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16.04.2020

10 Streaming Tipps & Tricks für DJs: erfolgreiches Video-Streaming von Webshows und DJ-Sets

Diese Ratschläge für das Streamen in deinem eigenen DJ-Kanal bringen deinen Video-Stream nach vorn

DJ-Videostreaming ist das neue DJ-Clubformat, zumindest so lange uns die Corona-Krise in Atem und zuhause hält. Und Streaming ist einfacher als mancher denkt. Die Corona-Situation ist wie jede große Krise auch eine Zeitenwende. Ähnlich wie der Wandel von Vinyl zum Laptop zum USB-Stick kommen manche DJs damit besser klar und manche weniger. Daher gibt es auch keine Regeln, wie ein persönliches Streaming-Setup am besten aussehen sollte.

Wichtig ist, dass ihr euch mit dem Setting und den Kameraperspektiven pudelwohl fühlt, denn dann wird sich das auch auf eure Performance auswirken und am Ende zählt immer noch die Musik und nicht die beste Hintergrundinneneinrichtung oder das exaltierteste Rumgehampel.  Aber trotzdem solltet ihr euch ein paar Fragen beantworten, bevor ihr auf Sendung geht.

1. Komm ich jetzt im Fernsehen?

JA!!! Auch wenn es „nur das Internet“ ist: Nehmt es ernst, was ihr da tut. Klar könnt ihr vor der Kamera herumblödeln, wie ihr wollt, wenn das euer DJ-Markenkern ist, aber seid für eure Übertragung technisch perfekt vorbereitet. Fangt pünktlich an und hört auch pünktlich auf. Erstellt auf Facebook und Resident Advisor ein Event für euren Stream und weist eure Community darauf hin. Setzt eine klare Zeit fest und geht mit dem Format „Stream“ so ernsthaft um, wie mit einem „richtigen“ Gig in einem „richtigen“ Club.

2. Der tut nichts, der will doch nur spielen!

Mancher DJ ist die geborene Rampensau, ob nun live im Club oder nur vor der Kamera. Und mancher DJ versteckt sich schon in der Booth gerne hinterm Laptop und empfindet allein den Gedanken unangenehm, sich selbst und die privaten Räumlichkeiten live im Netz einer potentiell weltweiten Öffentlichkeit preiszugeben. Niemand verlangt, dass ihr wie ein Hampelmann vor der Webcam herumturnt. Wenn ihr eher zur introvertierten Sorte DJ gehört, dann haltet es persönlich so, als würdet ihr guten Freunden eure Lieblingsplatten vorspielen.

Ja klar, es geht vor allem um die Musik. Aber Video-Streaming ist halt kein Radio. Überlegt kurz selbst, wie lange ihr einem einsamen Menschen zuschauen möchtet, der mit starrem Blick auf den Laptop starrt und ab und zu seine Finger über das DJ-Mischpult bewegt. Zum Glück gestattet Streaming-Software wie OBS-Studio oder Streamlabs-OBS das einfache Umschalten diverser Kameraperspektiven, aber auch das Einbinden von weiteren geöffneten Computer-Fenstern, in denen dann Videostreams von anderen Webcams oder Quicktime-Filme im Loop laufen können.

So ist mit ein wenig Vorbereitung eine eindrucksvolle und facettenreiche Show möglich, auch ohne dass DJ zu viel selbst agieren muss. Achtet bitte darauf, dass ihr mit euren Filmeinblendungen keine Copyrights verletzt, sonst ist der Stream eventuell ganz schnell down und nicht wegen der Musik, die ihr spielt. Bei YouTube greift der Algorithmus auch bei Musik schnell zu und der Stream wird gestoppt. Kein Wunder, dass gerade alle auf Twitch streamen, wo das Copyright noch nicht so rigide gehandhabt wird.

3. Räum doch bitte vorher auf!

Der Start eurer Streaming-Karriere ist der perfekte Moment, endlich mal eure private DJ-Booth aufzuräumen, umzuarrangieren und die perfekte Kameraperspektive zu finden. Euer DJ-Stream aus eurem „Bedroom“ repräsentiert für eurer Publikum „euren Club“. So sollte er auch aussehen. Macht unbedingt vor eurer ersten Live-Übertragung Kameraproben und checkt den Hintergrund. Liegt da noch schmutzige Wäsche rum? Sind private Dinge zu sehen, die niemand da draußen was angehen?

Im Umkehrschluss spricht nichts dagegen, Dinge die euch wichtig sind, auch ins rechte Licht zu rücken. Mit guter Beleuchtung ist schon viel gewonnen. Hinten dunkel, vorne hell, dazu ein spezielles Plakat im Hintergrund, eine nerdige japanische Plastikfigur auf dem Mischpult, ein „zufällig“ herumliegendes Buch oder Comic können alles unterhaltsame Elemente für eurer Publikum sein, mit dem eure Fans euch von einer viel privateren Seite kennenlernen können, als es im Club oder auf dem Festival jemals möglich wäre.

4. Seid eine Marke!

Wenn ihr Gefallen am Streamen gefunden habt und das Programm regelmäßig durchziehen wollt, dann ergibt es umso mehr Sinn, ein Setting zu finden, das für euer Publikum Erkennungswert hat. Blendet im Screen ein, wer ihr seid, wie euer Stream heißt und womöglich gebt ihr eurem Bedroom-Club ja auch gleich einen Namen. Der Fantasie sind hier wirklich keine Grenzen gesetzt. Nur solltet ihr nicht bei jeder Show alles neu machen. Wiedererkennungswert braucht seine Zeit, aber es lohnt sich.

Alle DJs streamen abends? Dann hab Mut zur Lücke: Warum begleitet ihr euer Publikum nicht mit einem morgendlichen entspannten House-Music-DJ-Set aus der Küche bei Kaffee und Brötchen in den Tag? Oder macht „Midnight Music“: Irgendwo auf der Welt ist immer gerade Mitternacht. Im besten Fall baut ihr eine Fan-Community auf, die euch in der Zeit nach Corona auch in die „richtigen“ Clubs folgt.

5. Don’t sweat the technique!

Ein schönes Setting zu kreieren, ist wahrscheinlich aufwändiger als die technische Seite bereitzustellen, denn für einen Livestream braucht es gar nicht mehr so viel teure Technik. Aber die muss funktionieren. Die Idee, lediglich einen Laptop für die DJ-Software und die Übertragung zu nutzen und die Audiosignale aus Traktor oder Serato direkt via Rogue Amoeba Loopback oder ishowu in die Streaming-Software einzubinden, ist verführerisch, bringt aber auch moderne Computer schnell an ihre Grenzen.

Selbst wenn der Audiostream stabil bleibt, ist eine wackelige Videoübertragung quasi vorprogrammiert. Wenn dann noch diverse Webcams angeschlossen sind und weitere Videos als Quicktime oder Livestream eingebunden werden, kommt auch ein aktueller Computer an seine Grenzen.

Stabiler ist es, wenn die Streaming-Software wie OBS-Studio oder Streamlabs-OBS auf einem separaten Computer läuft. Diese räumliche Aufteilung hilft auch sehr bei der logistischen Abwicklung dieser beiden doch recht unterschiedlichen Aufgaben (DJ-Kunst und Streaming-Handwerk) und schafft Platz auf den Screens.

6. Kommunikation

Je intimer der Club, desto mehr kommuniziere ich üblicherweise mit dem Publikum. Ein paar Worte hier, ein kurzer Handschlag dort und dabei auch immer den Dancefloor im Auge behalten. Beim Streaming ersetzt der Chat den Blick auf die Tanzfläche, es spricht nichts dagegen, während des Auflegens auch mit den Leuten zu chatten. Stellt euch einfach vor, dass sich da jemand zu euch rüberbeugt, nach dem Stück fragt, was da gerade läuft oder euch einfach nur für euren letzten Mix beglückwünscht. Ein paar kurze Worte oder Emoticons gewechselt und ab geht’s in den nächsten Mix.

Wer sich komplett auf das Auflegen konzentrieren möchte, fragt Freund oder Freundin, den Chat zu moderieren und die Szenen umzuschalten. Natürlich braucht es dann zwingend einen Laptop, der nur für Übertragung und Chat zuständig ist.

7. Durch diese enge Gasse muss er kommen

Ein weiteres Nadelöhr sind die überlasteten Netze und Knotenpunkte. Seit jeder und seine Oma im Streaming-Game sind und der Rest der Welt währenddessen netflixt, kann es bei Livestreams schnell zu Überlastungen kommen. Beugt auf jeden Fall von eurer Seite aus vor: keine großen Downloads, kein TV-Stream im Nebenzimmer und möglichst per Ethernet-Kabel in den Router.

Nutzt auch die Aufnahmefunktion von OBS-Studio und Streamlabs-OBS, um eure Sendung zur weiteren Verwertung als Filmdatei zu sichern. Die Audiospur könnt ihr dann sogar im Editor extrahieren und auf Soundcloud/ Mixcloud/hearthis hochladen. Natürlich kann man mit der besagten Software auch nur Video aufnehmen, ohne zu streamen.

8. Wir brauchen Bass!

Wie auch immer ihr streamt, ob mit dem Smartphone direkt in die sozialen Netzwerke oder mit OBS-Studio/Streamlabs und super-raffiniertem Webcam-Setup: Nehmt den Sound vom Mixer ab und nicht aus den Speakern!

Eben weil es um Musik geht, sind die interne Mikros von Laptop oder Handy zur Soundübertragung ein absolutes No-Go. Wenn ein separater Computer für die DJ-Software im Spiel ist oder die Musik sowieso vom Turntable oder CDJs/Denons kommt, benötigt ihr eine separate Soundkarte, um die Musik in den Stream zu spielen.

Das kann prinzipiell eine beliebige Soundkarte sein. Lösungen wie IK Multimedia iRig Stream oder ein Podcast-Mischpult wie das Yamaha AG-03/06 bieten praktischerweise auch die Möglichkeit, entweder mit Laptop oder mit Mobil-Device zu streamen. Gerade ein kleines Teil wie das iRig Stream könnte auch in der Zeit nach Corona als Smartphone-Recording-Interface im Club hilfreich sein.

9. Telefon für dich!

Wer das Smartphone zur Übertragung oder als zusätzliche Webcam nutzt, sollte es unbedingt auf Flugmodus schalten. Ein Anruf und der Stream ist futsch. Auch wichtig: Checkt vorher, ob das Handy tatsächlich den Ton über das angeschlossene Audiointerface (wie z. B. IK Multimedia iRig Stream, Evermix Mixbox oder Yamaha AG-03/06) erhält oder doch noch vom Mikrofon. Das gilt übrigens auch für normale Audio-DJ-Set-Mitschnitte mit dem Handy im Club oder daheim.

Dazu gehe ich bei meinem iPhone immer kurz vorher auf die mitgelieferte Sprachmemo-App und checke, ob ich Pegel beim Spielen von Musik bekomme, aber nicht beim Sprechen ohne Mikrofon. 

Produktlinks

IK Multimedia iRig Stream (Produktseite auf thomann.de)

Blackmagic Design ATEM Mini-Mixer (Produktseite auf thomann.de)

Yamaha AG-03 (Produktseite auf thomann.de)

Yamaha AG-06 (Produktseite auf thomann.de)

Zoom Q2n white (Produktseite auf thomann.de)

10. Kommt zusammen!

Einige Formate finden komplett live aus einem Club statt, manche führen die Streams aus den jeweiligen Privaträumen der DJs live zusammen, wieder andere kuratieren aus vorproduzierten Videos einen Stream, der als Event zu einem fixen Zeitpunkt ausgestrahlt wird. Was all diese Varianten gemeinsam haben ist jedoch, dass hier keine Einzelkämpfer am Start sind, sondern dass mehrere Faktoren zusammenfinden, um ein interessantes Angebot zu schaffen, das aus den vielen anderen Privatformaten heraussticht: bekannte und weniger bekannte DJs, ein Club oder ein Webportal, das für eine klare musikalische Ausrichtung bekannt ist und ein genau definierter Zeitrahmen. Also alles eigentlich wie im Club oder beim Festival, nur eben „from our bedroom to yours“.

Auch wenn ihr gerade nicht IRL („in real life“ im Streaming-Jargon) zusammen abhängen könnt: Tut euch zusammen und organisiert Streams als Kollektiv. Selbst wenn die Musik jedes Mal aus einem anderen „Bedroom“ kommt, könnt ihr mit einer einheitlichen Sendemaske euer kollektives Format etablieren. Ihr habt mehr Reichweite, mehr Konsistenz, weniger Stress und am Ende alle mehr Spaß und Erfolg. Und wer weiß, vielleicht wird diese Krise so für manche DJs „der Beginn einer wunderbaren Freundschaft“.

 

 

 

Veröffentlicht am 16.04.2020

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