Hersteller_Yamaha
Test
3
16.09.2015

Praxis

Sounds und Effekte

Trotz des Verzichts auf einen zweiten Oszillator sind mit dem reface CS recht vielfältige Soundkreationen möglich. Das Spektrum des achtstimmig polyphonen Instruments reicht von warmen Pads und fetten Poly-Synths über massive Bässe und quietschende Lead-Sounds bis hin zu abgefahrenen Effekten und Noises. Im Prinzip kann man ohne jegliche Vorkenntnisse am CS herumschrauben und kommt sehr schnell zu einem brauchbaren Ergebnis. Dabei offenbart das Instrument nur in seltenen Fällen seine digitale Klangerzeugung. Vom Grundcharakter her vermittelt der Synthesizer analoge Wärme und erzeugt mitunter sogar analog wirkende Artefakte. Somit kann man den CS klanglich als gelungen bezeichnen, wenngleich man sich darüber im Klaren sein muss, dass die Möglichkeiten gegenüber Geräten wie dem Microkorg oder der Mininova begrenzt sind. Als Einschränkung empfinde ich auch wie bereits erwähnt das Fehlen von Speicherplätzen, denn manches Mal hätte ich mich gefreut, meine Kreationen festhalten zu können. Stattdessen braucht man ein gutes Gedächtnis, um sich an die Stellung der Fader zu erinnern, mit der man den gewünschten Sound erzeugt hat. Allerdings bleibt auf diese Weise der Sound lebendig, man kann gar nicht in die Preset-Falle tappen. Auch das Fehlen von Spielhilfen wie einem Modulation-Wheel oder Aftertouch gerät dadurch in den Hintergrund, denn aufgrund des Ein-Knopf-pro-Funktion-Konzepts ist man schnell bei der Sache, wenn es um Echtzeitkontrolle einzelner Parameter geht. Schade ist aber, dass man mit dem Control-Pedal lediglich die Lautstärke regeln kann und Modulationsräder externer MIDI-Keyboards keine Steuerbefehle an den CS senden können.

Die Qualität der Effekte ist sehr ordentlich, allenfalls der Verzerrer kann mich nicht zu 100 Prozent überzeugen. Chorus/Flanger und Phaser klingen dafür sehr vintage-mäßig und stilecht. Das Delay wurde offenbar einem analogen Tape-Echo nachempfunden und lässt bei entsprechender Faderstellung Feedbacks im Stile eines Space-Echos zu.

Um einen Überblick über das Klangspektrum des reface CS zu geben, gibt es hier einige Soundbeispiele mit Hinweis auf die verwendeten Oszillatoren und Effekte. Die Sägezahnschwingung ohne Effekte, Suboszillator oder Detune klingt so:

Dreht man Texture und Mod auf und fügt ein wenig Phasing hinzu, wird daraus schnell ein fieser Rave-Sound.

Mit einer entsprechenden Filterhüllkurve kann man auch funky Basslines mit der Saw-Wave erzeugen.

Die Pulsschwingung eignet sich ebenfalls für Bässe, die man mit Filterfahrten zu Leben erwecken kann. Mit entsprechend kurzem Decay in der Amp-Hüllkurve kann man die 90er Jahre wieder aufleben lassen. Auch dubbige Bässe mit Filterfahrten lassen sich realisieren.

Moduliert man mit dem LFO den Oszillator, schraubt bei der Filterhüllkurve ein wenig am Attack und fügt etwas Delay hinzu, kommen schneidige bis cremige Lead-Sounds dabei heraus.

Auch atmosphärische Pad-Sounds sind mit der Pulsschwingung möglich. Hier steuert der LFO das Filter an, durch die Pulsbreiten-Modulation wird der Sound ausgedünnt.

Das Sync-Setting eignet sich nicht nur für Solo- und Lead-Sounds. Auch warme Pads à la Juno/Jupiter sind machbar, stilecht natürlich mit ein wenig Chorus. Bei dem Theremin-ähnlichen Lead-Sound hört man außerdem, wie sich das Delay bis zum Feedback tweaken lässt.

Die Ringmodulation ermöglicht metallische, verschrobene Industrial-Sounds, aber (mit Einsatz von Distortion) auch massive Bässe oder (mittels markanter Filter-Modulation durch den LFO) abgedrehte Lead-Sounds.

Die FM-Synthese eignet sich bekanntermaßen gut für attackreiche Pluck-Sounds, durch Einsatz des versteckten Noise-Generators kann man sie auch mit weißem Rauschen versehen. Ebenfalls möglich sind bissige Effekt-Sounds, die mit etwas Delay sehr räumlich werden. Auch ein FM-mäßiges Clavinet mit ein wenig Phasing bekommt man aus dem CS heraus.

Sonstige Features

Viel gibt es an dieser Stelle nicht zu erwähnen. Die MIDI-Implementierung ist äußerst spartanisch. Der CS sendet und empfängt lediglich auf Kanal 1 und lässt kein Routing externer Controller auf bestimmte Modulationsziele zu. Zudem gibt es leider keinen Abgriff der Fader, weshalb sich die Möglichkeiten, das Gerät als mobiles MIDI-Keyboard zu nutzen, sehr eingeschränkt sind. Schade, hier hat man (vermutlich aus Kostengründen) ein wirklich sinnvolles Feature verschenkt. Da es keinerlei Tap-Funktion gibt und das Gerät keine MIDI-Clock empfängt, ist die Synchronisation von temporelevanten Modulationen wie dem LFO oder dem Delay nicht realisierbar. Auch sonst sind keine Eingriffe in normalerweise übliche Standard-Features möglich. Der reface CS kennt weder Transpose noch Tune, die Pitchbend-Range ist festgelegt auf eine Oktave und lässt sich nicht verändern.

Eine Erwähnung verdient noch der Loop-Sequencer. Mit ihm kann man bis zu zehn Minuten oder 2.000 MIDI-Noten aufnehmen (je nachdem, was als erstes erreicht ist), overdubben und (auch im Nachhinein) im Tempo verändern. Durch die monotimbrale Architektur des CS folgt das aufgenommene Signal allerdings immer der aktuellen Soundeinstellung, da ja kein Audio, sondern MIDI aufgezeichnet wird. Außerdem ist der Looper flüchtig und verliert beim Ausschalten alle Informationen. Somit ist der Looper ein nettes Gimmick zum Aufzeichnen von Sequenzen, die man beim Abspielen schön durch den Wolf drehen kann. Ein Beispiel dafür ist dieses Pattern:

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • gute und vielfältige Sounds
  • übersichtliche Bedienung (WYSIWYG)
  • solide Verarbeitung
  • extrem transportabel

  • keine internen Speicherplätze
  • Fader haben keinen MIDI-Abgriff
  • keine Synchronisation von temporelevanten Parametern möglich

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