Test
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11.02.2019

Praxis

„And we make it as stylish as possible...“

müssen die letzten Worte beim Erstellen des Pflichtenheftes für die Entwicklung der U3-Funkstrecke von Xvive gewesen sein. In dem schicken Karton befinden sich Sender und Empfänger in dem Schaumstoff-Bett und sehen klasse aus. Darunter die Bedienungsanleitung, USB-Ladekabel und das kleine, schwarze Beutelchen, um die Gerätschaften platzsparend in der Mikrotasche mitzunehmen.

Der Materialmix der Gehäuse schließt bündig und ist sauber verklebt oder gesteckt. Genaues kann ich nicht feststellen, da zwischen Kunststoff und Metall das Qualitätssiegel des Herstellers klebt. Keine Schrauben, kein Akkufach, keine Möglichkeit irgendwo etwas aufzuschieben. Wartung der Akkus oder gar Austausch derselben ist kundenseitig nicht möglich. Entweder übernimmt der Verkäufer oder Hersteller einen Wechsel der Kraftzellen oder die Geräte wandern bei platten Akkus zur fachgerechten Entsorgung.

Ladung

Zumal der Hersteller davor warnt, USB-Ladeadapter zum Auffrischen der Akkuzellen zu nutzen, da sich aufgrund der schieren Kraft der USB-Trafos die Lebenszeit der Akkus drastisch verkürzen könnte. Einen eigenen Ladeadapter liefert Xvive nicht mit, also bleibt praktisch nur der USB-Slot am PC oder Laptop. Das Laden wiederum ist schnell erledigt. Die leeren Akkus sind innerhalb von 2,5 Stunden wieder voll einsatzbereit.

Bei der maximalen Spieldauer hat Xvive maßlos untertrieben oder gleich einen Mittelwert mitgeliefert, um spätere Gebrauchsspuren relativ in die Rechnung einfließen zu lassen. Die frischen Zellen lieferten im Langstreckentest für satte neun Stunden Energie. Dies allerdings im Line-Modus, dafür voll ausgesteuert und mit maximalem Ausschlag betrieben. Auch wenn die Akkus in den ersten Jahren ca. 40 Prozent ihrer Kapazität verlieren werden, fünf Stunden Sendeleistung wird immer noch drin sein!

Die Warnsignale der Akkuladung sind smart realisiert und gut abzulesen. Erst bei einer Restladung von 30 % ~ 11 % leuchten Status-LEDs konstant rot auf. Sackt die Ladung unter 10 %, blinken dieselben, dann bleibt noch ca. eine halbe Stunde bis zum Stillstand.

Anschluss

Das Handling der U3 ist kinderleicht. Das Prinzip des Plug-and -Play ist hier perfekt umgesetzt. Zumal auch das Gewicht des Senders an meinem Shure SM58 kaum auffällt. Das Mikrofon zieht mit den zusätzlichen 93 Gramm nirgendwo hin und lässt sich bequem bedienen. Gleiches mit dem Empfänger, also keine Angst, dass auch bei schwindsüchtigen XLR-Eingängen irgendwo was brechen könnte. Was ich noch tun muss, ist den Sender einzuschalten und einen Kanal vorzuwählen. Gleiches mit dem Sender. Ich wähle den Modus „Mic“, schalte das Gerät ein und wähle den gleichen Kanal wie am Empfänger vor.

Eine grüne LED am Empfänger zeigt mir, dass der Kopplungsvorgang abgeschlossen ist. Wenn ich jetzt die Kanäle wechseln will, muss ich den Kanal-Wahlschalter länger betätigt halten, damit der nächste Kanal aktiviert wird. Die Geräte sind mit einer elektronischen Barriere ausgestattet, die ein versehentliches Skippen in den nächsten Kanal verhindert.

Nebenbei sind die DIP-Schalter für Betrieb und Modi-Wahl im Gehäuse versenkt. So wird auch bei wildesten Performances gewährleistet, dass nicht aus Versehen einer der Schalter betätigt wird. Top!

Klang

Diesen Test habe ich geteilt in eine Live-Situation an einer aktiven PA und später im Studio mit einer Recording-Session. Dabei ergeben sich zwei Seiten dieses Systems. Nun erstmal die Live-Situation:

Die Funkstrecke in Verbindung mit dem Shure SM58 klingt, wie ich es von dem Shure gewohnt bin. Die Ausgangsleistung des Empfängers ist kräftig und eine Latenz spüre ich beim Besprechen der Anlage gar nicht. Dass eine vorhanden ist, merke ich bei perkussiven Sounds, die doch mit etwas Verzögerung bei der PA ankommen. Den Redefluss und gelegentlichen Gesang stören diese Latenzen von unter 5 ms in dieser Live-Situation so keinesfalls. Bewege ich mich von dem Empfänger weg, bleibt die Laufzeit übrigens konstant. Danach schließe ich eine Line-Quelle an die Funkstrecke an und teste die kabellose Übertragung von Musik. Das funktioniert sehr gut und vom Klang her vermisse ich erstmal nichts.

Die Ausgangsleistung des Empfängers ist auch mit dem um –10 dB gedämpften Line-Eingang ausreichend, um problemlos Lautstärke zu generieren. Die andere Box der aktiven Stereo-PA ist nach wie vor per Kabel verbunden, und im Mix zeigt sich die Latenz als leichte Schwebung bei der Soundwiedergabe. Gut, niemand wird eine Box kabellos und die andere kabelgebunden anschließen, da lohnt sich dann die Anschaffung einer zweiten Funkstrecke. Zumal sechs Funk-Kanäle parallel betrieben werden können.

Bei der Recording-Session zeigen sich leichte Schwächen des Systems. Wie im Live-Test habe ich sowohl das Shure SM58 als auch eine Musikübertragung durch den Äther direkt in meine DAW geschickt und aufgenommen. Danach habe ich das ganze Prozedere per Kabelübertragung wiederholt, um die Differenz aufzuzeigen. Horcht.

Die Aufnahmen verfolge ich unter Kopfhörer und sofort fällt mir die nicht unerhebliche Rauschfahne auf. Die Akkus sind voll und die Distanz zwischen Sender und Empfänger beträgt unter einem Meter. Bei einer 24-Bit-Übertragung und einem Rauschabstand von 110 dB habe ich mir etwas mehr Ruhe in der Sendung erwartet. Doch auch wiederholte Tests haben immer wieder die Rauschfahne als Ergebnis, zugegebenermaßen unter Kopfhörern.

Weiterhin etwas störend ist die Latenz des Systems. Zwar sind unter 5 ms kein besonders großer Laufzeitunterschied, reichen aber aus, um mich selber zu verwirren und meine Sprechgewohnheit zu beeinflussen. Vom Gesang ganz zu schweigen. In der Regel gilt bei Aufnahmen von Gesang, dass eine Latenz beim parallelen Abhören die Stimme ungünstig beeinflusst. Die Stimme wird belegter und die Qualität leidet. Daher ist latenzfreies Abhören bei Aufnahmen extrem wichtig. Im Fall der Xvive habe ich mit den gleichen Schwebungen wie zuvor im Line-Test der Live-Situation zu kämpfen. Zum einen höre ich meine Stimme, wie sie sich im Kopf bildet und über die Knochen zum Gehör übertragen wird, zum anderen die zeitversetzte Wiedergabe am Audio-Interface, welches auf latenzfreies Direkt-Monitoring geschaltet ist. Der direkte Vergleich mit dem kabelgebunden SM58 zeigt, wie die Spur eigentlich klingen müsste. Latenz und Rauschfahne sind verschwunden.  

Schalte ich auf den Line-Modus um, ist der Rauschabstand bedeutend besser. Die Kontrabass-Sequenz, die einmal über Funk und einmal über Kabel geschickt wird, unterscheidet sich nicht wesentlich vom Klang. Die –10 dB des Line-Pads wirken sich hier positiv auf die Übertragung aus. Unterschiede sind hier nur marginal erkenn- bzw. erlauschbar.

Entfernung

Bei der Akkulaufzeit glänzte Xvive mit der U3 schon mit sehr viel Understatement. Das wollte ich bei der Entfernung auch überprüfen und habe den Radius um den Empfänger auf 30 Meter erweitert. Die Strecke vom Sender weg und abschließend zum Sender hin habe ich aufgenommen. 

Die Strecke wird problemlos überwunden. Es gibt hier und da Artefakte nach Erreichen der 25 Meter, dies sei aber der Tatsache geschuldet, dass ich den Sender beim Abschreiten der Strecke mit meinem Körper abgedeckt hatte. An der Scheitelspitze schalte ich einmal den U3-Sender aus und wieder an, sodass die Geräte sich neu koppeln können. Artefakte sind nicht mehr dabei. So gut, wie das Signal auch in 30 Metern Entfernung klingt, müssten bei freier Sicht zum Empfänger noch ein paar Meterchen mehr drin sein. Im Studio war dies allerdings nicht ohne Weiteres realisierbar.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • sehr geringe Latenz
  • stabile Funkverbindung bis 27 Meter und mehr
  • sechs parallel nutzbare Kanäle
  • hohe Auflösung 24 Bit / 48 kbps Audio
  • Kanalwahlschalter verriegelt elektronisch beim Koppeln
  • einfache Bedienung
  • schaltbar zwischen Mikrofon- und Line-Signalen
  • leicht und handlich.
  • gute Akkulaufzeit (Line-Modus bis 9 Stunden)
  • deutsche Bedienungsanleitung

  • Akku kundenseitig nicht austauschbar
  • Rauschfahne im Mikrofon-Modus

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