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Test
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14.11.2014

Yamaha CP4 STAGE Test

Stagepiano

Wirklich das beste Stagepiano, das Yamaha jemals hergestellt hat?

Mit dem CP4 STAGE stellt Yamaha dem CP40 STAGE einen großen Bruder zur Seite und rundet damit seine Serie von Mittelklasse-Stagepianos nach oben hin ab. Und auf der Website des Herstellers liest man doch tatsächlich: „Das CP4 STAGE ist einfach das beste Stage-Piano, das Yamaha jemals hergestellt hat.“ Betrachtet Yamaha das CP4 STAGE also auch als dem ehrwürdigen (und teuren) CP1 überlegen, das zwar eine treue Profi-Fangemeinde hat, aber so langsam auch etwas in die Jahre kommt? Dieser selbstbewussten Ansage müssen wir natürlich nachgehen. Wollen wir doch mal sehen, ob sie sich bestätigen lässt!

Die größten Unterschiede des CP4 STAGE zum günstigeren CP40 STAGE sind die teilweise aus Holz bestehende „Natural Wood Graded Hammer“-Tastatur sowie eine etwas breitere Soundpalette, darunter zwei zusätzliche Flügel-Modelle. Wie beim CP40 STAGE basiert die Klangerzeugung auf der aus dem CP1 bekannten SCM-Technologie („Spectral Component Modeling“), einer Mischung aus Sampling und Modeling. Von der SCM-Klangerzeugung profitieren übrigens vor allem drei Flügelmodelle: CFX, CFIII sowie ein S6-Flügel. Nicht ganz zufällig handelt es sich dabei um die Top-Flügel aus dem Hause Yamaha. Daneben findet man im CP4 STAGE zahlreiche Vintage E-Piano-Sounds sowie 321 Klänge aus der Motif-Reihe, u.a. Orgel-, Streicher- und diverse Synth-Sounds. Mit einem Straßenpreis von ca. 2000 Euro ist das Instrument rund 500 Euro teurer als das CP40 und liegt schon am oberen Ende der Mittelklasse.

Details

Gehäuse

Rein optisch unterscheidet sich das CP4 STAGE kaum vom kleineren CP40 STAGE – beide werden im gleichen Gehäuse gefertigt. Bis auf eine hölzerne Bodenplatte besteht dieses vollständig aus Kunststoff. Dadurch ist es zwar einerseits etwas anfälliger für kleine Schäden und Kratzer, andererseits wird das Gewicht vergleichsweise erträglich. Mit 17,5 kg kann man das CP40 STAGE trotz (Teil-)Holztastatur in seiner Klasse durchaus noch als Leichtgewicht bezeichnen (zum Vergleich: das Kawai MP11 wiegt satte 32,5 kg). Bei einem Bühneninstrument, das man häufig von Gig zu Gig schleppt, weiß man diesen Faktor natürlich schnell zu schätzen. Allerdings lässt das Kunststoffgehäuse den gewissen „Luxusfaktor“ vermissen, den mancher in dieser Preisregion vielleicht schon ein bisschen erwartet. Vergleichbar teure Instrumente anderer Hersteller sind mitunter ganz aus Metall gefertigt, womit das CP4 haptisch nicht ganz mithalten kann. Hier muss man sich einfach entscheiden: Pragmatiker werden sich am geringeren Gewicht erfreuen, Luxus-Liebhabern wird das Instrument vielleicht nicht edel genug erscheinen.

Bedienfeld

In der Mitte des recht übersichtlichen Bedienfelds befindet sich ein blau leuchtendes Display, welches zwar recht schmal, aber dafür sehr lang ist und zwei Zeilen à 40 Zeichen anzeigen kann. Links davon befindet sich der Master-Bereich mit Volumeregler, Split-/Layerfunktionen sowie der Effektsektion, einem Audio-Player/Recorder und einem Edit-Bereich (Utility, Edit, Store etc.). Auf der anderen Seite des Displays findet man die Klanganwahl, die mittels 16 Kategorie-Tastern und zugehörigen Pfeiltastern bzw. einem Jog-Wheel bedient wird. Abgerundet wird die rechte Seite des Bedienfelds durch einen Master-Equalizer, der mit fünf Fadern ausgestattet ist. Der Equalizer ist im Übrigen einer der wenigen optisch erkennbaren Unterschiede zum CP40 STAGE: Bei Letzterem gibt es nur einen 3-Band-EQ und dementsprechend nur drei Fader. Auch das CP40 hat aber vorgestanzte Aussparungen für die beiden zusätzlichen Schieberegler des CP4, woran man erkennen kann, dass die Gehäuse der beiden Instrumente tatsächlich vom gleichen Fließband kommen.

Tastatur

„Natural Wood Graded Hammer“ nennt Yamaha die Tastatur des CP4 STAGE. Es handelt sich um eine mit Holztasten versehene Variante der aus einigen anderen Yamaha-Pianos bekannten „Graded Hammer“-Tastatur. Dass allerdings nicht alle Tasten aus Holz sind, verrät der Hersteller auf seiner Website: Nur die weißen Tasten werden aus echtem Holz hergestellt, die schwarzen Tasten hingegen aus Kunststoff. Hier darf man sich natürlich die Frage stellen: Warum denn nur die weißen Tasten, sind die schwarzen etwa weniger wichtig? Sicherlich würde es den Preis und sicher auch das Gewicht erhöhen, wenn alle Tasten aus Holz wären, im Sinne des Verkaufsarguments „Holztastatur“ wäre es allerdings konsequenter. Zum Glück kann ich beim Spielen kaum einen Unterschied zwischen schwarzen und weißen Tasten feststellen. Das Spielgefühl bleibt davon scheinbar unbeeinträchtigt, was wiederum Zweifel aufwirft, ob man die Holztasten denn wirklich braucht.

Halten wir uns aber nicht an diesem Punkt auf: Mechanik und Beschaffenheit der Tasten fühlen sich in typischer Yamaha-Manier sehr gut an. Wie bei einem Flügel sind auch beim CP4 STAGE die Tasten im Bassbereich schwergängiger als im Diskant. Insgesamt stelle ich hier – genau wie schon beim CP40 STAGE – fest, dass die Tastatur recht schwergängig ist, was mir allerdings gut gefällt.

Anschlüsse

Auf der Rückseite sind alle Anschlüsse des CP4 STAGE zu finden. Hier ist lobend zu erwähnen, dass zur Stromversorgung eine Kaltgerätebuchse zum Einsatz kommt und nicht etwa ein externes Netzteil wie beim CP40 STAGE. Gerade auf der Bühne ist das viel wert und man ist bei einem vergessenen Netzkabel nicht aufgeschmissen. Weiterhin sind auf der Rückseite zwei USB-Anschlüsse, zwei MIDI-Buchsen (In/Out) und vier Anschlüsse für Pedale untergebracht: 2x Footcontroller (Expression), 1x Sustain und 1x Assignable. Etwa mittig auf der Rückseite sind die Audioausgänge zu finden. Neben den typischen Klinkenbuchsen findet man hier auch zwei XLR-Audioausgänge – ob das CP4 STAGE hiermit etwa versucht, etwas mehr „Profi“-Keyboard zu sein? Zwar liefern die XLR-Buchsen symmetrische Signale und machen damit die DI-Boxen unnötig, aber eigentlich erwartet jeder Bühnentechniker den Keyboarder  sowieso mit einer DI-Box. Daher frage ich mich ein bisschen, ob man diese Ausgänge in der Praxis wirklich braucht. Daneben findet man einen Aux-In im Miniklinkenformat, über den externe Geräte wie z.B. MP3-Player angeschlossen werden können. Auch der Kopfhörerausgang befindet sich übrigens mittig auf der Rückseite. Praktischer wäre hier natürlich die mittlerweile auch häufig anzutreffende Position vorne links am Gehäuse gewesen, wodurch das Kabel beim Spielen weniger störte.

Die USB-to-Host-Schnittstelle dient zur Verbindung mit einem Computer und sendet und empfängt MIDI-Daten. Die andere USB-Buchse (to Device) ist für einen Speicherstick gedacht, auf dem User-Daten gespeichert werden können. Außerdem kann man hierauf das eigene Spiel direkt als Audiodaten im WAV-Format aufnehmen. Auch das Abspielen von WAV-Files ist möglich.

Sounds, Split und Layer

Das 128-stimmig polyphone CP4 STAGE enthält 433 Presets. Davon entfallen 15 auf die drei Flügelmodelle und die drei Vintage E-Piano-Bänke enthalten insgesamt 47 Sounds. In den 341 weiteren Presets der darauffolgenden Bänke ist alles andere untergebracht, zum Beispiel Orgeln, Streicher und Synth-Sounds. Die Flügelklänge und Vintage E-Pianos wurden mit der SCM-Synthese umgesetzt. Die restlichen Sounds entstammen der Motif-Serie und basieren auf der AWM2-Technik, die im Gegensatz dazu auf „traditionellem“ Sampling aufbaut.

Das CP4 STAGE erlaubt es, Sounds zu layern und/oder in einem Splitting auf der Tastatur zu verteilen. Im Gegensatz zum günstigeren CP40 lassen sich die Split- und Layer-Modi gleichzeitig verwenden, sodass man insgesamt bis zu drei Sounds gleichzeitig spielen kann: ein Layer aus zwei Klängen und einen zusätzlichen Split-Part. Die Lautstärkeverhältnisse können dabei unkompliziert und schnell mit den Part-Fadern angepasst werden. Ein Dreifach-Split oder -Layer ist allerdings nicht möglich.

Performance-Modus und Masterkeyboard-Funktionen

Im unter Yamaha-Usern bekannten Performance-Modus lassen sich individuelle Einstellungen auf 128 Plätzen speichern und während eines Gigs nacheinander aufrufen. Natürlich kann man das CP4 STAGE auch als Masterkeyboard zur Steuerung externer Klangerzeuger benutzen, wofür ebenfalls der Performance-Modus zum Einsatz kommt. Man kann bis zu vier Tastaturzonen definieren, die z.B. auf verschiedenen MIDI-Kanälen senden können. Abgesehen von Pitchbend, Modulationsrad und den Pedalen gibt es allerdings keine weiteren programmierbaren Controller zur Steuerung externer Instrumente.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • sehr gute Tastatur
  • tolle Pianosounds
  • relativ geringes Gewicht
  • Masterkeyboard-Funktionen

  • keine Upright-Pianos
  • mittelmäßige weitere Sounds

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