Hersteller_Zoom
Test
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09.12.2015

Praxis

Mein Entdeckergeist hat genug von den grauen Theorien, und so schließe ich das Zoom iQ6 jetzt endlich für den Praxistest an. Die Testumgebung besteht aus einem Flamenco-verrückten Gitarristen, seinem Nylonsaiten-Schatz , einem schallharten, reflektiven Raum, und mir, mit meinem iPhone und dem iQ6. Ich positioniere das Mikro, so, wie ich es mit einem normalen Studiomikrofon auch machen würde. Bei Akustikgitarren habe ich oft die Erfahrung gemacht, dass mich der Sound nahe des Schalllochs bassmäßig wegwummert, und ich den ausgewogensten Klang am Übergang zwischen Body und Hals einfangen kann. Also ziele ich mit ca. 20 Zentimetern Abstand senkrecht auf den 12. Bund des edlen Sechssaiters. Um die Aufnahme besser einordnen zu können, mache ich die gleiche Aufnahme ein zweites Mal, aber mit dem iPhone-internen Mikrofon als Aufnahmequelle.

Wie bei manch anderen iDevice-Mikros auch, bleibt beim Benutzen des iQ6-Mikros der iGeräte-Lautsprecher stummgeschaltet. Um Aufnahmen kontrollieren zu können, benötigt man einen Kopfhörer oder muss das iQ6 vom iDevice abziehen. Lästig. Im Vergleich zum iPhone-Mic klingt das iQ6 offen, man hat den Eindruck, dass alle Frequenzbereiche aufgezeichnet worden. Hört man sich die iPhoneMic-Variante an, so wird man feststellen, dass es im Grunde so gut wie keine Bässe und keinen Höhen gibt. Dort matscht alles pumpend durch die Gegend. Klar, man kann auch beim iPhone-Mikrofon hören, dass es sich bei dem aufgenommenen Instrument um eine Akustikgitarre handelt, aber Kudos gibt das keine. Das iPhone nimmt mit dem eigenen Mikro einen auf Sprache optimierten, mittelmäßig schlechten Frequenzgang auf, pumpt in der Lautstärke durch exzessiven Kompressor-Einsatz und ist außerdem auch noch mono. Ganz anders das Zoom iQ6. Es zeichnet sich durch einen einigermaßen ausgeglichenen Frequenzgang, ein klares Stereobild und eine saubere Dynamikabbildung aus. In den Bässen könnte es ein gerne mehr liefern. Im Mittenbereich um 600 Hertz hat es für mein Ohr eine leichte Erhöhung, den hohen Frequenzanteilen fehlt ein Quantum Feinheit. Über Frequenzgänge zu reden hat irgendwie immer Ähnlichkeit mit der zu blumigen Sprache bei einer Weinprobe. Trotzdem scheue ich mich jetzt mal nicht so sehr und gebe zu, dass mir in den Höhen eine seidige Feinheit fehlt, im Vergleich zu dem, was ich mit meinen Ohren an der selben Position vor der Gitarre gehört habe. Das iQ6 klingt aber dennoch angenehm, die Aufnahme ist durchaus brauchbar, und sicher eine gute Grundlage um nachträglich mit einem Equalizer hier und da ein wenig nachzupolieren.

Als weitere Aufnahme mache ich eine Atmo-Aufnahme auf den Straßen Kölns, Fußgänger, LKW, Autos und Straßenbahnen inklusive. Wie zu erwarten bringt die X/Y-Stereo-Technik ein hervorragendes Abbild der Wirklichkeit. Sowohl über Lautsprecher als auch über Kopfhörer kann man in die akustische Illusion des Dabeiseins eintauchen und den akustischen Eindruck als natürlich anerkennen. Die Ortbarkeit der einzelnen Ereignissen ist sehr gut, der Klang alles in allem angenehm. Doch auch hier würde ich mir ein wenig mehr Bässe und noch luftigere Höhen wünschen.

Ich habe eine Aufnahme mit 90 Grad Aufnahmewinkel und eine mit 120 Grad gemacht. Es ist in diesem Fall total von der Situation vor Ort abhängig, wie gut man die beiden Einstellungen unterscheiden kann. Bei meiner 120-Grad-Atmo-Aufnahme war es auf der selben Straße, am selben Fleck deutlich leiser, so dass die Aufnahme fast schon enger klingt als die 90 Grad-Variante. Ich würde wahrscheinlich die 120-Grad-Einstellung für Atmoaufnahmen beibehalten, da man die Stereobreite im Nachhinein sehr gut mit den richtigen Effekt-Plugins am Rechner modifizieren kann. Und da enger machen weniger Probleme bereitet als ein Verbreitern, würde ich instinktiv immer mit der breiteren Einstellung aufnehmen. Wer sich das Nachbearbeiten ersparen möchte, und zum Beispiel bei einem Videodreh den akustischen Fokus mehr in die Mitte setzen möchte, dem sei geraten mit der 90-Grad-Einstellung aufzunehmen. Allen anderen empfehle ich 120 Grad. Klanglich macht es keinen Unterschied; es geht hierbei am Ende lediglich um akustischen Fokus bzw. die Stereowirkung.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • klein, sehr leicht
  • gute Soundqualität, mit hervorragendem Stereobild
  • gutes Preis-Leistungsverhältnis
  • mehrfarbige LEDs zur Pegelkontrolle selbst bei ausgeschaltetem iDevice-Display
  • Mikrofon-Pegel über Drehrad am Gehäuse regelbar
  • auch mit Drittanbieter-Apps nutzbar

  • Frequenzgang könnte ausgewogener sein

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