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Test
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09.12.2015

­Zoom iQ6 Test

X/Y-Stereo-Mikrofon für iOS-Geräte

Portierung des Field-Recorders auf das Handy?

Das japanische Unternehmen Zoom ist seit drei Jahrzehnten bekannt und beliebt als Anbieter für unterschiedlichste Aufnahme-Geräte zu relativ erschwinglichen Preisen. Im Portfolio befinden sich Mobilrecorder, Multieffektprozessoren, Effektpedale, Drum-Machines und Sampler, mit denen sich der Hersteller in der Audiobranche über die letzten 30 Jahre einen guten Ruf gemacht hat.

Im Jahr 2009 kam der Field Recorder H4n auf den Markt, dessen X/Y-Mikrofon quasi abgekoppelt wurde, und mir in Form des iQ6 zum Test vorliegt. Im Prinzip könnten sich Besitzer von iOS-Geräten nun also den Kauf des H4n-Recorders sparen, und einfach nur das etwa halb so teure iQ6 zusammen mit ihrem iPhone, iPod oder iPad mit Lightning-Anschluss nutzen. Wie gut ist das iGeräte-Mikrofon tatsächlich?

Details

Unpacking

Die Packung kommt unspektakulär daher. In der funktionalen Plastikverpackung thront das kleine Mikrofon obenauf, sodass man schon direkt die wichtigsten Features auf den ersten Blick sehen kann. Es sieht nach hochwertigem Metallgehäuse aus, besitzt zwei rechtwinklig zueinander versetzte Kapseln, ein schwarzes Drehrad mit einer Skala, eine dreiteilige, kleine Anzeige sowie eine Miniklinkenbuchse. Nachdem ich das Teil aus der Packung befreit habe, fällt mir allerdings auf, dass mich die Metalloptik getäuscht hat, denn das Gehäuse besteht aus Plastik und wiegt auch dementsprechend nicht so viel, wie ich es zunächst vermutet hatte. Dies finde ich aber erst einmal nicht weiter schlimm, denn ein leichtes Mikro im Plastikgehäuse muss ja nicht zwingend schlechter sein als ein gewichtiges, schweres Mikrofon. Solange Störungsfreiheit und Langlebigkeit nicht darunter leiden, soll es mir recht sein. Das Zoom iQ6 ist 6x3x5 Zentimeter klein und wiegt nicht einmal 30 Gramm. Mitgeliefert wird, neben der vorgeschriebenen Bedienungsanleitung, ein schwarzer Schaumstoff-Windschutz.

Das Mikrofon

Das sogenannte X/Y-Mikrofon besteht aus zwei um 90 Grad versetzten Kondensator-Kapseln mit Nierencharakteristik. Diese bieten, wie auch bei den im H4n verbauten Mikrofone, die Wahl zwischen einem Aufnahmewinkel von 90 und 120 Grad. Um den gewünschten Winkel einzustellen, kann man die beiden Kapseln jeweils um die eigenen Achsen verdrehen. Kleine Markierungen zeigen an, wann man 90 und wann man 120 Grad eingestellt hat. Die beiden Kapseln vertragen angeblich bis zu 130 dB SPL und beziehen die benötigte Spannung selbstverständlich aus dem Host-iOS-Gerät.

Damit man das Zoom iQ6 auch mit einem iGerät verbinden kann, das in einer der beliebten Schutzhüllen steckt, wurde daran gedacht, einen entsprechenden Abstandhalter bestehend aus einem kleinen Stück Plastik zu konstruieren. Diese kleine, schwarze Zunge lässt sich mit ein wenig Hebelkraft demontieren, falls man sein Smartphone oder Tablet in einem Case geschützt hat. Sollte man die Apple-Geräte ohne Schutzcase betreiben, muss man diesen schwarzen Abstandshalter dranlassen, damit der Lightning-Stecker korrekt sitzt. Bei einem Großteil der Standardcases wird dies so funktionieren wie vom Hersteller gedacht, und der sichere Sitz in der Lightning-Buchse sollte gewährleistet sein. In der Bedienungsanleitung schließt Zoom allerdings nicht aus, dass dies bei einigen erhältlichen Schutzhüllen nicht klappen wird.

Trotz einer nicht vorhandenen Klammervorrichtung – wie beispielsweise beim iMic „Rode iXY“ – sitzt das iQ6 fest genug, um bei Schwenks nicht den nötigen Halt für störungsfreies Aufnehmen zu verlieren. Trotzdem steckt es nur so fest, wie der Lightning-Anschluss es zulässt, so dass man bei Achterbahnfahrten im Phantasialand oder auf der örtlichen Kirmes das Teil lieber doch ein wenig festhält. Aber mal ganz ehrlich, nur weil das Teil so viel Mobilität erlaubt, muss man sich ja nicht zwingend damit ans Limit bringen.

Wie bei manch anderen iMics ist auch dieses X/Y-Stereomikrofon in seiner Ausrichtung fest an das iGerät gebunden. Will man mit der Haupteinsprechrichtung des Mikros zielen, so muss man das Hostgerät selber entsprechend ausrichten. Klingt harmlos und logisch, kann aber nerven, wenn man das iQ6 beim Videodrehen benutzten möchte, da man immer das Gefühl hat, mit dem Mikro in die falsche Richtung zu zielen, und somit vielleicht das Falsche auf den Aufnahmen zu hören sein könnte. Filme ich zum Beispiel im Hochformat, so zielt das Zoom iQ6 senkrecht nach oben, was akustisch noch einigermaßen erträglich klingen mag. Filmt man aber in Horizontalausrichtung, so wird mein Links-/Rechts-Panorama de facto zu einer Abbildung der Oben-/Unten-Unterschiede.

Der Aufnahmepegel lässt ich an einem Drehrad einstellen

Um jederzeit den Mikrofonpegel einstellen zu können, spendierten Zoom dem iQ6 ein kleines Einstellrad auf der Gehäuserückseite, welches sich auf einer Skala von 1 bis 10 stufenlos einstellen lässt. Dies ist ein nicht zu unterschätzendes Features, wenn man das Mikrofon mit einer Dittanbieter-App benutzen möchte. Bei iMics ohne solch eine manuelle Pegelmöglichkeit ist man meistens aufgeschmissen und muss sich mit einen Default-Pegel zufriedengeben, sollten die Dritt-Anbieter-Apps jeweils keine Software-Pegelregler eingebaut haben.

Eine dreiteilige LED-Anzeige informiert über die Pegelverhältnisse

Ebenfalls direkt im Blickfeld des Betrachters, beziehungsweise des Aufnehmers, befindet sich eine kleine, dreigliedrige Pegelanzeige. Die unterste LED leuchtet, und zwar grün, sobald ein Pegel größer als -42 Dezibel anliegt, die mittlere, ebenfalls noch grüne LED gesellt sich bis Pegel oberhalb von -12 Dezibel dazu. Und sobald man über -0,25 dB kommt, leuchtet die oberste LED in rot. Rot sollte man also niemals zu sehen bekommen, wenn man sicher gehen möchte, das die Aufnahmen nicht clippen, und wenigstens noch ein Viertel dB Abstand bis zur Grenze haben. Zusammen mit dem analogen Gainrad ist man danke dieser Pegelanzeige bei den Aufnahmen mit dem Zoom iQ6 also theoretisch unabhängig vom iDevice-Display. Das hilft beim Akku-Sparen.

Windschutz

Zoom hat ihrem iQ6 einen kleinen Windschutz in Form eines schwarzen, entsprechend dem Mikrofon-Gehäuse ausgefrästen, Schaumstoffballes mitgegeben. Im Außeneinsatz, oder bei Sprachaufnahmen aus nächster Nähe, sollte man niemals ohne dieses Zubehör arbeiten, da die Kondensator-Kapseln ohne diese Abschirmung sogar aus dem kleinsten, direkt auf die Kapseln treffenden Windhauch, massivste Störgeräusche mit Maximalpegel erzeugen. Sollte man des öfteren einen noch stärkeren, effektiveren Windschutz benötigen, so kann man auf das entsprechende Sonderzubehör der Firma Zoom zurückgreifen, dem Kunstfell-Überzug namens WSU-1. Damit sollten Störungen durch Wind der Vergangenheit angehören.

Die inneren Werte

Das X/Y-Stereomikrofon lässt Aufnahmen in 16 Bit und mit entweder 44,1 oder 48 Kilohertz zu. Dies ist nicht besonders üppig, aber wenn man ordentlich gepegelt hat und sich das aufzunehmende Material vom Pegel her nicht ständig zwischen nahe der Hörschwelle und höchsten Pegeln in seiner Dynamik austobt, wird man mit den möglichen 16 Bit zurecht kommen. Gegen 24 Bit Wortbreite hätte ich ganz und gar nichts einzuwenden gehabt, zumal das iQ6 ja angeblich das gleiche Stereo-Mikro sein soll, wie jenes, welches beim Zoom Recorder H4n verbaut wurde. Und dort sind ja schließlich auch Aufnahmen mit 24 Bit möglich. Dies hat natürlich nicht direkt mit den Mikrofon-Kapseln zu tun, sondern ist vom verwendeten A/D-Wandler abhängig, aber wieso man hier nicht die gleichen Komponenten verwendet hat, ist mir schleierhaft. Als maximalen Schalldruck gibt der Hersteller 130 dB SPL an. Für das Drumkit eines Jazzers dürfte dies reichen, um Lars Ulrich von Metallica verzerrungsarm aufzunehmen, müsste man vielleicht mit ein wenig Abstand vom Schlagzeug zurecht kommen. Direkt vor die P.A. Eines großen Open-Air-Festivals würde ich mich damit aber vielleicht nicht unbedingt stellen wollen.

Die kostenlose App „Zoom Handy Rec.“ bietet alles was man braucht Das Zoom iQ6 lässt sich mich alle Apps nutzen, die ein Mikrofonsignal aufzeichnen können, was übrigens nicht selbstverständlich ist. Die hauseigene, zum Gerät passende App heißt Zoom Handy Rec und bietet Features, die man bei manchen Konkurrenzprodukten erst nach teuren In-App-Käufen zur Verfügung hat. Meine persönlichen Highlights sind der ganz simple Editor, die Möglichkeit, ein Direct-Monitoring zu aktivieren, und, um Platz zu sparen, statt im WAV-Format auch direkt im AAC-Format aufnehmen zu können. Für umsonst kann man hier überhaupt nicht meckern.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • klein, sehr leicht
  • gute Soundqualität, mit hervorragendem Stereobild
  • gutes Preis-Leistungsverhältnis
  • mehrfarbige LEDs zur Pegelkontrolle selbst bei ausgeschaltetem iDevice-Display
  • Mikrofon-Pegel über Drehrad am Gehäuse regelbar
  • auch mit Drittanbieter-Apps nutzbar

  • Frequenzgang könnte ausgewogener sein

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