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Test
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29.04.2014

Yamaha MOXF8 Test

Synthesizer Workstation

Motif zum Schnäppchenpreis?

Der Yamaha MOXF8 und sein kleinerer Bruder MOXF6 sind die neuesten Abkömmlinge der beliebten Motif-Familie von Synthesizer Workstations, mit denen Yamaha nun schon seit 13 Jahren die Szene beherrscht. 2006 stellte Yamaha den Premium-Modellen mit der preiswerten MO-Serie erstmalig eine Einsteigerklasse zur Seite. Nach der verbesserten Version – der MOX-Serie – steht nun mit dem MOXF erneut ein Update in den Läden. Neben der 61-Tasten-Variante MOXF6 gibt es das hier getestete 88-Tasten-Modell MOXF8 mit Hammermechanik. Yamaha verspricht dabei die Sounds der aktuellen Motif XF Synths zu einem sehr attraktiven Preis: weniger als die Hälfte!

Viele professionelle Live- und Studiokeyboarder schwören seit 2001 auf den Yamaha Motif als Synthesizer und Allround-Workstation. Wer mit kleinerem Geldbeutel auch in den Genuss der Klangqualität dieser Flaggschiffe kommen möchte, hat zwei Möglichkeiten: Entweder kauft man sich einen gebrauchten Motif oder ein Instrument der günstigeren Einsteiger-Reihe, also MO, MOX und nun eben MOXF. Jetzt steht das aktuelle Modell MOXF8 mit 88 Tasten vor mir. Das „F“ im Namen verrät eine entscheidende Neuerung gegenüber dem MOX: die Flash-Board-Option, die auch beim Motif XF vorhanden ist und die es erlaubt, zusätzliche Samples bis zu einer maximalen Gesamtkapazität von 1 GB dauerhaft zu speichern. Das ist aber nicht alles. Der MOXF wurde gegenüber seinem Vorgänger auch bezüglich Polyphonie und ROM ordentlich verbessert. Die Stimmenzahl und der Wave-Speicher sind doppelt so groß wie beim MOX und wurden damit auf Motif XF-Niveau gebracht. Als Besitzer eines Motif XF7 werde ich natürlich vor allem untersuchen, ob (wie von Yamaha versprochen) der Klang des großen Bruders erreicht wird. Halb so teuer, halb so schwer – und trotzdem genauso gut? Diese Frage gilt es zu beantworten!

Details

Aufbau

Beim Auspacken des MOXF8 bin ich beeindruckt: Mit knapp 15 kg Gewicht kann ich das 88-Tasten-Keyboard problemlos aus dem Karton heben. Schnell wird klar, wie Yamaha diese Gewichtsersparnis gegenüber einem Motif erreicht hat: Das mattschwarze Gehäuse besteht aus leichtem Kunststoff. Es ist zwar mit seinen weinroten Seitenteilen elegant designt, macht aber keinen besonders wertigen Eindruck. An den Bedienelementen und Anschlüssen hat sich gegenüber dem Vorgänger MOX8 nichts geändert. Es sind also nur die inneren Werte, die sich verändert haben, aber auf die kommt es ja bekanntlich an.

Die Klaviatur mit Hammermechanik lässt sich trotz des leichten Gewichts angenehm spielen. Man kann beim pianistischen Spiel mit Klavierklängen gefühlvoll tief in die Tasten greifen und ist trotzdem in der Lage, Orgel- und Synth-Sounds mit der gebotenen Leichtigkeit zum Klingen zu bringen. Allerdings ist im Gegensatz zum Motif kein Aftertouch vorhanden.

Bedienfeld

Der MOXF8 lässt sich in Verbindung mit einem Computer als USB-Audiointerface einsetzen. Deshalb findet man neben dem Mastervolume-Regler einen weiteren Slider, der mit „DAW-Level“ bezeichnet ist. Damit wird der Lautstärkepegel eingestellt, der über die USB (to Host)-Buchse von einer Music-Production-Software wie Cubase oder Logic eingespeist wird. Mit dem kleinen A/D INPUT (GAIN) Drehregler darüber stellt man die Empfindlichkeit des Audioeingangs des MOXF8 ein. Eine LED-Pegelanzeige hilft bei der Aussteuerung.

Rechts davon findet man acht Endlosdrehregler, die unterschiedliche Funktionen übernehmen können. Beispielsweise kann das Lautstärkeverhältnis der einzelnen Parts einer Performance geregelt oder Filter-Parameter einer Voice verändert werden. Unterhalb dieser Drehregler liegen die ASSIGNABLE FUNCTION Taster, die unterschiedlichste Aufgaben übernehmen, sowie OCTAVE- und TRANSPOSE-Taster. Letztere gibt’s nicht mal beim großen Bruder Motif. Dort muss man ins Utility-Menü springen, um zu transponieren. Weiter rechts folgen die SEQ TRANSPORT-Taster zur Songsteuerung und Taster, um Effekte an- und auszuschalten sowie den Arpeggiator zu bedienen. Mit der Taste DAW REMOTE wird der MOXF8 zur Fernsteuerung für Cubase oder eine andere DAW-Software. 

Das mit 240 x 64 Pixel recht kleine monochrome LC-Display ist auch eine Sparmaßnahme von Yamaha, genau wie das externe Netzteil. Unterhalb des Displays liegen 12 Taster, mit denen die im Display angezeigten Funktionen bedient werden. Neben dem obligatorischen DATA-Wheel mit den üblichen Cursortasten gibt es die Taster FAVORITE zur Auswahl der persönlichen Lieblingssounds und CATEGORY SEARCH zur systematischen Suche. Im Bereich „MODE“ stellt man die Betriebsart des MOXF8 ein, also ob man beispielsweise eine Voice, eine Performance oder einen Song spielen will. Auch gelangt man hier ins Utility-Menü, um grundlegende Einstellungen zu vorzunehmen. Die Auswahl von Sounds und Dateien geschieht durch die zahlreichen Nummern- und Gruppentaster (A bis H), sowie der Auswahl der Bank mit den BANK SELECT-Tastern. Durch Anwahl der vier ganz rechts unten liegenden grauen Taster wird das Zahlen-Feld 1-16 auch für andere Funktionen nutzbar. So hat man die Möglichkeit, mit den Nummerntasten die Tracks eines Songs oder die Parts einer Performance stumm zu schalten oder auch den Sendekanal der Tastatur einzustellen. Ein weiterer Bereich dient der schnellen Erstellung und Bearbeitung einer neuen Performance auf Basis der aktuellen Voice: Der Performance Creator. Damit können intuitiv Layer- und Split-Sounds erzeugt und auch ein Schlagzeug-Part als Layer hinzugefügt werden (DRUM ASSIGN). Diese praktische Unterstützung bei der Performance-Erstellung gibt’s beim großen Bruder Motif nicht!

Anschlüsse

Bei den Anschlüssen auf der Rückseite des MOXF8 hat Yamaha gegenüber dem Motif allerdings gespart: Es gibt keine separaten Einzelausgänge und keinen Digitalausgang. Man muss sich mit einem Stereo-Audioausgang begnügen. Außerdem stehen ein Kopfhörerausgang, der Stereo-Audioeingang, das MIDI-Trio und zwei USB-Anschlüsse zur Verfügung. Über den USB TO HOST-Anschluss verbindet man das Keyboard mit dem Computer, der USB TO DEVICE-Anschluss ist dem Speichermedium (z.B. USB-Stick) vorbehalten. Neben dem Sustain-Pedal können ein weiterer Fußtaster und ein Expression-Pedal mit dem MOXF8 verbunden werden.

Soundarchitektur

Voice
Ein Element ist die kleinste Basiseinheit einer Voice. Jedes Element besteht aus einer der 3977 Sample-Wellenformen. Zusammengebaut ergibt sich aus maximal acht Elementen eine von 1152 Preset Voices, abgelegt in den neun Bänken Pre1-9 mit jeweils 128 Voices. Hinzu kommen 72 Drum Kits sowie die 128 GM-Voices plus ein GM Drum Kit der General-MIDI-Bank zum Abspielen von MIDI-Files. Eigene oder editierte Voices können auf den drei Bänken Usr1-3 mit je 128 Speicherplätzen abgelegt werden. Für User-Drum Kits stehen 32 Plätze zur Verfügung.

Im Vergleich zum MOX (355MB) hat sich der Wave-Speicher beim MOXF auf 741 MB mehr als verdoppelt und entspricht exakt dem Soundvorrat des großen Bruders Motif XF. Um es also noch einmal ganz deutlich zu sagen: Alle Voices, die man aus dem Motif XF kennt, sind genau so auch im MOXF vorhanden! Aber damit nicht genug. Das bisherige Alleinstellungsmerkmal des Motif XF, das optionale Flash-Board, kann auch im MOXF installiert werden. Der Benutzer kann dann zusätzlich zu den ROM-Waveforms eigene Samples laden, um seine eigenen Soundvorstellungen umzusetzen. Es kann ein Flash-Board mit 512 MB oder 1 GB installiert werden (Motif XF bis 2 GB). Die Samples bleiben nach dem Ausschalten des Gerätes erhalten und müssen beim nächsten Einschalten nicht neu geladen werden. Allerdings besitzt der MOXF8 im Gegensatz zum großen Bruder keine Sampling-Funktion zum selbst sampeln.

Performance
Bis zu vier Voices können in eine Performance zusammengefasst werden. Dazu bietet der MOXF8 ein Werkzeug, das ich in meinem Motif XF auch gerne hätte: den Performance Creator. Angenommen, man spielt gerade eine Piano-Voice und möchte eine Fläche layern. Dann genügt ein Druck auf die Taste „Layer“ und sofort öffnet sich ein Fenster im Display, die CATEGORY SEARCH-Taste blinkt und im Display wird man aufgefordert, durch die Klangfamilien zu stöbern und einen passenden Flächensound auszuwählen. Genauso intuitiv funktioniert die Sache beim Split, will man beispielsweise einen Bass-Sound mit der linken Hand spielen. Aus der ursprünglichen Piano-Voice ist mittlerweile automatisch eine Performance, also eine Verknüpfung von mehreren Voices geworden. Schließlich kann mit der Taste DRUM ASSIGN dem Ganzen noch schnell ein passender Schlagzeug-Beat unterlegt werden. Dabei wird der Arpeggiator automatisch mit einem der unzähligen Presets auf das ausgewählte Drumkit losgelassen. Damit ist die Performance dann aber auch voll belegt mit Piano, Layersound, Bass und Drums. Das Ergebnis kommt einer Art Begleitautomatik sehr nahe, wenn neben dem Schlagzeug auch der Bass durch den Arpeggiator angesteuert wird. Übrigens kann man mittels der PERFORMANCE CONTROL-Funktion das Nummernfeld 1-16 dazu nutzen, die vier Parts einer Performance ein- oder auszuschalten und auch um den Arpeggiator für einen Part zu aktivieren oder auf „hold“ zu schalten.

Master
Im Master-Modus wird der MOXF8 zum Masterkeyboard. Es können bis zu 128 Konfigurationen erstellt werden, von denen jede eine Voice, eine Performance, einen Song oder ein Pattern enthält, und die sofort abrufbar sind. Die Tastatur ist in bis zu 4 unabhängige Bereiche unterteilbar, so genannte „Zonen“ (beim Motif XF sind es 8). Mit diesen Zonen können entweder die internen Sounds oder auch externe Klangerzeuger angesteuert werden. Der Master-Modus eignet sich ideal für das Live-Spiel, da man direkt zwischen den benötigten Voices, Songs, Patterns und Performances wechseln kann, ohne die Modi wechseln zu müssen. Eine sehr bequeme Möglichkeit besteht darin, die benötigten Programme in zahlenmäßiger Reihenfolge entsprechend der geplanten Titelfolge als Master zu hinterlegen.

Song und Pattern
Der MOXF8 besitzt einen eingebauten MIDI-Sequencer, mit dem man Songs und Pattern erstellen und abspielen kann. Die Kapazität des Sequencer-Blocks ist mit ca. 226000 Noten ungefähr doppelt so groß wie beim Motif XF (!). Besonders einfach ist die Song- oder Patternaufnahme beim Spiel mit einer Performance, die auch ein Drum-Arpeggio enthält. Mit der Rec-Taste gelangt man sofort ins Sequencer-Menü und kann direkt aufnehmen. Dabei werden die Parts der Performance automatisch den ersten vier Tracks des Songs bzw. Patterns zugewiesen. Insgesamt stehen 16 Tracks zur Verfügung.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • überragende Soundqualität
  • geringes Gewicht
  • Motif XF kompatibel
  • gute 88-Tasten-Klaviatur
  • Flash-Board-Option
  • Performance Creator
  • gute Software-Anbindung

  • nur ein Stereo-Audioausgang
  • externes Netzteil
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