten. Der Song klingt nun komplett in C-Dur!

6.3) Velocity

Ändert in diesem Menü die Anschlagsstärke einzelner bzw. aller Spuren oder auch nur eines einzelnen Drum-Instruments! Dieses Menü sollte euch mit seinen Parametern bereits vertraut vorkommen: mit Track die Spur auswählen, mit Value den Wert der Erhöhung/Verringerung einstellen sowie einen Bereich einstellen, in dem geändert werden soll (Start und End sowie tiefste und höchste Note).

Praxis-Tipp

Manchmal klingt ein Song trotz maximaler Volumen-Erhöhung immer noch schlaff, die Drums z.B. haben wenig Druck. Dies ist oft ein Zeichen von zu wenig Velocity. Kontrolliere im Event-Editor (siehe Punkt 2) die Velocity der Spuren (bspw. der Bass- oder Schlagzeugspur). Scrolle ein bisschen herunter und lies die Zahlen neben den Noten unter Value2. Eine Bassgitarre oder ein Schlagzeug klingt so ab Velocity-Wert 100 erst richtig satt und druckvoll. Solltest Du nun Werte deutlich unter 100 lesen, erhöhe diese Werte nach Geschmack wie oben beschrieben. Klingt z.B. nur EIN Drum-Instrument zu leise, grenze dieses ein mit Bottom- und Top-Note und erhöhe die Velocity dieses einzelnen Instruments.

Anmerkung:  Die maximale Velocity ist 127!

6.4) Cut & Insert

Die Funktion „Cut Measure“ löscht Takte aus einem Song. Gebt einen Startpunkt ein, ab dem gelöscht werden soll sowie die Anzahl der Takte, die gelöscht werden sollen. Es entsteht kein leerer Bereich, die Lücke wird geschlossen.

„Insert Measure“ fügt Takte ein ab dem Startpunkt, den Sie bestimmen. Gebt eine Länge (und bei Bedarf auch die Taktart „Meter“) an. Hierbei entstehen Leertakte, die ihr z.B. im Sequencer-Record-Modus (siehe Punkt 8) füllen könnt.

Alle Aktionen können auch hier mit Undo rückgängig gemacht werden.

6.5) Delete

„Delete“ löscht den Inhalt einzelner Spuren, Bereiche einzelner Spuren, einzelne Noten und mit der Auswahl unter „Event“ auch Controllerbefehle (z.B. überflüssige Aftertouch-Werte), doppelte Noten, Programmwechsel-Befehle und vieles mehr. Das alles natürlich wieder in einem festgelegten Bereich (Start - End)

6.6) Copy

Mit Copy werden Spuren oder auch nur bestimmte Bereiche kopiert. Start- und Endpunkte werden wie zuvor beschrieben festgelegt sowie eine Anzahl von Wiederholungen (Repeat Times). Beim Kopieren achtet darauf anzugeben, ob die Daten der Zielspur überschrieben (Overwrite) oder zusammengefügt/vermischt werden sollen (Merge).

6.7) Move

Mit diesem Befehl können Bereiche einer Spur an eine andere Stelle der Spur bewegt werden. Die Arbeitsweise ist ähnlich wie Copy.

6.8) Utility

Pa-Keyboards besitzen seit den ersten Modellen die sogenannten RX-Sounds. Vor allem Gitarrensounds (in den nicht mehr spielbaren oberen Oktaven) sind mit allerlei typischen Rutsch-, Kratz- und Klopfgeräuschen versehen. Diese kann man in einem Style oder Midifile von Hand einfügen oder mit diesen Automationen per Knopfdruck generieren. Voraussetzung ist ein Sound auf der Spur (RX oder auch DNC), der solche Spezialsounds innehat. Wählt einen entsprechenden Track, bestimmt mit der Velocity die Lautstärke dieser Effektsounds und drückt Execute. Probiert auch hier mit verschiedenen Sounds herum!

Detect Chords:  Midifiles, in denen keine Akkordangaben zu lesen sind, können mit dieser Funktion mit Akkorden versehen werden. Eine Automatik „liest“ aus den Spuren die Akkorde und fügt diese in das Midifile ein. Diese Akkorde sind dann im SONG PLAY-Modus auf der Text/Lyrics-Seite zu sehen.

7) Voice Preset

Hier im Sequencer Modus habt ihr Zugriff auf den eingebauten TC-Helicon Vocalist. Ihr könnt ein passendes Preset für spätere Verwendung aussuchen bzw. ein neues erstellen, welches zu eurem Song passt. Verknüpft wird das Vocalist-Preset mit dem Midifile später im Songbook (siehe Workshop Korg Pa4X-Serie OS 2.0 #3: SongBook, die Schaltzentrale).

8) RECORD-Modus

Ein Druck auf den RECORD-Taster im Sequencer-Modus bringt drei weitere Optionen zum Vorschein. (Da diese Werkzeuge aber eher zur Neuprogrammierung von Files und nur entfernt zur Midifile-Bearbeitung gehören, möchte ich hier erst in einem weiteren Workshop mehr ins Detail gehen).

8.1) Multitrack Sequencer

Bestätigt mit OK. In diesem Display könnt ihr bestehende Midifiles im Multifrack-Verfahren mit zusätzlichen Spuren versehen oder auch Teile einer Spur neu spielen. Die live-Recording-Funktionen Overdub, Overwrite, Auto-Punch und Pedal-Punch stehen euch zur Verfügung, ebenso die Step-Record-Funktionen Overdub und Overwrite, die ihr über die Dreieckstaste erreicht. Auch könnt ihr euer live-Spiel bereits bei der Aufnahme quantisieren (Resolution).

Ein weiterer Druck auf die RECORD-Taste bringt euch wieder zurück in den Bearbeitungsmodus.

8.2) Backing Sequence (Quick Record)

Dies ist sicherlich die einfachste Methode, ein Midifile herzustellen. Eigentlich befindet ihr euch nun im Style-Bereich, denn mit einem Druck auf Start könnt ihr den angewählten Style ganz normal spielen mit allen Breaks, Fills, Pads, Soundwechseln und sogar der KAOSS-Funktion.

Alles wird aufgezeichnet und auf den 16 Sequencer-Spuren abgelegt. Nach Beendigung der Aufnahme könnt ihr euer Style-Spiel wie zu Beginn beschrieben bearbeiten, denn euer Spiel wurde nun zu einem Midifile gewandelt.

8.3.) Step Backing Sequence

In diesem Modus könnt ihr ‚Schritt für Schritt‘ und ‚Akkord für Akkord‘ eine Sequenz bzw. ein Midifile herstellen. Was ihr dabei alles programmieren könnt, zeigt euch das Display: Style, Tempo, Akkord/Harmonie, Style-Variationen, Files usw. Mit dieser Step-Funktion können sehr einfach z.B. komplizierte Akkordfolgen und/oder exakte Performance-Details programmiert werden. „Done“ bringt euch wieder auf die Hauptseite zurück.

9) Speichern nicht vergessen

All eure Bearbeitungen wurden bisher temporär gespeichert, d.h. die Bearbeitungen, die ihr bisher gemacht habt, befinden sich nur im Arbeitsspeicher! Um diese dauerhaft zu speichern, tippt die Dreiecktaste an und wählt „Save Song“, danach SAVE. Gebt nun einen neuen Namen ein, wenn ihr die Originaldatei nicht überschreiben wollt und bestätigt mit OK - YES.

Praxis-Tipp

Wenn ihr ein Midifile bearbeitet und dann gespeichert habt, hilft euch der Doppel-Sequencer dabei, einen komfortablen A-B-Vergleich zu machen. Ladet in Player 1 das originale Midifile und in Player 2 das bearbeitete File. Schiebt dann den X-Fader ganz nach links. Jetzt SHIFT halten und eine der Start-Tasten drücken: beide Player starten nun synchron! Schiebt den Fader von rechts nach links und hört, wie eure Bearbeitung den Song verändert hat.

Fazit

Der aktuelle Sequencer-Modus im Pa4X, Pa1000, Pa700 sowie in allen voran gegangenen Pa-Modellen ist ein mächtiges Werkzeug zur einfachen Midifile-Erstellung und detaillierten Bearbeitung. Geübte Korg-Besitzer werden selten einen Computer zur Optimierung von Midifiles benötigen. Müheloses nicht-destruktives Ausprobieren, verschiedene Sounds testen, gezieltes Arbeiten an Frequenzen, Hüllkurven und Effekten bringt Ihnen beste Ergebnisse ohne Computerprogramm! Sowohl der Einsteiger als auch der fortgeschrittene Midi-Tüftler werden an dem Korg Pa-Sequencer ihre Freude haben!

 

Korg-Pa-Wörterbuch
Bottom-/Top-Note    Tiefste/Höchste Note
Control Change Midi-Kontrolle/Wechselbefehl
Cut Schneiden/Ausschneiden
Delete Löschen
Detect Erkennen, ermitteln
Done Getan, erledigt
Event Ereignis, Notenereignis
Event Edit (Noten-)Ereignis bearbeiten/editieren
Execute Ausführen, Bestätigen
Insert Einfügen
Insert FX Eingefügter Effekt
Load Laden
Locate lokalisieren, finden
Measure Maß/Taktmaß
Resolution Quantisierungs-Auflösung
Step Schritt, Stufe
Selection Auswahl
Select Auswählen, Selektieren
Track/Tracks (Midifile-)Spur/Spuren
Utility Werkzeug, Nützliches

Weitere Informationen zur Korg Pa4X-Serie findest du auf der Webseite des Herstellers.

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