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Test
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17.03.2012

Yamaha PSR-A2000 Test

Keyboard

Globetrotter

Ein Blick auf das Bedienfeld des Yamaha A2000 offenbart sofort die Nähe zum Tyros. Aber was ist das auf der linken Seite, das so ähnlich aussieht wie eine Minitastatur? Tatsächlich handelt es sich dabei um zwölf sogenannte „Scale Setting“-Tasten, mit denen sich die Stimmung des Gerätes für jede einzelne Note per Knopfdruck um einen Viertelton (!) absenken lässt. Und damit wird auch klar, wohin die Reise geht: Ein Schwerpunkt des A2000 ist die weltweite Einsatzmöglichkeit in den unterschiedlichsten Musikstilen, zum Beispiel auch in den arabischen oder orientalischen Kulturräumen.

Spitzenmodelle werden mit den neuesten technischen Errungenschaften ausgestattet; das war schon immer so. Nach einer gewissen Zeit schaffen es einige Features dann auch in die Mittelklasse. So besitzt das PSR A-2000 neben vielen anderen auch eine Eigenschaft - wenn auch in abgespeckter Form - die bisher ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal des teuren Tyros 4 war: das Flash-ROM zur individuellen Erweiterung mit ausgesuchten Styles und Voices. Auch mit diesem Feature kann das Gerät an bestimmte Weltmusik-Bedürfnisse angepasst werden. Das gab es bisher in dieser Preisklasse nicht. Doch wie nah kommt der kleine Bruder dem Tyros und was bringt die Erweiterbarkeit?

DETAILS

Aufbau

Das Yamaha PSR-A2000 steckt in einem kantigen mattschwarzen Kunststoffgehäuse, wirkt gut verarbeitet und besitzt 61 anschlagsdynamische Tasten, die in ihrer Bespielbarkeit zwar keine neuen Maßstäbe setzen, aber dieser Preisklasse qualitativ angemessen sind. Zwei eingebaute Lautsprecher mit jeweils einem 12 cm- und einem 5 cm-Speaker übertragen je 12 Watt Leistung. In der Mitte der Bedienoberfläche sitzt das 320 x 240 Pixel große, schwarzweiße LCD-Display, das auch zur Noten- und Songtext-Darstellung genutzt werden kann. Mittels eines kleinen Drehknopfs lässt sich der Kontrast einstellen.

Um den Bildschirm herum befinden sich neben zahlreichen Bedientastern ein Data-Entry-Rad und eine Enter-Taste, mit denen man durch die Menüs navigieren kann. Unterhalb des linken Lautsprechers liegen die Taster für die Steuerung der Bereiche Song und Style, also alles, was den Arranger betrifft. Die Styles sind in 12 Kategorien unterteilt, die über kleine Gummitaster aufgerufen werden. Die genaue Auswahl eines bestimmten Styles findet dann mithilfe des Displays statt. Der Bereich der MIDI-Song-Steuerung besitzt neben den üblichen Bedienelementen für Aufnahme, Wiedergabe und schnellen Vor- und Rücklauf auch die Möglichkeit, per Knopfdruck Liedtexte oder Noten darstellen zu lassen und Melodie- oder Begleitspuren für Übungszwecke ein- oder auszuschalten. 

Der Bereich, der zur Anwahl der Voices dient, findet sich unterhalb des rechten Lautsprechers. 15 verschiedene Soundkategorien stehen zur Verfügung inklusive einer für die Expansion. Links daneben wählt man die auf der Tastatur gespielten Parts an, von denen es drei gibt: Left, Right 1 und Right 2. Direkt darunter liegen große Gummitaster für die Anwahl der vier Multipads, der vier One-Touch-Registrierungen sowie einiger Voice-Control-Funktionen. In der Mitte unterhalb des Displays und direkt über der Klaviatur sind die acht großen Register-Memory-Tasten beheimatet, mit deren Hilfe man komplette Einstellung des A2000 direkt ablegen und schnell und zielsicher wieder aufrufen kann.

Links von der Tastatur ist jetzt – im Gegensatz zum äußerlich ansonsten sehr ähnlich anmutenden PSR-S710 – ein Roland-mäßiger Joystick-Controller eingebaut. Bisher schwor man bei Yamaha auf Pitch-Bend- und Modulationsräder. Es ist schon bemerkenswert, dass die Marke hier einen neuen Weg einschlägt!

Oberhalb des Joysticks finden wir die kleine Scale-Setting-Tastatur zur Programmierung von orientalischen Skalen. Fünf unterschiedliche abgespeicherte Skalen stehen direkt auf Knopfdruck zur Verfügung.

Die Rückseite unseres Probanden ist schnell abgehandelt: Es gibt Ausgangsbuchsen zur Verstärkung des Gesamtsignals, falls die eingebauten Lautsprecher nicht ausreichen sollten. Ein Aux-In-Anschluss ermöglicht es, externe Klangquellen wie z.B. einen Audioplayer mit über das Keyboard laufen zu lassen. Über die USB-To-Host-Buchse kann das Keyboard an einen Computer angeschlossen werden, um MIDI-Daten zu übertragen. Der USB-To-Device-Port dient dem Anschluss eines USB-Sticks oder eines anderen USB-Speichermediums, auf denen eigene Daten gespeichert werden können. Darüber hinaus sind ein MIDI-In/Out-Paar und zwei Buchsen für Pedale an Bord - an Letzteren lassen sich sowohl Fußtaster z.B. für Sustain als auch ein Schwellerpedal z.B. für die Lautstärke anschließen. Die Funktion dieser beiden Fußpedale ist einstellbar. Ansonsten befindet sich auf der Rückseite nur noch die Anschlussbuchse für das externe Netzteil.

Voices

Ingesamt stehen 1078 Sounds zur Verfügung. Darunter sind 480 XG Voices, 15 Mega Voices und 33 Drum/SFX-Kits. Hinzu kommen die Klänge, die durch die Erweiterungs-Option nachgeladen werden können – dazu später mehr. Genau wie beim großen Bruder Tyros 4 ist die Tonerzeugung des PSR-A2000 128-stimmig. Während das Flaggschiff allerdings mit Right1 bis 3 und Left insgesamt vier live spielbare Parts aufweist, sind es beim PSR A-2000 für die rechte Hand nur zwei. Die 15 sogenannten „Mega-Voices“ integrieren durch Velocity-Switching verschiedene Klänge unterschiedlicher Spieltechniken in eine Voice. 13 davon sind Gitarren- und Bass-Sounds plus ein Saxophon und eine Trompete. Aufgrund der komplexen Natur dieser Voices und der zum Spielen dieser Sounds erforderlichen genauen Velocity-Werte sind sie aber nicht dazu gedacht, per Tastatur live gespielt zu werden. Sie werden vielmehr in Styles oder Songs verwendet. Die seit dem Tyros 2 bekannten „Super-Articulation-Voices“ (SA-Voices), die man sich als spielbare Mega-Voices vorstellen kann, sucht man im PSR-A2000 vergeblich; diese sind erst im teureren PSR-S910 vorhanden.

Über die Kategorie-Taste „Organ Flutes“ gelangt man zur Zugriegel-Simulation, wobei die Drawbars grafisch im Display angezeigt und durch die darunter befindlichen Taster eingestellt werden. Eigene Orgelregistrierungen können abgespeichert werden, was auch für andere Voices gilt, die sich in vielen Parametern ändern und als neue Voices im Userbereich ablegen lassen.

Styles und Co.

Die 351 Styles sind unterteilt in „Pro“- und „Session“-Styles. Der überwiegende Teil gehört zur Kategorie „Pro“ und folgt beim Spiel genau der Harmoniefolge der linken Hand. Bei den 12 „Session“-Styles ist die Begleitung etwas ausschweifender. Das Keyboard spielt selbständig Riffs und sogar Akkordwechsel, die aus dem engen harmonischen Gerüst der linken Hand ausbrechen. Das soll für etwas mehr „Pfiff“ (so die Bedienungsanleitung) sorgen, kann aber natürlich auch zu ungewollten harmonischen Wendungen führen.

Die Styles sind in 12 Kategorien unterteilt, die über kleine Leuchttaster aufgerufen werden. Fünf Kategorien sind dabei als exotisch zu bezeichnen und tragen Namen wie „Iranian“ oder „Khaligi“. Eine Kategorie „Expansion/User“ deutet auf die eingebaute Flash-ROM-Erweiterung hin. Die Styles werden durch die über der Klaviatur liegenden Style-Control-Taster gesteuert. Es gibt drei Intros, vier Variationen, vier Fills, einen Break und drei Endings. Das Tempo und die Transponierung können direkt durch Tastendruck verändert werden. Wie beim Tyros sind auch Taster für Fade In/Out, Break, Sync Start und Stop vorhanden. Mittels Auto-Fill-In wird beim Umschalten zu einer anderen Variation automatisch ein Fill gespielt. Mit der OTS-Link-Taste kann auf Wunsch für jede Variation eines Styles eine komplette dazu passende Registrierung aufgerufen werden, wobei es die Möglichkeit gibt, eigene One-Touch-Settings zu erstellen. So kann man einem bestimmten Style seine eigenen Lieblingssounds automatisch zuordnen. Mit dem „Style Creator“ lassen sich Styles umfangreich verändern oder ganz neu erstellen. Das Gleiche gilt für Songs mit dem „Song Creator“ und für Multi-Pads mit dem „Multi Pad Creator“.

Die Multipads bilden eine gute Ergänzung zu den Styles. Die vier Multipad-Taster können mit 140 unterschiedlichen Bänken belegt werden. Die Pads sind dann mit One-Shot-Phrasen oder Loops bestückt, die synchron zum Arranger ablaufen. Das reicht von Percussion-Loops bis hin zu ausgefeilten Gitarrenriffs, die sich auch harmonisch dem in der linken Hand gespielten Akkord anpassen.

Alle Einstellungen, die das Lautstärkeverhältnis der Parts, die Effekte und die sonstigen Mischpulteinstellungen betreffen, befinden sich im Menü Mixing Console. Mit dem „Music Finder“, der durch eine eigene Taste aufgerufen wird, kann in einer Art Datenbank gezielt nach einem bestimmten Genre oder sogar nach einem Songtitel gesucht werden. Das A2000 stellt dann automatisch alles passend ein und man kann mit Sync-Start sofort loslegen. Neben Styles lassen sich hier auch Songs verknüpfen. Diese Datenbank kann mit eigenen Datensätzen erweitert werden. Alle für das Spiel wichtigen Einstellungen wie die Styles, die Parts der Keyboardtastatur, die Multipads usw. werden in Registrierungen abgelegt, jeweils acht davon ergeben eine Bank. Zur Anwahl der Registrierungen stehen große Gummitaster bereit.

Eine wirklich praktische Sache ist der eingebaute USB-Audio-Recorder und -Player. Damit kann man sehr schnell einfache Audioaufnahmen des Ausgangssignals herstellen, die sofort auf dem angeschlossenen USB-Speichermedium abgelegt werden. Die Aufnahmen werden im WAV-Format gespeichert. Alle Audiobeispiele in diesem Test wurden auf diese Weise direkt erstellt.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • sehr guter Gesamtsound
  • gut klingende Lautsprecher
  • umfassende Ausstattung
  • Scale-Setting-Taster
  • Erweiterbarkeit durch Flash-Speicher

  • Tastatur
  • Bedientaster teilweise sehr klein
  • Externes Netzteil
  • USB-Anschluss auf der Rückseite

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